Trumps positiver Coronatest erhöht Unsicherheit

05.10.2020

Nachdem die Finanzmärkte in der zweiten Septemberhälfte eine Kurskorrektur verkraften mussten, war diese bereits am Montagmorgen der abgelaufenen Woche wieder verdaut. Gestützt wurden die Märkte durch Hoffnungen auf ein gestärktes Wirtschaftswachstum. Dennoch blieb weiterhin die Unsicherheit erhöht.

Mit Interesse wurden Überlegungen von EZB-Chefin Christine Lagarde verfolgt, im Rahmen der Strategiereform künftig ähnlich der Fed das Inflationsziel nur im langjährigen Durchschnitt zu erfüllen. Nach einer langen Phase niedriger Inflationsraten würde die EZB somit für längere Zeit ein Überschreiten des Inflationsziels tolerieren. Lagardes Gedankenspiele bewegten die Märkte jedoch nur wenig. Überdies stand das erste TV-Duell der anstehenden US-Wahl an den Finanzmärkten hoch im Kurs. Im Vorfeld hatten die Anleger mit Vorsicht agiert. Da während der Diskussion eher persönliche Anfeindungen statt Inhalte im Vordergrund standen, reagierten die Aktienmärkte im Anschluss negativ. Daraufhin rückte die Wirtschaftslage verstärkt in das Marktinteresse. Überwiegend als enttäuschend wurde der US-Arbeitsmarktbericht für den September empfunden. Die Arbeitslosigkeit ging deutlich auf 7,9 % zurück, die Beschäftigung stieg weiter und auch legten die Löhne etwas zu. Insgesamt zeigte sich aber ein abnehmendes Erholungstempo, was zu Kursabschlägen am Aktienmarkt führte. In Deutschland entwickelte sich der Arbeitsmarkt hingegen freundlich (siehe hierzu auch die Ausführungen auf Seite 4). So zeigt die Erhebung der Bundesagentur für Arbeit eine deutliche geringe Anzahl an Arbeitslosen (2,487 Mio.). Im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt sind aber 613.000 mehr Menschen ohne Beschäftigung. Ferner sind die Zahlen der Anspruchssteller auf Kurzarbeitergeld gefallen (4,2 Mio. gegenüber 6,83 Mio. im April).

Zusätzlich sorgte das positive Coronatestergebnis von US-Präsident Donald Trump für Verunsicherung und Kursverluste am Aktienmarkt. Viele Anleger sahen das Testergebnis als Rückschlag für Trump bei der Präsidentschaftswahl, der von vielen als Garant steigender Aktienkurse gilt. Unabhängig davon führt der Test zu einer erhöhten Unsicherheit, die an sich schon belastend auf die Kurse wirkt.

Pessimismus dominiert den Ölmarkt

Die zukünftige Entwicklung des Ölmarktes ist entscheidend vom weiteren Verlauf der COVID- 19-Pandemie abhängig, die die Nachfrage nach Energie und Rohöl und damit auch die Preise beeinflusst. Eine vollständige Erholung wird daher erst für das Jahr 2022 erwartet. Ein etwas schwächerer US-Dollar ließ den Ölpreis im Wochenverlauf zwar geringfügig ansteigen. Der erhöhte Produktionsanstieg (geplante Rückkehr Libyens auf den globalen Ölmarkt) führte aber zu Nachfragesorgen. Am Freitagnachmittag kostete ein Fass Brent 39,35 US-Dollar pro Barrel und verlor auf Wochensicht 2,61 Cent. WTI notierte hingegen bei 36,90 US-Dollar. Dies entspricht einem Minus von 3,16 Cent zur Vorwoche.

Bunds in Krisensituationen gefragt

Trotz der unsicheren COVID-19-Lage hat es in der vergangenen Woche auf dem Rentenmarkt keine Flucht in deutsche Bundesanleihen gegeben. Zu Wochenbeginn ging die Nachfrage sogar etwas zurück, begünstigt durch bessere Einkaufsmanagerindizes in der Eurozone und einer aufgehellten Verbraucherstimmung in den USA. Die höhere Unsicherheit infolge der COVID-19-Infektion von Präsident Trump machte Bundesanleihen aber wieder stärker attraktiv. Am Freitagnachmittag rentierten zehnjährige Bundesanleihen bei rund –0,54 %, was einem leichten Rückgang von 1 Basispunkt im Vergleich zum Vorwochenultimo entspricht. Zehnjährige US-Treasuries rentierten bei gut 0,69 %, 4 Basispunkte im Plus.

Euro notiert wieder stärker

Auf dem Devisenmarkt konnte der Euro in der abgelaufenen Woche die Verluste aus der Vorwoche nahezu ausgleichen. Gründe hierfür finden sich im leicht schwächeren US-Dollar sowie der gesteigerten Risikofreude der Anleger. Der Euro profitierte stärker als der Dollar von den Wirtschaftsdaten. So betrug das Euro-Dollar Austauschverhältnis am Freitagnachmittag gut 1,17, rund 1 Cent mehr als zum Vorwochenultimo.

Seitwärtsbewegung am DAX

Seit seinem sprunghaften Anstieg am Montag (+3,2 %) hat sich der Deutsche Leitindex DAX im Wochenverlauf größtenteils seitwärts bewegt. Am Freitag musste der DAX dann aufgrund der COVID-19-Infektion von Präsident Trump einen Rückschlag hinnehmen. Er schloss am Freitagnachmittag bei 12.689 Punkten, was einem Wochenplus von 1,8 % entspricht. Der Dow Jones stand bei Handelsschluss bei 27.628 Punkten, 1,9 % im Plus.  

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR