Konjunktur: Unternehmensinsolvenzen vor einer Trendwende

15.04.2020

 

Zu Jahresbeginn und damit vor Ausbruch der Corona-Krise dauerte der langjährige Abwärtstrend in den amtlichen Daten zum Insolvenzgeschehen in Deutschland noch an.

Von den Amtsgerichten wurden im Januar 1.609 Unternehmens- und 5.453 Verbraucherinsolvenzen gemeldet. Die Anzahl der Firmenpleiten ist damit gegenüber Januar 2019 um deutliche 5,4 % gesunken; die Zahl der Verbraucherpleiten verminderte sich zeitgleich sogar um 7,1 %. Nach Wirtschaftsbereichen differenziert, gab es die meisten Insolvenzanträge erneut im Bereich Handel einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (275 Fälle) sowie in den Bereichen Baugewerbe (247 Fälle) und Gastgewerbe (185 Fälle).

Der BVR hat im Rahmen der März-Ausgabe des „Volkswirtschaft Kompakt“ eine neue Insolvenzprognose veröffentlicht. Demnach dürfte die langjährige Abwärtsbewegung der Insolvenzzahlen im Zuge der Corona-Krise 2020 zum Stillstand kommen. Exakte Prognosen zum künftigen Verlauf sind angesichts der massiven Unwägbarkeiten zwar nicht möglich. Auf der Grundlage unterschiedlicher Szenarien für die Wirtschaftsentwicklung und unter Einbeziehung einer Branchenanalyse können aber Größenordnungen zumindest grob abgeschätzt werden. Sollte die dämpfende Wirkung der weltweit ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ab Mai allmählich nachlassen (V-Szenario), wäre demnach 2020 mit einem Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um rund 14 % gegenüber dem Vorjahr zu rechnen. Sollte die Erholung hingegen erst im August einsetzen (U-Szenario), wäre eine Zunahme um etwa 26 % denkbar. Inwieweit ein solcher sprunghafter Anstieg der Insolvenzen eintritt oder vermieden werden kann, hängt sowohl davon ab, ob die wirtschaftspolitischen Maßnahmen zur Abfederung der Krise schnell genug greifen als auch vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie.

Industrie-Auftragsbestände im Februar noch stabil

In Deutschland hat sich die Industriekonjunktur vor Ausbruch der Corona-Krise merklich gefestigt. Dies zeigt sich nicht nur in den Daten zur Industrieproduktion und zu den Industrie-Neuaufträgen, sondern auch in den Angaben zu den Industrie-Auftragsbeständen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, waren die Auftragsbestände im Februar gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt minimal um 0,1 % gestiegen. Die Bestandsdaten folgten da-mit von der Tendenz her den Neu-Aufträgen, die im Zweimonatsverglich Januar/Februar gegen-über November/Dezember um 3,3 % stiegen. Für März zeichnet sich eine merkliche Verschlechterung der amtlichen Industrie-Verlaufsdaten ab.

Euroraum-Industrieproduktion vor Corona- Krise robust

Auch im Euroraum zeigte sich die Industriekonjunktur vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie stabil. Die Industrieproduktion ist nach aktuellen Angaben von Eurostat im Februar gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt nahezu konstant geblieben (-0,1 %). Zuvor, im Januar, hatte sie deutlich zugenommen (+2,3 %). Allerdings verlief die Entwicklung im Februar weniger einheitlich als zuvor. Während im Januar, mit Ausnahme des Energiesektors, alle Hauptgruppen zum Produktionszuwachs beitrugen, legte im Februar die Erzeugung lediglich bei den Herstellern von Energie (+0,7 %) sowie Vor-leistungs- und Verbrauchsgütern (jeweils +0,4 %) zu. Die Hersteller von Gebrauchs- (-2,0 %) und Investitionsgütern (-1,5 %) haben ihren Ausstoß hingegen im Februar deutlich vermindert. Im März ist im Zuge des virusbedingten Herunter-fahrens von wirtschaftlichen Aktivitäten mit einem massiven Rückgang der Industrieproduktion des Euroraums zu rechnen.

Rückgang der Inflationsrate auf 1,4 % bestätigt

Das Statistische Bundesamt hat inzwischen das zentrale Ergebnis seiner vorläufigen Angaben zur jüngsten Entwicklung der Verbraucherpreise bestätigt. Demnach fiel die Inflationsrate, gemessen am Verbraucherpreiseindex (VPI), von 1,7 % im Februar auf 1,4 % im März. Maßgeblich für den Rückgang der Gesamtrate waren die Energie-preise. Energiegüter verbilligten sich im Zuge des anhaltenden Ölpreisverfalls auf dem Weltmarkt um 0,9 %, nachdem sie sich im Februar noch um 2,0 % verteuert hatten. Besonders deutlich gaben die Preise für Heizöl (-19,6 %) nach. Zum Rückgang der Gesamtrate trugen darüber hinaus die Dienstleistungspreise bei, deren Anstieg sich leicht von 1,6 % im Februar auf 1,4 % verminderte. Im Gegensatz dazu nahm die Preisdynamik bei Nahrungsmitteln etwas zu (+3,7 % nach +3,3 % im Februar). Hier verteuerten insbesondere die Preise für Fleisch und Fleischwaren sowie Obst (jeweils +8,8 %) merklich. In naher Zukunft dürfte der Preisauftrieb auf der Verbraucherstufe moderat bleiben. Hierauf deuten nicht zuletzt die Industrie-Erzeugerpreise hin. Diese sind im Februar geringfügig um 0,1 % gesunken.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR