Finanzmärkte: us-chinesischer Handelskonflikt

11.11.2019

Annäherung, ja! Vollständige Auflösung der Differenzen, eher nicht.
Die auffallend optimistischen Töne, insbesondere von der chinesischen Seite, deuteten in den letzten Tagen und Wochen darauf hin, dass ein Phase 1 Abkommen zwischen den USA und China kurz vor der Unterzeichnung steht. Bereits im Mai dieses Jahres gab es hand-feste Indizien, dass es eine Einigung geben könnte. Letztlich sind diese vermeintlich an zu hohen Forderungen von chinesischer Seite gescheitert. Daher ist auch aktuell Skepsis angebracht. China hat sich zwar weiter angenähert als in den Monaten zuvor, so ist eine Öffnung des Finanz-sektors und auch der bessere Schutz von geistigem Eigentum Teil einer möglichen Lösung. Aller-dings verlangt China auch eine vollständige Rücknahme der 2019 beschlossenen US-Zölle. Dies sind mit den im Dezember in Kraft tretenden Zöllen etwa 270 Mrd. US-Dollar. Die restlichen Zölle von rund 240 Mrd. US-Dollar könnten schritt-weise bei weiteren Verhandlungserfolgen fallen. Im Gegenzug würde auch China die Zölle wieder senken und landwirtschaftliche Produkte in den USA kaufen. Offenen ist bislang der Mechanismus zu Überwachung eines neuen Handelsvertrages. Hier scheint es noch gravierende Differenzen zu geben. Der Zeitpunkt für das Entgegenkommen Chinas ist nicht ganz zufällig. Rund ein Jahr vor der nächsten Präsidentschaftswahl in den USA steht Donald Trump durch das drohende Impeachment mit dem Rücken zur Wand. China scheint sich zu erhoffen, dass sich daraus ein Er-folg und besserer Deal münzen lässt. Allerdings darf an dieser Stelle die Komplexität des Handels-streites nicht vergessen werden. Denn im Grunde teilen die Demokraten die Kritik an den chinesischen Handelspraktiken, wenngleich die Vorgehensweise der Administration für Aufregung sorgt. Ein zu schwaches Verhandlungsergebnis durch Trump würde zum Wahlkampfthema und somit zu einem vermeintlichen Vorteil für die Demokraten, die aktuell kaum mehr als die mangelnde Integrität des Präsidenten ins Feld führen. Ein Phase 1 Deal kann immer noch scheitern.

Bundrenditen durch risk on gestiegen

Die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen sind in der vergangenen Woche deutlich gestiegen. Aufgrund der positiven Signale aus China zum Handelsstreit war der sichere Hafen nicht gefragt und wurde verkauft. Am Freitag rentierten die zehnjährigen Papiere bei -0,26 %. US-Treasuries bei 1,95 %.

Ölpreise profitieren kaum…

… von den Fortschritten im Handelsstreit. Zwar stiegen die Notierungen für die US-Sorte WTI und auch für die europäische Sorte Brent im Wochen-verlauf wegen der positiven Nachrichten an, sanken aber anschließen auch wieder, sodass lediglich ein sehr geringer Wochengewinn zu verbuchen ist. Ursächlich sind sowohl die nur vorsichtigen Hoffnungen auf einer Einigung aber auch die Tatsache, dass ein Phase 1 Deal der Konfliktparteien wohl nicht ausreichen wird, um durch den Welthandel für Knappheit am Ölmarkt zu sorgen. Zudem ist sich die OPEC nicht einig über mögliche Förderkürzungen, sodass auch von der Angebotsseite keine preissteigernden Effekte zu er-warten sind. WTI notierte am Freitag bei etwa 57,40 Dollar pro Barrel und Brent bei etwa 62,60 Dollar. Beide im Wochenverlauf rund 1 Dollar höher.

Devisen: US-Dollar gestärkt

Der Wert des US-Dollars konnte in der letzten Woche recht deutlich zulegen. War in der Vorwoche noch eine Korrektur im Gange, so stieg der Wert infolge der vermeintlichen Fortschritte im Handelskonflikt von etwas über 1,117 US-Dollar pro Euro auf lediglich 1,102 US-Dollar pro Euro am Freitagabend. Die Marktteilnehmer gehen schein-bar von einer Stärkung der US-Wirtschaft aus, sollten sich beide Streitparteien im Handelskonflikt auf einen Phase 1 Deal einigen. Es wird sich zeigen, wie nachhaltig diese Annahme ist.

Aktien: Neue Hochs!

Während der US-Leitindex in der vergangenen Woche im Verlauf des Donnerstags (Freitag: 27.681 Punkte) auf ein neues Allzeithoch mit 27.770 Punkten kletterte, legte auch der deutsche Leitindex DAX deutlich zu. Mit 13.229 Punkten markierte dieser den höchsten Stand seit Januar 2018. Die Aktienindizes setzen somit den Trend der letzten Wochen fort. Seit Anfang Oktober gewann der Dow Jones über 2.000 Punkte, etwa 7,8 % hinzu. Auch der DAX steigerte sich deutlich um rund 1.350 Punkte beziehungsweise 11 Prozent. Die vorläufige Entlastung im Brexit trug ebenso wie die anhaltenden positiven Signale im Handelsstreit zum positiven Sentiment bei. Aktuell deutet alles darauf hin, dass der Dezember durch die Geopolitik ein richtungsweisen-der Monat für die Aktienmärkte sein könnte. Die Wahlen und Großbritannien schaffen hoffentlich Klarheit über den weiteren Verlauf des Brexit und ein Phase 1 Abkommen zwischen China und den USA könnte für eine notwendige Annährung im Handelsstreit sorgen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR