Finanzmärkte: US-Economy down

04.05.2020

Die Daten sind deutlich: Die US-Wirtschaft schrumpft im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 4,8 %. Insbesondere der Konsum, die Investitionen und der Export sind regelrecht eingebrochen.

Diese revisionsanfällige Schnellmeldung des BIP hat bereits die Konsensprognosen deutlich unterschritten. Es ist zu erwarten, dass eine Revision der BIP-Zahlen – in der weitere Daten verarbeitet werden – nochmals nach unten vorgenommen wird. Dies ist insofern beachtlich, als dass der Lockdown in Teilen der USA erst seit Mitte März – also gerade mal der letzten beiden Wochen des ersten Quartals – bestand. Zwar müssen auch die Reisebeschränkungen, die bereits Anfang Februar verhängt wurden, ebenfalls berücksichtigt werden. Der entscheidende Einschnitt in die Wertschöpfung der US-Wirtschaft war jedoch der Lockdown. Dies zeigt sich auch an den Arbeitsmarktdaten. Auch in der vergangenen Woche sind abermals mehr als 3 Mio. Neuanträge auf Arbeitslosengeld (für die Vorwoche) gemeldet worden. Innerhalb von sechs Wochen ist somit die Arbeitslosigkeit um 30 Mio. Menschen in den USA gestiegen. Die Arbeitslosenquote wird bei etwa 15 % vermutet, die offiziellen Daten für April werden erst Ende der neuen Woche veröffentlicht. Diese wiederum sollten einen deutlichen Hinweis geben, wie sich die Konjunktur in das zweite Quartal hinein entwickelt. Es muss davon ausgegangen werden, dass dieses nochmals schlechter abschneidet als das erste Quartal 2020. Unterdessen übersteigt die Infektionszahl in den USA die Grenze von 1 Mio. Menschen. Zugleich nähert sich die Zahl der an Covid-19 Verstorbenen der 70.000-Marke.

Allerdings nehmen auch in den USA die Diskussionen über ein Ende der einschränkenden Maßnahmen zu. Während vorwiegend Republikanische Gouverneure in einigen Bundesstaaten Lockerungen vornehmen, stehen insbesondere in den schwer betroffenen Regionen und zumeist Demokratische Gouverneure dem entgegen. Covid-19 wird somit auf direktem Weg zum Wahlkampfthema für die anstehenden Präsidentenwahlen. Donald Trump plädiert ebenfalls für eine vorsichtige Lockerung und sichert sich bereits durch die Anschuldigungen gegen China – das Virus sei durch Menschen erschaffen worden – ab. Das Vorgehen ist riskant. Denn eine zweite Welle der Pandemie wäre für die Weltwirtschaft verheerend – auch aufgrund der psychologischen Langzeitwirkung auf die Konsumenten.

Bundesanleihen profitieren von risk -off und der EZB

Die schlechten Konjunkturdaten erstreckten sich auch auf europäische Länder wie Frankreich und Italien bzw. die gesamte Eurozone. Letztere verbuchte im ersten Quartal einen Konjunktureinbruch von 3,8 % zum Vorquartal. Auch die EZB zeigte in Ihrer Prognose am Donnerstag die möglichen Auswirkungen der Pandemie und somit des Lockdowns aus. Die Notenbank rechnet mit einer schweren Rezession und einem Rückgang der Wirtschaftsleistung in der Eurozone von 5 bis 12 %. Neben einem neuen Kreditprogramm zur Liquiditätssicherung des Bankensystems PELTRO (Pandemic Emergency Longer -Term Refinancing Operations) stützt insbesondere eine Zinssenkung bei den bestehenden TLTROs die Bundesanleihen. Zudem scheint die EZB bereit zu sein, die bisher selbst gesetzte Grenze – maximal 33 % der Staatsanleihen eines Landes anzukaufen – abzuweichen. Denkbar ist ein Aufstocken auf bis zu 50 %. Die EZB bleibt somit auf unabsehbare Zeit der Garant der Eurozone und heilt etwaige Fehler der Fiskalpolitik. Ergänzt wurde dieses Umfeld von einer außerplanmäßigen Herabstufung italienischer Staatsanleihen durch Fitch. Diese sind zwar noch im Investmentgrade geratet, aber nur noch knapp darüber. Entsprechend nachgefragt war der sichere Hafen. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Donnerstagabend, dem 30. April, mit -0,575 %, US -Pendants bei rund 0,62 % und italienische Papiere bei 1,78 %.

Hoffnung am Ölmarkt treibt Preise

Die Hoffnung auf ein schnelles Ende des Lockdowns in den wichtigen Industrienationen lassen die Ölpreise wieder leicht steigen. Auch die angekündigten Produktionskürzungen sorgen für eine Hoffnung auf ein neues Gleichgewicht am Ölmarkt. WTI stieg im Wochenverlauf auf 19,74 Dollar und Brent auf 26,60 Dollar pro Barrel.

Aktien im Aufwind – bis die Daten kommen

An den Aktienmärkten herrschte auch in der vergangenen Woche weiter Aufwind. Die Aussichten auf Lockerungen der Pandemiemaßnahmen sorgten im Verlauf der Woche für ein Plus von 5 % im DAX – trotz des Rückschlags am Donnerstag im Zuge der düsteren Prognose der EZB. Der DAX notierte am Donnerstag bei 10.862 Punkten. Der Dow Jones schloss in etwa auf dem Niveau des Wochenstarts bei 23.724 Punkten und damit rund 1.000 Punkte unter dem Wochenhoch. Am Freitag kamen Sorgen um das US - chinesische Verhältnis auf, da Trump China für die Entstehung und Verbreitung des Virus verantwortlich macht e. Ein Wiederaufflammen des Zollstreites käme denkbar ungünstig.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR