Finanzmärkte: US-Wirtschaft vor harter Landung

06.04.2020

Das Coronavirus ist nun vollends in den Vereinigten Staaten angekommen. Am Wochenende haben die positiven Test die Zahl von 300.000 Personen überschritten und die Anzahl der Menschen, welche dem neuartigen Virus in den USA zum Opfer gefallen sind, stieg auf über 9.000 am Sonntag.

In den kommenden Wochen sind weiterhin hohe Fall- und Opferzahlen zu erwarten, da statistisch gesehen, die Sterberate erst in der dritten Woche der Infektion sehr hoch ist. Die restriktiven Maßnahmen in den USA haben sehr spät begonnen, weshalb eine deutlich steigende Opferzahl zu erwarten ist. Unterdessen macht sich die Unsicherheit aber auch der Lockdown in den ökonomischen Stimmungsindikatoren bemerkbar. Die Einkaufsmanagerindizes für März sind deutlich gefallen. Die Geschwindigkeit der Virusausbreitung überfordert allerdings die Aussagekraft der statistisch erhobenen Indikatoren. Einen Ausblick auf das wahre Ausmaß der Wirtschaftskrise in den USA lieferte zuletzt lediglich die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosengeld. Diese sind in den beiden Wochen vor dem 28. März zusammengenommen um 10 Mio. Anträge nach oben geschnellt. Zum Vergleich: in den beiden davorliegenden Wochen meldeten sich zusammen etwa 500.000 Menschen erstmalig arbeitslos.

Während der Finanzkrise lag die wöchentliche Höchstmarke bei rund 650.000 Anträge. Die Dimension der aktuellen Krise lässt sich somit erahnen. Die am Freitag vermeldeten offiziellen Arbeitsmarktdaten sind zwar ebenfalls deutlich schlechter ausgefallen als erwartete – die Arbeitslosenquote stieg von 3,5 % im Vormonat auf 4,4 % im März – allerdings bildeten sie lediglich die Entwicklung bis zum 12. März ab. Die anschließende Explosion der Erstanträge werden erst die Daten für April abdecken. Für die Märkte bedeuten diese Entwicklungen Ausnahmezustand. Allerdings scheint die Wucht der harten ökonomischen Landung an den Märkten bisher nicht zur Panik geführt zu haben. Möglicherweise hoffen die Marktteilnehmer, dass die Pandemie nach kurzer Zeit vorübergeht und sich die Situation stabilisiert. Sollte allerdings eine längere Dauer absehbar sein, werden die Folgekosten in den Mittelpunkt rücken.

Trump-Tweet puscht WTI-Öl um 20 %

Ergänzt wird die ohnehin unberechenbare Krise der Corona-Pandemie durch Sorgen um den amerikanischen Ölsektor. Die zuletzt niedrigen Rohölpreise reichen nicht, um kostendeckend Schieferöl zu produzieren. Die Produzenten sind allerdings hoch verschuldet. Die Angst wächst, dass bei einer Insolvenzwelle die Kreditgeber – zumeist amerikanische Banken – in Mitleidenschaft gezogen werden. Diese Doppelkrise wäre auch für die Weltwirtschaft hochproblematisch. Entsprechend nervös reagiert somit auch der US-Präsident, der am Freitag via Twitter verkündete, dass er aus einem Telefonat mit dem saudischen Kronprinzen von saudisch-russischen Gesprächen über Förderkürzungen erfahren haben will. Der Preis für die US-Sorte WTI sprang in der Folge um 20 % und der für Brent sogar um 30 % nach oben. Mit Blick auf mögliche Gespräche der OPEC+ am Donnerstag ging der Barrel WTI mit 28,90 US-Dollar und Brent mit 34,60 US-Dollar ins Wochenende.

Staatsanleihen in Europa leicht schwächer

Während die europäischen Staatsanleihen in den großen Euro-Ländern leicht schwächer notierten, – und die Renditen somit leicht stiegen – sanken die Renditen für US-Treasuries weiter. US-Papiere sind gefragt, was eher nicht an dem Vertrauen in der Krisenbewältigung der US-Regierung liegt, sondern vielmehr an dem von der Fed in Aussicht gestelltem unbegrenzten Ankaufprogramm für Staatsanleihen. Zehnjährige Treasuries rentierten zum Wochenende mit etwa 0,60 %. In Europa lasten hingegen die Diskussion um die Kostenverteilung der Pandemiefolgen auf den Staatsanleihen. Von einer Ausweitung des Angebotes an Staatsanleihen kann fest ausgegangen werden. Die Unsicherheit, ob dies durch die einzelnen Nationalstaaten oder durch die EU – in welcher Form auch immer – abgesichert wird, führt dazu, dass sowohl Anleihen mit sehr guter Bonität als auch Anleihen mit einem schlechteren Rating weniger gefragt sind. Zwar besteht mit dem OMT-Programm der EZB ebenso wie in den USA ein Instrument zum unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen, allerdings steht mit der offenen Frage der Refinanzierung der Kosten in Europa an den Märkten auch wieder die Frage der Fragilität der Eurozone an.

Aktienmärkte in Wartestellung

Der Deutsche Leitindex DAX verbucht in der vergangenen Woche nur leichte Kursverluste von rund 140 Punkten auf 9.526 Punkten. Die Marktteilnehmer warten auf Fakten, hinsichtlich der Folge der Pandemie. Auch der Dow Jones ist mit lediglich geringen Abschlägen von rund 600 Punkten ins Wochenende gegangen und notierte am Freitagabend bei 21.053 Punkten. In der kommenden Woche stehen neben dem ISM für das Verarbeitende Gewerbe wieder die wöchentlichen Erstanträge im Fokus.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR