Finanzmärkte: USA, China, Hongkong und der US-Kongress

25.11.2019

In der beginnenden letzten November-Woche scheint ein Phase-1-Deal im Handelsstreit zwischen China und den USA wenig wahrscheinlich. Trotz Annäherungen bei der Sicherung von geistigem Eigentum, bleibt neben grundsätzlichen Fragestellungen wie einer Reduzierung der bereits beschlossenen Zölle auch die Abnahme der landwirtschaftlichen Produkte durch China strittig.

Die US-Seite drängt auf eine feste Abnahmemenge, um dies für den Wahlkampf im kommen-den Jahr nutzen zu können. Auf dem Land findet sich die wichtigste Wählergruppe von Donald Trump wieder. Für die US-Seite ist dies daher ein entscheidendes Element eines Phase-1-Deals. Für China wiegen die Entscheidungen des US-Kongresses hinsichtlich Hongkong schwer. Dieser hatte kürzlich Sanktionen angekündigt, sollte China den Sonderstatus Hongkongs in Frage stellen oder mit Gewalt gegen die Demonstranten vorgehen. Die Bezirkswahlen in Hongkong, in denen die Bürger der Opposition symbolisch den Rücken stärkten, sollten die Position des Kongresses stärken.

Auch wenn Donald Trump versucht Hongkong aus den Verhandlungen herauszuhalten, kann China dies nicht vollends ignorieren. Entscheidender Faktor für den Abschluss eines Abkommens scheint aber weiterhin eine opti-male Terminierung für Donald Trump zu sein. Sollte er bereit sein, Teile der beschlossenen Zölle zurückzunehmen, könnte es schnell gehen. Ihm nützt dies vor der Wahl im kommenden Jahr oder um vom laufenden Impeachment-Verfahren abzulenken. Letzteres könnte vor Weihnachten noch an Fahrt aufnehmen. Ob Trump aber vor dem 15. Dezember 2019 – an dem die nächsten Zölle in Kraft treten – zustimmt, bleibt ungewiss, wenngleich die Anreize für beide Seiten größer geworden sind.

Bunds im Wochenverlauf uneinheitlich

Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit rentierten zum Wochenende mit rund -0,36 % deutlich unter dem Niveau der Vorwoche. Ur-sächlich war insbesondere die abnehmende Zuversicht auf den Phase-1-Deal zwischen China und den USA – der sichere Hafen wurde gesucht. Allerdings waren die Zeichen zum Wochenende hin wieder etwas versöhnlicher, weshalb die Renditen von ihrem Tief am Mittwoch von unter -0,38 Prozent wieder leicht gestiegen waren. US-Treasuries mit der gleichen Restlaufzeit rentierten am Freitag mit 1,78 %.

Spannungen am Golf und Angebotsknappheit

Die Ölpreise sorgten in der vergangenen Woche für ein auf und ab. Während zu Beginn der Woche insbesondere pessimistische Erwartungen im Handelskonflikt auf die Stimmung und die Kurse drückten, sorgten ab Mittwoch Spekulationen über ein knapperes Angebot für einen Preisauftrieb. Neben den unter Erwartung gestiegenen Lagerbeständen in den USA waren es Gerüchte über eine Verlängerung der Förderdrosselung durch die OPEC(+) bis Mitte 2020, welche den Preis stützten. Auch die Unruhen in Iran – für die das Ausland verantwortlich gemacht wird – sorgten für höhere Preise. Die US-Sorte WTI notierte am Freitagabend bei etwa 58 Dollar pro Barrel, während die europäische Sorte Brent mit rund 63,50 Dollar pro Barrel ins Wochenende ging.

Dollar-Schwäche ab dem 15. Dezember?

Der Handelskonflikt hinterlässt auch am Devisen-markt seine Spuren. In der vergangenen Wochezeich nete der Euro-Dollar Kurs das Schwanken zwischen Hoffnung und Bangen nach. Sollte es zu einer Einigung zwischen China und den USA kommen, würde dies den US-Dollar stärken. Sollte absehbar werden, dass eine Einigung in diesem Jahr nicht mehr zu Stande kommt, würde dies den Dollar schwächen.

Insbesondere eine Aktivierung der bereits beschlossenen weiteren Stufe von US-Zöllen am 15. Dezember sollte am Markt vor Weihnachten nochmals für Unruhe sorgen. Für das britische Pfund ging es in den letzten Wochen deutlich nach oben. Der Wert gegenüber dem Euro stieg seit Ende August um über 6 %. Die Aussicht auf einen geregelten Brexit sind deutlich gestiegen. Auch die Aussicht, dass Boris Johnson die anstehenden Wahlen gewinnt, beruhigt eher als umgekehrt. Einen geregelten Brexit unter Boris Johnson verspricht eine wirtschaftsorientierte Politik. Da schaden dem britischen Pfund selbst teure Wahlversprechen – welche das Leistungsbilanzdefizit weiter erhöhen würde – kaum. Das Pfund notierte am Freitag bei 0,8564 Pfund pro Euro.

DAX auf Jahreshoch

Der DAX markierte in der vergangenen Woche, während kurzzeitiger Hoffnungen auf einen Handelsdeal, ein neues Jahreshoch mit 13.374 Punk-ten. Seit Jahresbeginn hat der deutsche Leitindex somit rund 30 % hinzugewonnen. Auch wenn der Rest der Woche nicht ganz so positiv verlief, notierte der Index am Freitag mit 13.164 Punkten versöhnlich. Auch der Dow Jones ist auf Rekord-kurs und beendete die Woche mit 27.876, etwa 300 Punkte unter dem Allzeithoch.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR