Finanzmärkte: V-(U)-W-L und europäische Solidarität

25.05.2020

Die breite Masse der Volkswirte versucht aus den eingehenden Daten Schlüsse zu ziehen, wie die einzelnen Volkswirtschaften aus der Corona-Krise herauskommen werden.

Die zu erwartenden Szenarien wirken sich auch entsprechend auf die Kapitalmärkte aus. Die Perspektiven unterscheiden sich je nach Region und Land, nicht nur aufgrund der jeweiligen Phase der Pandemie. Und natürlich ist eine der Variablen die große Unbekannte: Gibt es eine zweite Welle? Für Deutschland wird bisher auch aufgrund der umfangreichen fiskalischen Stützungsmaßnahmen von einer Entwicklung eines V ausgegangen. Also nach einem tiefen Fall des Bruttoinlandsproduktes im zweiten Quartal eine anschließende schnelle Erholung in den Folgequartalen. Das Risiko einer langgezogenen Entwicklung steigt jedoch mit der Länge des Lockdowns. Und dies nicht, weil Deutschland in der Krise seine Hausaufgaben nicht machen würde, vielmehr, weil gerade die deutsche Volkswirtschaft vom Export und somit der Entwicklung in den Importländern abhängig ist. Der Blick nach China zeigt, dass der Wachstumsmotor der letzten Jahrzehnte in diesem Jahr zum Erliegen kommen wird. Die anderen Schwellenländer, insbesondere in Südamerika stehen mitten in der Hochphase der Pandemie, ebenso wie die USA. Die unkontrollierte Verbreitung des Virus sorgt für große Unsicherheit bei Verbrauchern und Unternehmen und spricht in der Folge für die Möglichkeit eines L-Verlaufes. Der Aufbau der Kapazitäten in den USA – insbesondere der Personalaufbau, wie er vor der Krise herrschte - könnte langsam und sehr zäh verlaufen. Das L sich somit nur langsam heben. Ähnlich sieht es mit den europäischen Nachbarn – insbesondere Südeuropa – aus. Somit straucheln auf allen Kontinenten die für den deutschen Export wichtigen Volkswirtschaften. Das Niveau der Produktion kann erst wieder erreicht werden, wenn auch für einen Großteil der Importeure umfangreiche Lockerungsmaßnahmen greifen. Dabei muss allerdings eine zweite Welle der Pandemie vermieden werden, diese würde aus ökonomischer Sicht das W auslösen. Wobei der zweite Bogen des Buchstaben ungleich größer ausfallen würde. In Europa kommen strukturelle Probleme hinzu, welche fiskalische Maßnahmen behindern. Eine, wie auch immer aussehende, europäische Solidarität ist unausweichlich um nicht wieder den Euro infrage zu stellen und die EZB in die monetäre Staatsfinanzierung zu zwingen.

Bunds schwächer durch Impfung

Bundesanleihen gaben bereits zu Beginn der Woche nach. Ausschlaggebend war das risk on der Marktteilnehmer infolge von positiven Meldungen zur Entwicklung eines Impfstoffes gegen Sars-Cov-2. Der sichere Hafen wurde nicht nur zugunsten von Aktien sondern auch italienischer und spanischer Staatsanleihen verlassen. Zum Ende der Woche wurden Bundesanleihen jedoch wieder verstärkt gesucht, da sich das Verhältnis zwischen China und den USA weiter zu verschlechtern scheint. Es droht auf Basis der Erfüllung des Phase-1-Abkommens und der Vorwürfe zur Verschleierung der Corona-Pandemie gegenüber China zu einer neuen Spirale von Zöllen zu kommen. Beide Gründe können von der US-Seite als Vorwand betrachtet werden und den Fokus in den kommenden Monaten vor der Wahl auf vermeintliche Erfolge von Donald Trump zu lenken. Der Streit wird die Märkte also weiterhin beschäftigen müssen. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Freitag bei -0,49 %. Italienische und spanische Pendants bei 1,61 % bzw. 0,72 %. Zehn-jährige US-Treasuries rentierten bei rund 0,66 %.

USA-China-Streit belastet Ölpreise…

… und die Sommerferien auch. Die Nachrichten über eine mögliche neue Runde im Handelsstreit zwischen China und den USA haben die Preisrallye der letzten beiden Wochen unterbrochen. Obwohl durch die Einigung zwischen Russland und Saudia-Arabien die Angebotsseite am Markt nun beruhigt wurde, bleibt die Nachfrageseite die Achillesverse. Sollte der Handelskonflikt erneut entbrennen, würde dies die Nachfrage wieder deutlich bremsen. Hinzu kommt die Befürchtung des Ausbleibens der Sommer-Reisewelle – insbesondere in den USA, welche die Nachfrage nach Benzin deutlich senken sollte. Neben dem Lockdown und damit verbundenen Reisebeschränkungen sprechen insbesondere die hohe Arbeitslosigkeit für ein Ausbleiben der Reisesaison auch in Europa.

Aus den Augen aus dem Sinn

Japans Wirtschaftseinbruch fiel im ersten Quartal weniger deutlich aus als erwartet. Ergänzt um erste Lockerungen in einigen der großen Volkswirtschaften und der Aussicht auf einen baldigen Impfstoff führten dies dazu, dass der Optimismus der Börsianer wieder deutlich stieg. Bereits am Montag überstieg der Dax die Marke von 11.000 Punkten und notierte zum Wochenende bei 11.074 Punkten. Auch der Dow Jones legte kräftig zu und notierte zum Wochenende bei 24.465 Punkten.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR