Verbesserung der Konjunkturerwartungen

19.08.2020

 

Im August sind die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland wieder gestiegen. Der auf einer monatlichen Umfrage unter Finanzmarktfachleuten basierende Indikator legte um deutliche 12,2 Punkte auf 71,5 Punkte zu, nachdem er im Juli etwas gesunken war.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen folgen bereits seit Beginn der Lockerungen der Corona-Krisenmaßnahmen im April einem Aufwärtstrend. Zur jüngste Verbesserung des Indikators trugen unter anderem die Juni- Verlaufsdaten zur hiesigen Industriekonjunktur und zum Außenhandel bei, die überwiegend positiv ausfielen und das Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung stärkten. Im Gegensatz zu den Erwartungen wurde die aktuelle Wirtschaftslage Deutschlands im August allerdings pessimistischer beurteilt. Der entsprechende ZEW-Indikator sank geringfügig um 0,4 Punkte auf -81,3 Punkte. Insgesamt deuten die aktuellen Umfrageergebnisse darauf hin, dass die Erholung vom gesamtwirtschaftliche Einbruch im 1. Halbjahr nur langsam einsetzt. In den ersten beiden Quartalen des Jahres war das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt Deutschlands nach inzwischen bestätigten amtlichen Angaben mit Verlaufsraten von -2,0 % und -10,1 % gesunken.

Insolvenzen tendieren noch immer abwärts

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie spiegeln sich noch immer nicht in den amtlichen Daten zum Insolvenzgeschehen wider. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden jüngst, im Mai, von den Amtsgerichten 1.504 Unternehmens- und 4.335 Verbraucherinsolvenzen gemeldet. Die Zahl der Firmenpleiten ist damit gegenüber dem Vorjahresmonat um 9,9 % zurückgegangen. Bei den Verbraucherpleiten nahm die Fallzahl binnen Jahresfrist um 23,4 % ab. Ein Grund für den starken Rückgang der Insolvenzzahlen ist, dass der Betrieb der Insolvenzgerichte im Mai weiterhin eingeschränkt war und sich dadurch die Bearbeitungszeiten verlängerten. Zudem ist davon auszugehen, dass viele Unternehmen und Verbraucher den Zeitpunkt ihres Insolvenzantrags wegen der Coronakrise zeitlich nach hinten verschoben haben und noch immer verschieben. Begünstig wird dies dadurch, dass die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen seit dem 1. März mit Wirkung bis zum 30. September ausgesetzt ist. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht kündigte zuletzt an, die Aussetzung für Fälle von Überschuldung noch bis März 2021 verlängern zu wollen. Vor diesem Hintergrund ist in naher Zukunft zunächst mit einem weiteren Rückgang der Insolvenzzahlen zu rechnen. Dies legt auch der neue Trendindikator des Statistischen Bundesamtes zu den Insolvenzbekanntmachungen nahe, der im Juli um 29,1 % sank.

Rückgang der Verbraucherpreise bestätigt

Nach aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamtes sind die Verbraucherpreise in Deutschland im Juli gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat um 0,1 % gesunken. Das Bundesamt bestätigte damit das zentrale Ergebnis seiner Ende Juli veröffentlichten ersten Schätzungen. Im Juni hatte die Inflationsrate noch bei 0,9 % gelegen. Maßgeblich für den Rückgang der Verbraucherpreise war die Senkung der Mehrwertsteuersätze im Rahmen des Konjunkturpakets der Bundesregierung. Wie erwartet, wurden die Steuersätze- Verminderungen allerdings nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben. Wäre die Mehrwertsteuersenkung vollumfänglich und sofort weitergereicht worden, wäre die Inflationsrate nach amtlichen Modellschätzungen um 1,6 Prozentpunkte niedriger ausgefallen. Im Zuge der Steuersätze-Senkung verminderten sich die Preise für Waren um 1,4 %. Bei den Dienstleistungspreisen (+1,2 %) setzte sich hingegen der Anstieg der Vormonat fort. In naher Zukunft wird die Inflationsrate voraussichtlich nahe der Null-Prozent-Marke bleiben. Im Jahresdurchschnitt 2020 dürfte die Verbraucherpreise gemäß der aktuellen Sommer-Konjunkturprognose des BVR um 0,3 % steigen. Für 2021 wird in der Prognose eine Zunahme der Inflationsrate auf 1,5 % erwartet.

Weitere Erholung der Industrieproduktion im Euroraum

Im Euroraum hat sich die Erholung der Industrieproduktion fortgesetzt. Wie Eurostat anhand vorläufiger Daten mitteilte ist der Ausstoß im Juni gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 9,1 % gestiegen, nachdem er bereits im Mai (+12,3 %) merklich zugelegt hatte. Der im März und April im Zuge des virusbedingten Lockdowns eingetretene Produktionseinbruch wurde damit in etwa zur Hälfte wieder ausgeglichen. Für den jüngsten Zuwachs waren in erster Linie die Hersteller von Gebrauchs- (+20,2 %) und Investitionsgütern (+14,2 %) verantwortlich. Aber auch bei den Herstellern von Vorleistungs- (+6,7 %) und Verbrauchsgütern (+4,8 %) sowie im Energiebereich (+2,6 %) legte die Erzeugung merklich zu. In den nächsten Monaten dürfte die Industrieproduktion weiter zulegen. Das Wachstumstempo dürfte aber schwächer werden. Hierauf lässt auch der Order-Indikator schließen, der im Juli zwar um 5 Punkte zulegte, sich mit -44 Punkten aber nach wie vor auf einem niedrigen Niveau befindet.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR