Konjunktur: Verhaltene Industrieproduktion

13.11.2019
 

 

Die deutsche Industrie zeigt sich weiterhin in einer schwachen Verfassung.

Nach vorläufigen An-gaben des Statistischen Bundesamtes ist die Er-zeugung des Verarbeitenden Gewerbes im September gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,3 % gesunken. Zu-vor, im August, hatte sie leicht aufwärtsrevidiert um 0,8 % zugelegt. Im gesamten 3. Quartal war ein Produktionsrückgang um 1,1 % zu verzeichnen, der damit gleichwohl geringer ausfiel als im 2. Quartal (-1,6 %). Im Gegensatz zur Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe nahm die Produktion im Baugewerbe jüngst um deutliche 1,8 % zu. Über das gesamte 3. Quartal betrachtet stagnierte die Bauproduktion jedoch. Alles in allem signalisieren die jüngsten Produktionsdaten, dass das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutschlands im 3. Quartal erneut gesunken sein könnte, nach einem leichten Rückgang mit einer Verlaufsrate von -0,1 % im 2. Quartal. Damit wäre die deutsche Wirtschaft in eine technische Rezession geraten. Angesichts der nach wie vor grundsoliden Verfassung des Arbeitsmarktes, der vielfach deutlich steigenden Reallöhne und der stärker expansiv ausgerichteten Fiskalpolitik dürften die Konsumausgaben aber einen BIP-Rückgang im 3. Quartal verhindert haben. Erste amtliche Angaben zur BIP-Entwicklung im Sommerquartal wird das Statistische Bundesamt an diesem Donnerstag veröffentlichen.

Auftragseingang stimmt optimistisch

Der Ausblick auf die künftige Industrieentwicklung hat sich im September etwas aufgehellt. Die Industrieunternehmen nahmen im Vormonats-vergleich preis-, kalender und saisonbereinigt 1,3 % mehr Neuaufträge entgegen. Dabei legten die Aufträge aus dem Inland (+1,6 %) etwas stärker zu als die Bestellungen aus dem Ausland (+1,1 %). Im gesamten 3. Quartal gab der Industrie-Auftragseingang allerdings um 1,0 % nach, was angesichts des schwierigen globalen Umfelds mit schwächerer Weltkonjunktur, Handelskonflikten und drohendem Brexit nicht verwundert. Neben den Neuaufträgen stimmen auch die jüngst etwas weniger negativ ausgefallenen Geschäfts-erwartungen der Industrieunternehmen optimistisch. Ob es im Jahresendquartal bei der Industrie-konjunktur zu einer Trendwende kommen wird, bleibt abzuwarten.

Günstige Außenhandelsdaten

Die amtlichen Indikatoren zum grenzüberschreitenden Handel der deutschen Wirtschaft sind im September überwiegend positiv ausgefallen. Gemäß den Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden von Deutschland Waren im Wert von 114,2 Mrd. Euro exportiert und Waren im Wert von 93,0 Mrd. Euro importiert. Die Ausfuhren legten damit gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat um 4,6 % zu. Bei den Einfuhren war ein Zuwachs um 2,3 % zu verzeichnen. Im längerfristigen Vergleich der Monaten Januar bis September expandierten die Ausfuhren allerdings lediglich um 0,9 %, gedämpft durch die schwierigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Einfuhren stiegen hingegen zeitgleich mit 2,0 % etwas stärker, was auf die nach wie vor hohe binnenwirtschaftliche Nachfrage schließen lässt. Auch im Vormonatsvergleich ist der Außenhandel im September gestiegen. Die Ausfuhren legten kalender- und saisonbereinigt gegenüber August um deutliche 1,5 % zu und damit in ähnlicher Größenordnung wie die Einfuhren (+1,3 %).

Stärkerer Rückgang der Erzeugerpreise

Im Euroraum hat sich der Rückgang bei den Industrie-Erzeugerpreisen beschleunigt fortgesetzt. Wie Eurostat mitteilte, lag der Erzeugerpreisindex im September um 1,2 % unter seinem entsprechenden Vorjahresmonatsstand. Im August waren die Erzeugerpreise um 0,8 % gesunken. Hauptgrund für die rückläufige Preisentwicklung auf der Erzeugerstufe sind weiterhin die Energie-preise. Energie verbilligte sich im September um 6,1 % und damit stärker als im Vormonat (-4,9 %). Auch bei den Vorleistungsgütern hat sich der Preisrückgang verstärkt (-0,7 % nach -0,4 % im August). Im Gegensatz zu den Energie- und Vor-leistungsgüterpreisen zeigten die Preise für Verbrauchs- (+1,1 %), Investitions- (+1,5 %) und Gebrauchsgüter (+1,6 %) abermals moderate An-stiege. Insgesamt geht von den Erzeugerpreisen nach wie vor kaum eine steigernde Wirkung auf die Verbraucherpreise aus. Die Verbraucher-preise, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), waren zuletzt, im Oktober, lediglich um 0,7 % gestiegen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR