Finanzmärkte: Virusängste treten in den Hintergrund

10.02.2020

An den Finanzmärkten ist in der zurückliegenden Woche wieder mehr Zuversicht eingekehrt.

An den Finanzmärkten ist in der zurückliegenden Woche wieder mehr Zuversicht eingekehrt. Die Sorgen vor den Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie, die in den vergangenen Wochen das Marktgeschehen stark beeinflusst haben, sind etwas in den Hintergrund getreten. Zwar breitet sich das Virus noch immer weiter aus. Nach amtlichen chinesischen Angaben sind inzwischen über 800 Menschen an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben und damit mehr als während der Sars-Epidemie von 2003. Jedoch kam verstärkt die Hoffnung auf, dass ein wirksames Therapiemittel entwickelt werden kann. Zudem pumpte die Zentralbank Chinas umfangreiche Finanzmittel in die Geldmärkte, mit dem Ziel die Folgen der Virus-Ausbreitung abzumildern.

Für mehr Zuversicht an den Märkten sorgte zudem die Ankündigung, dass China einige Zölle auf US-Importe mit Wirkung zum 14. Februar halbieren wird. Dies nährte die Hoffnung auf eine nachhaltige Beilegung des Handelskonflikts zwischen den USA und China. Positiv stimmten auch die jüngsten Daten zum US-Arbeitsmarkt, die insgesamt unerwartet günstig ausfielen. So wurden im Januar in der US-Wirtschaft (ohne Agrarsektor) 225.000 Neueinstellungen verzeichnet. Analysten hatten zuvor lediglich mit einem Plus von160.000 gerechnet.

Vor dem Hintergrund der allgemein rückläufigen Verunsicherung waren die als sicherer Hafen geltenden Staatsanleihen der USA und Deutschlands weniger gefragt. Die Umlaufrendite von deutschen Staatsanleihen lag am Freitag, dem 7. Februar, bei -0,39 % und damit um 3 Basispunkte über ihrem Stand vom Freitag der Vorwoche. Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit notierten am Freitag bei rund -0,38 %, 6 Basispunkte über dem Vorwochenultimo. Zehnjährige USStaatsanleihen legten Zeitgleich ebenfalls um 6 Basispunkte zu, auf knapp 1,58 %.

Weiter rückläufige Ölpreise

Die Rohölpreise standen in der zurückliegenden Woche erneut unter Druck, auch wegen der Furcht vor einer geringeren Nachfrage im Zuge der Coronavirus-Epidemie. Nordseeöl der Sorte Brent wurde am Freitag bei 55,1 US-Dollar je Barrel gehandelt und hat sich damit binnen Wochenfrist um 3,1 Cent verbilligt. Der Preis der amerikanischen Ölsorte WTI sank ebenfalls um 1,2 Cent auf 50,3 US-Dollar.

US-Dollar gewinnt gegenüber dem Euro leicht an Wert

Der US-Dollar wurde zum Ende der vergangenen Handelswoche durch die günstigen US-Arbeitsmarktdaten gestützt. Demgegenüber setzten einige schwach ausgefallene Konjunkturnachrichten aus dem Euroraum den Eurokurs unter Druck. So ist die Industrieproduktion in Deutschland, der größten Volkswirtschaft des Währungsraums, im Januar unerwartet deutlich zurückgegangen. Auch die jüngsten Monatsdaten zum Außenhandel und zum Industrie-Auftragseingang in Deutschland fielen verhalten aus. Der Eurokurs gab vor diesem Hintergrund im Wochenvergleich leicht nach. Er lag nach EZB-Angaben am Freitag, dem 7. Februar, bei 1,09 US-Dollar, 1 Cent unter seinem Vorwochenultimo.

Aktienmärkte schließen deutlich im Plus

Die nachlassenden Ängste über die Folgen der Coronavirus-Epidemie und die Perspektive auf eine anhaltende Beilegung des US-chinesischen Handelskonflikts haben die Aktienkurse an den Börsen dies- und jenseits des Atlantiks steigen lassen. Der Deutsche Aktienindex DAX kletterte zeitweise über 13.600 Punkte, konnte dieses Niveau zum Ende der Handelswoche aber nicht halten. Binnen Wochenfrist legte der DAX um kräftige 4,1 % auf 13.513 Punkte zu und glich damit den Rückgang der Vorwoche weitestgehend wieder aus. Der Dow Jones stieg um 3,0 % auf 29.102 Punkte. In der heute beginnenden neuen Handelswoche dürfte das Marktgeschehen weiterhin durch die Nachrichtenlage zum Coronavirus beeinflusst werden. Sollte ein wirksames Therapiemittel entwickelt werden können, dürfte dies die Risikobereitschaft der Investoren weiter erhöhen. Im Fokus der Märkte dürften zudem einige Konjunkturindikatoren stehen, wie das von der Uni-Michigan für Januar ermittelte US-Verbrauchervertrauen oder die ersten vorläufigen amtlichen Daten zur BIP-Entwicklung in Deutschland im Jahresendquartal 2019.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR