Finanzmärkte: Virussorgen haben Marktentwicklung fest im Griff

03.02.2020

An den Finanzmärkten hat der in China weiter um sich greifende Coronavirus die Stimmung spürbar belastet.

Das Geschehen an den internationalen Finanzmärkten stand in der zurückliegenden Woche erneut im Zeichen des Coronavirus. Das Virus hat sich in China und vielen anderen Staaten weiter ausbreitet. Aus China wurden zuletzt rund 14.500 Infektionsfälle und 305 Todesfälle gemeldet. In Deutschland sind derzeit etwa zehn Menschen am Coronavirus erkrankt. Die Viruserkrankungen dürften das Wirtschaftswachstum Chinas merklich belasten und damit auch die weltwirtschaftliche Entwicklung.

Der EU-Austritt des Vereinigten Königreichs (Brexit) hat hingegen im Marktgeschehen kaum Spuren hinterlassen. So trat das Austrittsabkommen am 31. Januar nach der parlamentarischen Ratifizierung in Kraft; die EU-Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs endete. In einer Übergangszeit bis Ende 2020 wird das Königreich aber weiterhin am EU-Binnenmarkt und der Zollunion teilnehmen, sodass sich an den wirtschaftlichen Beziehungen zur EU zunächst kaum etwas ändern wird. In der Übergangszeit müssen die künftigen Beziehungen neu ausgehandelt werden.

Die weitere Verbreitung des Coronavirus und die Sorgen vor dessen wirtschaftlichen Folgen  führten zu einer stärkeren Risikoaversion. Im Zuge dessen erhöhte sich die Nachfrage nach vermeintlich sicheren Anlagen wie Staatsanleihen aus Deutschland und den USA. Die Umlaufrendite von Bundesanleihen notierte zum Ende der vergangenen Handelswoche, am Freitag dem 31. Januar, bei -0,42 %. Gegenüber dem Freitag der Vorwoche gab sie um 9 Basispunkte nach. Die Rendite von Bundesanleihen mit Restlaufzeit von zehn Jahren tendierte ebenfalls weiter merklich nach unten. Sie sank im Wochenvergleich um 11 Basispunkte auf rund -0,44 %. Die Rendite zehnjähriger-US-Staatsanleihen ging sogar um 16 Basispunkte auf knapp 1,52 % zurück.

Ölpreise weiter im Sinkflug

Auch die Ölpreise stehen weiterhin im Banne des Coronavirus. Vor dem Hintergrund einer schwächeren Konjunktur in China, die auch auf andere Volkswirtschaften der Welt ausstrahlt, sinkt die globale Ölnachfrage. Rohöl der Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich im Wochenvergleich um 2,3 Cent auf rund 58,2 US-Dollar. Der Preis der US-Sorte WTI sank um 2,5 Cent auf etwa 51,6 US-Dollar je Barrel.

Euro schließt etwas fester

Wie bereits zuvor pendelte der Wechselkurs des Euro gegenüber dem US-Dollar in der zurückliegenden Woche weiterhin in einer engen Spanne zwischen 1,10 und 1,12 US-Dollar. Zum Ende der Woche legte der Euro etwas zu, trotz einiger unerwartet schwach ausgefallener Konjunkturindikatoren aus dem Euroraum. So expandierte die Wirtschaft des Währungsraums nach ersten amtlichen Schätzungen im Jahresendquartal 2019 lediglich mit einer Verlaufsrate von 0,1 %. Viele Ökonomen hatten mit einem Wachstum von 0,2 % gerechnet. Ferner ist der ifo Geschäftsklimaindex für Deutschland zuletzt, entgegen den allgemeinen Erwartungen, etwas gesunken. Nach EZB-Angaben ging der Euro am Freitag, dem 31. Januar mit rund 1,11 US-Dollar aus dem Handel. Der Eurokurs hat sich damit gegenüber dem Vorwochenultimo um knapp 1 Cent verteuert.

Merklicher Rückgang der Aktienkurse

Sorgen vor den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus haben die Stimmung an den großen internationalen Aktienmärkten weiter belastet und die Aktienkurse sinken lassen. Der Deutsche Aktienleitindex DAX, der Mitte Januar noch neue Höchststände verzeichnen konnte, fiel am Freitag, dem 31. Januar, unter die Marke von 13.000 Punkten und schloss bei 12.981 Punkten. Der DAX ist damit im Vergleich zum Freitag der Vorwoche um deutliche 4,0 % gesunken. Gegenüber dem Jahresultimo 2019 war ein Rückgang um 2,0 % zu verzeichnen. Der Dow-Jones gab ebenfalls nach, wenn auch im geringeren Umfang wie der DAX. Er beendete die Handelswoche bei 28.256 Punkten, 2,5 % unter dem Vorwochenstand und 1,0 % unter dem Jahresendwert 2019.

Inwieweit sich der Abwärtstrend an den Börsen in der laufenden Woche fortsetzten wird, bleibt abzuwarten. Die weitere Entwicklung wird stark durch Nachrichten über den Fortgang der Virus-Epidemie bestimmt sein. Sollte China die Epidemie in den Griff bekommen, dürfte sich das Marktumfeld erheblich aufhellen. Daneben dürfte das Marktgeschehen natürlich auch durch Unternehmens- und Konjunkturdaten beeinflusst werden. In Hinblick auf die weitere Konjunkturentwicklung in den USA könnten die am Donnerstag zur Veröffentlichung anstehenden Daten zum US-Arbeitsmarkt wichtige Hinweise liefern.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR