Finanzmärkte: Was bringt das zweite Halbjahr 2020

29.06.2020

In dieser Woche startet das zweite Halbjahr 2020. Damit wird wohl eines der schlechtesten Quartale für die Weltwirtschaft zu Ende gehen und mit viel Hoffnung auf die kommenden beiden Quartale geblickt.

Doch was ist von den kommenden Monaten zu erwarten. Das Bild ist gemischt und die Lage durchaus fragil. Auf der einen Seite springen die Frühindikatoren in den Industrienationen wieder an. Der ifo Geschäftsklimaindex hat in der vergangenen Woche weiter das „V“ nachgezeichnet (siehe Seite 4), insbesondere die Erwartungskomponente hat das „V“ vollendet. Auch das Konsumklima legt nach seinen Tiefstständen wieder zu. Die Erwartungen der Unternehmen und der Verbraucher klettern von einem sehr tiefen Niveau wieder deutlich nach oben. Auch die Produktionsdaten für Mai und auch den Juni sollten zeigen, dass von einem extrem tiefen Niveau der Output wieder steigt. Entsprechend positiv sollten die Kapitalmärkte die anstehenden Daten aufnehmen. Allerdings überzeichnet die Erwartungskomponente den tatsächlichen Verlauf der Erholung. Das Vorkrisenniveau kann im zweiten Halbjahr 2020 nicht erreicht werden. Zu tief war der Einbruch in Folge des Corona bedingten Lockdowns. Ursächlich sind Einkommensverluste aufgrund der ansteigenden Zahlen für die Arbeitslosigkeit in Deutschland (inkl. Kurzarbeit), Europa und auch den USA. Das geringere verfügbare Einkommen wird auf längere Sicht den Konsum bremsen. Aber auch die durch die Pandemie deutlich erhöhte Verschuldung der Unternehmen wird zu einer längerfristigen Zurückhaltung bei Investitionen führen. Die erhöhten Ausgaben der Staaten können dies nur zum Teil kompensieren und auch nur, wenn die Fiskalpolitik Spielraum lässt. Aus dieser Perspektive sind europäische Anstrengungen zur Krisenbewältigung essenziell, um eine langgezogene Krise zu vermeiden. Die ab Mittwoch beginnende EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands könnte für einen starken Start aus der Krise ein Glücksfall sein. Allerdings bleiben neben der anhaltenden Corona-Pandemie geopolitische Risiken, welche alle Bestrebungen für einen wirkungsvollen Aufschwung gefährden. Diese lassen sich aktuell auf zwei Namen vereinfachen. Boris Johnson und Donald Trump. Während der ungeregelte Brexit zum Ende des Jahres immer näher rückt, werden schlechter werdende Umfragewerte für die US-Wahlen im November zu außenpolitischen Rundumschlägen – wie neuen Zöllen – führen. Für ein erfolgreiches zweites Halbjahr sind einige Untiefen zu umschiffen.

Trump fördert sichere Häfen

Die Flucht in sichere Häfen wie Bundesanleihen wurde in der vergangenen Woche durch Donald Trump verursacht. Auf der einen Seite wurden Planungen bekannt, nach denen die USA mit Billigung der WHO (Vergeltung für Airbus Subventionen) neue Zölle auf europäische Produkte verhängen wollen. Auf der anderen Seite wuchs die Furcht vor einer verfehlten Corona-Politik und die damit einhergehende ungebremste Ausbreitung des Virus in den USA. In der Folge drohen bzw. erfolgen bereits neue Einschränkungen, welche das Wirtschaftswachstum auch im 3. Quartal deutlich belasten könnten. Renditen von Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit fielen im Wochenverlauf um etwa 7 Basispunkt auf -0,48 %.

Auch US-Dollar als sicherer Hafen

Zwar ist die Politik des US-Präsidenten Teil der Unsicherheiten an den Finanzmärkten, dennoch ist der US-Dollar selbst als sicherer Hafen gefragt. Während der US-Dollar seit Mitte Mai gegenüber dem Euro an Wert verloren hatte und zuletzt deutlich über 1,13 Dollar pro Euro notierte, fiel er in der vergangenen Woche wieder zurück auf 1,12 Dollar pro Euro.

Auf und Ab am Ölmarkt

Das Hoffen und Bangen hinsichtlich der konjunkturellen Entwicklung lässt sich auch am Ölmarkt ablesen. In der vergangenen Woche stiegen die Notierungen zunächst, aufgrund der steigenden Frühindikatoren. Die Förderdisziplin der OPEC+ Staaten verspricht zudem eine Angebotsverknappung, welche ebenfalls preissteigernd wirkte. Die zunehmende Unsicherheit über die sich beschleunigende Ausbreitung des Coronavirus in den USA sorgte allerdings im Wochenverlauf für ein Minus bei den Ölpreisen. Brent notierte über 2 Dollar weniger bei 40,67 US-Dollar pro Barrel und WTI über 2,50 Dollar niedriger bei 38,29 Dollar.

Auch an den Aktienmärkten Risk-off

Die zunehmenden Spannungen in den Handelskonflikten mit den USA sorgten zu Beginn der Woche für Nervosität an den Aktienmärkten. Die Befürchtungen, dass steigende Corona-Fallzahlen in den USA die dortige wirtschaftliche Entwicklung erneut ausbremsen könnten, beendete den zwischenzeitlichen Anstieg, aufgrund der verbesserten Frühindikatoren. Der DAX ging mit einem Wochenabschlag von knapp 2 % mit 12.089 Punkten ins Minus. Der Dow Jones verlor 3,3 % auf 25.016 Punkte.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR