Weitere Erholung der Industrieproduktion

11.11.2020

 

In der deutschen Industrie setzt sich der Aufholprozess nach dem coronavirusbedingten Einbruch vom Frühjahr fort. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Angaben mitteilte, ist die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes im September erneut gestiegen.

Der Ausstoß legte gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 2,0 % zu und damit kräftiger als im August (+0,1 %). Für den deutlichen Anstieg der Industrieproduktion war in erster Linie die Kfz-Branche verantwortlich, die — nach dem Ende der Sommer-Werksferien in vielen Betrieben — ihren Ausstoß um 10,0 % erhöhte. Im Baugewerbe nahm die Produktion im September ebenfalls zu, wenn auch mit einer Verlaufsrate von 1,5 % etwas weniger dynamisch als im Verarbeitenden Gewerbe. Über das gesamte 3. Quartal betrachtet, erhöhte sich die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes gegenüber dem Vorquartal um 14,6 %. Sie lag damit bei rund 91 % des Niveaus, dass vor Ausbruch der Coronakrise im 4. Quartal 2019 erreicht wurde. Die Bauproduktion, die bislang vergleichsweise gut durch die Krise kam, ist im 3. Quartal um

2,2 % gesunken.

Leicht zunehmende Auftragseingänge

Auch die Auftragseingänge der deutschen Industrie sind im September gestiegen. Sie legten gegenüber dem Vormonat mit einer Verlaufsrate von 0,5 % zu und damit weniger stark als im August (+4,9 %). Maßgeblich für den jüngsten Anstieg der Bestellungen war die verstärkte inländische Nachfrage. Die Inlandsorders expandierten um 2,3 %, während die Aufträge aus dem Ausland um 0,8 % zurückgingen. Über das gesamte 3. Quartal betrachtet legten die Aufträge aus dem Inland (+15,5 %) aber weniger kräftig zu als die Auslandsorders (+40,6 %). Insgesamt nahmen die Bestellungen im 3. Quartal um 29,1 % zu. Mit dem Anstieg wurde das Vorkrisenniveau vom 4. Quartal 2019 in etwa wieder erreicht. Die hohen Auftragszuwächse legen ebenso wie die weitere Aufhellung des Geschäftsklimas im Verarbeitende Gewerbe für die nahe Zukunft eine weitere Erholung der Industriekonjunktur nahe. Allerdings könnte die Erholung zum Stillstand kommen, wenn im Zuge einer weiteren Verschärfung der Pandemielage neue Schutzmaßnahmen vorgenommen werden müssten, wie die grundsätzliche Schließung von Bildungseinrichtungen und Grenzen.

Erzeugerpreise sinken weiter

Im Euroraum dauert der Rückgang der Industrie- Erzeugerpreise an. Das Tempo der Abwärtsbewegung hat sich zuletzt jedoch verlangsamt. Nach Angaben von Eurostat lag der Erzeugerpreisindex im September um 2,4 % unter seinem entsprechenden Vorjahreswert. Im Juli und August waren die Erzeugerpreise noch um 3,2 % und 2,6 % gesunken. Wie bereits in den Vormonaten zeigten sich in den industriellen Hauptgruppen unterschiedliche Entwicklungen. Während die Erzeugerpreise für Energie (-8,4 %) sowie Vorleistungsgüter (-1,6 %) abermals sanken, war bei den Preisen für Gebrauchs- (+1,3 %), Investitions- (+0,8 %) und Verbrauchsgütern (+0,2 %) erneut moderate Anstiege zu verzeichnen. Alles in allem geht von den Erzeugerpreisen weiterhin kein nennenswerter Druck auf die Verbraucherpreise aus. Die Verbraucherpreise sind jüngst, im Oktober, um 0,3 % gesunken.

Mehr ältere Erwerbspersonen

Das Statistische Bundesamt hat die Ergebnisse seiner neuen Erwerbspersonenvorausberechnung veröffentlicht. Demnach wird es im Jahr 2030 voraussichtlich mehr Erwerbspersonen im Alter von 65 bis 74 Jahren (1,5 Mio. bis 2,4 Mio. Menschen) geben als Erwerbspersonen im Alter von 15 bis 19 Jahren (etwa 1,1 Mio. Menschen). Zu den Erwerbspersonen werden Erwerbstätige und Erwerbslose gezählt. Grundlage für diese Angaben sind zwei Annahmen. Zum einen wird unterstellt, dass sich die in den vergangenen 20 Jahren beobachtbare allgemeine Zunahme der Erwerbsbeteiligung weiter fortsetzt. Zum anderen wird angenommen, dass die Erwerbsquoten der Älteren durch die bis zum Jahr 2031 geplante stufenweise Verschiebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre weiter zunehmen wird. Die Gesamtzahl der inländischen Erwerbspersonen zwischen 15 und 74 lag zuletzt, im Jahr 2019, bei 43,6 Mio. Menschen (45,2 Mio. Menschen hatten ihren Arbeitsort im Inland). Sie dürfte je nach Annahme bis 2060 mindestens auf 41,5 Mio. und höchstens auf 33,3 Mio. sinken. Im Falle des erwarteten Rückgangs um etwa 2 Mio. auf 41,5 Mio. Erwerbspersonen wird neben einer dauerhaft hohen Nettozuwanderung aus dem Ausland von über 300 Tsd. Menschen pro Jahr auch eine weitere Zunahme der Erwerbsbeteiligung vorausgesetzt. Mit einem Rückgang der Erwerbspersonenzahl um etwa 10 Mio. auf 33,3 Mio. ist hingegen zu rechnen, wenn eine niedrige Nettozuwanderung von 150 Tsd. Menschen pro Jahr und ein stagnierendes Erwerbsverhalten angenommen wird.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR