Konjunktur: Weitere Verbesserung der Konjunkturerwartungen

24.06.2020

 

Von Finanzmarktfachleuten wurden die wirtschaftlichen Perspektiven Deutschlands im Juni erneut optimistischer beurteilt.

Die anhand einer monatlichen Expertenumfrage ermittelten ZEW Konjunkturerwartungen kletterten gegenüber Mai um 12,4 Punkte auf 63,4 Punkte. Zum dritten Anstieg des konjunkturellen Frühindikators in Folge dürfte vor allem das Anfang Juni von der Bundesregierung beschlossene neue Konjunkturpaket mit einem Gesamtvorlumen von 130 Mrd. Euro sowie die weiteren Lockerungen der Maßnahmen gegen die Coronavirus-Verbreitung gewesen sein. So können beispielsweise seit Mitte Juni Reisende aus Deutschland die Grenzen zu den Nachbarstaaten grundsätzlich wieder ohne Kontrollen passieren. Durch das Konjunkturpaket und die Lockerungen steigt die Zuversicht, dass die gesamtwirtschaftliche Talsohle im Sommer 2020 durchschritten wird. In Hinblick auf die Perspektiven einzelner Branchen ist das Bild aber nach wie vor uneinheitlich. Während die Fachleute die künftige Ertragslage exportorientierter Branchen wie Fahrzeug- und Maschinenbau weiterhin sehr negativ bewerten, ist ihr Ausblick beispielsweise für die Sektoren Informationstechnologie, Telekommunikation und konsumnahe Dienstleistungen recht positiv. Neben den Aussichten haben die befragten Finanzmarktexperten auch die aktuelle Lage Deutschlands insgesamt besser bewertet. Der ZEW-Lage-Indikator ist im Juni um 10,4 Punkte auf -83,1 Punkte gestiegen. Er befindet sich damit aber weiterhin tief im negativen Bereich.

Rückgang der Inflationsrate bestätigt

Nach aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Inflationsrate hierzulande, gemessen am Verbraucherpreiseindex (VPI), von 0,9 % im April auf 0,6 % im Mai gesunken. Das Bundesamt hat damit das zentrale Ergebnis seiner Ende Mai veröffentlichten vorläufigen Berechnungen bestätigt. Hauptgrund für den Rückgang der Gesamtrate waren die Energiepreise, die sich im Zuge niedrigerer Rohölnotierungen im Mai stärker verbilligten als zuvor (-8,5 % nach -5,8 % im April). Vor allem die Preise für Heizöl (-30,5 %) und Kraftstoffe (-20,7 %) gaben im Mai erheblich nach. Die Strompreise (+4,2 %) legten allerdings entgegen dem allgemeinen Trend zu, befördert durch die weitere Anhebung der EEGUmlage zu Jahresbeginn. Auch bei Nahrungsmitteln (+4,5 %) war, ähnlich wie bereits im Vormonat (+4,8 %), ein merklicher Preisanstieg zu verzeichnen. Angesichts krisenbedingt höherer Transport- und Erzeugungskosten verteuerten sich insbesondere Obst (+10,5 %) sowie Fleischund Fleischwaren (+9,8 %) deutlich. Die Dienstleistungspreise legten im Mai um 1,3 % zu und damit genauso stark wie im Vormonat.

Nahezu Stagnation der Euroraum-Verbraucherpreise

Nicht nur das Statistische Bundesamt, auch das europäische Statistikamt Eurostat hat seine jüngsten Schätzungen zur Entwicklung der Verbraucherpreise bestätigt. Demnach sank die Inflationsrate des Euroraums, basierend auf dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), von 0,3 % im April auf 0,1 % im Mai. Der allgemeine Preisauftrieb ist also nahezu zum Stillstand gekommen. Maßgeblich für den Rückgang der Inflationsrate des Währungsraums waren, ähnlich wie in Deutschland, die Energiepreise. Diese verbilligten sich um deutliche 11,9 % und damit im stärkeren Umfang als im April (-9,7 %). In naher Zukunft dürfte die Preisdynamik auf der Verbraucherstufe gering bleiben. Hierauf deuten unter anderem die Industrie-Erzeugerpreise hin, die jüngst, im April, um deutliche 4,5 % nachgaben.

Geringere Auftragsbestände

Angesichts drastisch sinkender Neuaufträge sind auch die Auftragsbestände des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland gesunken, wenn auch weniger dramatisch. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, waren die preis-, saison- und kalenderbereinigten Auftragsbestände im April um 1,1 % niedriger als im Vormonat. Dabei gaben die inländischen Orderbestände etwas stärker nach als der Bestand an Auslandsaufträgen (-1,2 % gegenüber -1,0 %). Zum Vergleich: die Neuaufträge waren im April mit Verlaufsraten von -22,3 % (Inland) und -28,1 % (Ausland) eingebrochen. Die Folgen der Corona-Pandemie zeigen demnach bisher nur moderate Auswirkungen auf die Auftragsbestände. Positiv stimmt auch, dass die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes gemäß den amtlichen Angaben im April insgesamt keine außergewöhnlich starken Auftragsstornierungen verzeichnen mussten. Damit verdichten sich die Hinweise, dass der konjunkturelle Tiefpunkt der Industrieproduktion im April erreicht wurde. In den nächsten Monaten ist mit einer Stabilisierung der Industriekonjunktur zu rechnen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR