Weitere Verbesserung der Konjunkturerwartungen

23.09.2020

 

Die wirtschaftlichen Perspektiven Deutschlands wurden jüngst von Finanzmarktfachleuten erneut optimistischer beurteilt als zuvor.

Die auf einer monatlichen Expertenumfrage des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelte ZEW-Konjunkturerwartungen sind im September gegenüber August um 5,9 Punkte auf 77,4 Punkte gestiegen. Der Frühindikator tendiert bereits seit April sichtlich nach oben. Zur jüngsten Verbesserung der Konjunkturerwartungen dürften unter anderem die aktuellen amtlichen Verlaufsdaten zur Industriekonjunktur und zum Außenhandel beigetragen haben, die das Vertrauen in die gesamtwirtschaftliche Entwicklung stützten. Demgegenüber scheinen die Sorgen um die ins Stocken geratenen Brexit-Gespräche und die hierzulande gestiegenen Corona-Neuinfektionszahlen etwas in den Hintergrund getreten zu sein. Neben den konjunkturellen Perspektiven haben die befragten Fachleute auch die aktuelle Wirtschaftslage Deutschlands mit mehr Optimismus bewertet. Der entsprechende ZEW-Lageindikator ist um kräftige 15,1 Punkte gestiegen. Er befindet sich mit -66,2 Punkten aber weiterhin deutlich im negativen Bereich. Insgesamt lassen die jüngsten Umfrageergebnisse erwarten, dass das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutschlands – nach dem außerordentlichen Einbruch vom ersten Halbjahr – im zu Ende gehenden 3. Quartal sowie im kommenden 4. Quartal merklich steigen wird.

Produktionswachstum schwächt sich ab

Im Juli setzte sich die Erholung der Industrieproduktion des Euroraums fort. Das Expansionstempo hat sich jedoch gegenüber den Vormonaten vermindert. Wie Eurostat anhand vorläufiger Angaben mitteilte ist die Industrieproduktion gegenüber Juni preis-, kalender- und saisonbereinigt um 4,1 % gestiegen. Im Mai und Juni, also unmittelbar nach dem virusbedingten Lockdown in vielen europäischen Staaten, hatte die Erzeugung noch mit Verlaufsraten von 12,2 % bzw. 9,5 % zugelegt. Besonderes deutlich wurde die Produktion im Juli von den Herstellern von Investitionsgütern (+5,3 %) ausgeweitet. Im Energiesektor (+1,1 %) fiel der Zuwachs hingegen weniger stark aus. Für die nächsten Monate zeichnet sich ein weiterer Anstieg der Industrieproduktion ab. Hierauf lässt unter anderem der Order-Indikator der EU-Kommission schließen. Der anhand einer monatlichen Umfrage unter Industrieunternehmen ermittelte Indikator kletterte jüngst, im August, gegenüber dem Vormonat um 7 Punkte auf einen Stand von -37 Punkten.

Euroraum-Inflationsrate von -0,2 % bestätigt

Nach aktuellen Angaben von Eurostat ist die Inflationsrate des Euroraums, basierend auf dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), deutlich von 0,4 % im Juli auf -0,2 % im August gesunken. Das Statistikamt bestätigte damit seine bereits Anfang September vorgelegten ersten Schätzungen. Die Inflationsrate befindet sich weiterhin erheblich unter der Zielmarke von knapp 2 %, bei der die Europäischen Zentralbank mittelfristig Preisniveaustabilität gewahrt sieht. Hauptgrund für den Rückgang der Gesamtrate waren die Preise von Nicht-Energieprodukten. Getrieben unter anderem durch einen zeitlich nach hinten verschobenen Sommerschlussverkauf in manchen Euroraum-Staaten, haben sich die Nicht-Energieprodukte im August geringfügig um 0,1 % verbilligt, nachdem sie im Juli noch um 1,6 % gestiegen waren. Nach wie vor geht allerdings auch von den Energiegütern eine merklich preissenkende Wirkung aus. Energie hat sich im August, im Zuge anhaltend niedriger Rohölnotierungen, in ähnlicher Größenordnung verbilligt wie im Juli (-7,8 % gegenüber -8,4 %). Demgegenüber mussten die Verbraucher für Lebensmittel abermals deutlich mehr Geld aufwenden. Die Nahrungsmittelpreise verteuerten sich im August ähnlich stark wie zuvor (+1,7 % nach +2,0 %).

Weiterer Rückgang der Erzeugerpreise

In Deutschland dauert der Preisrückgang auf der Erzeugerstufe an. Die Dynamik der Abwärtsbewegung hat sich jedoch zuletzt etwas vermindert. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte lag der Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte im August um 1,2 % unter seinem Vorjahreswert. Im Juni und Juli waren die Erzeugerpreise noch um 1,8 % und 1,7 % gesunken. Die Gesamtentwicklung wird nach wie vor spürbar durch die Energie- und Vorleistungsgüterpreise gedämpft. Energie hat sich im August insgesamt um 3,9 % verbilligt, wobei stark rückläufigen Preisen für Mineralölerzeugnissen (-14,4 %) leicht steigende Preise für elektrischen Strom (+0,9 %) gegenüberstanden. Die Vorleistungsgüterpreise gaben im August um 2,0 % nach, wofür unter anderem stark fallende Preise für Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen (-8,7 %) verantwortlich waren. Alles in allem legt der Verlauf der Erzeugerpreise für die Preise auf der Verbraucherstufe in naher Zukunft eine weiterhin gedämpfte Entwicklung nahe. Die Verbraucherpreise, gemessen am Verbraucherpreisindex VPI, stagnierten im August auf dem Vorjahresmonatsstand.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR