Konjunktur: Weiterer Anstieg der ZEW-Konjunkturerwartungen

29.01.2020

 

Zu Jahresbeginn blicken Finanzmarkt fachleuteden wirtschaftlichen Aussichten Deutschlands erneut mit mehr Zuversicht entgegen.

Die auf einer monatlichen Expertenbefragung des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) basierenden ZEW-Konjunkturerwartungen sind im Januar gegenüber dem Vormonat um kräftige 16,0 Punkte auf 26,7 Punkte gestiegen. Der Frühindikator befindet sich damit auf dem höchsten Stand seit Juli 2015 und zudem leicht über seinem langjährigen Durchschnittswert von 21,3 Punkten. Hauptgrund für den abermaligen Anstieg der ZEW-Konjunkturerwartungen dürfte die mit Unterzeichnung des sogenannten Phase-1-Abkommens erreichte Entspannung des US-chinesischen Handelskonflikts sein. Zu mehr Optimismus trugen zudem die ersten amtlichen Angaben zum Wirtschaftswachstum Deutschlands in 2019 bei, die etwas günstiger ausfielen als allgemein erwartet. Neben den Konjunkturerwartungen bewerten die befragten Fachleute auch die aktuelle Wirtschaftslage Deutschlands besser. Der entsprechende Lage-Indikator ist von Dezember auf Januar um deutliche 10,4 Punkte auf -9,5 Punkten gestiegen. Insgesamt deuten die jüngsten Umfrageergebnisse darauf hin, dass konjunkturelle Grunddynamik Deutschlands nach einem schwachen Winterhalbjahr 2019/2020 im Frühjahr zunehmen wird.

Erzeugerpreisrückgang schwächt sich ab

Der Preisrückgang auf der Erzeugerstufe hat in Deutschland nachgelassen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte im Dezember um 0,2 % unter seinem entsprechenden Vorjahreswert. Im Oktober und November waren die Erzeugerpreise noch um 0,6 % bzw. 0,7 % gesunken. Die Preisentwicklung wird nach wie vor in erster Linie durch die Energiepreise nach unten getrieben. Energie verbilligte sich zuletzt um 2,4 %, wobei merklich rückläufigen Preisen für Erdgas (Erdgasförderung: -25,2 %, Erdgasverteilung: -6,3 %) und Mineralölerzeugnisse (-3,4 %) leicht steigende Preise für elektrischen Strom (+0,4 %) gegenüberstanden. Die Preise für Verbrauchsgüter (+3,6 %) sind hingegen merklich gestiegen, unter anderem wegen der deutlichen Verteuerung der Schweinefleisch- (+41,5 %) und Zuckerpreise (+7,5 %). Angesichts der insgesamt nach wie vor verhaltenen Preisdynamik auf der Erzeugerstufe dürften die Verbraucherpreise in naher Zukunft lediglich moderat steigen. Die Verbraucherpreise, gemessen am Verbraucherpreisindex VPI, verteuerten sich im Dezember um 1,5 %.

Euroraum-Schuldenquote auf 86,1 % gesunken

Die Rückführung der öffentlichen Schulden im Euroraum schreitet weiter voran. Gemäß aktuellen Angaben von Eurostat lag die Schuldenquote, welche die gesamtstaatlichen Schulden ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt setzt, im 3. Quartal bei 86,1 %. Die Schuldenquote ist damit gegenüber dem 2. Quartal geringfügig um 0,3 Prozentpunkte gesunken. Gegenüber dem 3. Quartal des Vorjahres ergab sich ein Rückgang um 1,0 Prozentpunkte. Die höchsten Schuldenquoten innerhalb des Euroraums waren erneut in Griechenland (178,2 %), Italien (137,3 %) und Portugal (120,5 %) zu verzeichnen. Positiv stimmt aber, dass Portugal und Griechenland auch bei der Schulden-Verminderung auf den vorderen Plätzen zu finden sind. Die Schuldenquote Portugals ist im Vorjahresvergleich um 5,0 Prozentpunkte gesunken, die Quote Griechenlands verminderte sich um 4,1 Prozentpunkte und damit ebenfalls stärker als im gesamten Währungsraum. In Italien hat sich die Lage der Staatfinanzen hingegen mit einem Anstieg der Schuldenquote um 1,2 % verschlechtert. Die Schuldenquote Deutschlands ist im 3. Quartal gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal um 1,5 Prozentpunkte auf 61,2 % gesunken. Erste amtliche Angaben zur Schuldenquote im gesamten Jahr 2019 werden voraussichtlich Ende April 2020 veröffentlicht.

Unveränderte Verbraucherstimmung

Zu Jahresbeginn blieb die Stimmung unter den Verbrauchern des Euroraums unverändert zuversichtlich. Wie die EU-Kommission anhand vorläufiger Umfragedaten mitteilte, lag der Verbrauchervertrauens- Indikator im Januar bei -8,1 Punkten. Er verharrte damit auf seinem Vormonatswert und befindet sich noch immer deutlich über seinem langjährigen Mittelwert von -10,6 Punkten. Das nach wie vor hohe Niveau des Stimmungsindikators lässt eine Fortsetzung des Wachstums der privaten Konsumausgaben erwarten. Die Konsumausgaben der privaten Haushalte waren zuletzt, im 3. Quartal, gegenüber dem Vorquartal preis-, kalender- und saisonbereinigt um deutliche 0,5 % gestiegen. Mit diesem Zuwachs trugen sie rechnerisch mit 0,3 Prozentpunkten zum Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 0,2 % bei und erwiesen sich damit erneut als wichtige Stütze des gesamtwirtschaftlichen Wachstums.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR