Wie gewonnen, so zerronnen

27.07.2020

Am deutschen Aktienmarkt setzte zum Ende der Woche eine Kurskorrektur ein, die den DAX wieder unter die Linie von 13.000 Punkten drückte.

Am Freitag, dem 24. Juli, schloss der DAX mit 12.838 Punkten. Im Vergleich zur Vorwoche entspricht dies einem leichten Rückgang um 1 %. Der Dow Jones verlor im Wochenvergleich 1 % auf 16.470 Punkte. Ein Belastungsfaktor waren die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China. Auf die bevorstehende Schließung eines chinesischen Konsulats in Houston (Texas) reagierte China mit der Aufforderung an die USA, ihre diplomatische Vertretung in der Stadt Chengdu zu schließen. Die USA werfen China Spionage vor. Ebenfalls auf die Kurse drückte der am Donnerstag veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht. In der Woche zum 18. Juli erhöhte sich die Anzahl der Arbeitslosenmeldungen um 1,4 Mio., nachdem die Zahl in den vorangegangenen Wochen stets zurückgegangen war, wenn auch nur leicht.

Zum Wochenbeginn hatten Hoffnungen auf eine Einigung der europäischen Staats- und Regierungschefs über das 750 Mrd. Euro schwere Corona-Hilfsprogramm den Kursen Auftrieb gegeben. Die Einigung selbst sorgte am Dienstag nur für wenig Bewegung an den Märkten, das Ergebnis war dann schon weitgehend eingepreist. Zu den positiven Erwartungen der Börsianer trugen auch Berichte über Fortschritte bei den Anstrengungen zur Entwicklung eines Corona-Impfstoffes bei, wovon naturgemäß besonders die Biotech- und Pharmatitel profitierten.

Positiv auf die Aktienkurse wirkten sich auch die deutschen und europäischen Konjunkturdaten aus. Besonders bemerkenswert waren die Zahlen zum Einkaufsmanagerindex vom Freitag, die sowohl für Deutschland als auch für den Euroraum ein solides Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Produktion signalisieren. Doch konnten die guten Zahlen die Korrektur am Aktienmarkt zum Wochenausklang nicht unterbinden. Unterstützt wird die Hoffnung auf eine dynamische Erholung auch durch die umfangreichen Impulse der Geld- und Finanzpolitik. Einige Marktteilnehmer leiten daraus bereits ein erhöhtes Inflationsrisiko ab, wovon insbesondere der Goldpreis getrieben wurde. Mit einem Preis von 1.904 Dollar pro Unze erreichte Gold am Freitag, dem 24. Juli, einen Stand in der Nähe seines Allzeithochs von 1.921 Dollar pro Unze vom September 2011.

Konjunkturhoffnung lässt Ölpreis steigen

Von der Hoffnung, dass mit dem baldigen Einsatz von Impfstoffen wieder eine Rückkehr zur Normalität möglich ist, profitierten nicht nur Aktienwerte, sondern auch der Ölpreis. Brent Crude verteuerte sich leicht auf 43.39 Dollar je Barrel. Im Verlauf der Woche erreichte der Ölpreis mit 44.41 Dollar ein Viermonatshoch. Dazu trug auch die Erwartung bei, dass die Mitglieder des Produzentenkartells „Opec plus“ auch weiterhin eine hohe Disziplin bei der Einhaltung ihrer Kürzungsvereinbarungen walten lassen werden.

Wenig Bewegung auf dem Rentenmarkt

Auf dem Rentenmarkt haben sich die Renditen nur wenig verändert. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen notierten am Freitag, dem 24. Juli, bei -0,44 %, im Vorwochenvergleich entspricht dies einem Anstieg um 1 Basispunkt. Im gleichen Zeitraum verringerte sich die Rendite in den USA um 4 Basispunkte auf 0,59 %. Einen deutlichen Rückgang gab es bei dem Spread zwischen den italienischen und den deutschen zehnjährigen Staatsanleihen. Lag dieser am Freitag, dem 17. Juli, noch bei 169 Basispunkten, betrug er nach dem Beschluss des europäischen Wiederaufbaufonds eine Woche später nur noch 152 Basispunkte. Dies war der niedrigste Stand seit Februar.

Euro wertet auf

Die europäische Gemeinschaftswährung hat sich gegenüber dem US-Dollar weiter gefestigt. Der EZB-Referenzkurs des Greenbacks lag am Freitag, dem 24. Juli, bei 1,1608 US-Dollar, das war knapp 2 % höher als eine Woche zuvor. Fester hatte der Euro zuletzt im Oktober 2018 notiert. Während sich die Konjunkturaussichten für den Euroraum verbessert haben, kam aus den USA insgesamt kein positiver Impuls. Auch profitiert der Euro weiter davon, dass von der EZB keine Bereitschaft für niedrigere Zinsen zu erkennen sind, während in den USA eher noch Spielräume nach unten vermutet werden können. Profitieren konnte der Euro auch von der Handlungsfähigkeit der europäischen Staats- und Regierungschefs, die sich auf ein gemeinsames EU-Hilfsprogramm zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie einigen konnten.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR