Konjunktur: Winterpause am Arbeitsmarkt

05.02.2020

 

Der deutsche Arbeitsmarkt befindet sich ungeachtet des konjunkturellen Gegenwinds noch immer in einer guten Grundverfassung.

Der deutsche Arbeitsmarkt befindet sich ungeachtet des konjunkturellen Gegenwinds noch immer in einer guten Grundverfassung. Zwar legte die Anzahl der bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) registrierten Arbeitslosen im Januar gegenüber dem Vormonat um 198.000 auf 2,426 Mio. Menschen zu. Grund für den Anstieg waren jedoch vor allem saisonale Gründe: Im Winter werden die Aktivitäten in vielen Außenberufen üblicherweise vermindert. In der um die üblichen saisonalen Einflüsse bereinigten Rechnung ging die Arbeitslosenzahl von Dezember auf Januar leicht um 2.000 zurück. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote blieb im Januar unverändert bei vergleichsweise niedrigen 5,0 %. In den amtlichen Monatsdaten zur Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung setzten sich die Aufwärtstrends fort. Die saisonbereinigte Erwerbstätigenzahl legte jüngst, im Dezember, gegenüber dem Vormonat um 22.000 zu. Der Zuwachs fiel damit etwas stärker aus als im November (+15.000), aber weniger deutlich als noch im Oktober (+39.000). Bei der Beschäftigtenzahl war zuletzt, im November, ein Plus von 40.000 zu verzeichnen. In naher Zukunft ist mit einem weiteren Beschäftigungsaufbau zu rechnen, der aber nochmals an Schwung einbüßen dürfte. Hierauf deutet zumindest der Verlauf des BA-Stelleindex BAX hin. Der BA-X stieg von Dezember auf Januar zwar leicht um 1 Punkt auf 118 Punkte. Er liegt damit jedoch um 15 Punkte unter seinem Vorjahresstand.

ifo Geschäftsklimaindex leicht gesunken

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verschlechterte sich zu Jahresbeginn etwas. Der ifo Geschäftsklimaindex sank im Januar um 0,4 Punkte auf 95,9 Punkte, nachdem er zuvor zwei Monate in Folge gestiegen war. Verantwortlich für den Rückgang des konjunkturellen Frühindikators waren die Geschäftsaussichten, die – möglicherweise wegen Sorgen vor den Coronavirus-Folgen - von den befragten Unternehmen per Saldo verhaltener bewertet wurden als zuvor. Die aktuelle Geschäftslage wurde jedoch von den Umfrageteilnehmern besser beurteilt. In den einzelnen Wirtschaftsbereichen zeigten sich unterschiedliche Tendenzen. Während sich das Geschäftsklima im Dienstleistungsbereich (ohne Handel) und Bauhauptgewerbe ausgehend von einem noch immer hohen Niveau verschlechterte, hat es sich im Handel und im Verarbeitenden Gewerbe verbessert. Ein Grund für die  Stimmungsaufhellung im Verarbeitenden Gewerbe dürfte die Kapazitätsauslastung sein, die nach Angaben der Unternehmen im Mittel von 82,6 % im 4. Quartal auf 83,1 % im 1. Quartal gestiegen ist. Alles in allem signalisieren die Umfrageergebnisse, dass die  gesamtwirtschaftliche Stagnation Deutschlands allmählich zum Stillstand kommen und einer etwas dynamischeren Entwicklung weichen könnte.

Inflationsrate legt auf 1,7 % zu

In Deutschland beschleunigte sich die Preisdynamik auf der Verbraucherstufe zu Jahresbeginn weiter. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Angaben mitteilte lag der Verbraucherpreisindex (VPI) im Januar um 1,7 % über seinem entsprechenden Vorjahresmonatswert. Im November und Dezember hatten die Preise noch mit Jahresrate von 1,1 % bzw. 1,5 % zugelegt. Für den Anstieg der Inflationsrate waren vor allem die Energiepreise verantwortlich. Energie dürfte sich, nach einer minimalen Verbilligung im Dezember (-0,1 %), im Januar um 3,4 % verteuert haben. Zum Anstieg der Gesamtrate trugen aber auch die Nahrungsmittelpreise bei. Gemäß den aktuellen Daten erhöhten sie sich im Januar um 2,3 %, nachdem sie zuvor um 2,1 % zugenommen hatten. Bei den Dienstleistungen verminderte sich der Preisauftrieb hingegen (+1,5 % nach +1,8 % im Dezember). Endgültige Angaben zur jüngsten Entwicklung der Verbraucherpreise wird das Statistische Bundesamt voraussichtlich am 13. Februar vorlegen. Auch im Euroraum als Ganzes ist die Inflationsrate gestiegen. Gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) legte sie von 1,3 % im Dezember auf 1,4 % im Januar zu.

Minimales Wirtschaftswachstum im Euroraum

Die konjunkturelle Entwicklung des Euroraums hat zum Jahresende 2019 an Fahrt verloren. Gemäß der vorläufigen Schnellschätzung von Eurostat ist das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt des Währungsraums im 4. Quartal gegenüber dem Vorquartal lediglich geringfügig um 0,1 % gestiegen. Zuvor, im 3. Quartal, war das BIP noch mit einer Verlaufsrate von 0,3 % expandiert. Maßgeblich für den Wachstumsrückgang dürfte das schwierige weltwirtschaftliche Umfeld, mit Handelskonflikten, geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und Unklarheiten rund um den Brexit gewesen sein, dass den Außenhandel und das Investitionsklima im Euroraum offenbar stärker dämpfte als zuvor. Erste Angaben zur BIP-Verlauf in Deutschland und in den anderen Euroraum-Staaten plant Eurostat am 14. Februar zu veröffentlichen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR