Wirtschaftsforscher heben BIP-Prognosewerte an

30.09.2020

 

In den zurückliegenden Wochen haben hierzulande viele Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Herbst-Konjunkturprognosen vorgelegt.

Die Prognosewerte zur Entwicklung des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland für das Jahr 2020 wurden dabei häufig nach oben korrigiert. So haben beispielsweise die Fachleute des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) ihre BIP-Einschätzung gegenüber ihrer letzten Prognose vom Juni um 1,3 Prozentpunkte auf - 5,5 % angehoben. Grund für die Aufwärtsrevision sei, dass der Rückprall nach dem Einbruch früher einsetzte als zuvor erwartet. Da der neuen IfW-Prognose zufolge der Einbruch der gesamtwirtschaftlichen Produktion im laufenden Jahr weniger heftig ausfallen wird, wurde auch der BIP-Prognosewert für 2021 leicht abwärtsrevidiert: von 6,3 % im Sommer auf aktuell 4,8 %.

Die Kieler Ökonomen befinden sich mit ihrer Einschätzung für 2020 im Mittelfeld der aktuellen Konjunkturprognosen. Etwas optimistischer sind die Experten des Rheinisch-Westfälischen-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen, die jüngst mit einem BIP-Rückgang um 4,7 % rechnen. Leicht pessimistischer sind die Fachleute des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die in ihrer Herbstprognose eine Abnahme um 6,25 % erwarten. Die vergleichsweise pessimistischere Einschätzung der IW-Ökonomen spiegelt sich in nahezu allen BIP-Verwendungskomponenten wider. Besonders stark ist die Diskrepanz aber in Hinblick auf die Ausrüstungsinvestitionen. Hier prognostizieren die IW-Fachleute einen Rückgang um 20,0 %, während die RWI-Experten in ihrer Prognose eine weniger deutliche – aber noch immer beachtliche – Verminderung um 14,9 % einstellten. Mehr Konsens herrscht in Hinblick auf die Entwicklung der Verbraucherpreise. Für den Jahresdurchschnitt 2020 prognostizieren die Wirtschaftsforscher im Allgemeinen eine Inflationsrate von 0,5 % oder 0,6 %.

Unter Berücksichtigung der enormen Unsicherheiten über die weitere Entwicklung der Coronapandemie geht der BVR derzeit in seinem Konjunktur- Hauptszenario noch immer davon aus, dass die preisbereinigte Wirtschaftsleistung Deutschlands im laufenden Jahr um 7,0 % sinken wird. Für das kommende Jahr 2021 wird im Hauptszenario ein BIP-Zuwachs um 5,0 % prognostiziert. Das BIP-Niveau vor Ausbruch der Coronapandemie wird demnach erst im Jahr 2022 wieder erreicht werden.

Geschäftsklimaindex legt abermals zu

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im September erneut verbessert. Der ifo Geschäftsklimaindex ist gegenüber August um 0,9 Punkte auf 93,4 Punkte gestiegen. Zum nunmehr fünften Anstieg des konjunkturellen Frühindikators in Folge trugen seine Lage und seine Erwartungskomponente bei. So haben die vom ifo Institut befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage per Saldo etwas positiver bewertet als zuvor. Zudem ist ihre Zuversicht in Hinblick auf die Lage in den nächsten sechs Monaten insgesamt gestiegen. Die abermalige Verbesserung des Geschäftsklimas wurde, mit Ausnahme des Dienstleistungssektors, von allen betrachteten Wirtschaftsbereichen getragen. Besonderes deutlich hat sich die Stimmung jüngst im Verarbeitenden Gewerbe aufgehellt. Die Perspektiven sind nach Angaben des ifo Instituts insbesondere in der Elektroindustrie optimistischer geworden. Alles in allem signalisiert die kontinuierliche Erholung des ifo Geschäftsklimaindexes, dass die deutsche Wirtschaft nach dem Einbruch vom ersten Halbjahr in der zweiten Jahreshälfte wieder einen Wachstumskurs einschlagen wird.

Weitere Erholung des Euroraum-Verbrauchervertrauens

Im Euroraum hat sich das Verbrauchersentiment weiter aufgehellt. Nach vorläufigen Angaben der EU-Kommission legte der Indikator des Verbrauchervertrauens im September um 0,8 Punkte auf -13,9 Punkte zu. Der auf einer monatlichen Umfrage unter Konsumenten basierende Stimmungsindikator hat inzwischen einen großen Teil seines Einbruchs während des Lockdowns wieder aufholen können. Er befindet sich aber noch immer deutlich unter seinem langjährigen Mittelwert von -11,1 Punkten. Die Entwicklung des Verbrauchervertrauens legt nahe, dass die privaten Konsumausgaben im zu Ende gehenden 3. Quartal deutlich steigen werden, nachdem sie in den beiden vorangegangenen Quartalen noch erheblich zurückgegangen waren. So war der private Verbrauch im 1. Quartal und 2. Quartal gegenüber den entsprechenden Vorquartalen preis-, kalender- und saisonbereinigt um 4,5 % und 12,4 % eingebrochen. Endgültige Angaben zum Verbrauchervertrauen im September wird die EU-Kommission an diesem Dienstag veröffentlichen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR