Konjunktur: Wirtschaftswachstum 2019 auf 0,6 % gesunken

22.01.2020

 

Im Jahr 2019 haben die konjunkturellen Auftriebskräfte in Deutschland merklich nachgelassen und zu einem schwächeren Wirtschaftswachstum geführt

Nach ersten Schätzungen des Statistischen Bundesamtes ist das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vorjahresvergleich lediglich um 0,6 % gestiegen, nachdem es 2018 noch um 1,5 % expandiert war. Der BVR hat im Rahmen seiner letzten Konjunkturprognose vom Dezember für 2019 einen geringfügig schwächeren BIP-Anstieg um 0,5 % erwartet.

Am Arbeitsmarkt verlor das Beschäftigungswachstum an Schwung. Die Zahl der Menschen, die im Inland erwerbstätig sind, erhöhte sich im Jahresdurchschnitt 2019 um rund 400.000 auf 45,3 Mio., nachdem sie 2018 noch um nahezu 610.000 gestiegen war. Der Anstieg der Verbraucherpreise blieb 2019 moderat. Die monatliche Inflationsrate, gemessen am Verbraucherpreisindex, stieg lediglich im April vorübergehend über die Marke von 2-Prozent. Im Jahresdurchschnitt lag die Inflationsrate bei 1,4 % und damit etwas niedriger als 2018 (+1,8 %). Die Gründe für das Schwinden der konjunkturellen Auftriebskräfte sind vor allem im globalen Umfeld zu sehen. Die schwächere Weltwirtschaft, die eskalierenden Handelskonflikte, die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und die Unsicherheiten rund um den EU-Austritt Großbritanniens belasteten die Geschäfte der außenhandelsorientierten Wirtschaftsbereiche spürbar. Im Verarbeitenden Gewerbe kamen neben den internationalen Belastungsfaktoren auch inländische Probleme zum Tragen, insbesondere die strukturellen Veränderungen in der Automobilindustrie mit neuen emissionsarmen Antrieben. Die überwiegend inlandsorientierten Wirtschaftsbereiche präsentierten sich aber nach wie vor in einer guten Verfassung.

Für das neue Jahr 2020 rechnet der BVR im Basisszenario seiner aktuellen Konjunkturprognose mit einem BIP-Wachstum von 0,8 %. Grund für die gegenüber 2019 prognostizierte leichte Wachstumsbeschleunigung ist einerseits das erwartete allmähliche Anziehen der Konjunkturdynamik im Jahresverlauf und andererseits die Folgen eines Kalendereffekts, der den BIP-Zuwachs voraussichtlich um 0,4 Prozentpunkte erhöht. Zu den Annahmen des Basisszenarios zählt, dass die Handelskonflikte nicht weiter eskalieren und dass es zu keinem „harten“ EU-Austritt Großbritanniens kommt. Wenn sich die genannten Risiken jedoch manifestieren würden, würde das Wirtschaftswachstum Deutschlands 2020 erheblich schwächer ausfallen oder zum Stillstand kommen.

Höherer Industrieausstoß im Euroraum

Die Lage der europäischen Industrie hat sich im November stabilisiert. Gemäß ersten Berechnungen von Eurostat expandierte die Industrieproduktion im Vormonatsvergleich preis-, kalender und saisonbereinigt um 0,2 %, nachdem sie im Oktober noch um 0,9 % gesunken war. Innerhalb der Industrie zeigen sich allerdings unterschiedliche Tendenzen. Während die Hersteller von Investitionsgütern (+1,2 %) und Energie (+0,8 %) ihren Ausstoß spürbar erhöhten, gab die Erzeugung bei den Gebrauchs- (-0,8 %), Verbrauchs- (-0,7 %) und Vorleistungsgüterproduzenten (-0,5 %) nach. Trotz des jüngsten Anstiegs der Gesamtproduktion dürfte die Industriekonjunktur in naher Zukunft noch gedämpft bleiben. Hierauf lässt zumindest der Order-Indikator der EU-Kommission schließen. Der auf einer monatlichen Umfrage unter Industrieunternehmen ermittelte Indikator ist im Dezember nochmals gesunken, um 1,0 Punkte auf -17,9 Punkte.

Anstieg der Euroraum-Inflationsrate bestätigt

Eurostat hat inzwischen endgültige Angaben zur jüngsten Entwicklung der Verbraucherpreise im Euroraum vorgelegt und dabei das zentrale Ergebnis seiner vorläufigen Berechnungen bestätigt. Demnach nahm der Preisanstieg, gemessen am Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI), etwas zu. Die Inflationsrate stieg von 1,0 % im November auf 1,3 % im Dezember. Hierfür waren in erster Linie die Energiepreise verantwortlich, die sich im Dezember leicht um 0,2 % erhöhten, nachdem sie im Vormonat noch merklich zurückgegangen waren (-3,2 %). Bei den Nahrungsmittel- und Dienstleistungspreisen gab es hingegen kaum Veränderungen. Diese legten, nach einer Verteuerung um jeweils 1,9 % im Vormonat, im Dezember um 2,0 % bzw. 1,8 % zu. Für die nächsten Monate zeichnet sich eine Fortsetzung des moderaten Preisanstiegs ab. Indikatoren wie die rückläufigen Industrie-Erzeugerpreise deuten darauf hin, dass die Inflationsrate weiterhin sichtlich unter der 2-Prozent-Marke bleiben wird.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR