Wirtschaftswachstum belebt sich

29.07.2020

 

Ermutigende Signale für die Konjunktur sind die jüngsten Zahlen zu den Einkaufsmanagerindizes im Euroraum wie auch in Deutschland.

Beide Zahlen überschritten die Wachstumsschwelle von 50 Punkten wieder deutlich und zeigen ein Wachstumstempo an, wie man es seit rund zwei Jahren nicht mehr gesehen hat. Für den Euroraum wurde ein Niveau von 54,8 gemeldet, in Deutschland lag das Expansionstempo mit 55,5 Punkten noch etwas höher. Der Indikator misst die Produktion sowohl im Industrie- als auch dem Dienstleistungssektor. Während der Teilbereich Industrie in Deutschland gerade die Wachstumsschwelle von 50 Punkten erreichte, legten die Dienstleister mit 56,7 Punkten dynamisch zu. Der Einkaufsmanagerindex ist ein guter Frühindikator für die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts. Hierzu werden Zahlen für das zweite Quartal sowohl für Deutschland als auch den Euroraum in der zweiten Wochenhälfte veröffentlicht. Aufgrund des Lockdowns rechnen die meisten Wirtschaftsforscher mit einem zweistelligen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktion, dem stärksten Einbruch seit dem zweiten Weltkrieg.

Anstieg des öffentlichen Defizits im Euroraum

Die öffentlichen Defizite haben sich im Euroraum nach Angaben des europäischen Statistikamts Eurostat im ersten Quartal 2020 saisonbereinigt deutlich auf 2,2 % erhöht, im vierten Quartal 2019 waren noch 0,7 % gemeldet worden. Der gemeldete Anstieg des Defizits ist zwar beachtlich, stellt aber nur den Auftakt für mehrere Quartale mit deutlich höheren Fehlbeträgen dar angesichts der umfangreichen finanzpolitischen Maßnahmen in den Mitgliedsstaaten. Der Fehlbetrag erreichte damit den höchsten Betrag seit dem zweiten Quartal 2015. Ursache des Anstiegs waren im Zuge der beginnenden Coronapandemie einerseits ein steigender Ausgabenüberschuss und andererseits der Rückgang der Wirtschaftsleistung im Nenner der Verhältniszahl. Der öffentliche Schuldenstand erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 84,1 % auf 86,3 %.

Verbrauchervertrauen im Euroraum unverändert

Die Erholung des Verbrauchervertrauens im Euroraum hat im Juli eine Pause eingelegt. Es verringerte sich im Vergleich zum Juni geringfügig von -14,7 auf -15,0 Punkte und bewegt sich damit deutlich unter dem langjährigen Durchschnittswert von -11,1 Punkten. Vor dem Ausbruch der Coronapandemie in Europa hatte das Verbrauchervertrauen im Februar 2020 noch bei -6,6 Punkten gelegen.

Verbraucherstimmung in Deutschland verbessert

Im Unterschied zum Euroraum als Ganzes hat sich die Verbraucherstimmung in Deutschland erneut aufgehellt. Die Verbesserung des Verbrauchervertrauens wird insbesondere durch die Mehrwertsteuersenkung getrieben. Vor allem das Vorziehen geplanter größerer Anschaffungen dürfte den Konsum beflügeln. Die Konsumforscher der GfK in Nürnberg sagen für den Monat August einen Anstieg ihres Barometers um gut 9 Punkte auf -0,3 Zähler voraus - der dritte spürbare Anstieg in Folge. Seit seinem Tiefpunkt im Frühjahr hat der Indikator damit fast 23 Punkte hinzugewonnen. Im Juli hatte das Verbrauchervertrauen bei -9,4 Punkten gelegen.

Bauhauptgewerbe im Abschwung

Die Baubranche in Deutschland hatte im Mai einen weiteren Rückschlag zu verkraften. Ursache für den Rückgang der Aufträge war insbesondere der Umsatzrückgang in der exportorientierten Industrie sowie Handel und Gastronomie, der auf die Investitionsbereitschaft drücke. Im Bauhauptgewerbe gingen nach Angaben des Statistischen Bundesamts 8,4 % weniger neue Aufträge ein als im Vorjahresmonat. In den ersten fünf Monaten sank der Auftragseingang preisbereinigt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,5 %. Im Vergleich zum Februar, dem Monat vor Ausbruch der Coronapandemie in Deutschland, war der Auftragseingang um 13,3 % niedriger. Nominal lag der Auftragseingang im Mai bei rund 6,7 Mrd. Euro. Das waren 10,6 % weniger als ein Jahr zuvor. In den ersten fünf Monaten wurde ein Rückgang von 2,1 % verzeichnet.

Erzeugerpreise sinken

Auf Herstellerebene ist das Preisniveau im Juni erneut zurückgegangen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lagen die Erzeugerpreise 1,8 % niedriger als ein Jahr zuvor. Im Vormonat hatte der Preisrückgang 2,2 % betragen. Ausschlaggebend für die Preisentwicklung war die Entwicklung der Energiepreise. Gegenüber Juni 2019 lagen die Energiepreise 6,2 % niedriger. Dies dämpfte das allgemeine Preisniveau spürbar. Ohne Energie lagen die Preise, die Hersteller für ihre Produkte erhalten, 0,4 % niedriger als ein Jahr zuvor.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR