Finanzmärkte: Woche der Entscheidungen

09.12.2019

Kurz vor Weihnachten werden in der aktuellen Woche nochmals richtungsweisende Entscheidungen getroffen.

Da sind die beiden Notenbanksitzungen der Fed und der EZB fasst schon nebensächlich. Am Mittwochabend wird die US Notenbank sehr wahrscheinlich keine Änderung der Geldpolitik vornehmen. Zwar deuten die Frühindikatoren wir der ISM – insbesondere für das Verarbeitende Gewerbe – weiterhin auf eine Eintrübung der US-Konjunktur hin. Allerdings gegeben sowohl Preisentwicklung als auch Arbeitsmarkt aktuell kaum Anlass für eine Ausweitung der expansiven Geldpolitik während der letzten Sitzung in diesem Jahr. Am Donnerstag steht dann Christine Lagarde bei ihrer ersten EZB-Pressekonferenz im Mittelpunkt des Interesses. Auch von der EZB sind keine Änderungen der Geldpolitik zu erwarten. Vielmehr sollte das Wirken der letzten Entscheidungen sowie die anstehende Strategiediskussion abgewartet werden. Somit wird wohl sehr aufmerksam auf den Stil von Lagarde und die Signale zwischen den Zeilen geachtet werden. Auch am Donnerstag wählt Großbritannien ein neues Parlament. Zwar liegen die Tories in den Umfragen in Führung, allerdings könnte das Mehrheitswahlrecht für mehr Unklarheit sorgen, als den Märkten lieb ist. Die Gemengelage ergänzend, sollte der Handelskrieg zwischen China und den USA auf einen Höhepunkt hinaus steuern. Am Sonntag greifen neue, bereits beschlossene Zölle der USA. Sollte es bis dahin keine Einigung oder einen Aufschub geben, wäre dies eine neue Eskalationsstufe und würde ein Teilabkommen zunächst in weite Ferne rücken. Für die Märkte bedeutet dies zunächst abwarten. Je näher das Wochenende rückt, desto mehr Unsicherheit wird jedoch entstehen.

Bunds im Wochenverlauf leicht schwächer

Nachdem gute Konjunkturdaten aus China Bundesanleihen zunächst noch unter Druck brachten, sorgte Donald Trump durch Drohungen gegen Frankreich (als Reaktion auf die Digitalsteuer), aber auch gegenüber Brasilien und Argentinien für steigende Kurse, bzw. sinkende Renditen. Am Freitag rentierten zehnjährige Bundesanleihen mit -0,29 % im Wochenverlauf etwas stärker, die Kurse sanken. US-Treasuries mit der gleichen Restlaufzeit rentierten am Freitag mit rund 1,84 % ebenfalls stärker im Vergleich zur Vorwoche.

OPEC+ ringt sich zur Drosselung durch

Die OPEC+ Staaten haben sich am Freitag tatsächlich zu einer Drosselung der Ölproduktion durchgerungen. Dabei wird das Kartell ab Januar für drei Monate weitere 500.000 Barrel täglich weniger fördern. Zudem erklärt sich Saudi-Arabien bereit freiwillig nochmals um 400.000 Barrel täglich zu reduzieren. Die Ölpreise reagierten deutlich und sprangen nach oben. Allerdings überstiegen den freiwilligen Kürzungen einiger Länder bereits vorab diese Zahlen. Somit entspricht die Vereinbarung lediglich in Teilen eine Formalisierung bereits bestehender Drosselungen. Die US-Sorte WTI notierte am Freitagabend bei etwa 59,20 Dollar pro Barrel, während die europäische Sorte Brent mit rund 64,30 Dollar pro Barrel ins Wochenende ging.

ISM und Trump schwächen US-Dollar

Der US-Dollar erlitt am vergangenen Montag einen Schwächeanfall. Neben neuen Handelsdrohungen von Trump gegenüber Argentinien, Brasilien und auch Frankreich sorgte der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe für Misstrauen gegenüber der konjunkturellen Entwicklung in den USA. Eine schwächere Konjunktur – die durch Handelskonflikte mit herbeigeführt wird – würde die Fed wieder auf den Plan rufen und Zinssenkungen zur Folge haben. Entsprechend wäre das Zinsargument für den US-Dollar geringer – der Kurs sinkt. Entgegengesetzt wirkte am Freitag der starke US-Arbeitsmarktbericht. Mit 266.000 neu geschaffenen Stellen im November waren die Daten deutlich hoffnungsvoller, als zuvor erwartet. Der US-Dollar ging mit 1,106 Dollar pro Euro ins Wochenende. Der japanische Yen sank in der vergangenen Woche leicht gegenüber dem USD. Da die Währung als sicherer Hafen gilt, wurde dieser mit zunehmender Zuversicht hinsichtlich des us-chinesischen Handelsstreites verlassen. Kaum Auswirkungen hatte das neue Konjunkturpaket der japanischen Regierung, welches rund 120 Mrd. Euro umfasst. Dieses kompensiert unter anderem Konsumeffekte in Folge einer Mehrwertsteuererhöhung. Größere Wachstumsimpulse werden dem Paket nicht zugetraut.

DAX begnügt sich

Die Aktienmärkte spiegelten letzte Woche die Unsicherheiten der Zollstreitigkeiten wieder. nach deutlichen Verlusten im Wochenverlauf sorgte der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag für einen versöhnlichen Wochenausklang. Mit rund 13.167 Punkten notierte der DAX leicht schwächer, während der Dow Jones mit 28.015 Punkten kaum verändert ins Wochenende ging.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR