Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 01.02.2021

  • Impfstoffzulassung und Kürzung der Liefermengen
  • Fed hält an geldpolitischer Ausrichtung fest
  • Aktien geben Gewinne zum Jahresbeginn in turbulentem Marktumfeld wieder ab
  • Anleiherenditen unverändert
  • Euro verliert an Außenwert
  • Ölpreise kaum verändert
  • Geringfügiger BIP-Anstieg im 4. Quartal?
  • Zweite Pandemiewelle zeigt am Arbeitsmarkt kaum Spuren
  • Geschäftsklima trübt sich merklich ein
  • Inflationsrate sprunghaft gestiegen

Impfstoffzulassung und Kürzung der Liefermengen

Am Freitag hat die EU dem Impfstoff von Astra-Zeneca eine Marktzulassung für Personen ab 18 Jahren erteilt. Diese hatte die Europäische Arzneimittlebehörde (EMA) zuvor empfohlen. Trotz dieser Zulassung dürfte der COVID-19-Impfstoff auch in den kommenden Wochen in Deutschland knapp bleiben. AstraZeneca hatte in der vergangenen Woche angekündigt, die Impfstofflieferungen an die EU aufgrund von Problemen in einem belgischen Werk von zugesagten 80 auf 31 Mio. Dosen im 1. Quartal kürzen zu müssen. Die EU folgt dieser Argumentation nicht. Die vertraglich vereinbarten Lieferzusagen verteilten sich auf mehrere Werke, was der am Freitag veröffentlichte Vertrag zwischen beiden Parteien zu belegen scheint. Vorher hatte bereits BioNTech angekündigt, die Zahl der gelieferten Impfdosen aufgrund von Umbauarbeiten in einem belgischen Werk reduzieren zu müssen. Die vertraglichen Vereinbarungen sollen jedoch durch höhere Lieferungen ab der Woche vom 15. Februar eingehalten werden. Ungeachtet dessen stieg die Zahl der in Deutschland verabreichten Impfdosen auf durchschnittlich 97.769 Dosen je Tag. In der Vorwoche waren es durchschnittlich 83.517 Dosen je Tag.

Trotz der nur schleppend in Gang kommenden Impfkampagne hat sich das Infektionsgeschehen in der vergangenen Woche erneut abgeschwächt. Am Mittwoch sank die Sieben-Tage-Inzidenz erstmals seit Mitte November unter 100 Fälle je 100.000 Einwohner. Am Freitag reduzierte sich diese auf 91 Fälle je 100.000 Einwohner.

Fed hält an geldpolitischer Ausrichtung fest

Am Mittwoch hat die Fed über ihre geldpolitische Ausrichtung beraten. Wie erwartet wurde weder das Ziel der federal funds rate noch das Volumen der Wertpapierkäufe verändert. Zwar haben sich die mittelfristigen Risiken aufgrund der voranschreitenden Impfkampagne in den USA deutlich reduziert. Allerdings betonte Jerome Powell, dass die Arbeitslosigkeit weiter deutlich über ihrem natürlichen Niveau liegt und Diskussionen um einen Ausstieg aus der expansiven Ausrichtung der Geldpolitik verfrüht seien.

Aktien geben Gewinne zum Jahresbeginn in turbulentem Marktumfeld wieder ab

In der vergangenen Woche haben die Aktienmärkte die zu Jahresbeginn verzeichneten Gewinne wieder abgegeben und schlossen am Freitag unter dem Jahreseinstandswert. Der DAX notierte zum Wochenausklang bei 13.433 Punkten, etwa 3,2 % weniger als in der Vorwoche. Dies war der höchste Wochenverlust des DAX seit Oktober 2020. Auch in Europa gaben die Aktienpreisnotierungen spürbar nach, der EURO STOXX 50 lag zum Wochenschluss 3,4 % unter dem Wert der Vorwoche. Zum einen belastet die nur schleppend in Gang kommende Impfkampagne die Konjunkturaussichten. Zum anderen wächst die Sorge über eine Ausbreitung hoch ansteckender Coronavirusmutationen, weshalb eine Ausweitung von Infektionsschutzmaßnahmen, etwa in Frankreich, erwartet wird. Dies dürfte die Konjunktur neuerlich belasten.

Auch in den USA haben die Aktienpreisnotierungen spürbar nachgegeben. Der S&P 500 gab in etwa 3,3 % nach. Dies, obwohl sich die US-Konjunktur als vergleichsweise resilient erweist. Im 4. Quartal expandierte die Wirtschaftsleistung um 4,0 % (annulisierte Vorquartalsrate). Trotz Ausweitung der Infektionsschutzmaßnahmen wurde die gesamtwirtschaftliche Aktivität erneut ausgeweitet. Eine Ursache für die Kursverluste der vergangenen Woche dürfte eine gestiegene Verunsicherung aufgrund von Marktturbulenzen rund um einzelne Aktien gewesen sein.

Anleiherenditen unverändert

Die Umlaufsrenditen von Staatsanleihen haben sich in der vergangenen Woche nicht verändert. Deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit notierten unverändert bei -0,52 %. In den USA rentierten zehnjährige Staatsanleihen unverändert bei 1,09 %.

Euro verliert an Außenwert

Der Euro hat in der vergangenen Woche leicht abgewertet. Gegenüber den 42 wichtigsten Handelspartnern des Euroraums wertete der Euro um 0,2 % ab. Gegenüber dem US-Dollar verlor der Euro 0,3 % an Wert. Zum Wochenschluss notierte dieser bei 1,21 US-Dollar. Im Zuge der Turbulenzen um einzelne Aktien dürfte die Nachfrage nach US-Dollar von seiner Rolle als sicherer Hafen profitiert haben.

Ölpreise kaum verändert

Die Rohölpreise entwickelten sich in der vergangenen Woche unterschiedlich. In Europa notierte Rohöl der Sorte Brent zum Wochenschluss bei 55,3 US-Dollar. Dies waren 0,1 % mehr als zum Ende der Vorwoche. In den USA verbilligte sich Rohöl der Sorte WTI hingegen um 0,2 %. Zum Wochenultimo notierte ein Fass bei 52,2 US-Dollar.

Geringfügiger BIP-Anstieg im 4. Quartal?

Das Statistische Bundesamt hat am vergangenen Freitag die Ergebnisse seiner Schnellschätzung zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands im 4. Quartal veröffentlicht. Gemäß den aktuellen Angaben verlief die Konjunktur im Jahresendquartal uneinheitlich: einem rückläufigen Privatkonsum standen steigende Bauinvestitionen und Warenexporte gegenüber. Das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandprodukt (BIP) ist gegenüber dem Vorquartal minimal um 0,1 % gestiegen, nachdem es im 3. Quartal noch um außerordentlich kräftige 8,5 % zugelegt hatte. Die BIP-Entwicklung im 4. Quartal scheint damit wesentlich günstiger verlaufen zu sein, als der BVR im Rahmen seiner Ende Dezember veröffentlichten Konjunkturprognose erwartet hatte (-2,0 %). Allerdings sind die aktuellen amtlichen Angaben noch immer mit hohen Unsicherheiten behaftet, weil beispielsweise die regulären Dezemberdaten zum Einzelhandelsumsatz und zur Industrieproduktion noch nicht berücksichtigt werden konnten. Vor diesem Hintergrund ist nach wie vor nicht auszuschließen, dass das BIP wegen der zweiten Pandemiewelle und der in Reaktion darauf verschärften Schutzmaßnahmen (Lockdown) im Jahresendquartal gesunken ist. Detaillierte amtliche Daten zur BIP-Entwicklung im 4. Quartal werden am 24. Februar publiziert.

Zweite Pandemiewelle zeigt am Arbeitsmarkt kaum Spuren

Die Folgen der zweiten Pandemiewelle scheinen den deutschen Arbeitsmarkt bislang nur wenig zu beeinträchtigen. Hierauf deuten zumindest die jüngsten Arbeitslosenzahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hin. Demnach ist die Zahl der von der BA erfassten Arbeitslosen von Dezember auf Januar zwar um 193.00 auf 2,901 Mio. Menschen gestiegen. Grund hierfür waren aber vor allem saisonale Faktoren. Wegen des Winterwetters und wegen des auslaufenden Weihnachtsgeschäfts steigt die Arbeitslosenzahl zu Beginn eines Jahres üblicherweise an. In saisonbereinigter Rechnung ist die Arbeitslosigkeit aber um 41.000 zurückgegangen und damit in ähnlicher Größenordnung wie in den Vormonaten. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote verharrte im Januar auf ihrem vergleichsweise niedrigen Vormonatsstand von 6,0 %. Auch in den aktuellen Erwerbstätigenzahlen schlägt sich die zweite Pandemiewelle und der neuerliche Lockdown bisher kaum nieder. Nach jüngsten Schätzungen ist die saisonbereinigte Erwerbstätigenzahl im Dezember leicht um 10.000 Menschen gestiegen, nachdem sie im November um 26.000 gesunken war. Unmittelbare Auswirkung zeigt der Lockdown aber bei den Anzeigen zur Kurzarbeit. Gemäß BA-Angaben stiegen die Kurzarbeitanzeigen von knapp 628.000 im November auf 781.000 im Dezember, nachdem sie in den Vormonaten zumeist unter 200.000 gelegen hatten.

Geschäftsklima trübt sich merklich ein

Zu Jahresbeginn hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft spürbar verschlechtert. Der auf einer monatlichen Unternehmensumfrage beruhende ifo Geschäftsklimaindex ist im Januar um 2,1 Punkte auf 90,1 Punkte gesunken. Grund hierfür war sowohl seine Lage-, als auch seine Erwartungskomponente. So haben die befragten Unternehmen angesichts der Mitte Dezember verschärften Schutzmaßnahmen ihre aktuelle Geschäftslage insgesamt verhaltener beurteilt als zuvor. Zudem nahm der Pessimismus in den Meldungen zu den Geschäftserwartungen zu, wohl auch wegen der Nachrichten über Lieferverzögerungen bei den Coronavirusimpfstoffen. Die Stimmungseintrübung war breit angelegt. Das Geschäftsklima hat sich in allen betrachteten Wirtschaftsbereichen verschlechtert. Besonders stark fiel der Rückgang im Handel aus, was angesichts der unmittelbaren Betroffenheit vieler Einzelhandelsgeschäfte von den verschärften Schutzmaßnahmen nicht verwundert. Ein Hoffnungszeichen liefert die durchschnittliche Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe, die sich um 1,6 Prozentpunkte auf 81,8 % erhöhte.

Inflationsrate sprunghaft gestiegen

Wie allgemein erwartet, hat sich hierzulande der Auftrieb der Verbraucherpreise zu Jahresbeginn sprunghaft erhöht. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Werte des Verbraucherpreisindex (VPI) mitteilte, kletterte die Inflationsrate von -0,3 % im Dezember auf 1,1 % im Januar. Die wichtigsten Gründe für den kräftigen Anstieg dürfte das Auslaufen der Mehrwertsteuersenkung, das Inkrafttreten der nationalen CO2-Bepreisung für Wohnen und Verkehr sowie die Erholung der Rohölpreise sein. Auch die leichte Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns von 9,35 auf 9,50 Euro je Stunde zum Jahreswechsel dürfte preiserhöhend wirken. Der Anstieg der Inflationsrate wurde sowohl von den schwankungsanfälligen Nahrungs- und Energiepreisen, als auch von den weniger schwankungsanfälligen Dienstleistungspreisen getragen. Bei den Energiepreisen hat sich der Rückgang von -6,0 % im Dezember auf -2,3 % vermindert. Die Nahrungsmittel- und Dienstleistungspreise sind um 2,2 % bzw. 1,5 % gestiegen, nachdem sie zuvor um 0,5 % bzw. 1,1 % zugelegt hatten. Endgültige Angaben zur jüngsten Entwicklung der Verbraucherpreise wird das Statistische Bundesamt voraussichtlich am 10. Februar vorlegen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR