Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 01.03.2021

  • Konjunkturaussichten trotz steigenden Infektionszahlen aufwärtsgerichtet
  • Kapitalmarktrenditen legen weiter zu
  • Aktienmärkte aufgrund von Zinsphantasien unter Druck
  • Euro gewinnt an Außenwert – aber wertet gegenüber dem US-Dollar ab
  • Die Rohölpreise zogen aufgrund des positiven
  • Bruttoinlandsprodukt leicht aufwärtsrevidiert
  • Geschäftsklima legt zu
  • Konsumklima erholt sich
  • Wirtschaftsklima im Euroraum ebenfalls verbessert

Konjunkturaussichten trotz steigenden Infektionszahlen aufwärtsgerichtet

Der seit Mitte Januar 2021 zu beobachtende trendmäßige Rückgang der weltweiten COVID-19 Infektion kam in der vergangenen Woche zum Erliegen. Auch in Deutschland und den USA ist aktuell ein erneuter leichter Anstieg der Neuinfektionszahlen zu beobachten. So stieg die Sieben- Tage-Inzidenz in Deutschland in der vergangenen Woche von 58 Fällen je 100.000 Einwohner auf 64 Fälle am Freitag.

Die Konjunkturaussichten scheint dies jedoch nicht nachhaltig eingetrübt zu haben. Für die USA deutet der Aktivitätsindikator der Federal Reserve Chicago auf eine überdurchschnittliche gesamtwirtschaftliche Expansion hin und der Frühindikator des Conference Board legte zuletzt weiter zu. Der Auftragseingang langlebiger Güter (ausschließlich der volatilen Transportgüter) stieg im Januar stärker als erwartet und auch die Baukonjunktur erweist sich als robust. Zwar gingen die privaten Baubeginne in der Vorwoche von einem hohen Niveau aus leicht zurück. Die Baugenehmigungen für Januar legten in der vergangenen Woche allerdings im Vormonatsvergleich um deutliche 10,7 % zu. Die durchschnittliche Zeit zwischen Fertigstellung und Verkauf eines Hauses ging neuerlich zurück und liegt nun wieder in etwa auf dem Niveau von vor der Coronapandemie. Auch der Konsum dürfte sich weiter robust entwickeln. So stiegen die Einkommen im Januar mit 10,0 % erwartungsgemäß kräftig. Zum Jahresbeginn wurden die im Rahmen des Konjunkturpaketes beschlossenen Schecks an Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen verschickt sowie zusätzliche Arbeitslosenhilfen gewährt. Das Verbrauchervertrauen in den USA hellte sich daher weiter auf und die Verbraucherstimmung kühlte weniger stark ab, als dies vorläufige Schätzungen angezeigt hatten. Insgesamt wurde bisher jedoch nur ein Teil der temporären Einkommensgewinne verkonsumiert. Im Januar stiegen die privaten Konsumausgaben um 2,4 %. Auch in den kommenden Monaten dürfte die Konsumnachfrage in den USA daher robust bleiben.

In Deutschland scheint der Lockdown die gesamtwirtschaftliche Aktivität bisher weniger schwer getroffen zu haben als noch im Frühjahr des vergangenen Jahres. So legte das BIP im 4. Quartal trotz des (Teil-)Lockdowns weiter zu und das ifo Geschäftsklima zog zuletzt sogar deutlich an.

Kapitalmarktrenditen legen weiter zu

Die Umlaufsrenditen von Anleihen haben in der vergangenen Woche weiter zugelegt. Zum Wochenultimo rentierten deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit bei -0,26 %. Damit sind die Renditen in der vergangenen Woche um 5 Basispunkte gestiegen. In den USA zogen die Umlaufsrenditen von zehnjährigen Staatsanleihen um 11 Basispunkte an. Zum Wochenende lag die Umlaufsrendite bei 1,46 %. Die Kapitalmarktrenditen haben in den USA damit seit Anfang des Jahres deutlich angezogen. In seiner Erklärung im Senat in der vergangenen Woche hat Jerome Powell allerdings nochmals betont, dass die Fed mit einer Straffung der Geldpolitik erst nach einem deutlichen Überschießen der Inflation über das durchschnittliche Inflationsziel beginnen wird.

Aktienmärkte aufgrund von Zinsphantasien unter Druck

Die Aktienpreise haben in der vergangenen Woche zum Teil spürbar nachgegeben. Der DAX verlor im Wochenverlauf 1,5 % an Wert und schloss bei 13.786 Punkten. In den USA notierte der S&P 500 2,4 % schwächer als in der Vorwoche. Insbesondere die Sorge vor steigenden Zinsen dürfte die Aktienpreisentwicklung belastet haben. Darüber hinaus nähren zuletzt wieder gestiegene Infektionszahlen die Sorge vor einer Verschiebung der Rückführung von Infektionsschutzmaßnahmen.

Euro gewinnt an Außenwert – aber wertet gegenüber dem US-Dollar ab

Der Euro hat gegenüber den Währungen der 42 wichtigsten Handelspartner 0,8 % an Wert gewonnen. Gegenüber dem US-Dollar reduzierte sich der Außenwert allerdings um 0,4 % und schloss zum Wochenausklang bei 1,21 US-Dollar. Nach Gewinnen im Wochenverlauf wertete der Euro am Freitag gegenüber dem US-Dollar um rund 0,8 % ab. Rohölpreise vor OPEC plus treffen deutlich im Plus

Die Rohölpreise zogen aufgrund des positiven

Konjunkturausblickes weiter an. In Europa verteuerte sich Rohöl der Sorte Brent um 4,8 %. Ein Fass notierte zum Wochenultimo 65,9 US-Dollar. In den USA dürften sich mit steigenden Temperaturen die kältebedingten Kapazitätseinschränkungen von Raffinerien aufgelöst haben. Mit steigender Nachfrage zogen auch die Rohölpreise wieder an. Ein Fass der Sorte WTI kostete zuletzt 4,1% mehr und notierte bei 61,6 US-Dollar. Die deutlichen Preisanstiege machen eine leichte Produktionsausweitung im April wahrscheinlich. Hierüber berät die OPEC plus in dieser Woche.

Bruttoinlandsprodukt leicht aufwärtsrevidiert

Das Statistische Bundesamt hat inzwischen erste detaillierte Angaben zu den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen Deutschlands für das 4. Quartal veröffentlicht. Nach derzeitigem Datenstand stieg das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal nicht um 0,1 %, wie Ende Januar gemeldet, sondern um 0,3 %. Allerdings gab die Gesamtwertschöpfung im Jahresendquartal leicht um 0,2 % nach, sodass im Zuge künftiger amtlicher Revisionen ein BIP-Rückgang weiterhin nicht auszuschließen ist. Für eine künftige Abwärtsrevision sprechen auch die Vorratsveränderungen, die mit ungewöhnlich hohen 1,4 Prozentpunkten zum BIP-Anstieg beitrugen und die oftmals als Restgröße für den Abgleich zwischen divergierenden entstehungs- und verwendungsseitigen Ergebnissen verwendet werden. In jedem Fall hat sich die Konjunkturdynamik zum Jahresende sehr deutlich abgeschwächt. Im 3. Quartal war das BIP noch um außerordentlich kräftige 8,5 % expandiert. Hauptgrund für die schwächere konjunkturelle Gangart war und ist die zweite Pandemiewelle, die ab November zu einer Verschärfung der Infektionsschutzmaßnahmen führte. Vor diesem Hintergrund sanken die privaten Konsumausgaben (-3,3 %) deutlich. Auch der Staatskonsum (-0,5 %) verminderte sich, nachdem er in den Vorquartalen merklich gestiegen war. Insgesamt haben Konsumausgaben den BIP-Anstieg um 1,9 Prozentpunkte reduziert. Von Seiten der Bruttoanlageinvestitionen gingen hingegen Wachstumsimpulse aus. Hier standen einem leichten Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen (-0,1 %), steigenden Investitionen in Bauten (+1,8 %) und sonstigen Anlagen (+0,6 %) gegenüber. Der Außenhandel trug ebenfalls positiv zum BIP-Anstieg bei, da angesichts der allmählich anziehenden Weltkonjunktur und einer insgesamt schwachen Binnennachfrage die Exporte (+4,5 %) stärker zulegten als die Importe (+3,7 %). Wegen der anhaltenden wirtschaftlichen Beschränkungen dürfte das BIP im laufenden 1. Quartal sinken. Jüngste modellbasierte Schätzungen des BVR legen einen Rückgang in einer Größenordnung von 1 % nahe.

Geschäftsklima legt zu

Im Februar hat sich die Stimmung in den Unternehmen der deutschen Wirtschaft deutlich verbessert. Der ifo Geschäftsklimaindex ist gegenüber dem Vormonat um 2,1 Punkte auf 92,4 Punkte gestiegen, nachdem er im Januar noch merklich zurückgegangen war. Verantwortlich für den Anstieg des auf einer regelmäßigen Unternehmensumfrage beruhenden Indikators waren sowohl seine Lage- als auch seine Erwartungskomponente. So haben die Umfrageteilnehmer ihre aktuelle Geschäftslage per Saldo besser bewertet als zuvor. Zudem hat sich ihr Pessimismus in Hinblick auf die künftige Situation weiter vermindert. Die Aufhellung des Geschäftsklimas war breit angelegt. Die Stimmung hat sich sowohl im Verarbeitende Gewerbe und Baugewerbe, als auch im vielfach stärker vom Lockdown betroffenen Handel und der Dienstleistungssektor verbessert. Besonders deutlich legte das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe zu, getragen von einer Verbesserung in allen wichtigen Industriezweigen. Im Baugewerbe fiel die Stimmungsverbesserung hingegen am schwächsten aus. Grund hierfür war die Lage, die von den Baufirmen angesichts des außergewöhnlich kalten Winterwetters schlechter beurteilt wurde.

Konsumklima erholt sich

Nicht nur in den Unternehmen, auch unter den Verbrauchern in Deutschland hat sich die Stimmung jüngst verbessert. Dies zeigen zumindest die Ergebnisse der jüngsten GfK-Konsumentenbefragung. Demnach konnten sich sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartungen als auch die Anschaffungsneigung der Verbraucher etwas erholen, nachdem sie zu Jahresbeginn wegen der zweiten Pandemiewelle eingebrochen waren. Die GfK geht davon aus, dass das GfK-Konsumklima im März um 2,6 Punkte auf -12,9 Punkte steigen wird. Alles in allem legen die neusten Umfrageergebnisse des ifo Instituts und der GfK nahe, dass die deutsche Konjunktur nach einem schwachen Jahresauftakt im Frühjahr wieder kräftig an Fahrt aufnehmen wird. Voraussetzung hierfür ist aber ein – befördert durch zunehmende Impfungen und Coronatests – merkliches Abflauen der Pandemie, das ein weiteres Rückfahren der Schutzmaßnahmen ermöglicht.

Wirtschaftsklima im Euroraum ebenfalls verbessert

Im Euroraum hat sich das wirtschaftliche Sentiment in den Unternehmen und unter den Verbrauchern ebenfalls aufgehellt. Nach Angaben der EU-Kommission nahm der Wirtschaftsklimaindikator des Währungsraums von 91,5 Punkten im Januar auf 93,4 Punkte im Februar zu. Maßgeblich für den Anstieg war die Stimmung in den Industrieunternehmen, die sich zum dritten Mal in Folge verbesserte. Aber auch im Dienstleistungssektor (ohne Handel) und im Bausektor sowie unter den Konsumenten nahm das wirtschaftliche Vertrauen zu. Lediglich im Einzelhandel trübte sich das Wirtschaftsklima weiter ein, da hier aufgehellten Erwartungen einer schlechteren Beurteilung der jüngsten Situation gegenüberstand.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR