Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 03.05.2021

  • Infektionslage in Deutschland entspannt sich leicht
  • Federal Reserve bestätigt geldpolitische Ausrichtung
  • DAX mit leichten Verlusten
  • Steigende Inflation lässt Anleiherenditen anziehen
  • Euro wertet ab
  • Rohöl deutlich teurer
  • Andauernde Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt
  • Leichter Anstieg des Geschäftsklimas
  • BIP Deutschlands um 1,7 % gesunken
  • Schwächerer BIP-Rückgang im Euroraum

Infektionslage in Deutschland entspannt sich leicht – Rekord bei verabreichten Impfdosen

Die weltweiten Neuinfektionszahlen haben zuletzt neue Höchstwerte erreicht. Insbesondere in Indien scheint die Lage zunehmend außer Kontrolle zu geraten. In der vergangenen Woche wurden dort durchschnittlich 350.000 Neuinfektionen am Tag gezählt. In Deutschland zeichnet sich hingegen eine leichte Entspannung des Infektionsgeschehens ab. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist am vergangenen Freitag im Bundesdurchschnitt auf 149 Fälle je 100.000 Einwohner zurückgegangen. In der Vorwoche wurden noch 164 Fälle je 100.000 Einwohner registriert. Auch die Auslastung der Intensivbetten ging erstmals seit März wieder zurück. Am vergangenen Freitag wurden 5.011 mit dem Coronavirus infizierte Erwachsene intensivmedizinisch behandelt, nach 5.037 Personen in der Vorwoche. Positiv hat sich in der vergangenen Woche auch das Impftempo entwickelt. Nach dem leichten Rückgang in der Vorwoche wurden in der vergangenen Woche mit tagesdurchschnittlich rund 630.000 Dosen wieder deutlich mehr Impfdosen verabreicht. Am Mittwoch wurde mit rund 1,1 Mio. verabreichten Dosen ein neuer Tagesrekord erzielt. Aufgrund der leichten Entspannung des Infektionsgeschehens unterschreiten aktuell 91 Kreise den für eine Rücknahme von Infektionsschutzmaßnahmen entscheidenden Grenzwert von 100 Fällen je 100.000 Einwohner. In der Vorwoche waren es lediglich 58. In anderen europäischen Ländern werden Infektionsschutzmaßnahmen hingegen trotz einer deutlich höheren Verbreitung des Virus bereits zurückgeführt. In den Niederlanden dürfen Geschäfte und die Gastronomie den Außenbereich seit Mittwoch wieder öffnen. In Italien ist die Außengastronomie in Regionen mit niedrigen COVID-19-Fallzahlen seit Montag wieder erlaubt. Ebenfalls seit Montag haben Kindertagesstätten und Grundschulen in Frankreich wieder geöffnet.

Federal Reserve bestätigt geldpolitische Ausrichtung

Die Federal Reserve (Fed) hat am vergangenen Mittwoch trotz der absehbaren konjunkturellen Belebung in den USA an der expansiven Ausrichtung der Geldpolitik festgehalten. Das Ziel für die Federal Funds Rate von 0 bis 0,25 % wurde bestätigt. Die Wertpapierkäufe werden mit einem Volumen von 120 Mrd. US-Dollar je Monat fortgeführt. Die Beschäftigung liegt weiterhin deutlich unter dem Ziel der Vollbeschäftigung und der Preisauftrieb unterschreitet das Inflationsziel. In der kurzen Frist strebt die Fed daher eine Inflation von mehr als 2 % an, um das durchschnittliche Inflationsziel nach einem nur moderaten Preisauftrieb in der Vergangenheit zu erreichen. Die monetären Rahmenbedingungen dürften daher für einen längeren Zeitraum akkommodativ bleiben. Ähnlich wie die Europäische Zentralbank hält die Fed trotz der absehbaren konjunkturellen Belebung an ihrer expansiven Ausrichtung fest. Die Bank of Canada hatte zuvor hingegen mit einer Reduktion der Anleihekäufe auf die konjunkturelle Belebung reagiert. Statt der bisherigen mindestens 4 Mrd. Kanadischen Dollar sollen nun Wertpapiere im Volumen von 3 Mrd. Kanadischen Dollar je Woche erworben werden.

DAX mit leichten Verlusten

Der DAX entwickelte sich in der vergangenen Woche unterdurchschnittlich und ging um 0,9 % zurück. Zum Handelsschluss notierte der Deutsche Leitindex bei 15.136 Punkten. Die weltweite Knappheit an Halbleitern belastet insbesondere die im DAX stark vertretene Automobilindustrie. In den USA notierte der S&P 500 Index nach positiven Quartalszahlen hingegen in etwa unverändert.

Steigende Inflation lässt Anleiherenditen anziehen

Die Umlaufsrenditen deutscher Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit haben um 6 Basispunkte auf -0,20 % zum Wochenultimo angezogen. Zwischenzeitlich notierten die Renditen auf dem höchsten Wert seit mehr als einem Jahr. Die im April gestiegene Inflation heizte die Erwartung mittelfristig steigender Zinsen an. In den USA rentierten zehnjährige Staatsanleihen ebenfalls 6 Basispunkte mehr, bei 1,63 %.

Euro wertet ab

Gegenüber dem US-Dollar verlor der Euro in der vergangenen Woche nach mäßigen Konjunkturzahlen 0,7 % an Wert und notierte zum Wochenultimo bei 1,20 US-Dollar. Gegenüber den Währungen der 42 wichtigsten Handelspartner des Euroraums wertete der Euro 0,1 % ab.

Rohöl deutlich teurer

Die Rohölpreise haben vor der absehbaren Rückführung der Infektionsschutzmaßnahmen deutlich angezogen. Ein Fass der Sorte Brent kostete zum Wochenschluss mit 67,7 US-Dollar rund 3,0 % mehr als in der Vorwoche. In den USA verteuerte sich Rohöl der Sorte WTI um 2,1 %. Ein Fass kostete zum Wochenultimo 63,5 US-Dollar.

Andauernde Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt

Die konjunkturelle Entwicklung Deutschlands wird zwar nach wie vor durch die Folgen der Coronapandemie beeinträchtigt. Jedoch zeigt sich die Arbeitsmarktlage noch immer vergleichsweise robust. Die Arbeitslosenzahl ist zuletzt sogar erneut zurückgegangen. Sie sank aber nicht aus konjunkturellen Gründen, sondern alleine wegen der anhaltenden Frühjahresbelebung, die mit mehr Aktivitäten in den Außenberufen verbunden ist. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) gab die Arbeitslosenzahl im April gegenüber dem Vormonat um 56.000 Personen auf 2,711 Mio. Menschen nach. In der um die üblichen saisonalen Effekte bereinigten Rechnung tendiert sie aber seit Jahresbeginn seitwärts. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote verharrte im April auf ihrem Vormonatsstand von 6,0 %. Auf eine trotz der zweiten und dritten Pandemiewelle insgesamt robuste Arbeitsmarktverfassung lassen auch die jüngsten Erwerbstätigenzahlen des Statistischen Bundesamtes schließen. Die Erwerbstätigenzahl kletterte saisonbereinigt geringfügig von 44,600 im Februar auf 44,616 Mio. im März, nachdem sie zuvor noch einem leichten Abwärtstrend folgte. Im Zuge der im Sommerhalbjahr zu erwartenden Konjunkturbelebung dürfte sich der Beschäftigungsaufbau in den kommenden Monaten fortsetzten. Darauf deutet auch der BA-Stellenindex BA-X hin, der im April um 2 Punkte auf 104 Punkte zulegte.

Leichter Anstieg des Geschäftsklimas

Im April ist der ifo Geschäftsklimaindex für Deutschland erneut gestiegen. Der auf einer monatlichen Unternehmensumfrage beruhende Frühindikator legte gegenüber dem Vormonat um 0,2 Punkte auf 96,8 Punkte zu. Maßgeblich für den leichten Anstieg war die Geschäftslage, die von den Umfrageteilnehmern abermals besser bewertet wurde. Die Geschäftsaussichten für das nächste halbe Jahr wurden von den Unternehmen allerdings etwas verhaltener beurteilt, wohl auch wegen verstärkter Engpässe bei Vorprodukten. Im Verarbeitenden Gewerbe berichteten 45,0 % der Umfrageteilnehmer über derartige Engpässe und damit so viele wie seit 1991 nicht mehr. Positiv stimmt aber, dass die Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe weiter zugenommen hat. Sie ist den Meldungen zufolge im Durchschnitt von 81,9 % auf 86,2 % gestiegen. Die Auslastung befindet sich dadurch erstmals seit knapp zwei Jahren wieder über ihren langjährigen Mittelwert von 83,5 %. Alles in allem verdichten sich mit den jüngsten Umfrageergebnissen die Signale dafür, dass die konjunkturelle Entwicklung Deutschlands nach einem schwachen Winterhalbjahr im Sommerhalbjahr in der Breite wieder Tritt fassen wird. Grundvoraussetzung hierfür ist, dass es beim Pandemiegeschehen zu keinen weiteren Rückschlägen kommt.

BIP Deutschlands um 1,7 % gesunken

Das Statistische Bundesamt hat am 30. April erste Angaben zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands für das Jahresauftaktquartal 2021 veröffentlicht. Den Angaben zufolge ist das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal um 1,7 % zurückgegangen. Im 4. Quartal war das BIP nach aktuellem Datenstand noch um (leicht aufwärtsrevidierte) 0,5 % gestiegen. Der Rückgang zu Jahresbeginn fiel damit deutlich stärker aus als im Rahmen der Winterkonjunkturprognose des BVR prognostiziert (-1,0 %). Gemäß den amtlichen Angaben war für das Schwinden der Wirtschaftsleistung vor allem die privaten Konsumausgaben verantwortlich. Der Privatkonsum gab wegen der zweiten Pandemiewelle und der im Zuge dessen verschärften Infektionsschutzmaßnahmen erneut nach. Demgegenüber wirkten die Warenexporte stabilisierend auf die Gesamtentwicklung. Detaillierte BIP-Angaben für das 1. Quartal wird das Bundesamt am 25. Mai veröffentlichen. Jüngste Schätzungen des BVR legen für das laufende 2. Quartal eine spürbare Erholung nahe. Demnach ist ein BIP-Anstieg um rund 3 % denkbar.

Schwächerer BIP-Rückgang im Euroraum

Nicht nur in Deutschland, auch im Euroraum hat sich die Wirtschaftsleistung im Zuge der zweiten Pandemiewelle vermindert. Gemäß der vorläufigen Schnellschätzung von Eurostat sank das BIP im Währungsraum um 0,6 % und damit deutlich schwächer als hierzulande. Allerdings hatte das Euroraum-BIP bereits im 4. Quartal (-0,7 %) nachgegeben. Unter den großen Mitgliedsstaaten wies lediglich Frankreich (+0,4 %) einen Zuwachs aus. Für Spanien (-0,5 %) und in Italien (-0,4 %) wurden ebenfalls Rückgänge ermittelt. Erste Angaben zum Verlauf der BIP-Verwendungskomponenten (Konsum, Investitionen und Außenhandel) wird Eurostat am 8. Juni bekanntgeben.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR