Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 04.01.2021

  • EU und Großbritannien einigen sich auf Handelsabkommen
  • Britisches Pfund deutlich fester
  • Aktienpreise legen zum Jahresende deutlich zu
  • Langfristzinsen unverändert
  • Rohölpreise geben nach
  • BVR prognostiziert für 2021 BIP-Anstieg um 3,2 %
  • Lockdown belastet das Konsumklima
  • Euroraum-Verbrauchervertrauen

EU und Großbritannien einigen sich auf Handelsabkommen

Die Europäische Union (EU) und das Vereinigte Königreich haben sich am 24. Dezember 2020 auf ein Handels- und Kooperationsabkommen nach Auslaufen der Übergangsfrist zum 1. Januar 2021 geeinigt. Da die Zeit für eine Ratifizierung des Vertrages nicht ausreichte, haben alle EU-Länder einer vorläufigen Anwendung des Vertrages zugestimmt. Das EU-Parlament soll den Handelsvertrag im Januar überprüfen und ratifizieren.

Konkret haben sich beide Seiten darauf geeinigt, dass keine Preis- und Mengenbeschränkungen im Warenhandel zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich Anwendung finden sollen. Dennoch steigt der bürokratische Aufwand im bilateralen Warenhandel, da britische Exporteure zukünftig die Einhaltung EU-weiter Standards nachweisen müssen. Dies impliziert Grenzkontrollen an der Grenze zwischen der EU und Großbritannien bzw. an der Inlandsgrenze zwischen Großbritannien und Nordirland. Für den Dienstleistungshandel gilt, dass ein Marktzugang konditional auf Äquivalenz der in beiden Wirtschaftszonen geltenden Regulierung erteilt wird. Zwar verschlechtern sich die Bedingungen für den bilateralen Handel durch das Abkommen im Vergleich zum vorherigen Status quo erheblich. Ein Rückfall auf WTO-Regeln konnte durch diese Einigung jedoch abgewendet werden.

Britisches Pfund deutlich fester

Das Britische Pfund hat mit Bekanntwerden der Einigung zwischen der EU und Großbritannien deutlich an Außenwert gewonnen. Gegenüber dem Euro legte das Britische Pfund in den vergangenen beiden Wochen um rund 1 % zu.

Der Außenwert des Euro hat in den vergangenen beiden Wochen leicht an Wert verloren, insbesondere aufgrund einer deutlichen Abwertung zum Jahresschluss. Ein Euro konnte zuletzt in 1,22 USDollar getauscht werden. Dies entspricht einer Abwertung um 0,3 %. Gegenüber den 42 wichtigsten Handelspartnern verlor der Euro rund 0,1 % an Wert.

Aktienpreise legen zum Jahresende deutlich zu

Die Aktienpreise haben zum Jahresende nochmals angezogen. Der DAX erreichte zwischenzeitlich ein neues Allzeithoch und notierte zum Jahresende rund 0,6 % höher als vor Weihnach- ten. Zum einen dürfte sich die Zulassung des COVID- 19-Impfstoffs von BioNTech und Pfizer am 21. Dezember 2020 positiv auf die Gewinnaussichten von Unternehmen ausgewirkt haben. Am 27. Dezember 2020 wurde in Deutschland offiziell bundesweit mit Impfungen begonnen. Zum anderen hat die Einigung über das Handels- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich Klarheit über die zukünftigen Handelsbeziehungen beider Wirtschaftsräume geschaffen. Zwar dürfte der Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem EU-Binnenmarkt erhebliche Umstrukturierungen nach sich ziehen. Das Schreckensszenario eines ungeregelten Ausscheidens des Vereinigten Königreichs aus dem EU-Binnenmarkt wäre wirtschaftlich jedoch wohl mit deutlich höheren Kosten verbunden gewesen. Auch im Vereinigten Königreichwurden Aktienpreisnotierungen von der Einigung zwischen der EU und dem Vereinigtem Königreich zwischenzeitlich beflügelt, konnten diese Gewinne jedoch zum Jahresausklang nicht halten. Insgesamt verlor der Leitindex in den vergangenen beiden Wochen etwa 1,1 % an Wert.

In den USA legte der S&P um 1,3 % zu. Hier dürfte insbesondere das Einlenken Donald Trumps zur Unterzeichnung des überparteilich vereinbarten Gesetzespaketes die Märkte beflügelt haben. Dieses Paket stellt zum einen die Finanzierung der Regierung sicher. Zum anderen wird der Wirtschaft durch ein neuerliches Konjunkturpaket mit einem Umfang von 900 Mrd. US-Dollar ein expansiver Impuls gegeben.

Langfristzinsen unverändert

Die langfristigen Zinsen haben sich in den vergangenen Wochen kaum verändert. Deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit rentierten zum Jahresschluss unverändert -0,58 %.

In den USA lag die Umlaufsrendite für Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit bei 0,91 %. Die sind etwa 4 Basispunkte weniger als zwei Wochen zuvor. Insbesondere die mit dem Konjunkturpaket verbundene Aufnahme neuer Schulden dürfte die langfristigen Zinsen gedrückt haben.

Rohölpreise geben nach

Die Ölpreise sind in den vergangenen beiden Wochen etwas zurückgegangen. In Europa kostete ein Fass der Sorte Brent zum Jahresschluss 51,2 US-Dollar. Dies sind etwa 1,8 % weniger als vor Weihnachten.

In den USA verbilligte sich Rohöl der Sorte WTI in ähnlichem Umfang. Zum Jahresschluss notierte ein Fass bei 48,4 US-Dollar, etwa 1,4 % weniger als vor Zweiwochenfrist.

BVR prognostiziert für 2021 BIP-Anstieg um 3,2 %

Im Rahmen des „Volkswirtschaft Kompakt“ hat der BVR am 22. Dezember seine neue Konjunkturprognose veröffentlicht. Dem Basisszenario der Prognose zufolge wird die deutsche Wirtschaft wegen der zweiten Coronawelle im Winterhalbjahr 2020/21 nochmals in die Rezession abgleiten. Das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte im 4. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 2,0 % zurückgehen und im 1. Quartal um 1,0 %. Der Aufschwung wird damit aber nicht aufgehoben, sondern nur zeitlich nach hinten verschoben. Eine zentrale Annahme des Basisszenarios ist, dass die Coronapandemie allmählich abflaut. Im Zuge dessen wird der aktuelle Lockdown in Deutschland ab Februar allmählich gelockert. Dies dürfte ab dem 3. Quartal zu einem kräftigen Wachstumssprung führen.

Wegen des schwächer verlaufenden Winterhalbjahres, korrigiert der BVR seine Wachstumseinschätzung für Deutschland 2021 deutlich nach unten. Gegenüber der Sommerkonjunkturprognose wird der Prognosewert zum Anstieg des preisbereinigten BIP von 5,0 % auf 3,2 % vermindert. Der Prognosewert für 2020 wird hingegen merklich aufwärtsrevidiert, von bisher -7,0 % auf -5,5 %, da die Entwicklung im Sommerhalbjahr günstiger ausfiel als angenommen. Das gesamtwirtschaftliche Wachstum wird 2021 vor allem durch höhere Konsumausgaben getrieben werden. Der Außenhandel dürfte ebenfalls einen positiven Beitrag zum BIP-Wachstum leisten. Die Bruttoinvestitionen werden hingegen kaum Wachstumsimpulse liefern.

Mit seiner Wachstumseinschätzung für Deutschland 2021 befindet sich der BVR derzeit am unteren Rand des Prognosespektrums. Etwas verhaltener sind die Fachleute der Deutschen Bundesbank (Bbk), die in ihrer am 11. Dezember veröffentlichten Winterkonjunkturprognose mit einem Anstieg des preisbereinigten BIP um 3,0 % rechnen. Deutlich optimistischer waren hingegen die Fachleute des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die im Rahmen ihrer Anfang Dezember veröffentlichten Konjunkturprognose einen BIP-Zuwachs um 5,3 % erwartet hatten. Angesichts der anhaltend schwierigen Pandemielage und der mit Wirkung zum 16. Dezember vorgenommenen Verschärfung von Schutzmaßnahmen hat das DIW aber am 15. Dezember seinen BIP-Prognosewert auf 3,5 % vermindert. 

Lockdown belastet das Konsumklima

Zum Jahreswechsel hat sich in Deutschland die Stimmung unter den Verbrauchern deutlich eingetrübt. Das anhand einer monatlichen Verbraucherbefragung der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erhobene Konsumklima ist von -3,2 Punkten im November auf -6,8 Punkte im Dezember gesunken. Zudem prognostizieren die GfK-Fachleute für Januar einen weiteren Rückgang des Stimmungsindikators auf dann -7,3 Punkte. Die Verbraucherstimmung zeigte sich zuletzt allerdings uneinheitlich. Während sich die Konjunkturerwartungen der Umfrageteilnehmer nach den Rückgängen der Vormonate stabilisierte und sich ihre Anschaffungsneigung erhöhte, haben sich ihre Einkommenserwartungen vermindert. Darüber hinaus signalisieren die Umfrageergebnisse, dass die Sparneigung der Verbraucher spürbar gestiegen ist. Hauptgrund für die Eintrübung des Konsumklimas ist offensichtlich die weitere Verschärfung der Pandemielage. Angesichts steigender Infektions- und Todeszahlen wurde der bundesweite Teil-Lockdown Mitte Dezember verlängert und verschärft. Im Zuge dessen wurden die meisten stationären Geschäfte geschlossen, sodass sich die Konsummöglichkeiten für viele Verbraucher während der Hochphase des wichtigen Weihnachtsgeschäfts spürbar einschränkten. Insgesamt deuten die jüngsten Umfrageergebnisse der GfK darauf hin, dass die Konsumausgaben in Deutschland, nach dem rasanten Wachstum vom 3. Quartal, im Winterhalbjahr eine deutlich schwächere Entwicklung nehmen werden.

Euroraum-Verbrauchervertrauen hellt sich auf

Im Gegensatz zur Entwicklung in Deutschland scheint sich das Verbrauchervertrauen im Euroraum als Ganzes zum Jahresende aufgehellt zu haben. Dies legen zumindest die vorläufigen Umfrageergebnisse nahe, die Ende Dezember von der EU-Kommission veröffentlicht wurden. Demnach ist der Indikator des Verbrauchervertrauens im Dezember um 3,7 Punkte gestiegen, nachdem er in den Vormonaten nachgegeben hatte. Maßgeblich für den Anstieg dürfte die mit den neuen Impfstoffen einhergehende Hoffnung auf eine baldige Überwindung der Coronapandemie sein. Der Indikator des Verbrauchervertrauens befindet sich mit -13,9 Punkten aber noch immer unter seinem langjährigen Durchschnittswert von -11,2 Punkten, was auf eine zum Jahresende gedämpfte Konsumkonjunktur schließen lässt.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR