Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 06.04.2021

  • Bundesregierung konkretisiert Einbeziehung der Hausärzte in Impfkampagne
  • DAX über 15.100 Punkten
  • Euro verliert weiter an Außenwert
  • Kapitalmarktzinsen leicht gestiegen
  • Blockade des Suezkanals gelöst – OPEC plus hebt Fördermenge leicht an
  • Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt
  • 15,5 % weniger Firmenpleiten in 2020
  • Verbraucherpreise legen stärker zu
  • Bessere Wirtschaftsstimmung im Euroraum

Bundesregierung konkretisiert Einbeziehung der Hausärzte in Impfkampagne

Am vergangenen Donnerstag hat Gesundheitsminister Jens Spahn die Strategie zur Einbindung von Hausärzten in die Impfkampagne präzisiert. Demnach soll in dieser Woche bundesweit mit Impfungen bei Kassenärzten begonnen werden. Hierfür ständen zunächst rund 940.000 Impfdosen von BioNTech zur Verfügung. Im weiteren Verlauf des Aprils sollen schrittweise auch die Präparate von AstraZeneca und Johnson & Johnson von Hausärzten verimpft werden. Ende April sollen rund 3 Mio. Impfdosen in der Woche durch Hausärzte verabreicht werden. Bisher wird der Impfstoff meist in Impfzentren verabreicht. Insgesamt wurden bisher etwa 17 Impfdosen je 100 Einwohner verabreicht. Ein höheres Impftempo scheint vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen dringend notwendig. In der vergangenen Woche infizierten sich rund 131 Personen je 100.000 Einwohner mit dem Coronavirus. In der vergangenen Woche lag die Sieben-Tage-Inzidenz noch bei 125. Die Zahl der mit COVID-19 in Verbindung stehenden Todesfälle nahm dennoch erneut leicht ab, um 15 auf 159 Personen je Tag.

DAX über 15.100 Punkten

Die Aktienpreise haben in der vergangenen Woche erneut spürbar angezogen. Der DAX überschritt erstmals die Marke von 15.000 Punkten und erreichte am Donnerstag den bisherigen Höchststand von rund 15.111 Punkten. Zum Wochenschluss notierte der Deutsche Leitindex bei 15.107 Punkten. Damit lag der DAX 2,4 % über dem Ultimo der Vorwoche. Trotz geltender Kontaktbeschränkungen ist die konjunkturelle Lage im Verarbeitenden Gewerbe weiter günstig. In den USA belastete hingegen insbesondere zu Wochenbeginn der Zusammenbruch des US-Hedgefonds Archegos Capital die Märkte. Der S&P 500 legte im Wochenverlauf um 1,1 % zu.

Euro verliert weiter an Außenwert

Gegenüber dem US-Dollar hat der Euro auch in der vergangenen Woche wieder an Wert verloren und schloss im Vergleich zur Vorwoche rund 0,3 % schwächer. Zum Wochenultimo konnte ein Euro in 1,18 US-Dollar getauscht werden. Insbesondere die stärkere US-Konjunktur dürfte aktuell die Nachfrage nach der US-Währung treiben. In Europa belasten zudem das schleppende Impftempo und der neuerliche Lockdown in Frankreich die Konjunktur. Im Vergleich zu den Währungen der 42 wichtigsten Handelspartner des Euroraums wertete der Euro um lediglich 0,1 % ab. Auch in der vergangenen Woche verlor insbesondere die Türkische Lira an Außenwert. Nach dem Zentralbankchef wurde in der vergangenen Woche auch dessen Stellvertreter entlassen. Dies hat die Zweifel an einem ernsthaften Willen zur Inflationsbekämpfung in der Türkei weiter gemehrt.

Kapitalmarktzinsen leicht gestiegen

Die Umlaufsrenditen zehnjähriger deutscher Staatsanleihen haben in der vergangenen Woche um 3 Basispunkte angezogen und notierten zum Wochenschluss bei -0,33 %. Positive Konjunktureinschätzungen zum Wochenbeginn sorgten für Auftrieb der Umlaufsrenditen. Im weiteren Verlauf der Woche gaben die Renditen dann aber wieder nach. Auch in den USA sind die Renditen für Staatsanleihen in der vergangenen Woche leicht gestiegen.

Blockade des Suezkanals gelöst – OPEC plus hebt Fördermenge leicht an

Anfang der vergangenen Woche konnte die Blockade des Suezkanals gelöst werden. Das Containerschiff „Ever Given“ hatte sich in der Vorwoche im Suezkanal verkeilt und diesen für andere Schiffe unpassierbar gemacht. Für den Rohöltransport ist der Suezkanal eine der wichtigsten Wasserstraßen. Dessen Blockade hatte die Rohölpreisnotierungen angetrieben. Zwar können Schiffe die Engstelle nun wieder passieren und der Rohölpreis gab nach Wiedereröffnung des Kanals leicht nach. Begrenzte Kapazitäten bei der Abfertigung der Schiffe in den Zielhäfen dürften den internationalen Handel in der vergangenen Woche jedoch weiter belastet haben.

Preisauftrieb entwickelte sich auch im Zuge des Treffens des Rohölkartells und verbündeter Förderländer (OPEC plus) am vergangen Donnerstag. Bei diesem Treffen wurde über die Rohölfördermenge ab Mai beraten. Marktanalysten rechneten im Vorfeld mit einer Verlängerung der bestehenden Förderkürzungen oder einer leichten Ausweitung der Fördermenge. In dieser Erwartung zogen die Rohölpreisnotierungen im Vorfeld des Treffens an. Beschlossen wurde eine leichte Anhebung der Fördermenge um 350.000 Fass am Tag im Mai und Juni sowie um 450.000 Fass am Tag im Juli.

Insgesamt ergab sich in der vergangenen Woche ein leichter Anstieg der Rohölpreise im Wochenverlauf. In Europa zog Rohöl der Sorte Brent um 0,1 % auf 63,9 US-Dollar je Fass an. Der Preis für US-Leichtöl der Sorte WTI legte um 0,8 % zu. Zum Wochenultimo notierte ein Fass dieser Sorte bei 61,4 US-Dollar.

Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt

Trotz der wieder steigenden Infektionszahlen und der grundsätzlichen Verlängerung des Lockdowns präsentiert sich der deutsche Arbeitsmarkt nach wie vor in einer robusten Grundverfassung. Die Frühjahrsbelebung fiel im März sogar etwas stärker aus als saisonal üblich. Nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) sank die Arbeitslosenzahl von Februar auf März um 77.000 auf 2,827 Mio. Menschen. In saisonbereinigter Rechnung fiel die Arbeitslosenzahl leicht um 8.000 Menschen, nachdem sie im Februar wegen des ungewöhnlich harten Winterwetters noch etwas zugelegt hatte (+9.000). Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote blieb mit 6,0 % im Vormonatsvergleich konstant. Positiv stimmt auch, dass die Anzeigen von konjunktureller Kurzarbeit zurückgingen. Nach BA-Angaben verminderte sich die Anzeigen von 933.000 im Januar auf 494.000 im Februar. Dass sich der Arbeitsmarkt weiterhin in einer robusten Grundverfassung befindet, verdeutlichen auch die Monatsdaten zur Erwerbstätigkeit. Gemäß jüngster Schätzungen des Statistischen Bundesamtes ist die saisonbereinigte Erwerbstätigenzahl im Februar zwar um 13.000 Personen gesunken. Im Dezember und Januar hatte sie aber um 10.000 bzw. 13.000 zugelegt. In naher Zukunft ist wieder mit einem Beschäftigungsaufbau zu rechnen. Darauf lässt zumindest das ifo Beschäftigungsbarometer schließen, das im März kräftig gestiegen ist. Der Indikator, der die Einstellungspläne der Unternehmen beschreibt, befindet sich mit 97,6 Punkten auf dem höchsten Stand seit Februar 2020.

15,5 % weniger Firmenpleiten in 2020

Das Insolvenzgeschehen hat sich hierzulande im vergangenen Jahr weiter entspannt. Die umfangreichen staatlichen Hilfsmaßnahmen — wie die Gewährung von Überbrückungsgeldern, die Ausweitung der konjunkturellen Kurzarbeit und die zeitweise Aussetzung der Insolvenzantragspflicht — trugen offensichtlich dazu bei, dass der virusbedingte Wirtschaftseinbruch nicht zu einem Anstieg, sondern zu einem Rückgang der Insolvenzzahlen führte. Gemäß den Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2020 von den Amtsgerichten 15.841 Unternehmens- und 41.753 Verbraucherinsolvenzen gemeldet. Die Zahl der Firmenpleiten sank damit gegenüber dem Vorjahr um 15,5 %; die der Verbraucherpleiten um 33,3 %. Zuletzt, im Dezember, gaben die Unternehmensinsolvenzen um 10,6 % nach und die Verbraucherinsolvenzen um 30,9 %. Für das laufende Jahr zeichnet sich allerdings (auch bei den Firmenpleiten) eine Trendwende ab. So dürfte die Aussetzung der Insolvenzantragsplicht für Unternehmen, bei denen die Auszahlung der seit Anfang November 2020 vorgesehenen staatlichen Hilfeleistungen noch nicht erfolgte, Ende April 2021 auslaufen. Steigernd auf die Zahl der Verbraucherinsolvenzen dürften hingegen die schrittweise Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens von sechs auf drei Jahre wirken, die im Oktober wirksam geworden ist. Viele Betroffene, die auf diese Verkürzung warteten, dürften nun mit den Insolvenzgerichten in Kontakt treten.

Verbraucherpreise legen stärker zu

Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Angaben mitteilte, lag der Verbraucherpreisindex (VPI) im März um 1,7 % über seinem Vorjahresmonatswert. Im Januar und Februar waren die Verbraucherpreise noch um 1,0 % bzw. 1,3 % gestiegen. Maßgeblich für die jüngste Zunahme der Inflationsrate waren die Energiepreise, die im Zuge höherer Rohölnotierungen stärker stiegen. Haushaltsenergie und Kraftstoffe verteuerten sich im März um 4,8 % und damit deutlicher als zuvor (+0,3 % im Februar). Auch bei Nahrungsmitteln und bei Dienstleistungen beschleunigte sich der Preisauftrieb (jeweils +1,6 % nach +1,4 % im Februar). In den kommenden Monaten ist mit einer weiteren Beschleunigung des Preisauftriebes zu rechnen. Im Juli dürfte es zu einem sprunghaften Anstieg der Inflationsrate kommen, da dann die VPI-Ausgangsbasis wegen der im zweiten Halbjahr 2020 wirksamen Mehrwertsteuersenkung erheblich niedriger liegt. Der BVR geht in seiner aktuellen Inflationsprognose davon aus, dass die Verbraucherpreise zum Jahresende kurzzeitig auf 3 % steigen werden. Mittelfristig dürfte sich die Preisdynamik aber wieder beruhigen.

Bessere Wirtschaftsstimmung im Euroraum

Im März hat sich die wirtschaftliche Stimmung im Euroraum weiter aufgehellt. Der Wirtschaftsklimaindex der EU-Kommission ist gegenüber dem Vormonat kräftig von 93,4 Punkten auf 101,0 Punkte gestiegen. Der auf einer monatlichen Umfrage unter Unternehmen und Verbrauchern beruhende Konjunkturindikator stieg damit auf den höchsten Stand seit Februar 2020. Die Stimmungsaufhellung war breit angelegt. Das Wirtschaftsklima hat sich in der Industrie, im Baugewerbe, im Handel, im Dienstleistungssektor (ohne Handel) und unter den Verbrauchern verbessert. Dies nährte die Hoffnung auf einen breit angelegten Aufschwung. Die Pandemielage birgt aber weiterhin erhebliche Konjunkturrisiken.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR