Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 07.12.2020

  • Coronavirus bleibt bestimmendes Thema
  • Aktienpreisentwicklung heterogen über die Länder
  • Langfristige Zinsen steigen
  • Außenwert des Euro zieht deutlich an
  • Ölpreise steigen trotz leichter Ausweitung der Fördermenge
  • Zweite Coronawelle erfasst Arbeitsmarkt
  • Industrie fährt deutlich mehr Aufträge ein
  • Verbraucherpreise weiterhin rückläufig
  • Euroraum-Inflationsrate verharrt bei -0,3 %

Coronavirus bleibt bestimmendes Thema

Die vergangene Woche wurde erneut von Neuigkeiten rund um das Coronavirus bestimmt. Mit Großbritannien hat am vergangenen Mittwoch das erste Land dem Impfstoff von Pfizer und BioNTech die Zulassung erteilt. Mit ersten Impfungen soll bereits in dieser Woche begonnen werden. In den USA und der EU wurde der Impfstoff ebenfalls bereits zur Zulassung eingereicht, hier dauert die Prüfung allerdings noch an. In den USA soll in dieser Woche, am 10. Dezember, über eine Zulassung beraten werden. In Europa soll die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) bis zum 9. Dezember eine Empfehlung über die Zulassung des Impfstoffs abgeben. Eine Zulassung könnte dann in einem beschleunigten Verfahren bereits drei Tage später erfolgen.

Auch die Zulassung des Impfstoffs des US-Pharmakonzerns Moderna wird aktuell geprüft. In den USA soll über dessen Zulassung in der kommenden Woche entschieden werden. In der EU soll die Prüfung durch die EMA bis zum 12. Januar erfolgen.

Zwar weckt die Aussicht auf einen Impfstoff die Hoffnung auf eine baldige Überwindung der Coronaviruspandemie. In Deutschland hat sich die Lage allerdings trotz des seit nunmehr einem Monat geltenden Teil-Lockdowns kaum verbessert. Die Zahl der täglichen Neuinfektion ist unverändert hoch. Im Durchschnitt der vergangenen sieben Tage wurde der anvisierte Grenzwert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner über einen Zeitraum von sieben Tagen mit einem Wert von 138 Neuinfektionen am Freitag weiter deutlich überschritten. Lediglich in zwei Bundesländern, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, wurde der Grenzwert von 50 knapp unterschritten. Die Zahl der an COVID-19 Verstorbenen erreichte zuletzt gar neue Höchststände; am Freitag lag die Zahl bei 438 Personen.

Als Reaktion auf die weiterhin hohen Infektionszahlen haben sich Bund und Länder am vergangenen Mittwoch auf eine Verlängerung des Teil- Lockdowns bis zum 10. Januar 2021 verständigt. Zwar war eine Verlängerung der Infektionsmaßnahmen bereits im November vorgesehen, allerdings noch nicht beschlossen. Dies wurde nun nachgeholt. Die Unterstützung von durch den Teil-Lockdown betroffenen Betrieben wie im November und Dezember soll in der bisherigen Form jedoch nicht fortgeführt werden.

Aktienpreisentwicklung heterogen über die Länder

Die Aktienmärkte entwickelten sich vor diesem Hintergrund in der vergangenen Woche sehr unterschiedlich. In Großbritannien zog der Leitindex trotz der weiter offenen Beziehung zur EU ab dem kommenden Jahr um 2,9 % an. Auch in den USA stiegen die Aktienkurse in der vergangenen Woche. In Deutschland schloss der DAX hingegen etwas schwächer als in der Vorwoche. Hier dürfte das nach wie vor hohe Infektionsgeschehen und der verlängerte Teil-Lockdown die Stimmung belasten. Hinzu kommt, dass die Aufwertung des Euro die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen belastet.

Langfristige Zinsen steigen

Die langfristigen Zinsen sind in der vergangenen Woche vor dem Hintergrund der Aussicht auf eine mittelfristige Überwindung der Coronaviruspandemie leicht gestiegen. Die Umlaufsrenditen deutscher Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit zogen um 4 Basispunkte auf -0,54 % an. In den USA rentierten zehnjährige Staatsanleihen zum Wochenende 0,97 %, etwa 13 Basispunkte mehr als eine Woche zuvor.

Außenwert des Euro zieht deutlich an

Der Euro hat in der vergangenen Woche deutlich aufgewertet. Gegenüber dem USD verteuerte sich der Euro um 1,3 % auf 1,21 US-Dollar je Euro. Damit ist der Euro im Vergleich zum US-Dollar so viel wert wie zuletzt im April 2018. Gegenüber den Währungen der wichtigsten 42 Handelspartner wertete der Euro um 1,0 % auf.

Ölpreise steigen trotz leichter Ausweitung der Fördermenge

Am Donnerstag haben sich die Mitglieder der OPEC plus auf eine Ausweitung der Rohöl-Fördermenge um 500,000 Barrel pro Tag geeinigt. Ohne eine Einigung wäre die Fördermenge um 2 Mio. Barrel auf 9,7 Mio. Barrel am Tag gestiegen. Des Weiteren einigten sich die Mitglieder ab dem kommenden Jahr monatlich über die Fördermenge zu entscheiden.

In Europa verteuerte sich Rohöl der Sorte Brent in der vergangenen Woche weiter. Am Freitag kostete ein Fass mit 49,1 US-Dollar, etwa 4,7 % mehr als zum Vorwochenultimo. In den USA verteuerte sich Rohöl der Sorte WTI mit 1,4 % deutlich weniger. Hier dürfte die Konkurrenz einheimischer Schieferölproduzenten zunehmend Druck auf die Preise ausüben. Ein Fass WTI kostete zuletzt 46,2 US-Dollar.

Zweite Coronawelle erfasst Arbeitsmarkt

Die wirtschaftlichen Folgen der zweiten Coronawelle spiegeln sich allmählich auch in den amtlichen Daten zum deutschen Arbeitsmarkt wider. So melden die Unternehmen wieder für deutlich mehr Mitarbeiter Kurzarbeit an. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) wurde im Zeitraum vom 1. bis zum 25. November für 537.000 Menschen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. In den Vormonaten lag diese Zahl noch deutlich unter 200.000. Alles in allem zeigt sich der Arbeitsmarkt aber vergleichsweise robust. So ist die Arbeitslosigkeit im November trotz des Teil-Lockdowns nicht etwa gestiegen, sondern zurückgegangen. Die Anzahl der bei der BA registrierten Arbeitslosen gab gegenüber dem Vormonat um 61.000 auf 2,699 Mio. Menschen nach. Hierzu trug die saisonal übliche Herbstbelebung bei. Allerdings ging die Arbeitslosenzahl auch in saisonbereinigter Rechnung zurück (-39.000), was für die Robustheit des Arbeitsmarktes spricht. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote fiel von Oktober auf November um 0,1 Prozentpunkte auf 6,1 %. Positiv stimmt auch, dass der moderate Beschäftigungsaufbau weiterhin anhält. Die saisonbereinigte Erwerbstätigenzahl ist nach jüngsten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im Oktober gegenüber dem Vormonat um 20.000 gestiegen. Für die nächsten Monate zeichnet sich allerdings eine Abflachung des Anstiegs ab. Hierauf deuten zumindest die Neumeldungen offener Stellen bei der BA hin, die leicht von gut 148.000 im Oktober auf knapp 144.000 im November gesunken sind.

Industrie fährt deutlich mehr Aufträge ein

Die deutsche Industrie scheint sich trotz der zweiten Infektionswelle noch immer auf Erholungskurs zu befinden. Dafür spricht neben der weiteren Verbesserung des Geschäftsklimas im Verarbeitenden Gewerbe auch die jüngste Entwicklung der Neuaufträge. Das Verarbeitende Gewerbe hat im Oktober seinen Auftragseingang preis-, kalender- und saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um spürbare 2,9 % erhöhen können. Zum Auftragszuwachs trugen sowohl die Bestellungen aus dem Ausland (3,2 %) als auch die inländischen Orders bei (+2,4 %). In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger stark betroffenen, und daher für konjunkturelle Analysezwecke besser geeigneten, Zweimonatsvergleich September/Oktober gegenüber Juli/August legten die Aufträge ebenfalls merklich zu, um 5,0 %. Mit dem jüngsten Zuwachs überschritten die Auftragseingänge erstmals das Niveau vom 4. Quartal 2019, dem Quartal vor Ausbruch der Pandemie. Der Stand vom Jahresendquartal 2019 wurde um rund 3 % übertroffen, in den aufgrund ihrer Umsatz- und Beschäftigtenzahl besonders bedeutsamen Branchen Maschinenbau und Kfz sogar um rund 5 % bzw. 8 %. Insgesamt signalisieren die jüngsten Auftragsdaten zusammen mit der anhaltenden Stimmungsaufhellung, dass die Industrieproduktion in naher Zukunft weiter expandieren wird.

Verbraucherpreise weiterhin rückläufig

Im November hat sich die Abwärtsbewegung bei den Verbraucherpreisen in Deutschland leicht beschleunigt fortgesetzt. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Berechnungen mitteilte, lag der Verbrauchpreisindex (VPI) um 0,3 % unter seinem entsprechenden Vorjahresmonatswert. Zuvor, im Oktober, waren die Verbraucherpreise um 0,2 % gesunken. Verantwortlich für den Rückgang waren einerseits die Energiepreise, die sich im November stärker verbilligten als zuvor (-7,7 % nach -6,8 % im Oktober). Andererseits trug die bis Jahresende 2020 geltende Mehrwertsteuersenkung weiterhin merklich zum allgemeinen Preisrückgang bei. So haben die Fachleute der Deutschen Bundesbank im Rahmen ihres Novembermonatsberichts berechnet, dass diese Senkung zu gut 60 % an die Verbraucher weitergereicht wurde, was die Inflationsrate um etwa 1 Prozentpunkt vermindert. Bei den Preisen für Nahrungsmittel und Dienstleistungen kam es im November, entgegen dem allgemeinen Trend, zu Preisanhebungen. Sie sind um 1,4 % bzw. 1,1 % gestiegen.

Euroraum-Inflationsrate verharrt bei -0,3 %

Die Inflationsrate des Euroraums blieb im November konstant. Gemäß ersten Schätzungen von Eurostat unterschritt der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) sein Vorjahresmonatswert um 0,3 %, nachdem er bereits im Oktober um 0,3 % gesunken war. Die Inflationsrate befindet sich damit noch immer erheblich unter der geldpolitisch bedeutsamen Marke von knapp 2 %. Auch im Euroraum als Ganzes wird die Gesamtentwicklung stark durch die Energiepreise beeinflusst. Diese haben sich im November um 8,4 % verbilligt und damit ähnlich stark wie im Vormonat (-8,2 %). Die Kerninflationsrate, ohne Berücksichtigung der Energiepreise und der ebenfalls vielfach stark schwankenden Nahrungsmittelpreise, lag jüngst unverändert bei 0,2 %. Derzeit deuten einige Aspekte darauf hin, dass die Inflationsrate in naher Zukunft gedämpft bleiben wird. Einer dieser Aspekte sind die Industrie-Erzeugerpreise, die jüngst, im Oktober, um 2,0 % sanken, nachdem sie bereits in den Vormonaten zurückgegangen waren.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR