Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 08.02.2021

  • Infektionsgeschehen schwächt sich ab, Sorge vor Ausbreitung von Coronavirusmutationen bleibt
  • Euro rutscht zwischenzeitlich unter die Marke von 1,20 US-Dollar
  • DAX erreicht neues Allzeithoch Anleiherenditen ziehen leicht an
  • Anleiherenditen ziehen leicht an
  • Öl so teuer wie zuletzt im Februar 2020
  • Industrie: Leichtes Produktionsplus zum Jahresende
  • Weniger Neuaufträge
  • Euroraum-BIP um 0,7 % zurückgegangen
  • Inflationsrate im Euroraum auf 0,9 % gestiegen

Infektionsgeschehen schwächt sich ab, Sorge vor Ausbreitung von Coronavirusmutationen bleibt

Das Infektionsgeschehen in Deutschland hat sich in der vergangenen Woche weiter abgeschwächt. Die Sieben-Tage-Inzidenz ging von 91 auf 77 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in der vergangenen Woche zurück. Die Zahl verstorbener COVID-19-Patienten reduzierte sich von 718 auf durchschnittlich 677 Personen am Tag.

Allerdings bleibt die Sorge vor einer Ausbreitung besonders ansteckender Varianten des Coronavirus hoch. Aktuell macht die erstmals in Großbritannien beobachtete Coronavirusmutation B.1.1.7 nach Angaben des Robert-Koch-Instituts etwa 6 % der neuen Coronavirusinfektionen in Deutschland aus. Vor diesem Hintergrund erscheint eine Verlängerung weitreichender Infektionsschutzmaßnahmen über das Ende des bis zum 14. Februar gültigen Lockdowns wahrscheinlich. Bund und Ländern wollen sich diesbezüglich am 10. Februar beraten. Für eine Verlängerung des Lockdowns spricht auch die weiterhin nur schleppend in Gang kommende Impfkampagne. Im Durchschnitt der vergangenen Woche wurden jeden Tag rund 114.000 Impfdosen verabreicht. Dies entspricht einem Anstieg der täglich verabreichten Dosen um rund 16.000 Dosen.

Euro rutscht zwischenzeitlich unter die Marke von 1,20 US-Dollar

Der Euro hat in der vergangenen Woche deutlich an Außenwert verloren. Gegenüber dem US-Dollar wertete der Euro um 0,8 % ab und notierte zum Wochenende bei 1,20 US-Dollar. Am Donnerstag schloss der Euro erstmals seit Ende November 2020 wieder unter 1,20 US-Dollar. Die aktuelle Schwäche des Euro dürfte in erster Linie mit divergierenden Konjunkturperspektiven in den USA und dem Euroraum zusammenhängen. In den USA erweist sich die Konjunktur als ausgesprochen resilient. Die Bauinvestitionen, insbesondere die privaten Bauinvestitionen, wurden im Dezember 2020 erneut spürbar ausgeweitet. Auch der Auftragseingang in der Industrie legte im Dezember überraschend stark zu. Umfragen unter Einkaufsmanagern deuten darüber hinaus auf ein deutliches Wachstum der US-Volkswirtschaft im 1. Quartal 2021 hin. Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe stieg um 2,1 Punkte auf 59,2 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit Beginn der Umfrage.  Werte über 50 Punkte zeigen Wachstum an. Für die Dienstleistungsbereiche lag der Index im Januar bei 58,3 Punkten, nach 54,8 Punkten im Dezember 2020.

Im Euroraum bleibt die konjunkturelle Lage hingegen angespannt. Im Schlussquartal 2020 ging die gesamtwirtschaftliche Aktivität im Vergleich zum Vorquartal um 0,7 % zurück. Aufgrund von Lockdowns dürfte die Wirtschaftsleistung auch zum Jahresbeginn 2021 nochmals sinken, der Euroraum damit in eine Rezession gerutscht sein. Diese konjunkturelle Schwäche dürfte auch eine Ursache für die Abwertung des Euro gegenüber den Währungen der 42 wichtigsten Handelspartnern sein. Gegenüber diesen wertete der Euro um 0,9 % ab.

DAX erreicht neues Allzeithoch

In der vergangenen Woche legten die Aktienpreise, nach dem Rückgang in der Vorwoche, wieder deutlich zu. Der DAX erreichte ein neues Allzeithoch und schloss am Freitag bei 14.057 Punkten. Damit legte der Deutsche Leitindex in der vergangenen Woche um 4,6 % zu. Auch im Euroraum zogen die Notierungen trotz enttäuschender Konjunkturzahlen deutlich an. Der EURO STOXX 50 schloss zum Wochenende 5,0 % fester. In den USA legte der S&P 500 Index beflügelt von positiven Konjunkturzahlen um 4,6 % zu und schloss am Freitag auf einem neuen Allzeithoch von rund 3.887 Punkten.

Anleiherenditen ziehen leicht an

Vor dem Hintergrund der international aufgehellten Konjunkturperspektiven haben die Umlaufsrenditen von Anleihen leicht angezogen. Deutsche Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren legten um 7 Basispunkte zu und rentierten zum Wochenultimo bei -0,44 %. Die Umlaufsrenditen von US-Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren zogen um 8 Basispunkte auf 1,17 % an.

Öl so teuer wie zuletzt im Februar 2020

Die Rohölpreise haben deutlich angezogen. In Europa verteuerte sich Rohöl der Sorte Brent um 7,7 % und notierte zum Wochenultimo bei 59,5 US-Dollar. In den USA verteuerte sich Rohöl der Sorte WTI mit 8,9 % sogar noch etwas stärker. Ein Fass kostete zum Wochenausklang 56,8 US-Dollar. Der deutliche Anstieg der Rohölpreise scheint sowohl auf nachfrage- als auch auf angebotsseitige Faktoren zurückzuführen zu sein. So rechnet die OPEC plus mit einer deutlichen Erholung der Rohölpreisnachfrage im weiteren Jahresverlauf. Allerding strebt sie dennoch wohl keine Ausweitung der Rohölfördermengen an.

Industrie: Leichtes Produktionsplus zum Jahresende

In Deutschland hat sich das Wachstum der Industrieproduktion im Dezember deutlich abgeschwächt. Wie das Statistische Bundesamt heute Morgen anhand erster Berechnungen mitteilte, ist die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,9 % gestiegen. Im Oktober und November hatte sie noch mit Verlaufsraten von 3,7 % und 1,6 % zugelegt. Über das gesamte 3. Quartal betrachtet, nahm die Produktion um 6,8 % zu. Maßgeblich für die Wachstumsabschwächung zum Jahresende waren die Investitionsgüterproduzenten, die ihren Ausstoß um 0,5 % verminderten. Grund hierfür dürften unter anderem ein allgemeiner Mangel an Computerchips sein, aber auch die bundesweit Mitte Dezember verschärften Infektionsschutzmaßnahmen, die bei einem großen Automobilbetrieb zu vorgezogenen Werksferien führten. Im Baugewerbe ist die Produktion im Dezember gesunken. Sie gab um 3,2 % nach, wozu auch das vergleichsweise strenge Winterwetter beigetragen haben dürfte. Im 3. Quartal expandierte die Bauproduktion aber um 4,0 %.

Weniger Neuaufträge

Weniger Neuaufträge Im Gegensatz zur Produktion war der Auftragseingang des Verarbeitenden Gewerbes zum Jahresende rückläufig. Gemäß den aktuellen amtlichen Angaben sanken die Neuaufträge im Dezember um 1,9 %. Innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes zeigten sich allerdings unterschiedliche Tendenzen. Während die Investitionsgüterproduzenten (-4,6 %) einen merklichen Nachfragerückgang hinnehmen mussten, waren bei den Konsumgüter- (+6,4 %) und den Verbrauchsgüterproduzenten (+0,8 %) teilweise deutliche Zunahmen zu verzeichnen. Auch im gesamte 3. Quartal nahmen die Aufträge (+7,0 %) erheblich zu. Alles in allem signalisieren die neuen Auftragsdaten, dass die Industriekonjunktur zu Jahresbeginn aufwärtsgerichtet bleibt, aber etwas an Dynamik verlieren wird. Dies legen auch die jüngsten Ergebnisse der ifo Unternehmensumfrage nahe. Demnach ist das Geschäftsklima des Verarbeitenden Gewerbes im Januar zurückgegangen, nachdem es zuvor acht Monate in Folge gestiegen war. Entscheidend für den künftigen Verlauf der Industriekonjunktur dürfte die weitere Pandemieentwicklung sein. Sollte die Pandemie im Zuge der globalen Impfbestrebungen weiter abflauen und die Rückführung von Schutzmaßnahmen ermöglichen, wäre der Weg für ein breit angelegtes Wachstum frei.

Euroraum-BIP um 0,7 % zurückgegangen

Das europäische Statistikamt Eurostat hat die Ergebnisse seiner vorläufigen Schnellschätzung zur Entwicklung des Euroraum-Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das 4. Quartal veröffentlicht. Gemäß den Daten ist das preis-, kalender- und saisonbereinigte BIP gegenüber dem Vorquartal um 0,7 % zurückgegangen. Die Entwicklung verlief damit wesentlich ungünstiger als im 3. Quartal (+11,5 %), als sich die gesamtwirtschaftliche Produktion vom außerordentlichen Einbruch des ersten Halbjahres teilweise erholt hatte. Im gesamten Jahr 2020 ist damit das preis- und kalenderbereinigte BIP um 6,8 % gesunken. Hauptgrund für die Schrumpfung der Wirtschaftsleistung im 4. Quartal war die zweite Pandemiewelle, die in weiten Teilen des Währungsraums eine spürbare Verschärfung der Infektionsschutzmaßnahmen erforderlich machte. Unter den großen Volkswirtschaften des Euroraums wiesen Italien (-2,0 %) und Frankreich (-1,2 %) merkliche BIP-Rückgange aus. In Deutschland (+0,1 %) und in Spanien (+0,4 %) legte das BIP hingegen nach aktuellem Datenstand leicht zu. Erste Angaben zum Verlauf der BIP-Verwendungskomponenten (Konsum, Investitionen, Außenhandel) im 4. Quartal wird Eurostat voraussichtlich am 9. März vorlegen.

Inflationsrate im Euroraum auf 0,9 % gestiegen

Zu Jahresbeginn sind die Verbraucherpreise im Euroraum merklich gestiegen. Wie Eurostat anhand vorläufiger Angaben zum Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) mitteilte, legte die Inflationsrate von -0,3 % im Dezember auf 0,9 % im Januar zu. Der erste Preisanstieg seit Juli 2020 war breit angelegt: Sowohl die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak (+1,5 %) als auch die Dienstleistungspreise (+1,4 %) verteuerten sich stärker als zuvor (+1,3 % bzw. +0,7 %). Zudem verminderte sich der Rückgang der Energiepreise weiter (-4,1 % nach -6,9 % im Dezember). Ferner stiegen die Preise für Nicht-Energie-Industriegüter um deutliche 1,4 %, nachdem sie zuvor noch um 0,5 % zurückgegangen waren. Für die Zunahme der Euroraum-Inflationsrate waren nicht zuletzt die Verbraucherpreise in Deutschland verantwortlich, die im Zuge des Wegfalls der Mehrwertsteuersenkung, der nationalen CO2-Bepreisung für Verkehr und Wärme, der Festigung der Rohölpreise sowie der Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns sprunghaft aufwärtsstrebten. Die Veröffentlichung der endgültigen Angaben zu den Euroraum-Verbraucherpreisen im Januar ist für den 21. Februar vorgesehen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR