Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 09.03.2021

  • Lockerung des Lockdowns trotz steigender Infektionszahlen
  • DAX kann deutlichen Kursgewinn nicht halten
  • US-Konjunkturaussichten treiben Nachfrage nach US-Dollar
  • US-Zinsen ziehen weiter an
  • Förderausweitung bleibt aus
  • Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin robust
  • Inflationsrate auf 1,3 % gestiegen
  • Unveränderte Inflationsrate im Euroraum
  • Industrie mit mehr Aufträgen

Lockerung des Lockdowns trotz steigender Infektionszahlen

Am vergangenen Mittwoch haben sich Bund und Länder zwar auf eine grundsätzliche Fortführung des bisher gültigen Lockdowns über den 7. März hinaus geeinigt. Die bisher beschlossenen Maßnahmen sollen grundsätzlich bis zum 28. März 2021 gelten. Allerdings wurde eine Vielzahl an Lockerungen vereinbart. Bundesweit gelten die Regelungen für den Einzelhandel des täglichen Bedarfes nun auch für Buchhandlungen, Blumenläden und Gartenmärkte. Diese dürfen bei Vorliegen eines Hygienekonzeptes öffnen. Auch Anbieter körpernaher Dienstleistungen sowie Fahr- und Flugschulen dürfen unter Hygieneauflagen den Betrieb wiederaufnehmen. Weitere Lockerungen für den stationären Einzelhandel sowie Museen, Galerien, Zoos, Botanische Gärten, Gedenkstätten, Theater, Konzert- und Opernhäuser, Kinos, Sport, die Außengastronomie und Freizeitveranstaltungen werden an das lokale Infektionsgeschehen gekoppelt und zeitlich gestaffelt. Die für Lockerungen relevanten Grenzwerte der Sieben- Tage-Inzidenz liegen bei 50 und 100 Infektionen je 100.000 Einwohner. Für private Zusammenkünfte liegen die relevanten Grenzwerte der Sieben-Tage-Inzidenz bei 35 und 100 Infektionen je 100.000 Einwohner.

Trotz des bis dato gültigen Lockdowns ist die Sieben-Tage-Inzidenz in der vergangenen Woche leicht, von 64 auf 66 Infektionen je 100.000 Einwohner, gestiegen. Dennoch haben sich Bund und Länder auf eine Lockerung des Lockdowns geeinigt. Dies dürfte maßgeblich mit der veränderten Demographie Infizierter zusammenhängen. So reduzierte sich die Sieben-Tage-Inzidenz der besonders vulnerablen Gruppe der über Achtzigjährigen, für die mit einem besonders schweren Verlauf von COVID-19 zu rechnen ist, auf nur noch 53 Fälle je 100.000 Einwohner.

Bisher war die Ansteckung in dieser Personengruppe stets überdurchschnittlich. Damit einhergehend verringerte sich auch die Zahl der mit COVID-19 infizierten Verstorbenen auf durchschnittlich noch 274 Personen je Tag. Hierzu dürfte die, wenngleich immer noch schleppend zuletzt aber spürbar beschleunigt, voranschreitende Impfkampagne beigetragen haben, welche diese Personengruppe priorisiert. In der vergangenen Woche stieg die Zahl der verabreichten Impfdosen um durchschnittlich knapp 54.000 je Tag.

DAX kann deutlichen Kursgewinn nicht halten

Die Aktienmärkte schlossen am Freitag im Vorwochenvergleich mit leichten Gewinnen. Der DAX notierte zum Wochenende mit 13.921 Punkten etwa 1,0 % stärker als zum Ende der Vorwoche.Die vergangene Woche war allerdings von hohen Kursschwankungen geprägt. So erreichte der DAX am Mittwoch mit rund 14.197 Punkten ein zwischenzeitliches Allzeithoch. Mit Bekanntwerden der nur sehr zögerlichen Rückführung des Lockdowns in Deutschland gaben die Aktienpreise allerdings einen Großteil der zwischenzeitlichen Kursgewinne wieder ab.

US-Konjunkturaussichten treiben Nachfrage nach US-Dollar

Der Euro hat in der vergangenen Woche spürbar an Wert gegenüber dem US-Dollar verloren (-1,3 %). Zuletzt konnte ein Euro gegen 1,19 USDollar getauscht werden. Damit schloss der Euro so schwach wie zuletzt im November des vergangenen Jahres. Maßgeblich für die relative Stärke des US-Dollar dürfte die vergleichsweise günstige US-Konjunkturperspektive sein. So wurde zuletzt etwa die vorläufige Schätzung des Einkaufsmanagerindex für die USA leicht nach oben revidiert. Darüber hinaus dürfte das US-Konjunkturpaket der Wirtschaft einen zusätzlichen Schub geben. In der vergangenen Woche deutete sich die Zustimmung des US-Senats an, am Samstag stimmte eine knappe Mehrheit dann für das Gesetzespaket.

US-Zinsen ziehen weiter an

Die Renditen für US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit haben in der vergangenen Woche um 10 Basispunkte auf 1,55 % angezogen. Hierin dürfte sich maßgeblich die weiter gute konjunkturelle Perspektive in den USA widerspiegeln. Das Konjunkturpaket dürfte den Zeitpunkt für Zinserhöhungen deutlich nach vorne verlegt haben. Im Euroraum reduzierten sich die Zinsen hingegen leicht. Die Umlaufsrenditen deutscher Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit gingen um 4 Basispunkte auf -0,30 % zurück.

Förderausweitung bleibt aus

Wider Erwarten wird die OPEC plus die Rohölfördermenge im April nicht ausweiten. Aufgrund der aufgehellten Konjunkturperspektive insbesondere in den USA sind die Rohölpreise bereits seit Wochen aufwärtsgerichtet. Die ausbleibende Angebotsausweitung ließ die Rohölpreise in der vergangenen Woche nochmals deutlich anziehen. In Europa verteuerte sich ein Fass der Sorte Brent um 6,2 % auf 70,0 US-Dollar. In den USA stieg der Preis für ein Fass der Sorte WTI um 7,4 % auf 66,1 US-Dollar.

Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin robust

Die Folgen der zweiten Coronawelle scheinen den deutschen Arbeitsmarkt weiterhin nur wenig zu belasten. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist die Arbeitslosenzahl im Februar gegenüber dem Vormonat zwar leicht um 4.000 auf 2,904 Mio. Menschen gestiegen. Auch in saisonbereinigter Rechnung war ein leichter Anstieg zu verzeichnen (+9.000). Ausschlaggebend hierfür dürfte jedoch weniger die Konjunktur, sondern eher das Winterwetter – mit vergleichsweise viel Schnee und frostigen Temperaturen – gewesen sein, dass die Arbeiten in vielen Außenberufen zeitweise ruhen ließ.

Angesichts der nur geringfügig zunehmenden Arbeitslosigkeit verharrte die saisonbereinigte Arbeitslosenquote im Februar mit 6,0 % auf ihrem relativ niedrigen Vormonatsniveau. Die Arbeitslosigkeit wäre allerdings deutlich höher, wenn nicht wieder verstärkt das Instrument der Kurzarbeit genutzt werden würde. So legten die Anzeigen von Personen in konjunktureller Kurzarbeit im Zuge des ab Mitte Dezember verschärften Lockdowns von 781.000 im Dezember auf 975.000 im Januar zu. Nach vorläufigen BA-Hochrechnungen wurde zuletzt, im Dezember, für 2,390 Mio. Menschen konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die robuste Grundverfassung des Arbeitsmarktes zeigt sich auch in den jüngsten Monatsdaten zur Erwerbstätigkeit. Gemäß aktuellen Schätzungen des Statistischen Bundesamtes erhöhte sich die saisonbereinigte Erwerbstätigenzahl im Januar um 16.000 auf 44,6 Mio. Menschen, nachdem sie bereits im Dezember um 11.000 zugelegt hatte.

Inflationsrate auf 1,3 % gestiegen

In Deutschland hat sich der Auftrieb der Verbraucherpreise nochmals beschleunigt. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Angaben zum Verbraucherindex (VPI) mitteilte, kletterte die Inflationsrate von 1,0 % im Januar auf 1,3 % im Februar. Im Dezember 2020 hatte die Inflationsrate noch im negativen Bereich bei -0,3 % gelegen. Erstmals seit Beginn der Coronakrise lieferten die Energiepreise wieder einen positiven Beitrag zur Gesamtentwicklung. Haushaltsenergie und Kraftstoffe verteuerten sich im Februar um 0,3 %, nachdem sie im Januar noch um 2,3 % gesunken waren. Für den Anstieg der Energiepreise waren mehrere Ursachen verantwortlich. Zum einen setzte sich im Zuge der allmählichen Erholung der Weltwirtschaft der Anstieg der Rohölpreise fort. Zum anderen wurde zu Jahresbeginn die nationale CO2-Bepreisung für die Sektoren Verkehr und Wohnen wirksam, die teilweise an die Verbraucher in Form höherer Energiepreise weitergereicht wurde. Zudem lief die Verminderung der Mehrwertsteuersenkung im Januar aus, sodass die Preisdynamik auch von dieser Seite aus befördert wurde und wird. Steigernd auf die Inflationsrate wirkten auch die Nahrungsmittel und Dienstleistungspreise, die sich im Februar mit jeweils 1,4 % erneut überdurchschnittlich verteuerten.

Industrie mit mehr Aufträgen

Die Erholung der deutschen Industrie schreitet weiter voran. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Angaben mitteilte, konnten die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes im Januar erneut mehr Aufträge einfahren. Die Bestellungen stiegen gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,4 %. Im von kurzfristigen Schwankungen weniger stark beeinflussten Zweimonatsvergleich Dezember/Januar gegenüber Oktober/November legten die Neuaufträge allerdings nur leicht um 0,2 % zu. Maßgeblich für den Anstieg zu Jahresbeginn waren die Auslandsorders, deren Anstieg um 4,2 % den Rückgang der Inlandsnachfrage um 2,6 % mehr als ausglich. Insgesamt legen die neuen Auftragsdaten nahe, dass sich der Aufwärtstrend der Industrieproduktion in naher Zukunft fortsetzen wird. Die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes war im Januar zwar mit einer Verlaufsrate von 0,5 % gesunken. In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger anfälligen und daher aussagekräftigeren Zweimonatsvergleich Januar/Dezember gegenüber Oktober/November legte der Ausstoß jedoch um 2,1 % zu.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR