Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 11.01.2021

  • Neuer Impfstoff in der EU zugelassen, Lockdown in Deutschland verlängert
  • Demokraten gewinnen Senatswahl in Georgia
  • DAX steigt auf Allzeithoch
  • US-Zinsen ziehen nach Senatswahl deutlich an
  • Euro verliert an Außenwert
  • Ankündigung einer Förderkürzung treibt Rohölpreise
  • Industrieproduktion trotzt der zweiten Coronawelle
  • Auftragseingänge noch immer im Plus
  • Winterpause erfasst Arbeitsmarkt
  • Inflationsrate unverändert bei -0,3 %

Neuer Impfstoff in der EU zugelassen, Lockdown in Deutschland verlängert

Am vergangenen Mittwoch hat die EU-Kommission den COVID-19-Impfstoff von Moderna zugelassen. Vorher hatte die Europäische Arzneimittelagentur dessen Zulassung empfohlen. Mit der Verimpfung dieses Präparats soll in Deutschland in dieser Woche begonnen werden. Die Verfügbarkeit von Impfdosen insgesamt dürfte zunächst jedoch begrenzt bleiben. In der vergangenen Woche wurden lediglich knapp 50.000 Impfdosen je Tag verabreicht.

Die Infektionslage hat sich trotz des aktuellen Lockdowns jedoch nicht entspannt. In der vergangenen Woche haben sich 154 Personen je 100.000 Einwohner mit COVID-19 infiziert. Im Durchschnitt der vergangenen Woche sind jeweils 845 Personen mit COVID-19 verstorben. Als Reaktion auf die weiterhin hohen Infektions- und Todeszahlen haben sich Bund und Länder am vergangenen Dienstag auf eine Verlängerung des Lockdowns bis zum 31. Januar verständigt. Einzelne Maßnahmen wurden verschärft. Zukünftig dürfen sich Personen nur noch mit einer nicht im Haushalt lebenden Person treffen. Des Weiteren wird die Bewegungsfreiheit in Coronahotspots eingeschränkt. Für Personen in Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 200 Fällen je 100.000 Einwohner gilt ein Bewegungsradius von maximal 15 Kilometern um den Wohnort. So soll insbesondere die Ausbreitung einer besonderes ansteckenden Coronavirusmutation verhindert werden.

Diese Mutante hat sich zuletzt insbesondere in Großbritannien ausgebreitet. In London schnellte die Sieben-Tage-Inzidenz gar auf über 1.000 Fälle je 100.000 Einwohner. Wegen der hohen Krankenhausauslastung wurde der Katastrophenfall ausgerufen. In England gilt darüber hinaus ein Lockdown bis zum 31. März. Menschen dürfen ihre Wohnung dort nur noch zum Einkaufen, für Arztbesuche oder zum Arbeiten verlassen.

Demokraten gewinnen Senatswahl in Georgia

Am 5. Januar wurde über die zwei Senatssitze des Bundesstaates Georgia abgestimmt. Da im vorherigen Wahlgang jeweils kein Kandidat mehr als 50 % der Stimmen auf sich vereinen konnte, traten nun jeweils die beiden Kandidaten mit den höchsten Stimmenanteilen in einer Stichwahl gegeneinander an. In beiden Wahlen haben sich die demokratischen Herausforderer gegen die republikanischen Amtsinhaber durchgesetzt. Damit herrscht im US-Senat nun eine Pattsituation. Von den 100 US-Senatoren gehören im 117. Kongress 50 Senatoren der republikanischen Partei an. Ebenfalls 50 Senatoren werden den Demokraten zugeordnet. Im Falle einer Pattsituation hat der Senatspräsident die entscheidende Stimme. Dies ist der Vizepräsident der Vereinigten Staaten. Mit Vereidigung von Kamala Harris am 20. Januar haben die Demokraten dann de facto die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses.

DAX steigt auf Allzeithoch

Die Aktienmärkte zeigen sich von dem prekären Infektionsgeschehen weiter unbeeindruckt. Die Aktienkurse haben in der vergangenen Woche wieder deutlich angezogen. In Deutschland stieg der DAX erstmals über 14.000 Punkte. Zum Wochenschluss notierte der DAX bei 14.050 Punkten. Dies sind 2,4 % mehr als vergangenen Freitag. In den USA zog der S&P 500 Index um 1,8 % an. In Großbritannien legte der FTSE 100, trotz der Eskalation der Pandemie und der Verkündung eines harten Lockdowns, gar um 6,4 % zu.

US-Zinsen ziehen nach Senatswahl deutlich an

Nach der de facto Übernahme der Mehrheit im US-Senat durch die Demokraten haben die langfristigen Zinsen in den USA deutlich angezogen. Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlauzeit rentierten zuletzt 1,1 %. Dies sind 20 Basispunkte mehr als vor Wochenfrist. Dies dürfte die deutlich gestiegene Wahrscheinlichkeit eines neuerlichen Konjunkturpaketes in den USA und eine damit verbunden weniger expansive Geldpolitik widerspiegeln.

Euro verliert an Außenwert

Der Euro hat zuletzt deutlich abgewertet. Gegenüber den 42 wichtigsten Handelspartnern verlor der Euro 0,3 % an Wert. Gegenüber dem US-Dollar hat sich der Wechselkurs in der vergangenen Woche hingegen kaum verändert. Zuletzt notierte der Wechselkurs bei 1,22 US-Dollar.

Ankündigung einer Förderkürzung treibt Rohölpreise

Nach der Ankündigung des saudischen Ölministers, die OPEC plus werde die Fördermenge im Februar und im März um 1,4 Mio. Fass je Tag kürzen, haben die Ölpreise in der vergangenen Woche deutlich angezogen. In Europa notierte Rohöl der Sorte Brent zum Wochenultimo bei 55,5 USDollar. Dies ist 8,4 % höher als in der Vorwoche. In den USA verteuerte sich Rohöl der Sorte WTI um 7,8 %. Zum Wochenschluss kostete ein Fass WTI 52,1 US-Dollar.

Industrieproduktion trotzt der zweiten Coronawelle

Die Lage der deutschen Industrie scheint bislang nur wenig durch die Folgen der zweiten Pandemiewelle beeinträchtigt zu werden. Dies legen zumindest die jüngsten Monatsdaten des Statistischen Bundesamtes nahe. Demnach ist die Industrieproduktion im November weiter gestiegen, obwohl verschärfte Schutzmaßnahmen (Teil- Lockdown) in Kraft traten, wie die grundsätzliche Schließung von Gastronomiebetrieben sowie Sport- und Freizeiteinrichtungen. Die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes nahm gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,2 % zu. Im Baugewerbe expandierte die Produktion im November ebenfalls, mit einer Verlaufsrate von 1,4 % sogar geringfügig stärker als im Verarbeitenden Gewerbe. Lediglich im Energiesektor kam es im Zuge des Teil-Lockdowns zu einem spürbaren Rückgang der Erzeugung (-3,9 %). Für die nächsten Monate zeichnet sich ein weiteres Wachstum der Industrieproduktion ab, trotz der Mitte Dezember vorgenommenen neuerlichen Verschärfung von Schutzmaßnahmen (Lockdown). Auf eine anhaltende Aufwärtsbewegung der Produktion des Verarbeitenden Gewerbes lassen neben der weiteren Aufhellung des Geschäftsklimas auch die nach wie vor günstige Entwicklung der Auftragseingänge schließen.

Auftragseingänge noch immer im Plus

Gemäß den jüngsten amtlichen Daten sind die Auftragseingänge des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland im November mit einer Verlaufsrate von 2,3 % gestiegen. Verantwortlich für das abermalige Auftragsplus waren in erster Linie die Auslandsorders, die stärker zulegten als die Aufträge aus dem Inland (+2,9 % gegenüber +1,6 %). Insbesondere von den Partnerländern des Euroraums (+6,1 %) gingen im November merkliche Nachfrageimpulse aus. Obwohl sich die Industriekonjunktur noch immer robust zeigt, geht der BVR in seiner jüngsten Konjunkturprognose davon aus, dass die gesamtwirtschaftliche Entwicklung im Winterhalbjahr 2020/21 merklich rückläufig sein wird. Die Wachstumsimpulse vom Verarbeitenden Gewerbe und vom Baugewerbe dürften nicht reichen, um die starken Einbußen in den vom Lockdown besonderes betroffenen Wirtschaftsbereichen ausgleichen zu können.

Winterpause erfasst Arbeitsmarkt

Ungeachtet der allgemeinen Winterpause hat sich zum Jahresende 2020 die Erholung am deutschen Arbeitsmarkt zunächst noch fortgesetzt. Hierauf deuten zumindest die jüngsten Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) hin. Demnach ist die Arbeitslosenzahl im Dezember gegenüber dem Vormonat zwar um 8.000 auf 2,707 Mio. Menschen gestiegen. Der Anstieg fiel damit aber deutlich schwächer aus als saisonal üblich. Saisonbereinigt ist die Arbeitslosenzahl um deutliche 37.000 gesunken. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote verharrte im Dezember mit 6,1 % auf ihrem Vormonatsstand. Allerdings spiegeln sich die Folgen der zum 16. Dezember verschärften Schutzmaßnahmen, wie die grundsätzliche Schließung von Schulen und Kitas, derzeit noch nicht in den Daten wieder. Die aktuellen Angaben beschreiben lediglich die Entwicklung bis zum 10. Dezember. Im Zuge des Lockdowns könnte es in naher Zukunft auch in saisonbereinigter Rechnung durchaus zu einer höheren Arbeitslosigkeit kommen. Bereits der Teil-Lockdown vom November hinterließ am Arbeitsmarkt Spuren, wie die jüngsten amtlichen Schätzungen zur Erwerbstätigkeit zeigen. So ist die saisonbereinigte Erwerbstätigenzahl im November leicht um 3.000 Personen zurückgegangen, nachdem sie zuvor seit Juli kontinuierlich zugelegt hatte.

Inflationsrate unverändert bei -0,3 %

Im Dezember dauerte der leichte Rückgang der Verbraucherpreise in Deutschland an. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Verbraucherpreisindex (VPI) um 0,3 % unter seinem entsprechenden Vorjahresmonatswert. Die Verbraucherpreise waren bereits im November um 0,3 % gesunken. Maßgeblich für den Rückgang des Gesamtindexes waren neben der noch wirkenden Mehrwertsteuersenkung gesunkene Energiepreise. Haushaltsenergie und Kraftstoffe haben sich jedoch im Zuge tendenziell steigender Rohölpreise im Dezember etwas weniger stark verbilligt als zuvor (-6,0 % nach -7,7 % im November). Der schwächere Rückgang der Energiepreise wurde aber zu einem großen Teil durch die Nahrungsmittepreise kompensiert, die sich jüngst weniger deutlich verteuerten als zuvor (+0,5 % nach +1,4 %). Im Jahresdurchschnitt 2020 sind die Verbraucherpreise insgesamt um 0,5 % gestiegen und damit genauso stark wie vom BVR im Rahmen seiner Dezemberkonjunkturprognose erwartet. Für 2021 zeichnet sich ein merkliches Anziehen der Inflationsrate ab. Angesichts der zu Jahresbeginn wirksam gewordene CO2-Bepreisung im Bereich Transport und Gebäudeheizung, des Auslaufens der Mehrwertsteuersenkung und einer sich abzeichnenden weiteren Festigung der Rohölpreise wird für 2021 eine Inflationsrate von 1,5 % prognostiziert.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR