Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 12.04.2021

  • Infektionen steigen wohl weiter – Geplante Bund-Länder-Konferenz für Montag abgesagt
  • DAX auf Rekordjagd
  • Kaum Bewegung bei Anleiherenditen
  • Außenwert des Euro legt deutlich zu
  • Ölpreise nach OPEC plus Entscheidung unter Druck
  • Rückläufige Industrieproduktion
  • Auftragseingänge legen weiter zu
  • Zunehmender Außenhandel
  • Robuster Euroraum-Arbeitsmarkt

Infektionen steigen wohl weiter – Geplante Bund-Länder-Konferenz für Montag abgesagt

Das Infektionsgeschehen in Deutschland dürfte in der vergangenen Woche weiter gestiegen ein. Zwar ist die Sieben-Tage-Inzidenz spürbar zurückgegangen. In der vergangenen Woche infizierten sich nach Angaben des Robert Koch Instituts (RKI) lediglich noch 121 Personen je 100.000 Einwohner mit COVID-19. In der Vorwoche betrug die Sieben-Tage-Inzidenz noch 131. Allerdings weist das RKI ausdrücklich darauf hin, dass die veröffentlichten Zahlen das tatsächliche Infektionsgeschehen wahrscheinlich unterzeichnen, da aufgrund der Osterfeiertage weniger Test durchgeführt wurden. Dies sollte sich in sinkenden Inzidenzwerten widerspiegeln. Der aktuell wohl zuverlässigere Indikator für das Infektionsgeschehen, die Zahl der von COVID-19 Patienten belegten Intensivbetten, war hingegen bis zuletzt aufwärtsgerichtet. Bis Donnerstag der vergangenen Woche stieg deren Anzahl auf 4.515 Personen.

Vor Ostern waren 3.729 COVID-19 Patienten in intensivmedizinischer Behandlung. Auch die Zahl der mit Coronainfektion täglich Verstorbenen nahm erstmals seit Anfang Januar wieder zu. Vor diesem Hintergrund erscheint eine rasche Rückführung der aktuell gültigen Infektionsschutzmaßnahmen wenig wahrscheinlich. Die für Montag angesetzte Bund-Länder-Konferenz wird nicht stattfinden. Vielmehr sollen zukünftig bundeseinheitliche Regelungen für den Fall einer regionalen Überschreitung der Sieben-Tage-Inzidenz von 100 Fällen je 100.000 Einwohnern gelten. Vor dem Hintergrund des wieder Aufflammenden Infektionsgeschehens scheint eine Beschleunigung des Impfgeschehens dringend geboten. In der vergangenen Woche konnten erstmals Hausärzte flächendeckend Impfstoff verabreichen. Infolgedessen stieg die Zahl der täglich verabreichten Impfdosen nach Angaben der Bundesregierung auf rund 425.000 Dosen je Tag. In der Spitze wurden am Donnerstag etwa 717.000 Dosen verabreicht. Bei ausreichend vorhandenem Impfstoff scheint eine rasche Durchimpfung der Bevölkerung über die Hausärzte möglich.

DAX auf Rekordjagd

Die Aktienpreise haben in der vergangenen Woche erneut zugelegt. Der Deutsche Leitindex DAX überstieg am vergangenen Dienstag erstmals die Marke von 15.300 Punkten und erreichte mit zwischenzeitlich rund 15.312 Punkten ein neues Allzeithoch. Positive Konjunkturindikatoren, die erste Schätzung des Einkaufsmanagerindex für die Dienstleistungsbereiche für den März wurde leicht auf 51,5 Punkten nach oben korrigiert und liegt erstmals seit sechs Monaten über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, sowie ein deutlicher Anstieg der verabreichten Impfdosen sprechen für eine rasante konjunkturelle Erholung im Sommerhalbjahr. Dieses Niveau konnte der DAX im weiteren Verlauf der Woche allerdings nicht halten und gab einen Teil dieser Gewinne wieder ab. Dennoch legte der Index im Wochenverlauf um 0,8 % zu und schloss am Freitag so hoch wie nie zuvor. Der EURO STOXX 50 gewann, getragen von positiven Konjunkturindikatoren, ebenfalls 0,8 % an Wert. In den USA erreichte der S&P 500 ein neues Allzeithoch. Im Wochenverlauf legte der Index 2,7 % zu.

Kaum Bewegung bei Anleiherenditen

Trotz eines durch die Osterfeiertage bedingten leicht langsameren Tempos der Anleihekäufe durch das Eurosystem überstieg die Überschussliquidität im Bankensystem des Euroraums erstmals die Marke von 4.000 Mrd. Euro. Die Umlaufsrenditen deutscher Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit zogen in der vergangenen Woche um 3 Basispunkte an und rentierten zum Wochenultimo bei -0,30 %. In den USA gaben die Renditen für Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit um 1 Basispunkt nach und rentierten zum Wochenschluss bei 1,67 %.

Außenwert des Euro legt deutlich zu

Der Euro hat in der vergangenen Woche gegenüber dem US-Dollar deutlich an Wert gewonnen. Zum Wochenultimo notierte der Euro bei 1,19 USDollar, etwa 1,1 % fester als vor Wochenfrist. Positive Konjunkturdaten für den Euroraum legen eine raschere konjunkturelle Erholung nahe als bisher gedacht. Gegenüber den Währungen der 42 wichtigsten Handelspartner gewann der Euro 0,7 % an Wert.

Ölpreise nach OPEC plus Entscheidung unter Druck

Die Rohölpreise sind in der vergangenen Woche spürbar gesunken. In Europa kostete ein Fass der Sorte Brent 61,9 US-Dollar, etwa 3,1 % weniger als vor Wochenfrist. In den USA notierte ein Fass Leichtöl der Sorte WTI bei 59,3 US-Dollar, etwa 3,5 % weniger als vor Wochenfrist. Hier dürfte zum einen die zum Ende der Vorwoche beschlossene Ausweitung der Fördermengen in den kommenden Monaten durch die OPEC plus nachwirken. Zum anderen fielen die in dieser Woche veröffentlichten US-Benzinbestände überraschend umfangreich aus.

Rückläufige Industrieproduktion

Die Industrieproduktion Deutschlands konnte zu Jahresbeginn zunächst nicht an die dynamische Erholung des zweiten Halbjahres anknüpfen. Im Februar gab der Ausstoß des Verarbeitenden Gewerbes erneut nach. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes sank die Produktion gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,8 %, nachdem sie bereits im Januar (-0,4 %) gesunken war. Im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich Januar/Februar gegenüber November/Dezember gab der Ausstoß um 0,6 % nach. Ein Grund für den Rückgang waren globale Lieferengpässe bei Halbleitern. Im Zuge dieser Engpässe verminderte sich die Produktion im gewichtigen Bereich Kfz/Kfz-Teile (-10,0 %) überdurchschnittlich stark. In dem für die Gesamtentwicklung ebenfalls sehr bedeutsamen Maschinenbau (+6,4 %) kam es hingegen zu einem kräftigen Zuwachs, befördert durch die an Fahrt aufnehmende Weltkonjunktur. Parallel zur Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe war die Produktion im Februar auch im Baugewerbe rückläufig. Sie fiel um 1,3 %, nachdem sie im Januar – wegen des ungewöhnlich harten Winterwetters – um deutliche 10,5 % gesunken war.

Auftragseingänge legen weiter zu

In naher Zukunft dürfte aber sowohl das Baugewerbe, als auch das Verarbeitende Gewerbe wieder Produktionszuwächse aufweisen. Dafür sprechen einerseits die steigenden Baugenehmigungen. Die Baugenehmigungen für Wohngebäude legten jüngst, im Januar, kräftig mit einer Verlaufsrate von 5,1 % zu. Andererseits hat sich das Geschäftsklima zuletzt im Baugewerbe und im Verarbeitenden Gewerbe merklich aufgehellt. Zudem legen auch die neuen amtlichen Monatsdaten zu den Auftragseingängen im Verarbeitenden Gewerbe eine Rückkehr auf den Wachstumspfad nahe. Gemäß den Daten stiegen die Aufträge im Februar gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,2 % und damit bereits zum fünften Mal in Folge. Maßgeblich für den Anstieg waren die Inlandsorders (+4,0 %), deren kräftige Zunahme den leichten Rückgang der Auslandsbestellungen (-0,5 %) mehr als kompensierte. Besonders deutlich legten die Aufträge in den Wirtschaftszweigen Kraftfahrzeuge und Maschinenbau zu (+3,4 % bzw. +2,2 %).

Zunehmender Außenhandel

Beim grenzüberschreitenden Handel der deutschen Wirtschaft setzt sich im Februar die Erholung vom Einbruch des ersten Halbjahres 2020 fort. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden von Deutschland Waren im Wert von 107,8 Mrd. Euro ausgeführt und Waren im Wert von 89,7 Mrd. Euro eingeführt. Die Ausfuhren sind gegenüber dem Vormonat kalender- und saisonbereinigt um 0,9 % gestiegen. Im Januar hatten sie allerdings mit einer Verlaufsrate von 1,6 % etwas stärker zugelegt. Die Einfuhren expandierten im Februar um 3,6 % und konnten damit den Rückgang vom Vormonat (-3,5 %) weitgehend ausgleichen. Die Einfuhren befinden sich derzeit leicht, um 0,2 %, über dem Niveau, dass sie vor dem Ausbruch der Coronakrise in Deutschland im Februar 2020 erreicht hatten. Die Ausfuhren haben hingegen ihren Vorkrisenstand noch nicht wieder erreicht. Sie lagen im Februar 2021 um 2,1 % unter ihrem Vorjahresmonatswert. Nach wie vor gehen vom Geschäft mit China merkliche Wachstumsimpulse aus. So übertrafen die originären Warenexporte Deutschlands in das Reich der Mitte im Februar den Vorjahresmonatsstand um stolze 25,7 %.

Robuster Euroraum-Arbeitsmarkt

Trotz der Belastungen durch die zweite Pandemiewelle präsentiert sich der europäische Arbeitsmarkt weiterhin in einer vergleichsweise robusten Situation. Dies zeigt sich unter anderem in den jüngsten Monatsdaten zur Arbeitslosigkeit. Nach vorläufigen Angaben von Eurostat lag die saisonbereinigte Arbeitslosenquote des Euroraums im Februar bei 8,3 %. Sie ist damit gegenüber dem Vormonat unverändert geblieben. Im Zuge der ersten Pandemiewelle war die Arbeitslosenquote von 7,1 % im März 2020 auf zeitweise bis zu 8,7 % im Herbst gestiegen. Seitdem tendiert der wichtige Arbeitsmarktindikator aber wieder nach unten. Die Arbeitslosenquote wäre derzeit noch deutlich höher, wenn viele Unternehmen nicht das Instrument der konjunkturellen Kurzarbeit nutzen würden. Innerhalb des Euroraums wiesen Spanien (16,1 %) und Italien (10,2 %) die höchsten Arbeitslosenquoten auf. Die niedrigsten Quoten wurden für die Niederlande (3,6 %) und Malta (4,4 %) ermittelt.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR