Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 14.12.2020

  • Anstieg der Infektionszahlen
  • EZB weitet expansive Maßnahmen aus
  • Kapitalmarktzinsen geben nach
  • Lockdownerwartung drückt Aktienpreise
  • Außenwert des Euro bleibt stabil
  • Ölpreise ziehen weiter an
  • Optimistischere Konjunkturerwartungen
  • Industrieproduktion steigt kräftig
  • Schwächeres Wachstum der Ausfuhren
  • Privatkonsum treibt Euroraum-BIP im 3. Quartal

Anstieg der Infektionszahlen

Wie in den Monaten zuvor waren Neuigkeiten rund um das Coronavirus auch in der vergangenen Woche das beherrschende Thema. Einerseits ist die mittelfristige Perspektive unverändert positiv. In Großbritannien wurde am vergangenen Dienstag mit der Impfung der Bevölkerung begonnen. In der Vorwoche wurde hier, als erstes westliches Land, ein Impfstoff – der von Pfizer und Biontech – zugelassen. In den USA wurde diesem Impfstoff, nach Befürwortung des Beraterkomitees der US-Arzneimittelbehörde, am Samstag die Zulassung erteilt. Mit Impfungen soll am Montag begonnen werden.

Kurzfristig bleibt die Situation jedoch angespannt. In Deutschland hat sich das Infektionsgeschehen in den vergangenen Wochen spürbar verschärft. Am Freitag hatten sich über die vergangenen sieben Tagen 163 Personen je 100.000 Einwohner mit COVID-19 infiziert. Eine Woche zuvor lag dieser Wert noch bei 138. Die Nachverfolgung von Kontakten im Infektionsfall sei für die Gesundheitsämter erst bei Unterschreiten des Grenzwertes von 50 zu leisten. Auch die Zahl der mit COVID-19 infizierten Personen, welche einer intensivmedizinischen Behandlung bedürfe, ist deutlich gestiegen und lag am Freitag bei 4.491. In der Vorwoche waren es noch 4.051 Personen.

Aufgrund des gestiegenen Infektionsgeschehens hat die Leopoldina in der vergangenen Woche einen harten Lockdown bis zum 10. Januar empfohlen. Als erstes Bundesland wurde ein Lockdown in Sachsen beschlossen. Dieser gilt ab Montag. In Sachsen hatte sich das Virus zuletzt rasant ausgebreitet. Weitere Bundesländer hatten vor den Beratungen von Bund und Ländern am Wochenende bereits die Ausweitung von Infektionsschutzmaßnahmen angekündigt.

Am Sonntag haben sich Bund und Länder auf eine Verschärfung des bisherigen Teil-Lockdowns verständigt. Von kommendem Mittwoch an soll bis zum 10. Januar der Einzelhandel geschlossen bleiben. Ausgenommen hiervon sind Geschäfte mit Produkten des täglichen Bedarfs wie etwa Lebensmittelmärkte. Schulen und Kindertagesstätten sollen von Mittwoch an ebenfalls geschlossen bleiben. Arbeitnehmern soll, wenn möglich, Heimarbeit ermöglicht werden.

EZB weitet expansive Maßnahmen aus

Aufgrund des zuletzt, nicht nur in Deutschland, wieder aufflammenden Infektionsgeschehens hatten auch andere Euroraumländer in den vergangenen Monaten die Infektionsschutzmaßnahmen ausgeweitet. Hieraus dürfte eine deutliche konjunkturelle Eintrübung im Euroraum zum Jahresende resultieren. Um dieser entgegenzuwirken hat das Eurosystem am Donnerstag eine Ausweitung der expansiven Maßnahmen beschlossen. Die wohl wichtigsten Maßnahmen sind eine Ausweitung der Wertpapierkäufe im Rahmen des Pandemienotfallankaufprogramms um 500 auf 1.850 Mrd. Euro bis März 2022. Außerdem wurden drei neue gezielte längerfristige Refinanzierungsgeschäfte bis Dezember 2021 angekündigt. Der Zeitraum für die besonders vorteilhaften Konditionen wurde um ein Jahr bis Juni 2022 verlängert. Eine Ausweitung der expansiven Maßnahmen war in der vorherigen Ratssitzung im Oktober bereits angekündigt worden. Die Maßnahmen waren deshalb an den Finanzmärkten bereits größtenteils eingepreist.

Kapitalmarktzinsen geben nach

Die langfristigen Zinsen haben in der vergangenen Woche leicht nachgegeben. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten zum Wochenultimo -0,64 %, damit 10 Basispunkte weniger als zum Ende der Vorwoche.

Lockdownerwartung drückt Aktienpreise

Die Aktienpreise haben in der vergangenen Woche leicht nachgegeben. Die Erwartung einer Ausweitung des Teil-Lockdowns ließ insbesondere betroffene Branchen unter Druck geraten. Vergangene Krisengewinner konnten hingegen wieder zulegen. Der DAX gab um 1,4 % nach.

Außenwert des Euro bleibt stabil

Der Außenwert des Euro hat sich in der vergangenen Woche kaum verändert. Gegenüber dem US-Dollar gab der der Euro leicht nach, um 0,1 % auf 1,21 US-Dollar je Euro. Gegenüber den Währungen der 42 wichtigsten Handelspartner veränderte sich der Außenwert hingegen nicht. Unter diesen legte der Euro insbesondere gegenüber dem britischen Pfund zu. Dies dürfte mit den stockenden Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien zur Ausgestaltung der zukünftigen Beziehungen zusammenhängen.

Ölpreise ziehen weiter an

Die Ölpreise haben weiter angezogen. Ein Fass Rohöl der Sorte Brent kostete in Europa zum Wochenschluss 50,0 US-Dollar, damit 1,8 % mehr als in der Vorwoche. In den USA verteuerte sich Rohöl der Sorte WTI leicht weniger. Ein Fass kostete zuletzt 46,6 US-Dollar.

Optimistischere Konjunkturerwartungen

Im Dezember haben die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland einen Teil ihres in den Monaten Oktober und November erfahrenen Rückgangs wieder ausgleichen können. Der auf einer monatlichen Umfrage unter Finanzmarktfachleuten beruhende Indikator stieg um 16,0 Punkte auf einen Stand von 55,0 Punkten. Maßgeblich für die Verbesserung der Konjunkturerwartungen dürfte die Hoffnung auf eine baldige Verfügbarkeit eines Coronaimpfstoffes sein. Die Hoffnung erhielt zuletzt durch Ankündigungen von Pharmaunternehmen Auftrieb. Im Gegensatz zu den Konjunkturerwartungen wurde die aktuelle Lage Deutschlands von den befragten Fachleuten insgesamt schlechter bewertet. Der entsprechende Lageindikator sank im Zuge des andauernden Teil-Lockdowns um 2,2 Punkte auf -66,5 Punkte. Die ZEW-Konjunkturerwartungen für den Euroraum sind ebenfalls gestiegen, sogar noch stärker als der Erwartungsindikator für Deutschland. Sie legten um 21,6 Punkte auf 54,4 Punkte zu. Insgesamt signalisieren die jüngsten Umfrageergebnisse, dass die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Deutschlands — nach der Schwächephase zum Jahresende 2020 - im kommenden Jahr wieder auf ihren Erholungspfad einschwenken wird.

Industrieproduktion steigt kräftig

Die Erholung der deutschen Industrie vom Einbruch während des Frühjahrs-Lockdowns hat sich im Oktober fortgesetzt. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Angaben mitteilte legte die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes gegenüber dem Vormonat preis-, kalender und saisonbereinigt um 3,3 % zu. Das Wachstum hat sich damit im Vergleich zum September (+2,3 %) sichtlich beschleunigt. Verantwortlich für den kräftigen Zuwachs im Oktober war nicht zuletzt der wichtige Kfz-Bereich, der seinen Ausstoß mit einer Verlaufsrate von 9,9 % abermals spürbar ausweitete. Mit dem jüngsten Anstieg liegt die Industrieproduktion bei rund 96 % des Niveaus, das sie vor Ausbruch der Coronakrise im 4. Quartal 2019 erreicht hatte. Nicht nur im Verarbeitenden Gewerbe, auch im Baugewerbe nahm die Produktion im Oktober zu. Sie stieg um 1,6 % und damit etwas schwächer als im Vormonat (+2,1 %). Stimmungsindikatoren wie der ifo Geschäftsklimaindex für das Verarbeitende Gewerbe und dessen Auftragseingang lassen für die nächsten Monate einen weiteren Anstieg der Industrieproduktion erwarten. Angesichts der Wachstumsimpulse, die derzeit offenbar insbesondere von der Güternachfrage aus Asien kommen, scheint die Industriekonjunktur weniger stark durch den zum Jahresende wirkenden Teil-Lockdown beeinträchtigt zu werden als Teile des Dienstleistungsbereichs.

Schwächeres Wachstum der Ausfuhren

Auch beim grenzüberschreitenden Handel der deutschen Wirtschaft hält die Erholung vom Frühjahrseinbruch an. Im Oktober hat das Wachstumstempo der Ausfuhren jedoch merklich nachgelassen. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundeamtes wurden in diesem Monat von Deutschland Waren im Wert von 112,0 Mrd. Euro ausgeführt und Waren im Wert von 92,7 Mrd. Euro eingeführt. Die Ausfuhren sind kalender- und saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um moderate 0,8 % gestiegen, nachdem sie im September noch um 2,3 % expandiert waren. Bei den Einfuhren hat sich hingegen keine große Veränderung ergeben. Sie nahmen, nach einem Anstieg um 0,2 % im September, im Oktober um 0,3 % zu. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lagen die Ausfuhren zuletzt mit 6,5 % im Minus. Je nach Handelspartner zeigten sich dabei erneut unterschiedliche Entwicklungen. So konnten die Warenausfuhren nach China im Vorjahresvergleich um 0,3 % auf 8,7 Mrd. Euro gesteigert werden, was einmal mehr darauf hindeutet, dass die virusbedingte Krise dort überwunden ist. Die Ausfuhren in die noch stark pandemiebetroffenen USA gaben hingegen binnen Jahresfrist um 10,5 % auf 9,9 Mrd. Euro nach.

Privatkonsum treibt Euroraum-BIP im 3. Quartal

Eurostat hat inzwischen detaillierte Angaben zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung des Euroraums für das 3. Quartal vorgelegt. Das zentrale Ergebnis seiner vorherigen Angaben wurde dabei minimal nach unten korrigiert. So ist das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 3. Quartal gegenüber dem Vorquartal nicht um 12,6 %, sondern um 12,5 % gestiegen. Die Wachstumsimpulse gingen dabei vor allem von den Konsumausgaben der privaten Haushalte aus. Diese legte im Zuge der verbreiteten Lockerung von Schutzmaßnahmen um überaus deutliche 14,0 % zu und trugen rechnerisch mit 7,3 Prozentpunkten zum BIP-Wachstum bei. Kräftige Wachstumsimpulse lieferten aber auch die zunehmenden staatlichen Konsumausgaben (+4,8 %) und Bruttoanalageinvestitionen (+13,4 %) sowie die Exporte (+17,1 %), die noch stärker zulegten als die Importe (+12,3 %). Angesichts der zum Jahresende in vielen Euroraum- Staaten wieder verschärften Schutzmaßnahmen zeichnet sich für das laufende 4. Quartal ein Rückgang des BIP ab.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR