Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 15.02.2021

  • Lockdown wird bis zum 7. März verlängert
  • DAX kann Gewinn zum Wochenauftakt nicht halten
  • Renditen italienischer Staatsanleihen gehen weiter zurück
  • US-Dollar unter Druck
  • Rohölpreis setzt Rally fort
  • Stagnierender Außenhandel
  • Weiterhin sinkende Insolvenzzahlen
  • Sprunghafter Anstieg der Inflationsrate bestätigt
  • BIP-Rückgang im 1. Quartal prognostiziert

Lockdown wird bis zum 7. März verlängert

Bund und Länder haben sich am 10. Januar darauf verständigt, den Lockdown bis zum 7. März im Wesentlichen zu verlängern. Angehörige eines Haushaltes dürfen sich aus privaten Gründen nur mit einer weiteren Person treffen. Beherbergungsbetriebe bleiben für Übernachtungen aus privaten Gründen geschlossen. Im Nahverkehr sowie in Geschäften bleibt das Tragen einer medizinischen Maske verpflichtend. Abweichend von früheren Regelungen soll der Betreuungs- und Bildungsbereich ab sofort nach Ermessen der Länder wieder öffnen dürfen. Friseurbetriebe sollen ab dem 1. März unter Einhaltung eines Hygienekonzeptes Kunden empfangen dürfen. Die Öffnung des stationären Nicht-Lebensmittel-Einzelhandels, von Museen, Galerien sowie körpernahen Dienstleistungsbetrieben soll bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von höchstens 35 Fällen je 100.000 Einwohnern unter Auflagen erfolgen. Das Infektionsgeschehen hat sich aufgrund des Lockdowns weiter abgeschwächt. In der vergangenen Woche haben sich bundesweit 60 Personen je 100.000 Einwohner mit COVID-19 infiziert. In der Vorwoche lag die Sieben-Tage-Inzidenz noch bei 77 Fällen je 100.000 Einwohnern. Die Zahl der COVID-19-Impfungen nahm leicht zu. Durchschnittlich wurden rund 122.000 Impfdosen am Tag verabreicht. Dies entspricht einem Anstieg um etwa 7.000 Dosen am Tag. Mittelfristig dürfte die Impfstoffknappheit jedoch durch die Inbetriebnahme des BioNTech-Werks in Marburg abnehmen. Erste Lieferungen aus diesem Werk sollen im April erfolgen.

DAX kann Gewinn zum Wochenauftakt nicht halten

Nach einem dynamischen Wochenstart mit einem neuen Allzeithoch im Tagesverlauf am Montag schloss der DAX zum Wochenende mit 14.050 Punkten im Vergleich zur Vorwoche nahezu unverändert. Insbesondere das nur schleppende Impftempo in Deutschland dürfte die Konjunkturaussichten weiter belasten. In den USA haben die Aktienkurse hingegen wieder angezogen. Der S&P 500 Index schloss 1,2 % über dem Vorwochenultimo. Weiter zurückgehende Infektionszahlen wecken die Hoffnung auf einer Rückführung der Infektionsschutzmaßnahmen. Zudem befeuert die Erwartung eines umfangreichen Konjunkturpaketes die Konjunkturphantasie.

Renditen italienischer Staatsanleihen gehen weiter zurück

Die Umlaufsrenditen deutscher Bundesanleihen haben sich in der vergangenen Woche kaum verändert. Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit rentierten zum Wochenausklang bei -0,43 %, einen Basispunkt mehr als zum Ende der Vorwoche. Die Umlaufsrenditen von zehnjährigen US-Staatsanleihen haben sich ebenfalls kaum verändert und rentierten mit 1,20 %. Weiter reduziert haben sich hingegen die Renditen für italienische Staatsanleihen. Staatspräsident Mattarella hatte dem ehemaligen Chef der Europäischen Zentralbank Mario Draghi einen Auftrag zur Regierungsbildung erteilt. In der vergangenen Woche konnte sich Draghi die Unterstützung einer breiten Mehrheit im Parlament sichern. Neben den gemäßigten Parteien der Mitte wollen auch die linke Fünf-Sterne-Bewegung und die rechte Lega Draghi unterstützen. Die Umlaufsrenditen zehnjähriger Anleihen erreichten daraufhin ein neues Allzeittief. Im Wochenverlauf gaben diese 6 Basispunkte nach und notierten zum Wochenausklang bei 0,49 %. Der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen reduzierte sich weiter und betrug zuletzt lediglich noch 0,92 Prozentpunkte. Marktteilnehmer erwarten offenbar, dass die strukturellen Probleme Italiens nun endlich angegangen werden. Auch das Konfliktpotenzial zwischen Italien und der EU dürfte unter einer von Mario Draghi geführten Regierung deutlich geringer ausfallen als in früheren Regierungskonstellationen.

US-Dollar unter Druck

Zum Wochenultimo konnte ein Euro in 1,21 US Dollar getauscht werden. Damit gewann der Euro im Vergleich zum US-Dollar rund 0,6 % an Wert. Insbesondere die Erwartung steigender Inflation bei unverändert niedrigen Zinsen dürfte die USDollar- Nachfrage belastet haben. Gegenüber den Währungen der 42 wichtigsten Handelspartnern des Euroraums wertete der Euro um 0,4 % auf.

 

Rohölpreis setzt Rally fort

Die Rohölpreise haben in der vergangenen Woche erneut deutlich zugelegt. Rohöl der Sorte Brent notierte zum Wochenultimo bei 62,5 USDollar, rund 5,0 % höher als zum Vorwochenschluss. Ein Fass Rohöl der Sorte WTI kostete zum Wochenende 59,5 US-Dollar. Das waren rund 4,8 % mehr als in der Vorwoche. Aufgrund der ungewöhnlich strengen Befolgung des OPEC plus Beschlusses zur Förderkürzung dürfte das Angebot stärker zurückgegangen sein als dies zuvor erwartet wurde. Hinzu kommt, dass die Erwartung des US-Konjunkturpaketes die Hoffnung auf einen rasanten Aufschwung in den USA nährt.

Stagnierender Außenhandel

Zum Jahresende hat die Dynamik im grenzüberschreitenden Handel Deutschlands merklich nachgelassen, auch wegen der wirtschaftlichen Folgen der verstärkten Infektionsschutzmaßnahmen in vielen Partnerländern. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden von der deutschen Wirtschaft im Dezember Waren im Wert von 100,7 Mrd. Euro ausgeführt und Waren im Wert von 85,9 Mrd. Euro eingeführt. Die Ausfuhren sind damit gegenüber dem Vormonat kalender und saisonbereinigt nur noch geringfügig um 0,1 % gestiegen. Zuvor, im November, hatten sie noch mit einer kräftigen Verlaufsrate von 2,3 % zugelegt. Auch die Einfuhren stagnierten im Dezember (-0,1 %) im Wesentlichen, nachdem sie im November um deutliche 5,4 % expandiert waren. Die Ausfuhren lagen im Dezember kalender- und saisonbereinigt noch um 4,6 % unter dem Stand vom Februar, den Monat vor Beginn der virusbedingten Beschränkungen in Deutschland. Die Einfuhren haben hingegen das Februarniveau nahezu wieder erreicht. Im gesamten Jahr 2020 sind die Warenausfuhren Deutschlands um 9,3 % auf 1.204,7 Mrd. Euro gesunken und damit so stark wie noch nie seit dem globalen Rezessionsjahr 2009 (-18,4 %). Wichtigster Abnehmer für die deutschen Exportgüter waren erneut die Vereinigten Staaten, obwohl die Ausfuhren dorthin um 12,5 % auf 103,8 Mrd. Euro abnahmen. Danach folgten die Volksrepublik China mit 95,9 Mrd. Euro (-0,1 %) und Frankreich mit 91,0 Mrd. Euro (-14,6 %). Die Wareneinfuhren nach Deutschland sind 2020 insgesamt um 7,1 % auf 1.025,6 Mrd. Euro zurückgegangen.

Weiterhin sinkende Insolvenzzahlen

Die gravierenden Folgen der Coronapandemie für weite Teile der deutschen Wirtschaft schlagen sich noch immer nicht in den amtlichen Insolvenzdaten nieder. Im November wurden von den Amtsgerichten 1.046 Unternehmens- und 2.214 Verbraucherinsolvenzen gemeldet. Die Zahl der Firmenpleiten lag damit um 26,0 % unter ihrem entsprechenden Vorjahreswert; die der Verbraucherpleiten sogar um 53,8 %. Ein Grund für die neuerliche Verminderung der Unternehmensinsolvenzen ist die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis Ende April 2021 für solche Unternehmen, bei denen die Auszahlung der seit Anfang November 2020 vorgesehenen staatlichen Hilfeleistungen noch nicht erfolgte. Zudem spiegelt sich die bereits ab Oktober 2020 wieder geltende Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Firmen wegen der Bearbeitungszeit der Gerichte noch nicht in den Daten wider. Hauptgrund für die stark rückläufigen Verbraucherinsolvenzen ist, dass viele Betroffene auf die schrittweise Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens warteten, das einen schnelleren wirtschaftlichen Neuanfang im Anschluss an ein Insolvenzverfahren ermöglicht. Die Neuregelung ist im Oktober 2020 wirksam geworden und dürfte in naher Zukunft zu einem merklichen Anstieg der Verbraucherinsolvenzen führen. Auch die Unternehmensinsolvenzen dürften angesichts der pandemiebedingt vielfach schwierigen Lage vieler Unternehmen künftig spürbar zunehmen.

Sprunghafter Anstieg der Inflationsrate bestätigt

Das Statistische Bundesamt hat inzwischen endgültige Angaben zur jüngsten Entwicklung des Verbraucherpreisindex (VPI) vorgelegt und dabei das zentrale Ergebnis seiner Ende Januar veröffentlichten ersten Schätzungen bestätigt. Den Angaben zufolge stieg die VPI-Inflationsrate sprunghaft an, von -0,3 % im Dezember auf 1,0 % im Januar. Maßgeblich für den deutlichen Anstieg dürften drei Faktoren sein: Zum einen endete die zeitweise Verminderung der Mehrwertsteuersätze als Maßnahme des im Juni 2020 beschlossenen Konjunkturpaketes der Bundesregierung zum 31. Dezember. Zum anderen trat zu Jahresbeginn eine nationale CO2-Bepreisung für die Sektoren Verkehr und Wärme in Kraft, die über die Energiepreise teilweise an die Verbraucher weitergereicht wurde. Ferner ist hierzulande zum Jahreswechsel der gesetzliche Mindestlohn gestiegen, was sich ebenfalls erhöhend auf die Verbraucherpreise ausgewirkt haben dürfte. Vor diesem Hintergrund legten die Warenpreise moderat zu – nachdem sie zuvor noch gesunken waren (+0,6 % nach -1,8 % im Dezember) – und der Preisauftrieb bei Dienstleistungen nahm zu (+1,4 % nach +1,1 %).

BIP-Rückgang im 1. Quartal prognostiziert

Die EU-Kommission geht in ihrer aktuellen Winterkonjunkturprognose davon aus, dass das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutschlands im laufenden 1. Quartal zurückgehen wird. Grund seien die wegen der Infektionsschutzmaßnahmen belasteten Konsumausgaben, insbesondere im Dienstleistungssektor. Zudem werden die Exporte durch die schwache Nachfrage wichtiger europäischer Außenhandelspartner und durch Angebotsstörungen gedämpft. Im weiteren Jahresverlauf wird jedoch mit einer Entspannung der Infektionslage und einer spürbaren gesamtwirtschaftlichen Erholung gerechnet, die im Jahresdurchschnitt 2021 zu einem preisbereinigten BIP-Anstieg um 3,2 % führen werde.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR