Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 15.03.2021

  • Infektionsgeschehen zieht wieder an – vierter COVID-19 Impfstoff in Europa zugelassen
  • Europäische Zentralbank will Anleihekäufe im kommenden Quartal ausweiten
  • Joe Biden unterzeichnet Konjunkturpaket
  • Aktien auf Rekordjagd
  • Kaum Bewegung bei Umlaufsrendite
  • Außenwert des Euro verharrt auf niedrigem Niveau
  • Rohölpreis legt weiter zu
  • Leichter Rückgang der Industrieproduktion
  • Divergierende Tendenzen im Außenhandel
  • Euroraum-BIP etwas stärker gesunken
  • Höhere Industrieproduktion im Euroraum

Infektionsgeschehen zieht wieder an – vierter COVID-19 Impfstoff in Europa zugelassen

In Deutschland hat sich das Infektionsgeschehen in der vergangenen Woche wieder spürbar beschleunigt. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg von 66 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vorherigen sieben Tagen auf 76 am Freitag. Im Gegensatz zu den vergangenen Wochen scheint sich das Coronavirus aktuell insbesondere unter den Jüngeren auszubreiten. Bei den über 80-Jährigen gingen die Neuinfektionen hingegen leicht zurück. Hier scheint sich der Fortschritt der Impfkampagne in geringeren Infektionszahlen niederzuschlagen. In der vergangenen Woche wurden im Tagesschnitt rund 220.000 Personen gegen COVID-19 geimpft. Die Zahl der täglichen Impfungen zog damit erneut an, um rund 17.000 Impfungen je Tag.

Weiter beschleunigen dürfte sich die Impfkampagne durch die Zulassung des vierten COVID-19- Impfstoffes durch die EU-Kommission am Donnerstag. Zuvor hatte die Europäische Arzneimittel- Agentur eine bedingte Zulassung empfohlen. Im Gegensatz zu den drei bisher zugelassenen Präparaten soll für eine Immunisierung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson bereits eine Verabreichung des Impfstoffes ausreichen. Auch soll Kühlschranktemperatur zur Lagerung genügen, was bei der Verteilung des Impfstoffes die Logistik erheblich vereinfachen dürfte. Erste Lieferungen nach Europa sollen nach Herstellerangaben im April erfolgen. Ob dies eingehalten werden kann, ist allerding aktuell noch unklar, da das Präparat in den USA abgefüllt wird und dort praktisch ein Exportstopp für COVID-19-Impfstoffe zu gelten scheint.

Europäische Zentralbank will Anleihekäufe im kommenden Quartal ausweiten

Die Europäische Zentralbank hat bei der Ratssitzung am vergangenen Donnerstag die geldpolitische Ausrichtung im Wesentlichen bestätigt. Aufgrund zuletzt spürbar angezogener Umlaufsrenditen wurde allerdings beschlossen, die Flexibilität des Pandemie-Notfallankaufprogramms (PEPP) zu nutzen, um den Erwerb zusätzlicher Anleihen im kommenden Quartal signifikant zu erhöhen.

Joe Biden unterzeichnet Konjunkturpaket

Am vergangenen Donnerstag hat US-Präsident Joe Biden das zweitgrößte Konjunkturpaket der US-Geschichte unterzeichnet. Bereits Samstag vor einer Woche hatte der US-Senat diesem zugestimmt. In der vergangenen Woche hat sich das Repräsentantenhaus erneut für das Gesetzespaket ausgesprochen. Bis zum Jahr 2025 dürfte die Fiskalpolitik der US-Konjunktur einen Impuls von rund 1,9 Bill. US-Dollar setzen. Dieses Jahr wird der US-Haushalt um rund 1,2 Bill. US-Dollar belastet. Herzstück des Konjunkturpaketes sind direkte Zahlungen in Höhe von 1.400 US-Dollar, welche mit Ausnahme von Besserverdienenden alle Bürger erhalten sollen.

Aktien auf Rekordjagd

Die Aktienkurse haben zuletzt kräftig zugelegt. In den Vereinigten Staaten zogen die Notierungen infolge des US-Konjunkturpaketes spürbar an. Der S&P 500 Index legte um 2,6 % zu. Auch Deutschland dürfte von der aufgehellten US-Konjunktur über die engen Handelsbeziehungen profitieren. Der DAX eilte unter der Woche von einem Höchststand zum nächsten. Von der zuletzt deutlichen Abwertung des Euro, insbesondere gegenüber dem US-Dollar, dürfte die stark vom Export abhängige deutsche Volkswirtschaft in besonderem Maße profitieren. Am Freitag verzeichnete der deutsche Leitindex zwar leichte Verluste, er schloss mit 4,2 % allerdings deutlich fester als vor Wochenfrist.

Kaum Bewegung bei Umlaufsrendite

Deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit rentierten zum Wochenultimo nahezu unverändert bei 0,30 %. Die Ankündigung der EZB, zukünftig mehr Anleihen im Rahmen des PEPP zu erwerben, hat die Kapitalmarktzinsen bisher nicht gesenkt.

Außenwert des Euro verharrt auf niedrigem Niveau

Gegenüber dem US-Dollar hat der Euro nach dem deutlichen Wertverlust in der vergangenen Woche zuletzt wieder 0,3 % an Wert gewonnen und notierte bei 1,20 US-Dollar. Gegenüber den Währungen der 42 wichtigsten Handelspartnern verlor der Euro hingegen leicht an Wert und notierte zuletzt 0,1 % schwächer als vor Wochenfrist.

Rohölpreis legt weiter zu

Aufgrund des Angriffes auf den Saudi-Arabischen Hafen Ras Tanura rückten zuletzt geopolitische Aspekte wieder in den Fokus von Marktteilnehmern. Dennoch verbilligte sich Rohöl in der vergangenen Woche leicht. In Europa kostete ein Fass Rohöl der Sorte Brent zuletzt 68,9 US-Dollar, 1,5 % weniger als vor Wochenfrist. In den USA gab der Preis der Sorte WTI um 0,7 % nach, ein Fass kostete zum Wochenschluss 65,6 US-Dollar.

Leichter Rückgang der Industrieproduktion

Zu Jahresbeginn hat sich die Aufwärtsbewegung der Industrieproduktion in Deutschland zunächst nicht fortgesetzt. Gemäß vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes gab die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes im Januar gegenüber dem Vormonat leicht um 0,5 % nach. Zuvor, im Dezember, war der Ausstoß noch um 1,6 % gestiegen. Maßgeblich für den leichten Rückgang waren offenbar Engpässe bei Halbleiterprodukten, welche die Entwicklung im gewichtigen Kfz-Bereich (-4,0 %) spürbar beeinträchtigten. Nicht nur im Verarbeitenden Gewerbe, auch im Baugewerbe ist die Produktion zu Jahresanfang gesunken. Im Zuge des ungewöhnlich harten Winterwetters verminderte sich die Bauproduktion im Januar um deutliche 12,2 %, nachdem sie im Dezember noch um 5,4 % gestiegen war. Angesichts der jüngsten Auftragszuwächse im Verarbeitenden Gewerbe dürfte die Industrieproduktion in naher Zukunft wieder auf ihren Wachstumspfad einschwenken. So sind die Neuaufträge im Januar, befördert durch eine rege Auslandsnachfrage, mit einer Verlaufsrate von 1,4 % gestiegen. Für eine Rückkehr auf den Wachstumskurs sprechen auch die Produktionserwartungen der Unternehmen, die sich nach Angaben des ifo Instituts merklich erhöht haben. Der Indikator der Produktionserwartungen ist von 9,4 Punkten im Januar auf 20,7 Punkte gestiegen.

Divergierende Tendenzen im Außenhandel

Die amtlichen Daten zum grenzüberschreitenden Handel der deutschen Wirtschaft entwickelten sich jüngst uneinheitlich. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte wurden von Deutschland im Januar Waren im Wert von 98,1 Mrd. Euro ausgeführt und Waren im Wert von 83,8 Mrd. Euro eingeführt. Während die Ausfuhren kalender- und saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat stärker zulegten als im Dezember (+1,4 % nach +0,4 %), sanken die Einfuhren (-4,7 %) deutlich, nachdem sie zuvor stagniert hatten. Der Anstieg der Ausfuhren kann als weiterer Hinweis dafür verstanden werden, dass die Weltwirtschaft allmählich Tritt fasst. Demgegenüber lässt der Rückgang der Einfuhren auf eine — im Zuge der zweiten Pandemiewelle — wieder schwächere Binnennachfrage schließen. Die Warenexporte und Warenimporte lagen zuletzt noch immer unter dem Stand, der vor dem Beginn der virusbedingten Einschränkungen im Februar 2020 erreicht wurde. Das damalige Februarniveau wurde im Januar 2021 bei den Ausfuhren um 3,3 % und bei den Einfuhren um 5,2 % unterschritten. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat sind die Ausfuhren im Januar um 8,0 % zurückgegangen. Maßgeblich hierfür war das Geschäft mit den Partnerländern der sogenannten Drittstaaten (-10,3), dass sich überdurchschnittlich stark verminderte. Insbesondere in das Vereinigte Königreich (-29,0 %) wurde nach dem Auslaufen der Brexit-Übergangsregelung deutlich weniger Waren exportiert.

Euroraum-BIP etwas stärker gesunken

Eurostat hat erste detaillierte Angaben zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung des Euroraums im 4. Quartal vorgelegt und dabei das zentrale Ergebnis seiner vorhergehenden Berechnungen leicht nach unten korrigiert. So ist das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Währungsraums gegenüber dem Vorquartal nicht um 0,6 %, sondern um 0,7 % zurückgegangen. Hauptgrund für den BIP-Rückgang waren die Konsumausgaben, die angesichts der zweiten Pandemiewelle und der in vielen Regionen verschärften Infektionsschutzmaßnahmen um 3,0 % sanken. Die staatlichen Konsumausgaben (+0,4 %) und die Anlageinvestitionen (+1,6 %) wurden hingegen ausgeweitet. Vom Außenhandel ging ein leicht dämpfender Impuls auf die Gesamtwirtschaft aus. Die Exporte expandierten (+3,5 %) schwächer als die Importe (+4,1 %). Angesichts der zu Jahresbeginn noch anhaltenden Schutzmaßnahmen in vielen Euroraumstaaten dürfte das BIP im laufenden 2. Quartal erneut zurückgehen.

Höhere Industrieproduktion im Euroraum

Anders als in Deutschland, ist die Industrieproduktion im Euroraum als Ganzes im Januar gestiegen. Nach ersten amtlichen Schätzungen legte der preis-, kalender- und saisonbereinigte Ausstoß gegenüber dem Vormonat um 0,8 % zu. Im Dezember war die Produktion noch geringfügig um 0,1 % gesunken. Der Anstieg vom Januar war breit angelegt. Alle Hauptgruppen wiesen ein Produktionsplus auf. Besonders stark fiel der Zuwachs bei den Herstellern von dauerhaften Konsumgütern (+0,8 %) aus. Das Produktionswachstum der Industrie dürfte in den kommenden Monaten anhalten. Hierauf deutet zumindest der Order- Indikator hin. Der auf Basis einer monatlichen Umfrage von der EU-Kommission berechnete Indikator ist jüngst erneut gestiegen, von -20,1 Punkten im Januar auf -18,4 Punkte im Februar.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR