Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 18.01.2021

  • Ausweitung der Lockdowns soll Ausbreitung der Coronavirus-Mutation in Europa verhindern
  • Aktienkurse können Höchststände nicht halten
  • Risikoaufschläge für Peripheriestaaten ziehen an
  • Euro verliert erneut an Außenwert
  • Ölpreise geben leicht nach
  • BIP Deutschlands 2020 um 5,0 % eingebrochen
  • Insolvenzdaten noch immer rückläufig
  • Weiter zunehmender Außenhandel
  • Euroraum-Industrieproduktion mit merklichem Plus

Ausweitung der Lockdowns soll Ausbreitung der Coronavirus-Mutation in Europa verhindern

In Europa verbreitet sich das Coronavirus trotz Infektionsschutzmaßnahmen. In Großbritannien wütet seit einigen Wochen die Coronavariante B.1.1.7; in London wurde in der Vorwoche gar der Katastrophenfall ausgerufen. Diese Variante des Coronavirus scheint sich zunehmend auch über Großbritannien hinaus auszubreiten. Zuletzt schossen die Infektionszahlen in Irland dramatisch in die Höhe.

Insbesondere eine Ausbreitung dieser wohl besonders ansteckenden Coronavariante wird in Kontinentaleuropa befürchtet. Um eine Ausbreitung zu erschweren, wurden in der vergangenen Woche Lockdowns in Dänemark, der Schweiz und den Niederlanden verlängert. In Portugal gilt zudem seit dem 15. Januar ein harter Lockdown. Vor Weihnachten wurden dort die Infektionsschutzmaßnahmen noch gelockert. Nun darf die Wohnung nur noch zum Einkaufen, zum Arbeiten und für Arztbesuche verlassen werden.

Auch in Deutschland scheint eine Verlängerung des aktuell bis zum 31. Januar gültigen Lockdowns bis Ostern wahrscheinlich. Am 19. Januar beraten Bund und Ländern über Umfang und Dauer der Infektionsschutzmaßnahmen.

In der vergangenen Woche scheint sich das Infektionsgeschehen in Deutschland zwar etwas abgeschwächt zu haben. Die Sieben-Tage-Inzidenz ging von 154 auf 139 Fällen je 100.000 Einwohner zurück. Auch die Zahl der mit COVID-19 infizierten Personen in intensivmedizinischer Behandlung war rückläufig. Allerdings stieg in der vergangenen Woche die Zahl der täglichen Todesfälle mit COVID-19 infizierten Personen (durchschnittlich 871 Personen je Tag).

Aktienkurse können Höchststände nicht halten

Die Aktienkurse konnten die in der vergangenen Woche erreichten Höchststände nicht halten und schlossen im Minus. Insbesondere am Freitag gaben die Notierungen infolge steigender Sorgen über den Verlauf der Coronapandemie spürbar nach. In Deutschland rutschte der DAX wieder unter die Marke von 14.000 Punkten und schloss am Freitag mit 13.788 Punkten etwa 1,9 % schwächer als in der Vorwoche. Auch in Europa haben die Ausweitungen der Lockdowns die Aktienmärkte belastet. Der EURO STOXX 50 schloss 1,2 % schwächer. In den USA gaben die Aktienmärkte 1,5 % nach. Hierin dürften sich auch schwache Konjunkturzahlen in den USA widerspiegeln. So waren die Einzelhandelsumsätze im Dezember erneut rückläufig. Auch die Verbraucherstimmung gab nach Angaben der Universität von Michigan im Januar nach. Diese sank um 1,5 auf 79,2 Punkte. Sowohl die Einschätzung der Lage als auch die Erwartungen trugen zu diesem Rückgang bei.

Risikoaufschläge für Peripheriestaaten ziehen an

Die Umlaufsrenditen für Staatsanleihen höchster Bonität haben sich in der vergangenen Woche kaum verändert. Deutsche Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit rentierten zum Wochenultimo -0,54 %, damit 3 Basispunkte weniger als vor einer Woche. In den USA ging die Rendite für Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit um 1 Basispunkt auf 1,10 % zurück. Die Zinsaufschläge von Staatsanleihen anderer Euroraumländer gegenüber deutschen Bundesanleihen haben in der vergangenen Woche hingegen zum Teil spürbar zugenommen. Für zehnjährige italienische Staatsanleihen erhöhte sich der Zinsaufschlag um 11 Basispunkte auf 1,13 %. Hier dürfte insbesondere der Austritt der Partei Italia Viva um Matteo Renzi aus der Regierungskoalition für Verunsicherung an den Märkten gesorgt haben. Für zehnjährige spanische Staatsanleihen zog der Zinsaufschlag um 5 Basispunkte an. Dennoch stießen die Neuemissionen beider Länder in der vergangenen Woche auf eine große Nachfrage.

Euro verliert erneut an Außenwert

Der Euro hat in der vergangenen Woche weiter an Wert gegenüber anderen Währungen verloren. Gegenüber den 42 wichtigsten Handelspartnern wertete der Euro um 0,7 % ab. Gegenüber dem US-Dollar verlor der Euro 1,1 % an Wert. Zuletzt notierte dieser bei 1,21 US-Dollar.

Ölpreise geben leicht nach

In Europa hat sich Rohöl der Sorte Brent nach den deutlichen Anstiegen der vergangenen Wochen leicht verbilligt. Zum Wochenultimo kostete ein Fass 54,8 US-Dollar, damit 1,3 % weniger als in der Vorwoche. Die Ausweitung der Lockdowns sowie nur schleppend voranschreitende Impfungen dürften die konjunkturellen Aussichten belastet haben. In den USA hat sich der Preis für Rohöl der Sorte WTI kam verändert. Ein Fass notierte zuletzt bei 52,3 US-Dollar.

BIP Deutschlands 2020 um 5,0 % eingebrochen

Das Statistische Bundesamt hat am 14. Januar erste, vorläufige Angaben zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands im vergangenen Jahr veröffentlicht. Den Angaben zufolge ist das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorjahr um deutliche 5,0 % zurückgegangen. Der Einbruch fiel damit etwas weniger stark aus als der BVR im Rahmen seiner Dezember- Konjunkturprognose erwartet hatte (-5,5 %). Allerdings dürften sich die Folgen der zum Jahresende deutlich verschärften Infektionsschutzmaßnahmen noch nicht vollständig in dem BIP-Wert widerspiegeln. So liegen derzeit für das 4. Quartal, in dem es zu einem merklichen Rückgang gekommen sein dürfte, noch keine amtlichen BIP-Daten vor. Im Zuge der sukzessiven Verbreiterung der Datengrundlage könnte es zu einer leichte Abwärtsrevision des BIP-Jahresergebnisses kommen. Hauptgrund für den massiven Rückgang der Wirtschaftsleistung waren die privaten Konsumausgaben. Der Privatverbrauch sank angesichts pandemiebedingt eingeschränkter Konsummöglichkeiten und eingetrübter Einkommenserwartungen um 6,0 % und damit so stark wie noch nie. Auch die Ausrüstungsinvestitionen (-12,5 %) sowie die Exporte (-9,9 %) und Importe (-8,6 %) gaben erheblich nach. Lediglich die Bauinvestitionen (+1,5 %) und der Staatsverbrauch (+3,4 %) legten entgegen dem allgemeinen Trend zu und wirkten damit stabilisierend auf das Gesamtergebnis.

Insolvenzdaten noch immer rückläufig

Der massive Wirtschaftseinbruch im Zuge der Coronapandemie findet in den amtlichen Daten zum Insolvenzgeschehen in Deutschland noch immer keinen Widerhall. Im Gegenteil: die Insolvenzdaten tendieren weiterhin abwärts. Von den Amtsgerichten wurden im Oktober 1.084 Unternehmens- und 1.857 Verbraucherinsolvenzen gemeldet. Die Anzahl der Firmenpleiten ist damit gegenüber dem Vorjahresmonat um deutliche 31,9 % gesunken; die Zahl der Verbraucherpleiten gab sogar um außerordentliche 64,7 % nach. Ein wichtiger Grund für den erneuten Rückgang der Unternehmensinsolvenzen ist, dass die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen verlängert wurde, inzwischen bis zum 31. Januar 2021. Zudem zeigt die bereits ab Oktober 2020 wieder geltende Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Firmen wegen der Bearbeitungszeit der Gerichte bislang kaum Spuren in der Insolvenzstatistik. Hauptgrund für den starken Rückgang der Verbraucherinsolvenzen dürfte hingegen die schrittweise Verkürzung von Restschuldbefreiungsverfahren von sechs auf drei Jahre sein, die für ab Oktober 2020 beantragte Verbraucherinsolvenzverfahren gilt. Viele überschuldete Privatpersonen dürften daher ihren Insolvenzantrag zeitlich nach hinten verschoben haben. Vor diesem Hintergrund zeichnet sich für die nächsten Monate bei den Insolvenzen insgesamt eine Trendwende hin zu steigenden Fallzahlen ab.

Weiter zunehmender Außenhandel

Im November hat sich der grenzüberschreitende Handel Deutschlands weiter vom Einbruch des Frühjahres erholt. Sowohl die Ausfuhren als auch die Einfuhren legten sogar etwas stärker zu als zuvor, was angesichts der verschärften Virusschutzmaßnahmen in vielen Staaten überrascht. Von der deutschen Wirtschaft wurden kalenderund saisonbereinigt Waren im Wert von 107,2 Mrd. Euro exportiert und Waren im Wert von 90,8 Mrd. Euro importiert. Die Ausfuhren sind damit gegenüber dem Vormonat um 2,2 % gestiegen, nachdem sie im Oktober um 0,9 % expandiert waren. Bei den Einfuhren hat sich das Wachstumstempo von 0,4 % im Oktober auf 4,7 % im November erhöht. Allerdings befinden sich die Ausfuhren und Einfuhren noch immer unter den Ständen, die sie im Februar 2020 vor dem Ausbruch der Coronakrise in Deutschland erreicht hatten. Die Ausfuhren lagen zuletzt um 4,7 % unter dem Februarniveau; die Einfuhren um 0,6 %. In naher Zukunft ist angesichts starker Wachstumsimpulse aus Asien mit einer anhaltenden Expansion des Außenhandels zu rechnen.

Euroraum-Industrieproduktion mit merklichem Plus

Ungeachtet der in vielen Staaten des Euroraums verschärften Schutzmaßnahmen haben die Industriebetriebe des Währungsraums ihre Produktion im November deutlich ausweiten können. Nach vorläufigen Angaben von Eurostat legte die Erzeugung gegenüber dem Vormonat um 2,5 % zu, nachdem sie bereits im Oktober (+2,3 %) sichtlich gestiegen war. Ähnlich wie bereits im Vormonat waren für den Produktionszuwachs im November vor allem die Hersteller von Investitionsgütern verantwortlich, die ihren Ausstoß um überdurchschnittliche 7,0 % erhöhten. Im Kontrast dazu ist die Produktion im Energiesektor (-3,9 %) aber erheblich gesunken, offenbar wegen der vergleichsweise milden Witterung im November. Mit dem jüngsten Zuwachs hat die Industrieproduktion im Euroraum nahezu wieder ihr Vorkrisenniveau erreicht. Angesichts der günstigen Auftragsentwicklung dürfte die Industrieproduktion zunächst aufwärtsgerichtet bleiben. So ist der Order-Indikator der EU-Kommission im Dezember weiter gestiegen. Er legte um 4 Punkte auf -22,3 Punkte zu.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR