Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 19.04.2021

  • Großbritannien beendet Lockdown – Deutschland diskutiert über Notbremse
  • DAX auf Rekordjagd
  • Ausstiegsszenarien belasten US-Langfristzinsen
  • Sinkende US-Langfristzinsen belasten Außenwert des US-Dollar
  • Steigende Nachfrageprognosen treiben Rohölpreise
  • Wirtschaftsforscher senken BIP-Prognosewert
  • Konjunkturerwartungen weniger euphorisch
  • Insolvenzgeschehen vor Trendwende

Großbritannien beendet Lockdown – Deutschland diskutiert über Notbremse

In Großbritannien flaute das Infektionsgeschehen aufgrund einer im internationalen Vergleich rasch voranschreitenden Impfkampagne sowie eines in den vergangenen Wochen restriktiven Lockdowns zuletzt deutlich ab. Zu Beginn der vergangenen Woche wurden daher Infektionsschutzmaßnahmen deutlich reduziert. So dürfen Geschäfte sowie Gastronomiebetriebe den Außenbereich wieder öffnen. Auch wird Großbritannien nun nicht mehr als Risikogebiet eingestuft.

Auch für Deutschland sollte daher eine Öffnung der Wirtschaft zumindest perspektivisch möglich sein. Kurzfristig dürften Infektionsschutzmaßnahmen jedoch weiter zunehmen, da sich die Zahl der Neuinfektionen zuletzt weiter beschleunigte. Zum Ende der vergangenen Woche lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 161 Fällen je 100.000 Einwohner nach 121 Fällen je 100.000 Einwohner zum Ende der Vorwoche. Auch die Zahl der mit COVID-19-Infektion verstorbenen Personen beschleunigte sich in der vergangenen Woche erneut. Hoffnung geben sollte hingegen das zuletzt deutlich beschleunigte Impftempo. Am Mittwoch wurde mit rund 767.000 verabreichten Impfdosen ein neuer Tageshöchstwert erreicht. Im Durchschnitt der vergangenen Woche wurden rund 513.000 Impfdosen je Tag verabreicht. Damit haben nun 19,1 % der Bevölkerung mindestens eine Impfdosis erhalten.

DAX auf Rekordjagd

Die Aktienpreise in Deutschaland haben in der vergangenen Woche erneut spürbar angezogen. Der deutsche Leitindex DAX stieg am Freitag erstmals über 15.400 Punkte und erreichte mit rund 15.474 Punkten seinen bisher höchsten Indexstand. Zum Wochenende schloss der DAX mit 15.460 Punkten nahe des Allzeithochs, was einem Anstieg um 1,5 % im Wochenverlauf entspricht. Insbesondere gefragt waren in der vergangenen Woche Wohnungsgesellschaften, welche von der Verfassungswidrigkeit des Berliner Mietendeckels profitieren dürften.

Auch weltweit legten die Aktienpreisnotierungen deutlich zu. In Großbritannien trieb die positive Stimmung im Zuge der Öffnung der britischen Wirtschaft den Leitindex FTSE 100 auf den höchsten Stand seit Februar 2020. Im Wochenverlauf legte der Index um 1,5 % zu. In den USA zog der S&P 500 Index um 1,4 % an.

Ausstiegsszenarien belasten US-Langfristzinsen

Die Umlaufsrenditen von US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit haben in der vergangenen Woche um 9 Basispunkte nachgegeben und rentierten zum Wochenultimo bei 1,57 %. Zuletzt hatten Äußerungen über einen möglichen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik die Umlaufsrenditen belastet. Zwar dürften die Leitzinsen auf absehbare Zeit unverändert bleiben. Eine allmähliche Rückführung der Wertpapierkäufe könnte jedoch bereits dieses Jahr beginnen. Auch im Euroraum wurde zuletzt über eine Reduktion der Anleihekäufe sinniert. Ungeachtet dessen blieben die Umlaufsrenditen von Bundeswertpapieren in der vergangenen Woche in etwa unverändert, diese zogen um 3 Basispunkte an. Papiere mit zehnjähriger Restlaufzeit rentierten zum Ende der Woche bei –0,26 %.

Sinkende US-Langfristzinsen belasten Außenwert des US-Dollar

Der Euro hat in der vergangenen Woche rund 0,7 % an Außenwert gegenüber dem US-Dollar gewonnen. Zum Wochenschluss konnte ein Euro in 1,20 US-Dollar getauscht werden. Zuletzt gesunkene Renditen für US-Anleihen belasten die Attraktivität der Geldanlage in US-Währung. Aber auch gegenüber den Währungen der 42 wichtigsten Handelspartner des Euroraums wertete der Euro zuletzt um 0,2 % ab.

Steigende Nachfrageprognosen treiben Rohölpreise

In der vergangenen Woche resultierten Aufwärtsrevisionen der erwarteten Rohölnachfrage in steigenden Preisen am Rohölmarkt. Am Dienstag veröffentlichte die OPEC den monatlichen Bericht zum Ölmarkt. Zwar wird für das 2. Quartal im Vergleich zur Prognose des Vormonats nun mit einer leicht geringeren Rohölnachfrage gerechnet. Bei einer anziehenden Konjunktur dürfte die Rohölnachfrage im weiteren Jahresverlauf jedoch stärker steigen als bisher angenommen. Insgesamt ergibt sich für das Gesamtjahr eine leicht höhere Nachfrage. Auch die Internationale Energieagentur (International Energy Agency; IEA) erwartet für den weiteren Jahresverlauf aufgrund einer sich weltweit aufhellenden Konjunktur eine stärkere Rohölnachfrage. In Europa verteuerte sich Rohöl der Sorte Brent infolgedessen um 6,6 %. Ein Fass kostete zum Wochenultimo mit 66,0 US-Dollar so viel wie seit etwa einem Monat nicht mehr. US-Leichtöl der Sorte WTI notierte zum Wochenschluss bei 63,2 US-Dollar, rund 6,5 % höher als vor Wochenfrist

Wirtschaftsforscher senken BIP-Prognosewert

Die an der Gemeinschaftsdiagnose teilnehmenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben am 15. April ihr aktuelles Frühjahrsgutachten vorgelegt. In dem Gutachten, das unter dem Titel „Pandemie verzögert Aufschwung – Demografie bremst Wachstum“ steht, sehen sie die konjunkturelle Entwicklung Deutschlands gespalten. In der Industrie schreite die Erholung vom Einbruch des ersten Halbjahres 2020 voran, während konsumnahe Dienstleistungsbereiche massiv durch die Pandemiefolgen gelähmt seien. Wegen des aktuellen Infektionsgeschehens zeichne sich ab, dass die im März 2021 erfolgten Lockerungen von Infektionsschutzmaßnahmen zunächst weitreichend zurückgenommen würden. Erst ab Mitte des 2. Quartals sei wieder mit Lockerungen zu rechnen, welche die Grundlage für einen breit angelegten Aufschwung schaffen. Eine Rücknahme aller Beschränkungen sei bis zum Ende des 3. Quartals zu erwarten, da es dann voraussichtlich zu weitgehenden Impffortschritten kommen wird.

Im Zuge des pandemiebedingt zeitlich nach hinten verschobenen Aufschwungs haben die Wirtschaftsforscher ihre Wachstumseinschätzung für Deutschland für das Jahr 2021 deutlich nach unten korrigiert. Während sie im Rahmen ihres Herbstgutachtens noch einen Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4,7 % prognostizierten, gehen sie nun von einem BIPZuwachs um 3,7 % aus. Nach Ansicht des BVR ist die vollzogene Abwärtskorrektur zwar nachvollziehbar, vom Umfang her aber eher zu moderat. Angesichts der pandemiebedingt anhaltend hohen Konjunkturrisiken hält der BVR zunächst an seiner Wachstumsprognose von 3,2 % fest.

Bezüglich der hiesigen Arbeitsmarktentwicklung gehen die Wirtschaftsforscher in ihrem neuen Gutachten von einer Erholung aus, die im Jahresdurchschnitt 2021 zu einer um 26.000 Menschen höheren Erwerbstätigenzahl führen dürfte. Die Verbraucherpreise werden dem Frühjahrsgutachten zufolge 2021 um 2,4 % steigen, befördert durch mehrere Sondereffekte, die jedoch 2022 abklingen werden. Für den öffentlichen Gesamthaushalt wird 2021 ein Defizit in Höhe von 159 Mrd. Euro prognostiziert.

Konjunkturerwartungen weniger euphorisch

Die ZEW-Konjunkturerwartungen sind ausgehend von einem sehr hohen Stand im April leicht zurückgegangen. Der auf einer monatlichen Umfrage unter Finanzmarktfachleuten beruhende Indikator gab gegenüber März um 5,9 Punkte auf 70,7 Punkte nach. Er befindet sich aber weiterhin auf einem außerordentlich hohen Niveau und zeigt, dass die Umfrageteilnehmer ganz überwiegend mit einer Verbesserung der Wirtschaftslage in den nächsten sechs Monaten rechnen. Hauptgrund für die weniger euphorischen Konjunkturerwartungen dürfte die Sorge vor einem schärferen Lockdown in Deutschland sein. Im Zuge dessen verminderten die Finanzmarktexperten ihre Erwartungen an den privaten Konsum. Den Exportaussichten blickten sie jedoch optimistischer entgegen als zuvor. Auch die aktuelle Lage wurde besser bewertet. Der entsprechende ZEW-Lage-Indikator stieg um deutliche 12,2 Punkte auf -48,8 Punkte. Insgesamt lassen die jüngsten Umfrageergebnisse für das Sommerhalbjahr eine merkliche Konjunkturbelebung erwarten.

Insolvenzgeschehen vor Trendwende

Die pandemiebedingt wirtschaftliche Not vieler Unternehmen und Verbraucher in Deutschland beginnt sich allmählich in den amtlichen Insolvenzdaten niederzuschlagen. Zwar sind die Unternehmens- und Verbraucherinsolvenzen im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat nochmals zurückgegangen. Bei den Regelinsolvenzen, die Hinweise über die künftige Entwicklung der Firmenpleiten bieten, war jedoch jüngst erneut ein Anstieg zu verzeichnen. Zudem hat sich der Rückgang der Verbraucherpleiten zuletzt merklich abgeschwächt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden von den Amtsgerichten zu Jahresbeginn 1.108 Unternehmens- und 5.113 Verbraucherinsolvenzen gemeldet. Damit verminderte sich die Zahl der Firmenpleiten, die im November und Dezember um 26,0 % und 10,6 % gesunken war, im Januar um deutliche 31,1 %. Die Zahl der Verbraucherpleiten gab hingegen mit 6,2 % weniger stark nach. Im November und Dezember war sie noch um 53,8 % bzw. 30,9 % gesunken. Grund für den schwächeren Rückgang der Verbraucherinsolvenzen dürfte vor allem die Anfang Oktober in Kraft getretene Verkürzung vom Restschuldbefreiungsverfahren sein. Die Regelinsolvenzen, die bereits seit November merklich aufwärts tendieren, legten im März erneut zu und übertrafen erstmals seit einem Jahr das Vorjahresmonatsniveau (+18 %).

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR