Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 21.12.2020

  • Deutschland im Lockdown – Impfstoffe in Aussicht
  • Expansives Signal trotz unveränderten Anleihekäufen
  • DAX kratzt an Allzeithoch
  • Langfristzinsen ziehen an – Risikoprämien sinken
  • US-Dollar unter Druck
  • Ölpreise ziehen weiter an
  • Geschäftsklima hellt sich auf
  • Insolvenzdaten noch immer abwärtsgerichtet
  • Produktion im Euroraum mit deutlichem Plus
  • Unveränderte Euroraum-Inflationsrate bestätigt

Deutschland im Lockdown – Impfstoffe in Aussicht

Seit Mittwoch der vergangenen Woche befindet sich Deutschland wieder im Lockdown. Der Großteil des stationären Nicht-Lebensmittel-Einzelhandels bleibt bis mindestens zum 10. Januar geschlossen. Trotz des bereits in Kraft getretenen Teil-Lockdowns war die Zahl der COVID-19 Neuinfektionen weiter gestiegen. Am Freitag infizierten sich rund 31.300 Personen mit dem Coronavirus. Dies sind knapp 3.000 Personen mehr als vorherigen Freitag.

Vor dem Hintergrund der Zuspitzung der Infektionslage in Europa hat die Europäische Arzneimittelbehörde (EBA) angekündigt, ihre Prüfverfahren zu beschleunigen. Über eine Empfehlung zur Zulassung des Impfstoffes von Pfizer und BioNTech soll nun am 21. Dezember 2020 entschieden werden. Bisher war der 29. Dezember 2020 vorgesehen. Die Zulassung durch die EU-Kommission gilt im Falle einer Empfehlung als Formalie und sollte zeitnah erfolgen. Der Impfstoff von Pfizer und BioNTech wird bereits aufgrund von Notfallzulassungen unter anderem in Großbritannien, den USA und Kanada verwendet. In der vergangenen Woche hat die Schweiz diesem Präparat als erstes Land eine Zulassung im Rahmen eines regulären Verfahrens erteilt.

Über das Präparat des US-Pharmakonzerns Moderna möchte die EBA nun am 6. Januar entschieden. Bisher war die Entscheidung auf den 12. Januar 2021 datiert. Die USA habe diesem Präparat als erstes Land eine Notfallzulassung in der vergangenen Woche erteilt.

Expansives Signal trotz unveränderten Anleihekäufen

Trotz der Befürchtung eines konjunkturellen Einbruchs aufgrund eines neuerlichen Lockdowns in den USA hat die US-Notenbank ihr Anleihekaufprogramm nicht ausgeweitet. Das gehaltene Wertpapiervolumen soll unverändert um mindestens 120 Mrd. US-Dollar je Monat ausgeweitet werden. Dennoch hat die Notenbank ein expansives Signal an die Märkte gesendet. Die Wertpapierkäufe sollen nun fortgeführt werden, bis substanzielle Fortschritte beim Erreichen von Vollbeschäftigung und Preisstabilität erreicht wurden. Bisher war eine Fortführung der Wertpapierkäufe zeitlich beschränkt (für die kommenden Monate) angekündigt.

DAX kratzt an Allzeithoch

Die Aktienmärkte zeigten sich von den expansiven Signalen der US-Notenbank sowie dem Vorziehen der Entscheidung über die Zulassung der Impfstoffe in der EU beflügelt. Der DAX erreichte am Donnerstag ein neues Drei-Monats-Hoch und kratzte an dem Allzeithoch von 13.795 Punkten. Am Freitag schloss der DAX nach leichten Verlusten bei 13.631 Punkten. Im Vergleich zum Vorwochenultimo legte dieser um knapp 4 % zu. Auch weltweit legten Aktienmärkte deutlich zu. Der EURO STOXX 50 schloss etwa 1,7 % fester als in der Vorwoche. In den USA legte der S&P 500 um rund 1,3 % zu.

Langfristzinsen ziehen an – Risikoprämien sinken

Die langfristigen Zinsen sind in der vergangenen Woche leicht gestiegen. Zum einen verfestigt sich durch die Verfügbarkeit von Impfstoffen das Szenario einer Überwindung der Coronaviruspandemie bis zum Jahresende 2021. Zum anderen hat die US-Notenbank, analog zur EZB in der vergangenen Woche, klargestellt, dass die Geldpolitik erst bei einer nachhaltigen Erholung der Inflations- und Konjunkturaussichten ihre expansive Ausrichtung reduzieren wird. Ein dynamischer Aufschwung begünstigt den Preisauftrieb und macht damit ein mittelfristig höheres Zinsniveau notwendig. US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit rentierten am Freitag 0,95 %, 6 Basispunkte mehr als zum Ende der Vorwoche. Dabei waren die Risikoaufschläge rückläufig. Der Zins für deutsche Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit stieg um 7 Basispunkte und lag zuletzt bei -0,57 %.

US-Dollar unter Druck

Der Außenwert des Euro hat insbesondere gegenüber dem US-Dollar vor dem Hintergrund der expansiven US-Geldpolitik deutlich zugenommen. Ein Euro konnte zuletzt gegen 1,23 US-Dollar getauscht werden, 1,2 % mehr als vergangene Woche. Gegenüber den wichtigsten Handelspartnern wertete der Euro mit 0,3 % deutlich weniger auf.

Ölpreise ziehen weiter an

Rohöl der Sorte Brent verteuerte sich in Europa um 4,3 % auf 52,2 US-Dollar je Fass. Ein Fass der Sorte WTI kostete in den USA 49,0 US-Dollar, etwa 5,3 % mehr als vor einer Woche. Insbesondere in den USA dürften die gesunkenen Lagerbestände sowie die Hoffnung auf ein Konjunkturpaket der neuen Administration die Nachfrage nach Rohöl befördert haben.

Geschäftsklima hellt sich auf

Zum Jahresende hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verbessert. Der ifo Geschäftsklimaindex ist von 90,9 Punkten im November auf 92,1 Punkte im Dezember gestiegen. Zuvor war der wohl wichtigste konjunkturelle Frühindikator Deutschlands im Zuge der zweiten Coronawelle zwei Monate in Folge zurückgegangen. Zum Anstieg des Geschäftsklimaindexes trug seine Lage- und seine Erwartungskomponente bei. So haben die vom ifo Institut befragten Unternehmen ihre aktuelle Lage per Saldo besser bewertet als zuvor. Zudem ließ ihr Pessimismus in Hinblick auf die Entwicklung in den nächsten sechs Monaten nach. Allerdings ist davon auszugehen, dass ein Großteil der Unternehmensmeldungen vor der Verschärfung der aktuellen Schutzmaßnahmen abgegeben wurde und daher deren Folgen kaum berücksichtigt sind. Das Geschäftsklima hat sich in fast allen Wirtschaftsbereichen verbessert. Eine Ausnahme bildet das Bauhauptgewerbe, wo die Stimmung unverändert blieb. Positiv stimmt, dass die Einschätzungen zur Geschäftslage im Verarbeitenden Gewerbe nunmehr auf den höchsten Stand seit Januar gestiegen sind. Dies unterstreicht einmal mehr, dass die Aufwärtsbewegung dieses Wirtschaftsbereiches anhält und die gesamtwirtschaftliche Entwicklung stabilisiert. Dem steht jedoch eine stark rückläufige Entwicklung in einigen Dienstleistungsbereichen gegenüber, die die gesamtwirtschaftliche Erholung zum Jahresende zum Stillstand bringen dürfte.

Insolvenzdaten noch immer abwärtsgerichtet

Die Massivität des wirtschaftlichen Einbruchs während der ersten Pandemiewelle spielgelt sich noch immer nicht in den amtlichen Daten zum Insolvenzenzgeschehen wider. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden von den Amtsgerichten im September 1.065 Unternehmens- und 1.213 Verbraucherinsolvenzen gemeldet. Die Anzahl der Firmenpleiten lag damit um deutliche 29,3 % unter dem entsprechenden Wert des Vorjahresmonats. Bei den Verbraucherpleiten war sogar ein Rückgang um 75,8 % zu verzeichnen. Hauptgrund für die starke Verminderung der Verbraucherinsolvenzen dürfte das Gesetz zur schrittweisen Verkürzung von Restschuldbefreiungsverfahren von sechs auf drei Jahre sein. Das Gesetz soll rückwirkend ab Oktober in Kraft treten und einen schnelleren wirtschaftlichen Neuanfang im Anschluss an ein Insolvenzverfahren ermöglichen. Im Zuge dessen dürften viele überschuldete Privatpersonen ihren Insolvenzantrag erst nach dem Inkrafttreten der neuen Reglung stellen. Verantwortlich für die merkliche Abnahme der Unternehmensinsolvenzen dürfte hin gegen in erster Linie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sein, die ab März für überschuldete oder zahlungsunfähige Unternehmen gilt. Für zahlungsunfähige Unternehmen wurde diese Aussetzung zwar zum Oktober aufgehoben. Aufgrund der Bearbeitungszeit der Gerichte dürften die im Oktober und November beantragten Insolvenzen aber erst in den darauffolgenden Monaten eröffnet werden und damit in die amtliche Statistik einfließen. Vor diesem Hintergrund zeichnet sich für den Jahreswechsel ein merklicher Anstieg der Insolvenzzahlen ab.

Produktion im Euroraum mit deutlichem Plus

Auch im Euroraum dauert die Erholung der Industriekonjunktur an. Das Wachstum der Industrieproduktion hat sich jüngst sogar leicht beschleunigt, trotz in vielen Euroraum-Staaten vorgenommener zusätzlicher Pandemiekrisenmaßnahmen. Wie Eurostat anhand vorläufiger Angaben mitteilte, stieg der Ausstoß im Oktober gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 2,1 %. Im August und September hatte die Erzeugung nur leicht mit Verlaufsraten von 0,5 % bzw. 0,1 % zugelegt. Das Produktionsplus im Oktober war innerhalb der Industrie breit angelegt. Mit Ausnahme der Hersteller von Verbrauchsgütern, deren Produktion stagnierte, zeigten alle Hauptgruppen Zuwächse. Besonders deutlich fiel das Wachstum bei den Herstellern von Investitionsgütern (+2,6 %) aus. Die Auftragsentwicklung lässt für die nächsten Monate insgesamt eine Fortsetzung des Produktionswachstums erwarten. So ist der Orderindikator der EUKommission weiter gestiegen. Der auf einer monatlichen Umfrage unter Industrieunternehmen beruhende Indikator nahm jüngst von -28,7 Punkten im Oktober auf -26,2 Punkte im November zu.

Unveränderte Euroraum-Inflationsrate bestätigt

Eurostat hat inzwischen das zentrale Ergebnis seiner jüngsten Schätzungen zur Entwicklung der Verbraucherpreise im Euroraum bestätigt. Demnach unterschritt der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) im November seinen Vorjahresmonatswert um 0,3 %. Die Inflationsrate hatte bereits im September und Oktober bei -0,3 % gelegen. Verantwortlich für die anhaltend niedrige Gesamtrate waren vor allem die Energiepreise, die sich im November um 8,3 % verbilligten. Zum Jahresende ist im Euroraum mit weiterhin rückläufigen Verbraucherpreisen zu rechnen. Hierauf deuten unter anderem die Erzeugerpreise hin, die jüngst um 2,0 % sanken.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR