Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 22.02.2021

  • Neuinfektionen in Deutschland stagnieren – Furcht vor dritter Welle steigt
  • Aktienpreisentwicklung uneinheitlich
  • Inflationserwartungen treiben Umlaufsrenditen
  • Britisches Pfund wertet deutlich auf
  • Rohstoffpreise ziehen weiter an
  • ZEW-Konjunkturerwartungen steigen weiter
  • Niedrigere Euroraum-Industrieproduktion
  • Reallöhne 2020 um 1 % gesunken
  • Euroraum-BIP minimal aufwärtsrevidiert

Neuinfektionen in Deutschland stagnieren – Furcht vor dritter Welle steigt

Das Infektionsgeschehen hat sich zwar im Verlauf der vergangenen Woche erneut abgeschwächt. Die Sieben-Tage-Inzidenz ging von 60 Fällen je 100.000 Einwohner in der Vorwoche auf 58 Fälle am vergangenen Freitag zurück. Zuletzt stagnierte das Infektionsgeschehen allerdings nur noch. Am Wochenende stieg die Sieben-Tage-Inzidenz gar wieder leicht auf 60 Fälle. Insbesondere die Ausbreitung der besonders ansteckenden – und wahrscheinlich auch gefährlicheren – britischen Mutation weckt die Befürchtung einer möglichen dritten Welle in Deutschland. Gleichzeitig verläuft die Impfkampagne in Deutschland weiter nur schleppend. In der vergangenen Woche wurden durchschnittlich rund 129.000 Impfdosen am Tag verabreicht, was einem Anstieg der verabreichten Dosen um rund 7.000 Dosen am Tag im Vorwochenvergleich entspricht.

Aktienpreisentwicklung uneinheitlich

Der DAX verlor in der vergangenen Woche 0,4 % an Wert und schloss am Freitag bei 13.993 Punkten. Deutsche Nebenwerte schlossen die vergangene Woche ebenfalls mit leichten Verlusten ab, nachdem diese im Wochenverlauf noch neue Höchststände erreicht hatten. Auch in den USA gaben die Aktienpreise leicht nach. Der S&P 500 verlor 0,7 % seines Wertes.

In Großbritannien legte der Leitindex FTSE 100 hingegen 0,5 % zu. Zuletzt deuteten Umfragen unter Einkaufsmanagern darauf hin, dass die gesamtwirtschaftliche Aktivität im Februar nicht erneut deutlich zurückgehen werde. Insbesondere in den Dienstleistungsbereichen reduzierte sich die Zahl der Einkaufsmanager, welche von einem Rückgang der Unternehmensaktivität berichteten deutlich.

Inflationserwartungen treiben Umlaufsrenditen

Die Anleiherenditen haben in der vergangenen Woche deutlich angezogen. Deutsche Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren rentierten zum Wochenultimo mit -0,3 %. Dies entspricht einem Anstieg um 12 Basispunkte. In ähnlichem Umfang haben die Umlaufsrenditen noch langläufigerer Bundesanleihen angezogen. Die Umlaufsrenditen von von anderen Ländern des Euroraums begebenen Anleihen erhöhten sich in ähnlichem Umfang. US-Amerikanische Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit zogen sogar noch etwas stärker an. Zum Wochenende notierten diese 15 Basispunkte höher als vor Wochenfrist und rentierten zuletzt mit 1,3 %. Maßgeblich für die gestiegenen Renditen dürfte ein Anziehen der Inflationserwartungen gewesen sein. Aufgrund gestiegener Energiepreise dürfte die Inflation in diesem Jahr spürbar anziehen. Eine Überwindung der Coronapandemie dürfte der Konjunktur im 2. Quartal einen Schub geben und so den Preisauftrieb zusätzlichen begünstigen. Im Euroraum kommen Sondereffekte wie das Auslaufen der temporären Mehrwertsteuersenkung in Deutschland hinzu. So haben die kurzfristigen Inflationsaussichten zuletzt deutlich angezogen. Die Inflationsaussichten für die längere Frist, gemessen an den fünfjährigen Erwartungen in fünf Jahren, sind in der vergangenen Woche hingegen leicht gesunken.

Britisches Pfund wertet deutlich auf

Der Außenwert des Euro hat sich in der vergangenen Woche kaum verändert. Zum Wochenschluss konnte ein Euro wie zum Ende der Vorwoche in 1,21 US-Dollar getauscht werden. Gegenüber den Währungen der 42 wichtigsten Handelspartnern des Euroraums wertete der Euro um 0,1 % ab. Insbesondere gegenüber dem Britischen Pfund verlor der Euro deutlich an Wert. Zum Wochenultimo notierte dieser Wechselkurs bei 0,87 Pfund, war damit so gering wie zuletzt Ende Februar 2020. Dies entspricht einem Wertverlust des Euro in der vergangenen Woche von 1,4 %. Insbesondere die in Großbritannien rasch voranschreitende Impfkampagne weckt die Hoffnung auf eine rasche konjunkturelle Erholung.

Rohstoffpreise ziehen weiter an

Die Rohölpreisnotierungen haben in der vergangenen Woche weiter angezogen. Rohöl der Sorte Brent notierte in der vergangenen Woche so hoch wie zuletzt im Januar des vergangenen Jahres. In Europa kostete ein Fass der Sorte Brent zum Wochenultimo 62,8 US-Dollar. Dies entspricht einem Anstieg um 0,6 % im Vergleich zur Vorwoche. In den USA verteuerte sich Rohöl der Sorte WTI zunächst ebenfalls. Zum Wochenausklang verlor Rohöl dann allerdings an Wert. Zum Wochenschluss notierte ein Fass der Sorte WTI bei 59,1 US-Dollar. Dieser Rückgang der Rohölpreise von 0,6 % in der vergangenen Woche dürfte mit dem eingeschränkten Betrieb von Raffinerien infolge des Kälteeinbruchs in Texas zusammenhängen. Neben Energieträgern haben auch die Preise anderer konjunkturreagibler Rohstoffe zuletzt weiter angezogen. Der Preis für Kupfer legte in der vergangenen Woche um 7,1 % zu und war so hoch wie zuletzt vor neun Jahren. Platin kostete zuletzt so viel wie letztmals vor sechs Jahren.

ZEW-Konjunkturerwartungen steigen weiter

Im Februar legten die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland erneut zu. Der anhand einer monatlichen Umfrage unter Finanzmarktfachleuten ermittelte Indikator stieg um 9,4 Punkte auf einen Stand von 71,2 Punkten. Demnach rechnen die Umfrageteilnehmer ganz überwiegend damit, dass sich die Lage der deutschen Wirtschaft nicht weiter verschlechtern, sondern auf Sicht von sechs Monaten wieder verbessern wird. Grund für den nunmehr dritten Anstieg des konjunkturellen Frühindikators in Folge dürfte auch die jüngsten Erfolge in der Pandemiebekämpfung sein, die, sollte der Trend anhalten, schrittweise Lockerungen der virusbedingten Beschränkungen (Lockdown) erlauben werden. Im Gegensatz zu den Konjunkturerwartungen wurde die aktuelle Lage von den befragten Fachleuten schlechter bewertet als zuvor. Der entsprechende ZEW-Lageindikator ist leicht um 0,8 Punkte auf -67,2 Punkte gefallen, was angesichts der nunmehr bis zum 7. März grundsätzlich verlängerten Lockdowns nicht verwundert. Insgesamt signalisieren die Umfrageergebnisse, dass die konjunkturellen Auftriebskräfte in Deutschland schnell wieder an Kraft gewinnen werden, wenn die Pandemie weiter abflaut.

Niedrigere Euroraum-Industrieproduktion

Zum Jahresende hat sich im Euroraum die Erholung der Industrieproduktion vom Frühjahrseinbruch zunächst nicht fortgesetzt. Gemäß vorläufigen amtlichen Angaben ist die Erzeugung im Dezember gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,6 % gesunken. Im November hatte sie noch um 2,6 % zugelegt. Der Produktionsrückgang beruhte unter anderem auf einem statistischen Effekt: So liegen für die Industrieproduktion Irlands wegen einer dortigen Umstellung der Saisonbereinigung derzeit noch keine belastbaren Angaben vor. Im November war die irische Industrieproduktion im Zuge der Umstellung um außerordentliche 50,6 % gestiegen. Innerhalb der Euroraum-Industrie zeigten sich im Dezember unterschiedliche Tendenzen. Maßgeblich für den Gesamtrückgang waren vor allem die Hersteller von Investitionsgütern (-3,1 %), die ihren Ausstoß auch wegen der Knappheit von Computerchips deutlich verminderten. In naher Zukunft dürfte die Industrieproduktion wieder auf ihren Erholungskurs zurückkehren. Hierfür spricht zumindest der Order-Indikator der EU-Kommission, der im Januar sichtlich um 2,3 Punkte gestiegen ist.

Reallöhne 2020 um 1 % gesunken

Im Zuge der Coronakrise sind die Reallöhne 2020 in Deutschland merklich zurückgegangen. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes fielen sie gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt um 1,0 %. Hierzu trugen in nahezu gleichem Umfang die steigenden Verbraucherpreise und die wegen dem vermehrten Einsatz von Kurzarbeit sinkenden Nominallöhne bei. Die Nominallöhne, bestehend aus den Bruttomonatsverdiensten einschließlich Sonderzahlungen, sanken durchschnittlich um 0,6 %, auch weil das staatliche Kurzarbeitergeld, das die Einkommensverluste vieler Beschäftigter abfedert, nicht berücksichtigt wird. Dies war der erste Rückgang der Nominallöhne seit Beginn der Erhebung im Jahr 2007. Im globalen Rezessionsjahr 2009 waren die nominalen Verdienste noch leicht um 0,2 % gestiegen. Die Verbraucherpreise verteuerten sich im Jahresdurchschnitt 2020 um 0,5 %, was jedoch im Wesentlichen auf die Preisanstiege im ersten Halbjahr zurückzuführen war. In der zweiten Jahreshälfte stagnierten die Verbraucherpreise oder waren leicht rückläufig.

Euroraum-BIP minimal aufwärtsrevidiert

Eurostat hat inzwischen die Ergebnisse seiner Schnellschätzung zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im 4. Quartal veröffentlicht. Nach aktueller Datenlage ist das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Euroraums gegenüber dem Vorquartal nicht um 0,7 % wie zuvor gemeldet, sondern um 0,6 % zurückgegangen. Im gesamten Jahr 2020 sank das BIP damit preis- und kalenderbereinigt um deutliche 6,8 %. Maßgeblich für den Rückgang der Wirtschaftsleistung im Jahresendquartal war die zweite Pandemiewelle, die in vielen Euroraum- Mitgliedsstaaten spürbare Verschärfungen von Schutzmaßnahmen notwendig machte. Unter den Mitgliedsstaaten, für die bisher Angaben vorliegen, weist Österreich (-4,3 %) die stärkste Schrumpfung auf. Hauptgrund hierfür dürften die Beschränkungen in dem für die österreichische Wirtschaft so wichtigen Tourismusgeschäft sein. Inwieweit die neuerliche Pandemiewelle und die Schutzmaßnahmen die Konsumausgaben, die Investitionen und den Außenhandel des Euroraums belasteten, ist noch unklar. Erste Angaben zur Entwicklung dieser BIP-Verwendungskomponenten wird Eurostat voraussichtlich am 9. März veröffentlichen. Für das laufende 1. Quartal zeichnet sich auch wegen der vielfach fortbestehenden Schutzmaßnahmen ein weiterer Rückgang des BIP im Euroraum ab.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR