Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 22.03.2021

  • Infektionszahlen ziehen deutlich an – Impfkampagne erleidet Rückschlag durch Aussetzung des Präparats von AstraZeneca
  • Federal Reserve wird Geldpolitik lange expansiv halten
  • Schon wieder neue Höchststände der Aktienpreise
  • Zinsen für US-Staatsanleihen ziehen weiter an
  • Euro verliert weiter an Außenwert
  • Konjunktursorgen belasten Rohölpreise
  • Zunehmender Konjunkturoptimismus
  • Baugenehmigungen 2020 um 2,2 % gestiegen
  • Sprunghafter Anstieg der Erzeugerpreise
  • Höherer Auftragsbestand

Infektionszahlen ziehen deutlich an – Impfkampagne erleidet Rückschlag durch Aussetzung des Präparats von AstraZeneca

Die Ausbreitung von COVID-19 in Deutschland hat sich in der vergangenen Woche wieder deutlich beschleunigt. Die Zahl der Neuinfektionen innerhalb der vorangegangenen sieben Tage lag am Freitag bei 100 Fällen je 100.000 Einwohner. Eine Woche zuvor lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 76 Fällen je 100.000 Einwohner. Auch die Zahl intensiv medizinisch behandelter Patienten mit COVID-19 hat deutlich zugenommen. Die Anzahl der mit COVID-19-Infektion verstorbenen Personen war zwar weiter rückläufig. In der vergangenen Woche sind durchschnittlich 181 mit COVID- 19 infizierte Personen verstorben, nach 214 Todesfällen in der Vorwoche. Allerdings weist die Zahl der Todesfälle einen deutlichen Nachlauf gegenüber dem Infektionsgeschehen auf.

Trotz der zwischenzeitlichen Aussetzung der Verabreichung des Impfstoffes von AstraZeneca hat die Zahl der verabreichten Impfdosen weiter zugenommen. Aufgrund von in Einzelfällen aufgetretener Thrombosen der Hirnvenen nach Verabreichung dieses Präparates wurden Impfungen mit diesem Impfstoff in Deutschland ab Montag der vergangenen Woche ausgesetzt. Nach Prüfung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur wurde diese Aussetzung am Freitag allerdings wieder aufgehoben. Insgesamt wurden in der vergangenen Woche in Deutschland durchschnittlich rund 231.000 Impfdosen am Tag verabreicht. Dies entspricht einem Anstieg um durchschnittlich 11.000 Dosen je Tag.

Federal Reserve wird Geldpolitik lange expansiv halten

Am vergangenen Mittwoch hat die US-amerikanische Federal Reserve (Fed) über das Ergebnis der Beratungen des Offenmarktkomitees informiert. Trotz einer in den USA aufgehellten Konjunkturperspektive, insbesondere aufgrund der voranschreitenden Impfkampagne, und anziehenden Inflationserwartungen, erwartet die Mehrheit der Mitglieder des Offenmarktkomitees eine bis zum Jahresende 2023 unveränderte Federal Funds Rate von 0,1 %. Dies, obwohl die durchschnittliche Projektion der am Deflator der privaten Konsumausgaben gemessene Inflation in den vergangenen Monaten deutlich nach oben angepasst wurde. Statt eines im Dezember 2020 erwarteten Preisauftriebes von 1,8 % wird im Mittel für dieses Jahr nun eine Inflation von 2,4 % erwartet. Für das kommende Jahr wird ein Rückgang auf 2,0 %, im Jahr 2023 eine erneute Beschleunigung auf 2,1 % erwartet.

Schon wieder neue Höchststände der Aktienpreise

Trotz wieder deutlich gestiegener Infektionszahlen haben die Aktienkurse neuerliche Höchststände erklommen. Am Donnerstag übersprang der DAX kurzzeitig 14.800 Punkte und erreichte mit rund 14.804 Punkten ein neues Allzeithoch. Im weiteren Tagesverlauf sowie am Freitag musste der Leitindex einen Teil der Kursgewinne allerdings wieder abgeben. Zum Wochenende schloss der DAX mit 14.621 Punkten, rund 0,8 % fester als in der Vorwoche. Auch der EURO STOXX 50 hat in der vergangenen Woche wieder zugelegt. Am Donnerstag schloss der Index erstmals wieder über dem Niveau von vor der Coronapandemie. Nach Verlusten am Freitag notierte der Index im Vergleich zur Vorwoche allerdings lediglich noch 0,1 % fester.

Zinsen für US-Staatsanleihen ziehen weiter an

Die Zinsen für US Staatsanleihen haben in der vergangenen Woche erneut angezogen. Die Umlaufsrendite für Papier mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren lag zum Wochenultimo bei 1,73 %. Dies sind 10 Basispunkte mehr als zum Ende der Vorwoche. Aufgrund der Erwartung langanhaltend niedriger Zinsen trotz eines positiven konjunkturellen Ausblickes haben sich die mittelfristigen Inflationserwartungen auf zuletzt rund 2,6 % beschleunigt. Die Umlaufsrenditen deutscher Bundesanleihen haben sich in der vergangenen Woche hingegen nicht verändert.

Euro verliert weiter an Außenwert

Gegenüber dem US-Dollar notierte der Euro zum Wochenschluss bei 1,19 US-Dollar. Damit wertete der Euro um 0,4 % gegenüber der US-Währung ab. Auch im Vergleich zu den Währungen der 42 wichtigsten Handelspartner des Euroraums wertete der Euro ab, um 0,3 %.

Konjunktursorgen belasten Rohölpreise

Die Rohölpreisnotierungen sind in der vergangenen Woche deutlich gesunken. In Europa notierte ein Fass Rohöl der Sorte Brent zum Wochenultimo bei 64,0 US-Dollar. Dies sind 7,1 % weniger als zum Ende der Vorwoche. US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich um 6,3 %. Zum Wochenausklang kostete ein Fass dieser Sorte 61,4 USDollar. In den gesunkenen Rohölpreisen dürften sich zunehmende Sorgen über die konjunkturelle Entwicklung in der kurzen Frist, insbesondere in Europa, aufgrund steigender Coronainfektionen widerspiegeln.

Zunehmender Konjunkturoptimismus

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland haben sich im März erneut verbessert. Der auf einer monatlichen Umfrage unter Finanzmarktfachleuten beruhende Frühindikator ist gegenüber Februar um 5,4 Punkte auf 76,6 Punkte gestiegen. Seit Ende 2020 haben die Konjunkturerwartungen damit mehr als 20 Punkte zugelegt. Genährt wird der zunehmende Konjunkturoptimismus unter anderem von den Bund-Länder- Beschlüssen vom 3. März. Damals verständigten sich die Bundeskanzlerin und die Länderministerpräsidenten auf einen Plan zur stufenweise Lockerung der Infektionsschutzmaßnahmen. Verstärkten Impfungen, Schnelltests und Selbsttests haben weitere Öffnungsschritte ermöglicht. So können deutschlandweit viele Buchhandlungen, Blumengeschäfte und Gartenmärkte unter Einhaltung von Zugangskontrollen und Hygienevorschriften wieder Kunden empfangen. Die befragten Finanzmarktexperten gehen offenbar davon aus, dass sich diese Lockerungen fortsetzten werden und zu einer breit angelegten wirtschaftlichen Erholung führen. Im Zug der bereits erfolgten Lockerungen wurde auch die aktuelle Lage besser bewertet. Der entsprechende ZEW-Lageindikator ist im März um 6,2 Punkte gestiegen. Er befindet sich mit -61,0 Punkten aber nach wie vor deutlich im negativen Bereich. Insgesamt legen die jüngsten Umfrageergebnisse nahe, dass die deutsche Konjunktur — nach einem schwachen Jahresauftakt — im Frühjahr merklich an Fahrt aufnehmen wird.

Baugenehmigungen 2020 um 2,2 % gestiegen

Im Baugewerbe Deutschlands stehen die Zeichen weiterhin auf Wachstum. Zwar ist die Bauproduktion im Januar saison- und arbeitstäglich bereinigt gegenüber dem Vormonat um deutliche 12,2 % gesunken. Hauptgrund hierfür dürfte jedoch weniger die Konjunktur, sondern vielmehr das vergleichsweise ungünstige Winterwetter gewesen sein. Im Zuge der allgemeinen Frühjahrsbelebung dürften die Bauaktivitäten wieder spürbar zunehmen. Hierfür spricht auch die Entwicklung der Baugenehmigungen für Wohnungen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind diese 2020 gegenüber dem Vorjahr um knapp 8.000 auf 368.400 gestiegen, was einer Wachstumsrate von 2,2 % entspricht. Mehr genehmigte Wohnungen als 2020 gab es seit der Jahrtausendwende lediglich 2016 mit 375.400. Für neu zu errichtenden Wohngebäude wurden rund 320.200 Baugenehmigungen erteilt und damit 2,9 % mehr als im Vorjahr. Maßgeblich hierfür war die Entwicklung bei den Zweifamilienhäusern (+20,5 %). Die Genehmigungen für Ein- (+2,4 %) und Mehrfamilienhäuser (+0,4 %) expandierten schwächer.

Sprunghafter Anstieg der Erzeugerpreise

In Deutschland hat sich der Anstieg der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte im Februar beschleunigt. Der Erzeugerpreisindex lag um 1,9 % über seinem Vorjahresmonatswert. Zuvor, im Dezember und Januar, hatten die Erzeugerpreise noch um 0,2 % bzw. 0,9 % zugelegt. Hauptgrund für den sprunghaften Anstieg war die Preisentwicklung bei Vorleistungsgütern. Sie sind um 3,8 % gestiegen und damit so stark wie seit November 2017 nicht mehr. Überdurchschnittliche Preissteigerungen waren hier unter anderem bei Nichteisenmetallen und deren Halbzeug (+11,0 %) sowie Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen (+10,6 %) zu verzeichnen, was offensichtlich aus der global anziehenden Industriekonjunktur resultiert. Zu deutlichen Preissteigerungen kam es allerdings auch bei Energie (+3,7 %). Demgegenüber fielen die Steigerungen bei Gebrauchs- (+1,4 %) und Investitionsgütern (+0,8 %) merklich schwächer aus. Die Preise für Verbrauchsgüter (-2,0 %) haben sich entgegen dem allgemeinen Trend verbilligt. Grund hierfür waren nicht zuletzt die Preisrückgänge für Schweinefleisch (-28,3 %), wegen des im Herbst 2020 verhängten Importstopps asiatischer Staaten. Insgesamt liefern die Preise auf der Erzeugerstufe ein weiteres Indiz dafür, dass sich die Verbraucherpreise in den kommenden Monaten stärker verteuern werden. Die Verbraucherpreise, gemessen am Verbraucherpreisindex (VPI), waren im Februar um 1,3 % gestiegen. Der BVR geht in seiner jüngsten Inflationsprognose davon aus, dass die Verbraucherpreise — getrieben durch Sondereffekte — zum Jahresende vorübergehend um 3 % steigen werden.

Höherer Auftragsbestand

Trotz der andauernden Belastungen durch die Coronapandemie befindet sich die deutsche Industrie nach wie vor in einer vergleichsweise soliden Lage. Dies verdeutlichen auch die jüngsten amtlichen Daten zum Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe. Der reale Auftragsbestand kletterte im Januar saison- und kalenderbereinigt um 0,8 % über seinem Vormonatswert. Gegenüber Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Coronakrise in Deutschland, lag der Auftragsbestand damit um 5 % im Plus. Er umfasst die Summe der Neuaufträge am Ende eines Monats, die noch nicht zu Umsätzen führten und die nicht storniert wurden. Die Neuaufträge waren im Januar um 1,4 % gestiegen, wobei die rückläufigen Bestellungen aus dem Inland (-2,6 %) durch die kräftig steigende Nachfrage aus dem Ausland (+4,2 %) mehr als ausgeglichen werden konnte.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR