Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 25.01.2021

  • Bund und Länder einigen sich auf Verlängerung und Ausweitung des Lockdowns
  • EZB führt Maßnahmen fort
  • Nebenwerte erreichen neues Allzeithoch
  • Umlaufsrendite unverändert
  • US-Dollar verliert an Außenwert
  • Ölpreise geben spürbar nach
  • ZEW-Konjunkturerwartungen steigen
  • Auftragsbestand legt weiter zu
  • Inflationsrate von 0,5 % für 2020 bestätigt
  • Euroraum-Inflationsrate 2020 bei 0,3 %

Bund und Länder einigen sich auf Verlängerung und Ausweitung des Lockdowns

Am Dienstag, dem 19. Januar, haben sich Bund und Länder auf eine Verlängerung des bundesweiten Lockdowns um zwei Wochen bis mindestens zum 14. Februar verständigt. Ziel der Maßnahmen sei, eine Verbreitung besonders ansteckender Virusmutationen zu verhindern sowie eine Rückführung der Sieben-Tages-Inzidenz auf unter 50 Fälle je 100.000 Einwohner. Private Zusammenkünfte bleiben auf den Hausstand sowie eine zusätzliche Person beschränkt. Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen bleiben grundsätzlich geschlossen. Verschärft wurden hingegen die Anforderungen an Mund-Nasen- Bedeckungen. Im öffentlichen Personennahverkehr sowie im Einzelhandel gilt nun die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske. Auch sollen Arbeitgeber noch stärker das Arbeiten im Homeoffice ermöglichen, um Kontakte auf dem Arbeitsweg sowie am Arbeitsplatz zu minimieren. Um die Wirtschaft von den Belastungen des Lockdowns zu entlasten, wurde die Überbrückungshilfe III des Bundes nochmals erweitert. Zudem bleibt die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen mit Anspruch auf staatliche Coronahilfen bis Ende April ausgesetzt. Das Infektionsgeschehen in Deutschland hat sich weiter leicht abgeschwächt. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank von 139 auf 113 Fälle je 100.000 Einwohner. Auch die Zahl der mit COVID-19 infizierten Verstorbenen ging zurück. Die Zahl der verabreichten Impfdosen stieg auf durchschnittlich 83.517 Dosen je Tag. Dies waren rund 10 Tsd. Dosen je Tag mehr als in der Vorwoche. In den kommenden Wochen dürften die Impfungen jedoch aufgrund von geringeren Lieferungen hinter den Planungen zurückbleiben.

EZB führt Maßnahmen fort

Am Donnerstag, dem 21. Januar, hat der EZB-Rat über die Ausrichtung der Geldpolitik im Euroraum abgestimmt. Wie erwartet, wurden die im vergangenen Dezember beschlossenen Maßnahmen bestätigt. Die Leitzinsen verharren auf niedrigem Niveau, und die Anleihekäufe werden im Rahmen der verschiedenen Programme unverändert fortgeführt.

 

Nebenwerte erreichen neues Allzeithoch

Die Aktienmärkte haben in der vergangenen Woche leicht zugelegt. Insbesondere zur Wochenmitte stiegen die Aktienpreisnotierungen. Zum Wochenausklang büßten die Kurse einen Teil ih rer Gewinne jedoch wieder ein. Der DAX kämpfte zwischenzeitlich mit der Marke von 14.000 Punkten, notierte zum Wochenultimo mit 13.874 Punkten noch 0,6 % höher als zum Ende der Vorwoche. Deutsche Nebenwerte erreichten in der vergangenen Woche hingegen neue Höchststände. Am Donnerstag schloss der MDAX mit rund 31.749 Punkten; der SDAX lag bei rund 15.656 Punkten. Nach leichten Kurseinbußen am Freitag schlossen die Indizes rund 1,9 % bzw. 3,6 % über dem Vorwochenultimo.

In den USA legte der S&P 500 um 1,9 % zu. Dort sorgte die Anhörung der designierten neuen USFinanzministerin Janet Yellen für positive Stimmung. Diese betonte in ihrer Anhörung im Senat die Wichtigkeit zusätzlicher fiskalischer Maßnahmen zu Überwindung der Coronakrise.

Umlaufsrendite unverändert

Die Umlaufsrenditen deutscher Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit haben sich in der vergangenen Woche kaum verändert. Zum Wochenultimo notierten diese bei -0,51 %. Dies waren 3 Basispunkte mehr als in der Vorwoche. In den USA ging die Umlaufsrendite von Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit um 1 Basispunkt auf 1,09 % zurück.

US-Dollar verliert an Außenwert

Der Außenwert des Euro hat sich leicht erhöht. Gegenüber den 42 wichtigsten Handelspartnern des Euroraums stieg der Euro um 0,3 %. Gegenüber dem US-Dollar gewann der Euro 0,7 % an Wert und notierte zum Wochenschluss bei 1,22 US-Dollar. Die Aussicht auf einen fiskalischen Stimulus und einer damit verbundenen höheren Inflation in den USA dürfte die Nachfrage nach US-Dollar belastet haben.

Ölpreise geben spürbar nach

Die Rohölpreise haben in der vergangenen Woche leicht angezogen. Kurzfristig belasten zwar die Lockdowns durch eine konjunkturelle Eintrübung und durch ein darüberhinausgehend geringeres Mobilitätsaufkommen die Rohölnachfrage. Auch die Lagerbestände in den USA sind zuletzt unerwartet gestiegen. Die Aussicht auf eine durch ein umfangreiches Konjunkturpaket in den Vereinigten Staaten steigende Nachfrage im Jahresverlauf scheint die belastenden Effekte allerdings kompensiert zu haben. In Europa notierte Rohöl der Sorte Brent zum Wochenschluss bei 55,2 US-Dollar, etwa 0,8 % stärker als in der Vorwoche. In den USA verteuerte sich Rohöl der Sorte WTI um 1,6 % auf 53,1 US-Dollar.

ZEW-Konjunkturerwartungen steigen

Zu Jahresbeginn blicken Finanzmarktfachleute den wirtschaftlichen Perspektiven Deutschlands wieder mit mehr Optimismus entgegen. Dies zeigen die jüngsten Angaben der monatlichen Expertenumfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Demnach sind die ZEW-Konjunkturerwartungen im Januar gegenüber dem Vormonat um 6,8 Punkte auf 61,8 Punkte gestiegen, nachdem sie bereits im Dezember zugelegt hatten. Zur Aufhellung der Perspektiven dürfen unter anderem die mit dem Sieg von Joe Biden bei der US-Präsidentschaftswahl verbundenen Hoffnungen auf mehr internationale Zusammenarbeit, auch in Handelsfragen, gewesen sein sowie die zuletzt überwiegend positiv ausgefallenen Daten zur Industriekonjunktur in Deutschland. Im Gegensatz zu den Konjunkturerwartungen wurde die aktuelle Lage Deutschlands jedoch von den befragten Finanzmarktexperten zu Jahresanfang nahezu unverändert schlecht bewertet. Der entsprechende ZEWIndikator verharrte mit -66,4 Punkten im Wesentlichen auf seinem niedrigen Vormonatsstand. Insgesamt signalisieren die neuen Umfrageergebnisse, dass die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Deutschlands nach einem schwachen Jahresauftakt merklich an Fahrt aufnehmen wird. Grundvoraussetzung hierfür ist, dass die zweite Pandemiewelle deutlich abflaut und im Zuge dessen wieder Lockerungen von Schutzmaßnahmen möglich werden.

Auftragsbestand legt weiter zu

Die Erholung der hiesigen Industrie vom Einbruch des vergangenen Frühjahrs setzt sich fort, trotz der zweiten Coronawelle. Hierauf deuten auch die jüngsten Daten zum Auftragsbestand des Verarbeitenden Gewerbes hin. Der Auftragsbestand ergibt sich aus der Summe der Neuaufträge am Ende eines Berichtsmonats, die noch nicht umsatzwirksam sind und die nicht storniert wurden. Nach amtlichen Angaben stieg der preis-, kalender- und saisonbereinigte Auftragsbestand von Oktober auf November um 0,8 %. Dabei legten die Bestände aus dem Ausland (+0,9 %) geringfügig stärker zu als die Inlandsbestände (+0,8 %). Der Verlauf der Auftragsbestände folgt damit den Neuaufträgen, die gemäß den bereits zuvor veröffentlichten Angaben im November insgesamt um kräftige 2,3 % gestiegen waren (siehe Abbildung). Alles in allem legen die Daten nahe, dass die Industriekonjunktur in naher Zukunft weiterhin aufwärtsgerichtet bleiben wird.

Inflationsrate von 0,5 % für 2020 bestätigt

Das Statistische Bundesamt hat inzwischen endgültige Angaben zur Entwicklung der Verbraucherpreise im Dezember vorgelegt und dabei auch seine Anfang Januar herausgegebene vorläufige Schätzung zum Jahresergebnis 2020 bestätigt. Demnach stieg der Verbraucherpreisindex (VPI) im Durchschnitt des vergangenen Jahres um 0,5 % und damit deutlich schwächer als 2019 (1,4 %). Die Inflationsrate zeigte im Jahresverlauf einen Abwärtstrend. Sie sank zunächst von 1,7 % im Januar auf knapp 1 % während der Frühjahrsmonate. Hauptgrund hierfür waren die krisenbedingt vorübergehend niedrigeren Rohölnotierungen, deren dämpfende Wirkung auf die Inflationsrate nur wenig durch die höheren Preissteigerungen bei anderen Gütern, etwa bei vielen Nahrungsmitteln, kompensiert wurde. Ab Juli setzte wegen der befristeten Mehrwertsteuersenkung ein weiterer sichtbarer Rückgang ein, der die Inflationsrate zum Jahresende auf -0,3 % drückte. Für 2021 zeichnet sich eine merkliche Beschleunigung des Preisanstiegs ab, wegen des Wegfalls der Mehrwertsteuersenkung, des leichten Anstiegs der Rohölpreise und der zu Jahresbeginn wirksam gewordenen nationalen CO2- Bepreisung für die Sektoren Wohnen und Verkehr. Für ein Anziehen der Preise auf der Verbraucherstufe sprechen auch die Erzeugerpreise. Diese sind im Dezember leicht um 0,2 % gestiegen, nachdem sie in den Vormonaten noch zurückgegangen waren.

Euroraum-Inflationsrate 2020 bei 0,3 %

Nicht nur das Statistische Bundesamt, auch Eurostat hat nunmehr endgültige Daten zur jüngsten Entwicklung der Verbraucherpreise veröffentlicht. Den Daten zufolge lag die Inflationsrate des Euroraums, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), im Dezember den vierten Monat in Folge bei -0,3 %. Eurostat hat damit das zentrale Ergebnis seiner vorläufigen Berechnungen bestätigt. Verantwortlich für den weiteren Rückgang der Verbraucherpreise waren abermals die Energiepreise. Diese verbilligten sich im Dezember aber weniger stark als zuvor (-6.9 % gegenüber -8,3 % im November). Die nachlassende Dämpfung von Seiten der Energiepreise wurde aber durch die Nahrungsmittelpreise nahezu ausgeglichen, deren steigernde Wirkung auf die Gesamtrate schwächer wurde (+1,3 % nach +1,9 % im November). Vor diesem Hintergrund blieb die Kerninflationsrate, ohne Berücksichtigung der Energie- und Nahrungsmittelpreise unverändert bei -0,2 %. Im Jahresdurchschnitt 2020 sind die Verbraucherpreise im Euroraum insgesamt um 0,3 % gestiegen, nachdem sie 2019 um 1,2 % zugelegt hatten. Analog zu Entwicklung in Deutschland, der größten Volkswirtschaft des Euroraums, dürften die Verbraucherpreise auch im Währungsraums als Ganzes zu Jahresbeginn 2021 merklich anziehen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR