Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 26.04.2021

  • Deutschland beschließt Corona-Notbremse
  • EZB bestätigt geldpolitischen Kurs
  • DAX verliert nach Allzeithoch deutlich
  • Umlaufsrenditen am Kapitalmarkt kaum verändert
  • Euro gewinnt weiter an Außenwert
  • Rohöl nach US-Gesetzesentwurf unter Druck
  • Steigender Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe
  • Höhere Staatsverschuldung im Euroraum
  • Erzeugerpreise legen stärker zu
  • Weiter Aufhellung des Verbrauchervertrauens im Euroraum

Deutschland beschließt Corona-Notbremse

In der vergangenen Woche wurde die sogenannte Notbremse verabschiedet, welche Infektionsschutzmaßnahmen bundesweit einheitlich an das lokale Infektionsgeschehen koppelt. Zentraler Schwellenwert ist eine Sieben-Tage-Inzidenz von 100 Fällen je 100.000 Einwohner, bei dessen Überschreiten viele der aktuell bereits weitläufig geltenden Einschränkungen nun bundesweit einheitlich gelten. Außerdem muss vor Betreten weiter Teile des Nichtlebensmitteleinzelhandels ein negativer Coronatest nachgewiesen werden. Ab einer Inzidenz von 150 ist nur noch das Abholen von Waren erlaubt. Haushaltsübergreifende Treffen sind nur noch zwischen zwei Personen erlaubt. Ausgenommen sind Treffen zwischen Ehe- und Lebenspartnern sowie von Kindern unter 14 Jahren. Zwischen 22 Uhr und 5 Uhr gilt eine Ausgangssperre, Joggen und Spazierengehen allein bleiben allerdings bis Mitternacht erlaubt. Arbeitnehmer müssen die Möglichkeit zum Homeoffice wahrnehmen. Schulen und Kitas müssen bei Überschreiten einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165 an drei aufeinanderfolgenden Tagen auf Distanzunterricht beziehungsweise Notbetreuung umstellen. Trotz der bereits gültigen Einschränkungen ist das Infektionsgeschehen auch in der vergangenen Woche nicht zurückgegangen. Die Sieben- Tage-Inzidenz zog von 161 Fällen je 100.000 Einwohner am Freitag der Vorwoche auf 164 an. Die Zahl der von COVID-19-Patienten belegten Intensivbetten stieg im Vergleich zur Vorwoche von 4.714 auf 5.037 am Freitag. Das Impftempo hat dabei erstmals seit März wieder leicht abgenommen. In der vergangenen Woche wurden tagesdurchschnittlich rund 484.000 Impfdosen verabreicht, nach rund 521.000 Dosen in der Vorwoche. In der kommenden Woche dürfte die Zahl der verabreichten Impfdosen jedoch wieder zunehmen. Zum einen plant BioNTech, ab dieser Woche 900.000 zusätzliche Impfdosen je Woche zu liefern. Ursprünglich waren die Lieferungen für das 4. Quartal vorgesehen. Zudem reagierten einige Bundesländer mit der Aufhebung der Impfpriorisierung für das Präparat von AstraZenca auf die geringe Akzeptanz des Impfstoffes in der Bevölkerung.

EZB bestätigt geldpolitischen Kurs

Bei der Ratssitzung am vergangenen Donnerstag hat die EZB ihren geldpolitischen Kurs bestätigt. Die Leitzinsen verharren auf dem historisch niedrigen Niveau. Die Anleihekäufe im Rahmen des Pandemie-Notfallankaufprogramms sollen im 2. Quartal deutlich über den Volumina zu Jahresbeginn liegen.

DAX verliert nach Allzeithoch deutlich

Zum Wochenauftakt übersprang der DAX erstmals die Marke von 15.500 Punkten und erreichte mit 15.501 Punkten ein neues Allzeithoch. Im Wochenverlauf konnte der Deutsche Leitindex dieses jedoch nicht halten und gab spürbar nach. Im Vergleich zu Vorwoche schloss der DAX am Freitag mit 15.280 Punkten rund 1,2 % schwächer. Auch international gerieten die Aktienpreise unter Druck. In den USA verlor der S&P 500 Index in der vergangenen Woche 0,1 % an Wert.

Umlaufsrenditen am Kapitalmarkt kaum verändert

Die Umlaufsrenditen von Staatsanleihen höchster Bonität haben sich in der vergangenen Woche kaum verändert. Bundeswertpapiere mit zehnjähriger Restlaufzeit rentierten zum Wochenschluss bei -0,26 %, 1 Basispunkt mehr als zum Ende der Vorwoche. Von der EZB-Ratssitzung gingen aufgrund des erwarteten Ergebnisses keine Impulse für die Anleiherenditen aus. In den USA reduzierte sich die Umlaufsrendite von Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit um 1 Basispunkte auf 1,57 %.

Euro gewinnt weiter an Außenwert

Der Euro hat erneut an Außenwert gegenüber dem US-Dollar gewonnen. Zum Wochenultimo notierte der Wechselkurs bei 1,21 US-Dollar. Damit wertete der Euro in der vergangenen Woche um 1,0 % auf. Gegenüber den Währungen der 42 wichtigsten Handelspartner des Euroraums gewann der Euro 0,4 % an Wert. Insbesondere die Türkische Lira verlor aufgrund hoher Unsicherheit bezüglich des wirtschaftspolitischen Kurses der Türkei an Außenwert. Erstmals seit November 2020 stieg das Tauschverhältnis wieder über 10 Türkische Lira je Euro.

Rohöl nach US-Gesetzesentwurf unter Druck

Die Rohölpreise haben in der vergangenen Woche leicht nachgegeben. In Europa kostete ein Fass Rohöl der Sorte Brent zum Wochenultimo mit 65,7 US-Dollar 0,3 % weniger als zum Ende der Vorwoche. In den USA verbilligte sich Leichtöl der Sorte WTI um 1,6 % auf 62,2 US-Dollar. Nachdem WTI zu Wochenbeginn noch auf einen Monatshöchstwert geklettert war, belastete die Zustimmung des Rechtsausschusses des US-Repräsentantenhauses zu einem Vorhaben, welches kartellrechtliche Strafen gegen OPEC-Mitglieder ermöglicht, die Rohölpreisnotierungen im weiteren Wochenverlauf.

Steigender Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe

Derzeit verdichten sich die Signale, dass die Industrieproduktion Deutschlands nach der leichten Schwächephase vom Jahresbeginn wieder auf ihren Erholungspfad einschwenken wird. So ist der Auftragsbestand des Verarbeitenden Gewerbes erneut gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt mittteilte, legte der preis-, kalender und saisonbereinigte Bestand im Februar gegenüber dem Vormonat um 1,3 % zu. Im Januar war der Indikator bereits um 0,8 % gestiegen. Ähnlich wie bei den Neuaufträgen, die im Februar insgesamt um 1,2 % zunahmen (siehe Abbildung) waren für den jüngsten Anstieg vor allem die Inlandsnachfrage verantwortlich. Der Bestand an Inlandsaufträgen legte um 1,9 % zu und damit dynamischer als der Bestand an Aufträgen aus dem Ausland (+1,1 %). Der Auftragsbestand wird als Summe der Auftragseingänge am Ende eines Berichtsmonats berechnet, die noch nicht zu Umsätzen führten und die nicht storniert wurden. Auch die Ergebnisse von Unternehmensumfragen legen nahe, dass die industrielle Erzeugung in naher Zukunft wieder zunehmen wird. Der vom ifo Institut ermittelte Indikator der Produktionserwartungen im Verarbeitenden Gewerbe hat sich jüngst deutlich verbessert. Er stieg im März auf 30,4 Punkte und markiert damit den höchsten Stand seit 1991. Nach Angaben des ifo Instituts planen insbesondere die Unternehmen in der Auto- und in der Elektroindustrie ihre Produktion stark auszuweiten.

Höhere Staatsverschuldung im Euroraum

Angesichts der umfangreichen Maßnahmenpakete zur Eindämmung der wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie hat die Staatsverschuldung im Euroraum weiter zugenommen. Die Staatsschuldenquote, welche die öffentlichen Schulden in Relation zum Bruttoinlandsprodukt setzt, ist von 97,2 % im 3. Quartal auf 98,0 % im 4. Quartal gestiegen. Die Schuldenquote übertraf damit Ende 2020 ihren Vorjahresstand um 14,1 Prozentpunkte. Sie hat sich somit weiter von der Maastricht-Obergrenze von 60 % entfernt. Innerhalb des Euroraums wiesen Griechenland (205,6 %), Italien (155,8 %) und Portugal (133,6 %) erneut die höchsten Quoten auf. Die niedrigsten Schuldenquoten wurden für Lettland (43,5 %), Luxemburg (24,9 %) und Estland (18,2 %) ermittelt. Auch in Deutschland hat sich die öffentliche Verschuldung erhöht. Die gesamtstaatliche Schuldenquote Deutschlands, die 2019 mit 59,7 % noch geringfügig unter der 60-Prozent- Marke lag, kletterte 2020 auf 69,8 %.

Erzeugerpreise legen stärker zu

In Deutschland hat sich der Preisauftrieb auf der Erzeugerstufe weiter erhöht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte im März um 3,7 % über seinem Vorjahresmonatswert. Im Januar und Februar waren die Erzeugerpreise noch um 0,9 % bzw. 1,9 % gestiegen. Steigernd auf die Gesamtentwicklung wirkten vor allem die Preise für Energie und Vorleistungsgüter, die um kräftige 8,0 % und 5,7 % zulegten. Demgegenüber erhöhten sich die Preise für Gebrauchsgüter (+1,4 %) und Investitionsgüter (+0,9 %) nur moderat. Die Preise für Verbrauchsgüter (-1,4 %) sind schließlich gesunken, entgegen dem allgemeinen Trend. Insgesamt geht von den Erzeugerpreisen inzwischen ein beachtlicher Druck auf die Verbraucherpreise aus. Bei den Verbraucherpreisen hat sich der Preisanstieg jüngst von 1,4 % im Februar auf 1,7 % im März erhöht. Der BVR geht in seiner aktuellen Inflationsprognose davon aus, dass die Verbraucherpreise zum Jahresende sogar um 3 % steigen werden. Grund hierfür sind einige Sonderfaktoren (Mehrwertsteuersenkung vom zweiten Halbjahr 2020, neue CO2-Bepreisung für Verkehr und Wohnen, Erholung der Rohölpreise). Diese lassen den Preisauftrieb vorübergehend deutlich steigen.

Weiter Aufhellung des Verbrauchervertrauens im Euroraum

Vor dem Hintergrund der verstärkten Impfungen und Testungen gegen eine weitere Verbreitung des Coronaviruses hat sich die Stimmung unter den Verbrauchern des Euroraums erneut verbessert. Der auf Basis monatlicher Umfragen von der EU-Kommission berechnete Indikator des Verbrauchervertrauens ist von -10,8 Punkten im März auf –8,1 Punkte im April gestiegen. Er hat sich damit weiter von seinem im Frühjahr 2020 auf dem Höhepunkt der Pandemie erreichten Tiefpunkt erholt. Das Verbrauchervertrauen befindet sich weiterhin über seinem langjährigen Mittelwert von -11,1 Punkten. Der abermalige Anstieg des Indikators lässt für das Frühjahr eine Belebung der Konsumkonjunktur im Währungsraum erwarten.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR