Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 29.03.2021

  • Lockdown in Deutschland bis Mitte April verlängert
  • Aktienpreise nahe des Allzeithochs
  • Kapitalmarktzinsen geben spürbar nach
  • Außenwert des US-Dollar nimmt weiter zu
  • Blockade des Suezkanals bestimmt Preisentwicklung an Rohölmärkten
  • Deutlich verbessertes Geschäftsklima
  • Aufhellung des Konsumklimas
  • Steigendes Verbrauchervertrauen auch im Euroraum
  • Reallöhne 2020 um 1,1 % gesunken

Lockdown in Deutschland bis Mitte April verlängert

Am vergangenen Montag haben der Bund und die Länder über eine Fortführung des Lockdowns beraten. Vor dem Hintergrund einer zuvor rasant ansteigenden Sieben-Tage-Inzidenz wurde eine Verlängerung der Infektionsschutzmaßnahmen bis zum 18. April vereinbart. Aufgrund gestiegener Infektionszahlen soll die zuvor vereinbarte „Notbremse“ – eine Rückführung von Locke-rungsmaßnahmen nach einem anhaltenden Überschreiten einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 Infektionen je 100.000 Einwohner – nun strenger zur Anwendung kommen. In den ver-gangenen Tagen wurde deren Anwendung, trotz überschreiten des Grenzwerts, vielfach ausgesetzt. Jedoch scheint eine bundesweite An-wendung der vereinbarten Notbremse auch ak-tuell wenig wahrscheinlich. So haben einige Bundesländer bereits angekündigt, die beschlossene Notbremse nicht in der vereinbarten Form an-wenden zu wollen. Eine am Montag ebenfalls angekündigte Verschärfung der Kontaktbeschränkungen über Ostern wurde später zurückgenommen.

Das Infektionsgeschehen in Deutschland hat sich in der vergangenen Woche weiter deutlich be-schleunigt. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg von 100 zum Ende der vergangenen Woche auf 125 Fälle je 100.000 Einwohner am Freitag. Die verabreichten Impfdosen nahmen bis Donnerstag um rund 33.000 auf durchschnittlich 254.000 Dosen je Tag zu.

Aktienpreise nahe des Allzeithochs

Die Aktienpreise haben in der vergangenen Wo-che wieder zugelegt. Der DAX zog im Wochen-verlauf um 0,9 % an und schloss am Freitag mit rund 14.749 Punkten in der Nähe des in der vergangenen Woche erreichten Allzeithochs. Trotz der Verlängerung des Lockdowns in Deutschland bis zum 18. April wurde die Konjunktur zuletzt deutlich positiver eingeschätzt (vgl. Ausführun-gen auf den Folgeseiten). Auch in den USA hat der Wert von Aktien in der vergangenen Woche angezogen, um 1,6 %. Insbesondere der private Konsum dürfte die Konjunktur kurzfristig stützen. So wurden bereits 100 Millionen der im Rahmen des Konjunkturpakets beschlossenen Schecks an private Haushalte verschickt.

Kapitalmarktzinsen geben spürbar nach

Die Umlaufsrenditen deutscher Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren sind in der vergangenen Woche um 6 Basispunkte gesunken und lagen zum Wochenultimo bei -0,35 %. Eine mögliche Erklärung ist die Ankündigung der EZB, die Netto-Wertpapierkäufe im Rahmen des Pan-demic Emergency Purchase Programme (PEPP) im kommenden Quartal signifikant zu erhöhen. In der vergangenen Woche veröffentlichte Zahlen zum Wertpapiererwerb der Vorwoche zeigen, dass das Eurosystem bereits aktuell deutlich hö-here Volumina am Kapitalmarkt erwirbt. Auch in den USA ging die Umlaufsrendite zehnjähriger Staatsanleihen leicht zurück. Diese Anleihen rentierten zum Wochenschluss bei 1,66 %, rund 7 Ba-sispunkte weniger als vor Wochenfrist.

Außenwert des US-Dollar nimmt weiter zu

Der Euro hat in der vergangenen Woche erneut deutlich an Wert gegenüber dem US-Dollar verloren. Die im Vergleich zum Euroraum ausgesprochen robuste Konjunktur inklusive der Erwartung deutlich früher steigender Zinsen treibt die Nachfrage nach der US-Währung. Zum Wochenultimo notierte der Euro mit 1,18 US-Dollar 0,9 % schwächer als vor Wochenfrist. Dennoch verlor der Euro im Vergleich zu den Währungen der 42 wichtigs-ten Handelspartner des Euroraums in der vergangenen Woche nicht an Außenwert. Darin spiegelt sich allerdings insbesondere die Abwertung der türkischen Lira wider. Zur Bekämpfung der hohen Inflation hatte die türkische Notenbank die Zin-sen in der Vorwoche deutlich erhöht. Am Wochenende wurde daraufhin der Chef der Notenbank des Amtes enthoben, was erhebliche Verunsicherung auslöste. Im Wochenverlauf verlor die Währung gegenüber dem Euro daraufhin rund 9,5 % an Wert.

Blockade des Suezkanals bestimmt Preisentwicklung an Rohölmärkten

Seit Dienstag blockiert ein havariertes Containerschiff die Durchfahrt durch den Suezkanal. Der Kanal verkürzt den Seeweg zwischen Europa und Asien erheblich und ist daher einer der weltweit am stärksten befahrenen Seewege. Etwa 30 % des globalen Containerfrachtvolumens passieren diese Wasserstraße. Auch für den Rohöltransport ist der Suezkanal einer der wichtigsten Wasserwege. Da bis zum Wochenschluss am Freitag nicht klar war, wann der Suezkanal wieder passierbar sein würde, legten die Rohölpreise nach deutlichen Verlusten am Montag im weiteren Wochenverlauf wieder zu. Zum Handelsschluss kostete ein Fass der Sorte Brent 63,8 US-Dollar, was einem Rückgang um 0,4 % entspricht. Ein Fass US-Leichtöl der Sorte WTI notierte am Freitag bei 60,9 US-Dollar, rund 0,8 % weniger als vor Wochenfrist.

Deutlich verbessertes Geschäftsklima

Ungeachtet der zu einer dritten Welle angestiegenen Coronainfektionenszahlen hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft merklich aufgehellt. Der ifo Geschäftsklimaindex kletterte im März gegenüber dem Vormonat um kräftige 3,9 Punkte auf 96,6 Punkte. Er befindet sich damit auf dem höchsten Stand seit Juni 2019. Die vom ifo Institut befragten Unternehmen blickten insgesamt mit mehr Optimismus in die Zukunft. Grund hierfür dürften vor allem die anziehende Weltkonjunktur, die zunehmenden Impfungen und der Anfang März von Bund und Ländern beschlossenen Stufenplan für weitere Locker-ungen von Infektionsschutzmaßnahmen sein. Zudem beurteilten die Umfrageteilnehmer ihre aktuelle Geschäftslage spürbar zufriedener als zuvor. Das Geschäftsklima legte in allen betrachteten Wirtschaftsbereichen erheblich zu. Besonders deutlich verbesserte sich die Stimmung im Handel und im Dienstleistungssektor (ohne Handel). Innerhalb des Dienstleistungssektors liefen die Geschäfte insbesondere bei den IT-Dienstleistern gut, begünstigt durch den krisenbedingten Digitalisierungsschub. Im Gast-gewerbe sowie in der Tourismusbranche ist die Lage aber weiterhin sehr angespannt, was angesichts der generell anhaltenden Beschränkungen in diesen Branchen nicht verwundert.

Aufhellung des Konsumklimas

Auch das Konsumklima hat sich hierzulande merklich aufgehellt, befördert unter anderem durch die Anfang März vorgenommenen Lockerungen von einzelnen Infektionsschutzmaßnahmen. Nach GfK-Angaben haben sich im März sowohl die Konjunktur- und Einkommens-erwartung als auch die Anschaffungsneigung der befragten Verbraucher verbessert. Das GfK Konsumklima, als verdichteter Konsumindikator, ist im Zuge dessen von -15,5 Punkten im Februar auf -12,7 Punkte im März gestiegen. Darüber hinaus prognostizieren die GfK-Fachleuten für April einen weiteren Anstieg des Konsumklimas auf dann -6,2 Punkte. Der Anstieg des Geschäftsklimas und des Konsumklimas überrascht, da – wie bereits erwähnt – die Coronafallzahlen zuletzt deutlich zunahmen und Bund und Länder am 23. März den grundsätzlichen Lockdown nochmals bis zum 18. April verlängerten. Allerdings dürften die Meldungen der Unternehmen bzw. Verbraucher überwiegend in der ersten Märzhälfte eingetroffen sein, sodass die jüngsten Bund-Länder-Beschlüsse und Fallzahlenentwicklungen kaum Berück-sichtigung finden konnten. Alles in allem legen die jüngsten Umfrageergebnisse nahe, dass die deutsche Konjunktur im Frühjahr spürbar an Fahrt aufnehmen wird. Hierauf deutet auch das BVR Konjunkturbarometer hin, dass jüngst von 36 Punkten im Januar auf 55 Punkte im Februar und März gestiegen ist (siehe BVR Volkswirtschaft Kompakt vom 18. März). Von der Pandemielage gehen aber weiterhin beträchtliche Konjunkturrisiken aus.

Steigendes Verbrauchervertrauen auch im Euroraum

Im Euroraum hat sich die Stimmung unter den Konsumenten im März ebenfalls verbessert. Darauf lassen zumindest die vorläufigen Angaben der EU-Kommission schließen. Demnach ist der In-dikator des Verbrauchervertrauens im März um 4 Punkte auf -10,8 Punkte gestiegen. Er befindet sich damit erstmals seit Februar 2020, dem Monat vor dem Ausbruch der Coronakrise in Europa, wieder über seinem langjährigen Mittelwert von -11,1 Punkten. Insgesamt legen die jüngsten Umfrageergebnisse nahe, dass sich die Konsumkonjunktur im Euroraum langsam stabilisiert.

Reallöhne 2020 um 1,1 % gesunken

Das Statistische Bundesamt hat endgültige Angaben zur vierteljährlichen Verdiensterhebung im Krisenjahr 2020 vorgelegt. Die durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste (einschließlich Sonder-zahlungen) sanken gegenüber dem Vorjahr um 0,7 %. Da zeitgleich die Verbraucherpreise um 0,5 % stiegen, sanken die Reallöhne um 1,1 %. Der Rückgang fiel damit etwas stärker aus als vorläufige Angaben von Mitte Februar signalisiert hatten (-1,0 %). Grund für den ersten Reallohnrückgang seit dem Jahr 2007 war nicht zuletzt die verstärkte Nutzung von konjunktureller Kurzarbeit. Diese vermindert die bezahlte Wochenarbeitszeit und damit die Bruttomonatsverdienste. Zwar werden die Verdienstausfälle mit dem staatlichen Kurzarbeitergeld abgefedert. Als Lohnersatzleistung ist das Kurzarbeitergeld aber kein Verdienstbestandteil und geht daher nicht in die Verdienststatistik ein. Zuletzt, im 4. Quartal, war die Verdienstentwicklung leicht positiv. Die Reallöhne legten um 0,4 % zu, da die Nominallöhne um 0,2 % stiegen und die Verbraucherpreise um 0,2 % sanken. Trotz der zunehmenden Reallöhne waren die Konsumausgaben der privaten Haushalte aber stark rückläufig. Im Zuge der Ende 2020 verschärften Schutzmaßnahmen sanken sie preis-, kalender- und saisonbereinigt um deutliche 3,3 % und verminderten damit das BIP-Wachstum um 1,8 Prozentpunkte. Das BIP expandierte nach aktuellem Rechenstand um 0,3 %, nachdem es im 3. Quartal – im Zuge der Erholung vom Einbruch des 1. Halbjahres – noch um 8,5 % zugelegt hatte.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR