Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur

Wocheninfo vom 30.11.2020

  • Bund und Länder einigen sich auf Ausweitung der Infektionsschutzmaßen
  • Aktienpreise von bevorstehendem Präsidentschaftswechsel beflügelt
  • Zinsen kaum verändert
  • Außenwert des Euro steigt
  • Ölpreise ziehen an
  • Virussorgen belasten zunehmend das Geschäftsklima
  • Konsumklima trübt sich ebenfalls merklich ein
  • Euroraum-Wirtschaftsklimaindex gibt nach
  • BIP im 3. Quartal um 8,5 % gestiegen

Bund und Länder einigen sich auf Ausweitung der Infektionsschutzmaßnahmen

Am Mittwoch haben sich Bund und Länder auf eine Verlängerung und Verschärfung der im November beschlossenen Kontaktbeschränkungen bis zum 20. Dezember geeinigt. Bundesweit untersagt bleibt der Verzehr von Speisen und Getränken in Gastronomiebetrieben. Auch Übernachtungen aus touristischem Anlass sind in Hotels weiterhin verboten. Für den Groß- und Einzelhandel wurde die Maskenpflicht erweitert und die maximale Zahl an Personen in einem Geschäft, welche an die Verkaufsfläche gekoppelt ist, gesenkt.

Des Weiteren wurde eine Reihe von Maßnahmen eingeführt, welche ab dem 1. Dezember in Kraft treten. Unter anderem sollen private Zusammenkünfte auf maximal fünf Personen sowie zwei Haushalte beschränkt werden. Für den Zeitraum zwischen Weihnachten und Neujahr wird diese Obergrenze auf zehn Personen angehoben.

Der Schulbetrieb sowie die Kinderbetreuung sollen auch über den Winter aufrechterhalten werden. Um dies gewährleisten zu können, sollen verstärkt Schnelltests eingesetzt werden. Die Rigidität der Kontaktbeschränkung wird an die lokale Infektionsinzidenz gekoppelt. Dabei wird den Schulen Spielraum bei der Wahl konkreter Maßnahmen gewährt.

Die am Mittwoch beschlossenen Maßnahmen können, in Abhängigkeit vom lokalen Infektionsgeschehen, lokal verschärft oder gelockert werden.

Zudem sollen Unternehmen, Betriebe, Selbständige, Vereine und Einrichtungen, die aufgrund der Maßnahmen temporär schließen müssen, finanziell unterstützt werden. Hierzu sollen die Novemberhilfen verlängert werden.

Aktienpreise von bevorstehendem Präsidentschaftswechsel beflügelt

Die Aktienpreise haben in der vergangenen Woche spürbar angezogen. Der DAX lege um 1,5 % zu. Zwar dürfte die Verlängerung und Ausweitung der Infektionsschutzmaßnahmen die Konjunktur kurzfristig belasten. Diese Maßnahmen waren allerdings weithin antizipiert worden und dürfen daher bereits eingepreist gewesen sein. Weniger sicher war hingegen, wie stark der Staat von den Infektionsschutzmaßnahmen Betroffene wirtschaftlich entschädigen würde. In den USA legte der S&P 500-Index mit 2,3 % sogar noch etwas stärker zu. Insbesondere am Dienstag zogen die Aktienkurse deutlich an. An diesem Tag wurde zum einen bekannt, dass die aktuelle US-Regierung eine geordnete Amtsübergabe an den kommenden US-Präsidenten Joe Biden eingeleitet hat. Zum anderen verkündete der designierte Präsident, die ehemalige Präsidentin der Federal Reserve Janet Yellen zur Finanzministerin ernennen zu wollen.

Zinsen kaum verändert

Die langfristigen Zinsen haben sich in der vergangenen Woche kaum verändert. Deutsche Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit rentierten unverändert bei -0,59 %. Die Risikoprämien gingen im Euroraum dabei ganz leicht zurück; der Zinsaufschlag zehnjähriger Unternehmensanleihen mittlerer Bonität (BBB) reduzierte sich um 3 Basispunkte auf 1 %. In den USA stieg die Umlaufsrendite amerikanischer Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit marginal um 1 Basispunkt und lag zum Wochenschluss bei 0,84 %.

Außenwert des Euro steigt

Der Euro hat in der vergangenen Woche leicht an Wert gewonnen. Gegenüber dem US Dollar verteuerte sich der Euro um reichlich einen Cent. Zum Börsenschluss am Freitag konnte ein Euro in 1,20 US-Dollar getauscht werden. Zu dem Wertverlust des US-Dollar dürften die schwachen Arbeitsmarktzahlen der vergangenen Woche beigetragen haben. So stieg die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe überraschend deutlich. Der Außenwert des Euro gegenüber einem breiten Warenkorb aus den Währungen der 42 wichtigsten Handelspartner stieg um 0,4 %.

Ölpreise ziehen an

Die Ölpreise haben in der vergangenen Woche erneut deutlich angezogen. In Europa verteuerte sich Rohöl der Sorte Brent um 7 % und notierte zum Wochenschluss bei 46,9 US-Dollar je Barrel. In den USA stieg der Preis von Rohöl der Sorte WTI in ähnlichem Umfang. Die gestiegenen Rohölpreise dürften mit einer wahrscheinlicher werdenden Verlängerung der aktuellen Förderbeschränkungen durch die OPEC plus zusammenhängen.

Virussorgen belasten zunehmend das Geschäftsklima

Angesichts steigender Coronainfektionszahlen und der in Reaktion darauf vielerorts ergriffenen neuen Beschränkungen hat sich die Stimmung in der hiesigen Wirtschaft weiter eingetrübt. Der ifo Geschäftsklimaindex für Deutschland sank im November gegenüber dem Vormonat um deutliche 1,8 Punkte auf 90,7 Punkte, nachdem er bereits im Oktober zurückgegangen war. Maßgeblich für den Rückgang des wichtigen Konjunkturindikators waren die Geschäftserwartungen, die von den befragten Unternehmen erheblich pessimistischer bewertet wurden als zuvor. Der Saldo der Prozentanteile von „günstiger“ und „ungünstiger“ Meldungen zu den Perspektiven für das nächste halbe Jahr ist von -1,4 Punkten im Oktober auf -8,1 Punkte im November gesunken. Die Geschäftslage verschlechterte sich hingegen nur leicht. Der entsprechende Saldowert gab von 5,9 Punkten auf 5,1 Punkte nach. Positiv stimmt, dass sich im Verarbeitenden Gewerbe das Geschäftsklima weiter verbessert hat. Zwar trübten sich die Erwartungen der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes im Gleichschritt mit der allgemeinen Entwicklung deutlich ein. Die Lage und auch die Auftragseingänge wurden aber besser bewertet. Der Geschäftsklimaindikator für den Dienstleistungssektor hat hingegen spürbar nachgegeben. Im Bereich Hotel und Gastgewerbe sind die Indikatoren regelrecht eingebrochen, was angesichts des nunmehr verlängerten Teil-Lockdowns in Deutschland nicht verwundert.

Konsumklima trübt sich ebenfalls merklich ein

Nicht nur in den Unternehmen, auch unter den Verbrauchern hat sich im Zuge der zweiten Coronawelle die Stimmung spürbar verschlechtert. Der GfK Konsumklimaindikator für Deutschland ist von -1,7 Punkten im Oktober auf -3,2 Punkte im November gesunken. Zudem prognostizieren die GfK-Experten für Dezember einen weiteren Rückgang des Indikators auf dann -6,7 Punkte. Nach Angaben der GfK gingen im November sowohl die Teilindikatoren zur Konjunktur- und den Einkommenserwartungen als auch zur Anschaffungsneigung erneut zurück. Mit den Konsumklimaangaben wurden auch die Ergebnisse einer weiteren GfK-Umfrage veröffentlicht. Demnach sind 75 % der befragten Bundesbürger der Meinung, dass COVID-19 für Deutschland eine große bzw. sehr große Bedrohung darstellt. Bezüglich der persönlichen Perspektiven im Zusammenhang mit COVID-19 sind die Umfrageteilnehmer aber weniger kritisch. Einerseits gaben knapp 50 % der Befragten an, eher wenig bzw. keine Sorgen zu haben, wenn es um die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise für ihre persönliche Zukunft geht. Andererseits äußerten etwa 48 % sehr große bzw. eher große Sorgen. Insgesamt legen die jüngsten ifo- und GfK-Ergebnisse nahe, dass sich die konjunkturelle Entwicklung Deutschlands zum Jahresende merklich verschlechtern wird.

Euroraum-Wirtschaftsklimaindex gibt nach

Im Euroraum hat sich die Stimmung in den Unternehmen und unter den Verbrauchern ebenfalls verschlechtert. Nach Angaben der EU-Kommission ist der Wirtschaftsklimaindex im November gegenüber dem Vormonat um 3,5 Punkte auf 87,6 Punkte gesunken, nachdem er zuvor — im Zeitraum von Mai bis Oktober — stets zugenommen hatte. Besonders deutlich hat sich die Stimmung im Einzelhandel, im Dienstleistungssektor (ohne Handel) und unter den Verbrauchern eingetrübt, da diese offenbar am stärksten von den neuerlichen Beschränkungen im Zuge der zweiten Coronawelle betroffen sind. In der Industrie und im Baugewerbe fiel die Stimmungseintrübung hingegen vergleichsweise schwach aus.

BIP im 3. Quartal um 8,5 % gestiegen

Das Statistische Bundesamt hat inzwischen detaillierte Angaben zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands für das 3. Quartal vorgelegt. Das zentrale Ergebnis der ersten amtlichen Schätzungen von Ende Oktober wurde dabei leicht nach oben revidiert. So ist das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Sommerquartal nicht um 8,2 % gestiegen wie zuerst gemeldet, sondern um 8,5 %. Damit konnte ein großer Teil des virusbedingten Einbruchs vom ersten Halbjahr wieder ausgeglichen werden. Im 3. Quartal befand sich das BIP aber noch um 4,0 % unter dem Stand vom 4. Quartal 2019, dem Quartal vor Ausbruch der Coronakrise in Deutschland. Die Erholung vom Einbruch war breit angelegt. Sowohl die Konsumausgaben (+7,6 %) als auch die Bruttoanlageinvestitionen (+3,6 %) und der Außenhandel (Exporte: +18,1 %, Importe: +9,1 %) legten merklich zu, wobei die stärksten Wachstumsimpulse wie erwartet von den privaten Konsumausgaben ausgingen. Der Privatkonsum legte um 10,8 % zu und trug mit 5,6 Prozentpunkten zum BIP-Anstieg bei. Im laufenden 4. Quartal dürfte die Konjunkturerholung angesichts der zweiten Coronawelle und des in Reaktion darauf beschlossenen Teil-Lockdowns unterbrochen werden. Darauf lassen auch jüngste Schätzungen des BVR schließen, die für das Jahresendquartal einen merklichen BIP-Rückgang um etwa 2 % erwarten lassen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR