ZEW-Konjunkturerwartungen weiter auf hohem Niveau

22.07.2020

 

Finanzmarktexperten blicken den wirtschaftlichen Perspektiven Deutschlands weiterhin mit viel Hoffnung entgegen.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland sind im Juli zwar leicht um 4,1 Punkte auf 59,3 Punkte gesunken. Der auf Grundlage einer monatlichen Expertenumfrage ermittelte Indikator befindet sich aber nach wie vor auf einem vergleichsweise hohen Stand. Der langfristige Durchschnittswert der ZEW-Konjunkturwartungen liegt bei rund 21 Punkten. Positiv stimmt auch, dass die befragten Fachleute die aktuelle Wirtschaftslage günstiger bewerteten. Der entsprechende ZEW-Lage-Indikator ist im Juli um 2,2 Punkte auf -80,9 Punkte gestiegen. Die jüngsten Umfrageergebnisse lassen erwarten, dass die hiesige Wirtschaft nach dem virusbedingten Einbruch im ersten Halbjahr in der zweiten Jahreshälfte wieder Tritt fassen wird.

Euroraum-Industrieproduktion stabilisiert sich

Im Mai wurden in vielen Staaten des Euroraums Lockerungen von Beschränkungen vorgenommen, die während der Coronavirus-Pandemie ergriffen wurden. Vor dem Hintergrund dieser Lockerungen hat sich die Industrieproduktion gefestigt. Wie Eurostat anhand vorläufiger Angaben mitteilte, ist die preis-, kalender- und saisonbereinigte Erzeugung gegenüber dem Vormonat um 12,4 % gestiegen.

Zuvor im April und März war die Produktion pandemiebedingt massiv eingebrochen, mit Verlaufsraten von -18,2 % und -11,8 %. Die Stabilisierung der Erzeugung war breit angelegt. Alle industriellen Hauptgruppen verzeichneten Zuwächse. Besonders stark fiel das Produktionsplus bei den Herstellern von Gebrauchsgütern (+54,2 %) und Investitionsgütern (+25,4 %) aus. Geografisch betrachtet waren die höchsten Steigerungen in Italien (+42,1 %) und Frankreich (+20,0 %) zu verzeichnen. In Deutsch-land legte der industrielle Ausstoß um 9,7 % zu und damit etwas schwächer als im Euroraum als Ganzes. In naher Zukunft ist mit einer weiteren Festigung der Industrieproduktion des Währungsraums zu rechnen. Hierauf deutet auch der Order-Indikator der EU-Kommission hin. Der an-hand einer monatlichen Umfrage unter Industrieunternehmen ermittelte Indikator verharrte im Juni mit -49 Punkten im Wesentlichen auf seinem Vormonatsniveau, nachdem er zuvor stark zu-rückgegangen war.

Leichter Anstieg der Inflationsrate bestätigt

Das Statistische Bundesamt hat inzwischen das zentrale Ergebnis seiner vorläufigen Angaben zur Entwicklung der Verbraucherpreise im Juni bestätigt. Demnach legte die Inflationsrate, basierend auf dem Verbraucherpreisindex (VPI), von 0,6 % im Mai auf 0,9 % im Juni zu. Maßgeblich für den Anstieg war der abgeschwächte Preisrückgang bei Energieprodukten. Haushaltsenergie und Kraftstoffe verbilligten sich im Juni um 6,2 %, nach einem Rückgang um 8,5 % im Mai. Hauptgrund hierfür waren die Ölpreise auf den Weltmärkten, die sich nach einem nachfragebedingten Einbruch im März und April wieder etwas erholten. Bei den Nahrungsmittelpreisen hielt der merkliche Preisanstieg im Juni nahezu unverändert an (+4,4 % nach +4,5 % im Mai). Dabei standen spürbaren Verteuerungen von Obst (+11,1 %) sowie Fleisch und Fleischwaren (+8,2 %) deutliche Preisrückgänge bei Speisefetten und Speiseölen (-3,6 %) gegenüber. Die Dienstleistungspreise stiegen im Juni um 1,4 % und damit ähnlich stark wie im Vormonat (+1,3 %). Die Kerninflationsrate ohne Berücksichtigung der schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelpreise lag im Juni bei 1,3 % und damit nur minimal über ihrem Vormonatswert (+1,2 %). Im Zuge der Anfang Juli vorgenommenen Senkung der Mehrwertsteuersätze ist im zweiten Halbjahr mit einem deutlichen Rückgang der Inflationsrate zu rechnen. Eine rückläufige Preisdynamik legen auch die Erzeugerpreise nahe. Diese sind jüngst, im Mai, um 2,2 % gesunken.

Rückgang der Industrie-Auftragsbestände

Angesichts der im März und April stark rückläufigen Neuaufträge sind die Auftragsbestände des Verarbeitenden Gewerbes im Mai weiter gesunken. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gaben sie im Vormonatsvergleich saison- und kalenderbereinigt um 0,8 % nach. Dabei standen merklich rückläufige Bestände an Auslandsaufträgen (-1,2 %) nahezu stagnierenden inländischen Orderbeständen (+0,1 %) gegenüber. Trotz der jüngsten Bestandsrückgänge scheint die Industriekonjunktur in Deutschland im Mai ihren Tiefpunkt durchschritten zu haben. Dies signalisieren neben wichtigen Stimmungsindikatoren auch die jüngsten Daten zur Produktion und zu den Neuaufträgen im Verarbeitenden Gewerbe. Die Neuaufträge waren im Mai mit einer Verlaufsrate von 10,4 % gestiegen. Dabei legten die inländischen Aufträge (+12,3 %) stärker zu als die Auslandsorders (+8,8 %).

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR