Die asoziale Bank

16.10.2013

"Arme subventionieren Reiche! Profit auf Kosten der Geringverdiener! Wer wenig hat, muss zahlen, und wer viel hat, dem wird gegeben!" Solche Vorwürfe hören wir immer wieder von einigen Kunden. Der Auslöser dafür sind unsere aktuellen Kontomodelle. Seit 2008 berechnen wir Kunden mit einem monatlichen Geldeingang von unter 1.250 Euro Kontoführungsgebühren. Das ist auch bei unseren Wettbewerbern üblich. Deswegen sind wir etwas verwundert über die teils in heftigem Tonfall vorgetragenen Anschuldigungen. Unsere Preise seien asozial, heißt es oft. Starker Tobak! Dazu möchten wir uns hier einmal erklären.

Wer hat, dem wird gegeben?

Schauen wir zunächst bei einem Schuhladen vorbei: Hier kostet ein Paar Schuhe 69 Euro. Der Schuhladen macht seinen Kunden aber ein Angebot. Wer zwei Paar kauft, kriegt ein drittes Paar zum halben Preis. Dieser Rabatt gilt für jeden Kunden; egal wie vermögend er ist.

So weit, so normal … aber, Moment! Was ist mit Kunden, die sich zwei Paar Schuhe gar nicht leisten können? Obwohl sie weniger besitzen, müssen sie insgesamt betrachtet mehr bezahlen als jemand, der sich zwei Paar leisten kann. Ist das nicht ungerecht? Anscheinend nicht. Niemand empört sich darüber. Auch erwartet niemand, dass der Schuhladen seine Ware an Geringverdiener verschenkt.

Bei Schuhen kein Problem, beim Girokonto drückt der Schuh: das Rabatt-Prinzip
Bei Schuhen kein Problem, beim Girokonto drückt der Schuh: das Rabatt-Prinzip

Girokonto, da drückt der Schuh

Ein Girokonto braucht heute jeder und daher spielt das Produkt bei Banken eine besondere Rolle: Es ist die erste Verbindung zwischen Bank und Kunde, sozusagen das "Einsteigermodell". Allein mit einem Girokonto ist jedoch keine Bank überlebensfähig.

Dazu folgende, sicherlich für manchen überraschende Rechnung: Angenommen, wir würden nur mit dem Produkt Girokonto am Markt agieren. Alle Kosten müssten dann von den Kontoführungsgebühren gedeckt werden. Hier die stark vereinfachte Kalkulation, was das bedeuten würde: Wir nehmen nur die Personal- und Sachkosten aus unserer Bilanz 2014 und verteilen sie auf 500.000 Girokonten. Das Ergebnis: Jedes Konto müsste 45 Euro kosten! Pro Monat! Mit diesem Preis wären wir natürlich nicht marktfähig und die Berliner Volksbank wäre umgehend insolvent.

45 Euro pro Monat für ein Girokonto?!

Fazit: Girokonten wären für sich betrachtet ein hochgradig defizitäres Geschäft. Wir können sie nur kostengünstig anbieten, wenn wir mit anderen Bankleistungen wie Finanzierungen, Bausparen, Altersvorsorge, Existenzgründungen, Immobilien, Auslandsüberweisungen, Kreditkarten und vielen anderen Gewinn erwirtschaften. Das heißt, dass Kunden, die komplexere Angebote von uns nutzen, die einfacheren Girokonten damit subventionieren. Der Vorwurf “Arme subventionieren Reiche” ist daher nicht nur absurd, sondern auch schlicht falsch. Denn das Gegenteil ist der Fall. Nur wenn wir mit Kunden über 1.250 Euro ausreichend Umsatz erzielen, können wir es uns leisten, den Kunden unter 1.250 Euro ein Girokonto für nur 6 Euro Gebühren pro Monat anzubieten (bzw. 4 Euro für Mitglieder).

Und wieso ausgerechnet 1.250 Euro? Ganz einfach. Aus unserer Erfahrung und unseren Daten ist ein klarer Zusammenhang erkennbar, dass Kunden mit Geldeingang über diesem Betrag mehrere Produkte von uns nutzen. Diesen Kunden geben wir einen Rabatt über 4 Euro auf die Kontoführungsgebühren.

Apropos, was sagen eigentlich die Kunden dazu?

Unsere Ideen zu den neuen Kontomodellen haben wir im Vorfeld mit Kunden abgestimmt, um deren Erwartungen und Wünsche einzubeziehen. Dazu wurde eine Befragung mit rund fünfzig Kunden aus verschiedenen Alters-, Einkommens- und Lebensbereichen durchgeführt, die den Querschnitt unseres Kundenstamms widerspiegeln: Vom Studenten bis zum Rentner, vom Handwerker bis zum Zahnarzt, vom Alleinerziehenden bis zum Arbeitslosen sind alle Gruppen vertreten.

Das Ergebnis: Die Kontomodelle wurden detailliert diskutiert. Zum Beispiel bevorzugten die Kunden, BankCard-Gebühren in einer Summe abgebucht zu bekommen. Wir hatten dagegen die monatliche Abbuchung vorgesehen, jetzt aber die Wünsche der Kunden umgesetzt. Das wichtigste Resultat aber lautet: Die besagte und seit 2008 bestehende 1.250 Euro-Marke bewerteten die Testkunden als angemessen und nachvollziehbar.

Das “Volk” in Volksbank

Wahrscheinlich werden wir den Vorwurf der Vorzugsbehandlung Besserverdienender wohl nie ganz aus der Welt schaffen können, weil der Rabatt anscheinend dem Prinzip einer "Volks"-Bank widerspricht.

Daher noch einmal zum Verständnis: Wir sind durchaus eine Bank für alle Kunden vom Arbeitslosen bis zum Millionär. Wir sind eine Volksbank, aber wir sind keine Billigbank. Wir unterhalten über 100 Standorte in Berlin und Brandenburg, beschäftigen über 2.000 Mitarbeiter und bieten unseren Kunden die volle Leistungsbreite vom Geldautomaten über Online-Banking bis zum Berater vor Ort mit zahlreichen Finanzprodukten für alle Lebenslagen. Um diese Leistungsbreite anbieten zu können, muss jeder Kunde einen Obolus beitragen. Auch wir haben, wie Ihr Bäcker um die Ecke, keine Brötchen zu verschenken.

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