Streitpunkt Dispo

17.09.2012

Banken wird oftmals Raffgier und Profitstreben vorgeworfen, auch uns als genossenschaftliche Mitgliederbank. Beispielsweise ist der Dispokredit ein heiß diskutiertes Thema, bei dem wir schlecht wegkommen.

Jeder Dritte fühlt sich nicht gut von seiner Bank über Dispozinsen informiert, 80 % aller Befragten halten Dispo-Zinsen jedoch für unangemessen hoch – das sind zwei Antworten aus einer forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aus dem Jahr 2012.

Wie bei allem, gibt es auch hier zwei Seiten der Medaille. Wir wollen Sie informieren, damit Sie sich eine eigene Meinung bilden können.

Beide verursachen Kosten, nur einer bringt Geld

Um das Thema aus unserer Sicht verstehen und nachvollziehen zu können, muss man wissen, dass es zwei Arten von Dispos gibt:  Die ungenutzten und die genutzten Dispos.

Sehen Sie uns nach, dass wir hier keine vollständige Kalkulation offen legen können. Zum einen würden sich die Wettbewerber ins Fäustchen lachen und zum anderen gibt es bei uns viele Kosten, die sich nicht auf ein einzelnes Produkt runterbrechen lassen. Die Fixkosten sind einfach da und müssen von allen Produkten und Dienstleistungen mitfinanziert werden.

Einen kleinen Einblick in die direkten Kosten wollen wir ihnen trotzdem gewähren:

  Kosten Erträge
Ungenutzter Dispo

EDV-Kosten

Eigenkapitalkosten

Vorhaltekosten

keine
Genutzter Dispo

EDV-Kosten

Eigenkapitalkosten

Refinanzierungskosten

Risikokosten

Zinsen

EDV-Kosten:
Einen Dispo einräumen und laufend zu überwachen, erfolgt weitgehend automatisiert. Dennoch muss der IT-Dienstleister bezahlt werden und somit fallen Kosten an, die ohne dieses Produkt nicht fällig wären.

Eigenkapitalkosten:
Jeden Kredit an Verbraucher müssen Banken mit Eigenkapital unterlegen. In unserem Fall bedeutet dies, dass ein Teil des Genossenschaftsguthabens unserer Mitglieder für einen eingeräumten Kredit beiseitegelegt werden muss. Doch warum kostet das Geld? Ganz einfach: Das geparkte Geld können wir nicht anderweitig anlegen oder als  Kredite vergeben - d.h. auch keine Erträge erwirtschaften. Auf der anderen Seite erwarten unsere Mitglieder auch für dieses geparkte Eigenkapital eine angemessene Dividende.

Vorhaltekosten:
Der Dispo ist für die Kunden super praktisch und flexibel. Ist das Limit eingeräumt, kann der Kunde ganz alleine entscheiden, wann er ihn nutzt und wann nicht. Ohne die Bank anrufen zu müssen. Ganz einfach mit der BankCard bezahlt, vom Geldautomaten rasch Bargeld geholt oder eine Überweisung getätigt. Heißt: Jeden Tag kann der Dispo in Anspruch genommen werden und wir schicken das Geld, was der Kunde nicht auf dem Konto hat, auf die Reise. Also müssen wir eine Reserve vorhalten, um dies jeden Tag gewährleisten zu können. Dieses Geld können wir also ebenfalls nicht längerfristig anlegen oder als Kredite vergeben.

Refinanzierungskosten:
Jetzt kommt das vielzitierte Argument des billigen EZB-Geldes. Die EZB hat den Leitzins auf einen historischen Tiefstand von 0,05 % gesenkt und Banken haben die Möglichkeit sich teilweise darüber zu refinanzieren. ABER: Unsere Kredite finanzieren wir schwerpunktmäßig ganz klassisch über das Geld unserer Anleger, die dafür zu Recht auch eine Verzinsung erwarten. Auch wenn es für Banken immer schwerer wird überhaupt noch einen Guthabenzinsen zu zahlen.

Kurzum, die Refinanzierungkosten für uns als Bank sind aktuell wirklich historisch niedrig, aber nicht ganz so niedrig wie oftmals in der einen oder anderen Zeitung dargestellt.


Risikokosten:
Ein Kredit beruht auf Vertrauen zwischen Bank und Kunde. Beim Dispo erfolgt – auch im Interesse des Kunden – eine deutlich vereinfachte Kreditprüfung. Daneben  werden in der Regel keine Sicherheiten vereinbart. Der Kreditgeber vertraut also darauf, dass der Kreditnehmer aus seinem Einkommen jederzeit den Dispo zurückzahlen kann. Wir können Ihnen versichern, dass die Risiken eines Dispos daher deutlich höher sind als z.B. die beim Immobilienkredit.

Leider weiß keiner, welcher Kunde zahlungsunfähig wird. Aus diesem Grund zahlt jeder Kunde mit einem gewissen Teil seines Sollzinses auch eine Risikoprämie. Davon werden quasi die ausgefallenen Dispos "bezahlt". Denn weil ein Kunde seinen Kredit nicht zurückzahlen kann, verzichtet ein anderer Kunde auch nicht auf sein Guthaben oder seinen Guthabenzins.

Soviel zu ein paar Kostenbestandteilen, die unmittelbar mit dem Produkt Dispo zusammenhängen.

Und die Einnahmen?

Auf dieser Seite ist der Dispo ein ganz einfaches Produkt. Wer einen hat, ihn aber nicht nutzt, zahlt nichts. Wer mit Hilfe des Dispos zeitliche Überschneidungen von Einnahmen und Ausgaben überbrückt oder kurzfristig die plötzliche Autoreparatur bezahlt, muss für den in Anspruch genommenen Betrag Zinsen zahlen. Ganz transparent und simpel. Und von diesen Zinsen können  dann all die genannten Kosten beglichen werden und danach sollte im besten Fall auch noch etwas übrig bleiben. Übrigens nehmen nur  circa ein Drittel der Kunden den Dispo überhaupt in Anspruch und dann auch oft nur für wenige Tage und zu einem geringen Betrag. Wenn ein Kunde z.B. seinen Dispo regelmäßig für 10 Tage im Monat mit € 1.000 in Anspruch nimmt, dann zahlt er bei einem Sollzins von 9,97 % nur 33,23 Euro pro Jahr.

Was ist Quersubventionierung?

In der Studie im Auftrag der Ministerin Ilse Aigner aus dem Jahr 2012 wurde die Vermutung geäußert, dass Banken andere Leistungen mit den Zinsen aus Dispositionskrediten subventionieren. Im Dienstleistungsbereich hat man immer eine Form der Mischkalkulation. Es gibt keine fünf oder zehn festen Mitarbeiter bei uns, die den ganzen Tag nur Dispos bearbeiten. Nicht jede Dienstleistung, die wir erbringen hat einen direkten Preis mit dem alle Kosten abgedeckt sind. Ein Beispiel: Das Lesen dieses Blog ist kostenfrei, unsere Facebook-Seite ist kostenfrei. Der Server und letztlich auch unser Gehalt muss also von anderen Einnahmen bezahlt werden. Von unseren Filialen, Mitarbeitern, Geldautomaten usw. ganz zu schweigen.

Auch wir müssen so kalkulieren, damit wir unsere Rechnungen zahlen können.
Auch wir müssen so kalkulieren, damit wir unsere Rechnungen zahlen können.

Ein Bekenntnis und Sie haben die Wahl

Ja, Banken wollen Einnahmen generieren. Zum einen, um die genannten Kosten zu bezahlen zu können, zum anderen um Gewinn zu erwirtschaften. Das ist der Sinn eines Unternehmens. Nur aus Gewinnen können Investitionen (wie zum Beispiel neue Geldautomaten) getätigt werden. Nur mit Gewinnen ist ein dauerhaftes Fortbestehen des Unternehmens möglich.

Streiten kann man sicher über die Höhe von Gewinnen und noch viel mehr über die Verwendung des Gewinns. Bei uns ist das ganz einfach: 25 % Rendite erwartet von uns keiner und streben wir auch nicht an. Und wohin geht der Gewinn? Ein Blick in den Geschäftsbericht 2014 zeigt es ganz genau: 16,2 Millionen Euro war der Bilanzgewinn der Berliner Volksbank, davon blieben rund 20% im Unternehmen (als Reserve für schlechte Zeiten oder zukünftige Investitionen) und rund 80%, also über 12,5 Millionen Euro, haben unsere Mitglieder als Dividende bekommen.

Was, Sie sind auch Mitglied? Dann haben auch Sie am Dispo mitverdient…

Ein gutes Maß zwischen Einkommen und Dispo

Im Interesse unserer Mitglieder und Kunden achten wir auf einen sinnvollen Einklang zwischen Einkommenssituation und dem Dispositionskredit jedes Einzelnen. Uns ist als Mitgliederbank eine verantwortungsvolle Vergabe von Krediten wichtig. Wir wollen, dass unsere Mitglieder und Kunden in der Lage sind, den Kredit, den Sie aufnehmen, auch zurückzahlen können. Aus diesem Grund haben wir Empfehlungen für Sie zusammengefasst, wenn es um den richtigen Kredit für Sie geht.

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