Wachstumsfinanzierung – Wie finanziert man nach der Gründung ein großes Projekt?

02.05.2017

Ein erfolgreicher Unternehmensstart: Für jeden angehenden Gründer ist das der heilige Gral. Die schwere Planungs- und Gründungsphase ist vorbei. Das Produkt wurde gut angenommen und die Kunden bestellen immer größere Mengen. Das bringt Profit, aber auch ganz eigene Herausforderungen.

Doch was ist, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt? Bestellungen häufen sich und die Kunden werden ungeduldig. Eine Lösung muss her: Wachstum. Mit dem einfachen Aufbau von mehr Produktionskapazitäten ist es hier nicht getan. Das ganze Unternehmen muss organisch mitwachsen, sonst laufen Sie Gefahr, neue Engpässe zu schaffen. Die größte Produktionsstrecke bringt nichts, wenn die Auftragsbearbeitung nicht hinterherkommt. Nur wenige Unternehmen schaffen es in dieser frühen Phase, eine solche Expansion allein zu tragen. Es muss eine Wachstumsfinanzierung her. Doch wie gelingt das, ohne komplett bei Null anzufangen?

Aus der Gründung lernen

Ein Großprojekt wie eine Unternehmensexpansion ist in seinem Grundaufbau der Gründung sehr ähnlich. Investitionen wollen geplant, Umsätze berechnet, Kosten abgesteckt und Zeitpläne verfasst werden. Viele dieser Dinge haben Sie in der Gründung bereits erledigt. Alle Schritte und Erkenntnisse sollten so genau wie möglich dokumentiert werden. Denn Fehler, die Sie schon in der Gründung gemacht haben, müssen Sie so nicht wiederholen.

Neben den Ansprüchen einer Bankfinanzierung lohnt es sich auch aus diesem Grund, einen Businessplan zu verfassen. Dieser sollte natürlich nach der Gründung nicht im Archiv landen. Stattdessen sollte eine Nachbearbeitung der Annahmen im Businessplan stattfinden. Was hat funktioniert? Was nicht? Wo kann verbessert werden? Welche Bereiche wurden optimal geplant? Die Antworten auf all diese Fragen sind beim Planen des Wachstums unendlich wertvoll, denn Sie ersparen viel Zeit und Nerven. Außerdem senken Sie das Risiko, das durch unnötig wiederholte Fehler entsteht.

Formulieren Sie aus all den Erkenntnissen einen Best-Practice-Katalog. Dieser wird Ihnen als Wegweiser während der Expansion dienen und Ihnen die nötige Sicherheit geben.

Arten der Wachstumsfinanzierung

Bevor es jetzt ans Eingemachte gehen kann, muss betrachtet werden, welche Arten der Wachstumsfinanzierung es überhaupt gibt. Sie alle haben Vor- und Nachteile. Diese zu kennen ist unerlässlich, um bei der Planung die richtige Entscheidung zu treffen.

Bankfinanzierung: Die sichere Option. Bankkredite folgen klaren Regeln und sind daher sehr gut einzuplanen. Es wird festgelegt, in welcher Zeitspanne der Kredit zurückgezahlt wird und welche Zinsen dafür anfallen. Dadurch ist immer klar, wann wie viel Geld zur Verfügung steht. Um diese Art der Finanzierung zu erhalten, müssen Sie die Bank allerdings vom Projekt überzeugen und nachvollziehbar zeigen, dass die Rückzahlung geleistet werden kann. Hierfür ist ein voll ausgearbeiteter Businessplan unerlässlich.

Risikokapital: Wie der Name schon sagt ist dieser Weg deutlich riskanter. Obwohl sich der Name eher auf das Risiko des Investors bezieht, ist auch das Risiko für Sie nicht zu unterschätzen. Der Investor zahlt Ihnen Geld und erhält dafür Anteile ihres Unternehmens. Damit geht die Möglichkeit einer gewissen Einflussnahme einher. So muss der Investor je nach Art und Größe an Entscheidungen beteiligt werden. Das zwingt Sie unter Umständen, sich auf Kompromisse einzulassen, die Sie nicht eingehen wollten. Es besteht natürlich auch immer das Risiko, dass ein Investor abspringt, bevor das Geld gezahlt ist. Das kann zu Liquiditätsengpässen führen.

Bootstrapping: Sich an den eigenen Schnürsenkeln nach oben ziehen. Münchhausens berühmte Tat bedeutet im Unternehmenszusammenhang, die Herausforderung allein mit eigenen Mitteln zu meistern. Für Unternehmen, bei denen es richtig gut läuft, ist es möglich, eine Expansion allein aus Profiten zu bestreiten. Wichtig ist hier der Zeitfaktor. Wählen Sie diese Methode, müssen Sie sich darauf einstellen, dass das Wachstum nach und nach realisiert wird, statt in einem großen Rutsch. Schritte können nämlich immer erst dann vollzogen werden, wenn wieder genug Profit gemacht wurde. Das ist eher etwas für geduldige Geschäftsführer.

 Jede Art der Wachstumsfinanzierung hat ihre Vor- und Nachteile.  Diese zu kennen ist unerlässlich, um bei der Planung die richtige Entscheidung zu treffen.
Jede Art der Wachstumsfinanzierung hat ihre Vor- und Nachteile. Diese zu kennen ist unerlässlich, um bei der Planung die richtige Entscheidung zu treffen.

Die Planung

Der erste Schritt bei der konkreten Planung ist die Formulierung von genauen Zielen. Was soll erreicht werden? Hier sollten Sie so detailliert wie möglich werden, ohne Luftschlösser zu bauen. Die Erfahrungen aus der Gründung helfen dabei, realistisch und ambitioniert zu sein. Ohne zu wissen, wo die Reise hingeht, können Sie schnell in unfokussierten Aktionismus verfallen.

Schritt Zwei ist die Wahl der Finanzierungsart. Sie sollte sowohl zu Ihnen, zum Unternehmen und zum gewählten Ziel passen. Durch die gute Vorbereitung können Sie den Umfang der benötigten Finanzierung sehr genau bestimmen. Arbeiten Sie nach dem Motto: "So viel wie nötig, so wenig wie möglich". Das minimiert die Risiken und Nebeneffekte der einzelnen Finanzierungsarten.

Schritt Drei ist die eigentlich Planung. Hier geht es jetzt um Details. Businessplan auf und los geht’s. Versuchen Sie an alle relevanten Faktoren zu denken. Falls es mal nicht weitergeht, können Sie in Best Practices nachschlagen, um Inspiration und Wissen aufzufrischen. Der Businessplan dient nicht nur der Verschriftlichung und Planung des Vorhabens. Er ist in der Regel auch notwendig, um etwaige Finanzierungpartner vom Projekt zu überzeugen.

Schritt 4 ist die Umsetzung. Dank Ihrer gründlichen Planung sollte die reibungslos funktionieren. Wenn doch mal etwas schiefläuft, bleiben Sie dynamisch und passen den Plan entsprechend an.

Fazit

Wachstum ist super, sollte aber immer gut durchdacht sein. Übernimmt man sich hier, ist es schnell aus mit dem gut laufenden Unternehmen. Zeit, die in die Planung investiert wird, ist nie verschwendet. Zusammen mit der Wahl der richtigen Finanzierungsform mindert Ihre Strategieplanung die Risiken, die eine Expansion mit sich bringt.

Wenn Sie dann am Ende des Projektes vor ihrer großen, gut laufenden Firma stehen, vergessen Sie nicht die Erkenntnisse zu dokumentieren. Expansionen werden hoffentlich immer wieder auf Ihrer To-Do-Liste stehen. Mit der richtigen Dokumentation sollten sie aber von Mal zu Mal einfacher werden.

Autorenbeschreibung

Julius Pankoke ist Content Contributor und Startup-Enthusiast. Seine Spezialgebiete sind Entrepreneurship, Business Development und Digitales Marketing. Er schreibt und liest gern gute Blogartikel. Bei SmartBusinessPlan hilft er Gründern, exzellente Businesspläne zu schreiben.