Wie viel Taschengeld ist richtig für Ihr Kind?

29.10.2015

Mit großen leuchtenden Augen steht der 8-jährige Paul vor dem knallroten Feuerwehrauto. Er hat jetzt schon so viele Monate darauf gespart und seit letzter Woche kostet es nicht mehr 100 Euro, sondern ist auf 50 Euro runtergesetzt. Die Verkäuferin schaut ihn skeptisch an und lächelt: "Na kannst du dir das überhaupt leisten?"

Größere Summen kommen aufs Sparbuch, kleinere meist erst einmal ins eigene Sparschwein.

Paul zieht grinsend seine prall gefüllte Geldbörse aus der Hosentasche und kippt seine ganzen Scheine und Münzen auf den Ladentisch. Zusammen zählen die beiden und kommen sogar auf satte 65 Euro. Strahlend rennt Paul mit einer großen Tüte aus dem Laden zu seinem besten Freund Max, der wird Augen machen.

Seine 17-jährige Schwester Nadine hat ganz andere Probleme: Heute ist Freitag und sie wollte mit ihren Freundinnen auf die Oberstufenparty. Das Outfit hat schon ihr ganzes Taschengeld für den Monat gefressen, jetzt fehlt noch der Eintritt. Und es ist ja erst der zweite im Monat. Nadine ärgert sich, alle ihre Freundinnen bekommen mindestens das Doppelte an Taschengeld. Das ist doch unfair. Beim Mittagessen muss sie unbedingt mit ihrer Mutter sprechen.

Andere Kinder bekommen natürlich immer mehr Taschengeld

Am Nachmittag und einige Diskussionen später geht Klara, die Mutter der beiden, ins Internet und googelt, ob ihre Tochter Recht hat und sie wirklich zu wenig Taschengeld bekommt. Sie findet online eine Seite der Berliner Volksbank mit Taschengeld-Empfehlungen. Von wegen Nadine bekommt zu wenig Taschengeld. Laut der Tabelle werden für 17-jährige 35 – 45 Euro monatlich empfohlen. Und Paul bekommt sogar weniger als dort angegeben ist. Für Kinder zwischen 8 und 9 Jahren ist die Empfehlung 3 Euro wöchentlich.

Alter Höhe des Taschengelds Zeitraum
6 bis 7 Jahre 2 Euro wöchentlich
8 bis 9 Jahre 3 Euro wöchentlich
10 bis 11 Jahre 14 bis 16 Euro monatlich
12 bis 13 Jahre 20 bis 22 Euro monatlich
14 bis 15 Jahre 25 bis 30 Euro monatlich
16 bis 17 Jahre 35 bis 45 Euro monatlich
18 Jahre 70 Euro monatlich

Kinder und Jugendliche sollten schon früh den Umgang mit Geld lernen. Deshalb ist es sinnvoll, Taschengeld ab der ersten Klasse zu geben. So lernen sie, auf ihre kleinen und großen Ziele zu sparen und ihr Geld so einzuteilen, dass es für längere Zeit ausreicht. Wenn Nadine beispielsweise monatlich ihr Taschengeld bekommt, muss Sie es sich so einteilen, dass es ihr den Monat über ausreicht. Bei Jugendlichen kann es sinnvoll sein, auch Budgets für längere Zeiten zur Verfügung zu stellen. So lernen sie, mit einer größeren Menge an Geld zu wirtschaften, beispielsweise für Kleidung oder Schulmaterialen.

Das erste eigene Konto

Das eigene Konto ist ein weiterer Schritt in die Selbstständigkeit. Kinder und Jugendliche können hier in gewissem Maße selbst über ihr Geld verfügen, wenn sie dann später aus dem Haus sind, wissen sie so bereits, was eine IBAN, ein Dauerauftrag oder eine Überweisung ist und wie diese Dinge funktionieren. Durch ihre Kontoauszüge sehen sie ihre Einnahmen und Ausgaben gegenübergestellt und wissen, wie sie sich ihren persönlichen Sparzielen nähern. Wenn sie Geld abheben, um es auszugeben, ist dies gegebenenfalls eine kleine Hürde, die nochmals zum Nachdenken anregt, ob diese Ausgabe tatsächlich nötig ist.

Wie gehen Bänker mit der Taschengeldfrage um?

Wir haben mit Kolleginnen und Kollegen gesprochen, die selbst Kinder haben. Sie haben uns erzählt, wie sie das Taschengeld ihrer Kinder regeln.

Gesa, sechs Kinder: Tim 20 Jahre, Onno 10 Jahre, Neele 17 Jahre, Ole 15 Jahre, Jule 10 Jahre und Lotta 8 Jahre

Die Familie ist also geübt mit Taschengeld. Alle Kinder haben ab der ersten Klasse Taschengeld bekommen. Bei der Höhe versucht sich die Familie an die allgemeinen Empfehlungen zu halten. Glaubt man dem Nachwuchs, bekommen alle anderen aber natürlich viel mehr. ;-)

Die Taschengeldhöhe steigert sich dabei jährlich. Zu Beginn, in der ersten Klasse gab es das Taschengeld jede Woche persönlich. Seit der zweiten Klasse wird das Geld auf das Konto überwiesen. Die Kinder dürfen mit dem Taschengeld machen, was sie wollen. Sie freuen sich, wenn sie sehen, was Sparen bewirkt und vergleichen auch schon mal ihre Kontostände untereinander. Sie schmieden dann Pläne, was sie sich “Großes” kaufen können, was die Eltern sonst gar nicht oder erst zu Weihnachten bzw. zum Geburtstag schenken würden. Den Jungs fällt das Sparen leichter als den Mädchen. Das Sparschwein haben alle Kinder noch. Aber das wird im Zeitalter des bargeldlosen Zahlungsverkehrs nicht mehr so gefüttert wie früher. Den Inhalt bringt die Familie, wenn es die Schulferien zulassen, in die Heimat. Dort wird die Weltsparwoche mit Abschluss durch den Weltspartag ähnlich wie hier gelebt: Malen und Basteln für die kleinen Sparer und wer sein Sparschein mitbringt, wird mit einem kleinen Geschenk belohnt. Die Familie hat immer versucht, ihren Kindern die Vorteile des Sparens aufzuzeigen. Dadurch begreifen die Kinder den Wert der Gegenstände viel besser und gehen sorgsamer damit um.

Anna, eine Tochter und ein Sohn: Renée 8 Jahre und Ben 6 Jahre

Renée wurde mit 5 Jahren eingeschult und hat am Anfang 50 Cent pro Woche bekommen. Jetzt erhalten beide Kinder jeweils 1 Euro wöchentlich, den die Eltern persönlich übergeben. Weiter hat die Familie noch nicht geplant, ist sich aber bewusst, dass es eine Empfehlung dazu gibt. Wenn die Kinder älter sind, sollen sie auch lernen, mit einem gewissen Budget selbst zu haushalten, um somit den Umgang mit Geld und dessen Wert einschätzen zu lernen. Die Große spart alles, bis sie einen besonderen Wunsch hat – mal ein Buch, mal eine DVD, aber eigentlich spart sie auf ein Pony. Der Kleine hat noch einen völlig unbedarften Umgang mit Geld. Eigentlich will er immer sofort in einen Zeitungsladen und Gummibärchen kaufen oder ein Pixi-Buch. Wenn das aber nicht klappt, wandert es in die Spardose und wird vergessen. Bei größeren Geldgeschenken geht er am liebsten zu Hugendubel zum Stöbern – sein Lieblingsladen. Das Sparschwein nutzen die Kinder und sie lieben es. Im Alltag werden mal zwischendurch geäußerte Wünsche in „Taschengeld-Wochen“ umgerechnet. Das führt manchmal zu erstaunen. Die Familie denkt, dass über das „Umrechnen“ von kleinen, alltäglichen Wünschen der Kinder (Eis, Panini-Bilder, etc.) das Bewusstsein für den Wert des Geldes geschärft wird.

Andreas, zwei Töchter: Pauline 7 Jahre und Marlene 4 Jahre

Pauline ist in der zweiten Klasse und bekommt seitdem pro Woche persönlich 1 Euro. Im Moment gibt sie das Geld nur für kleine Süßigkeiten aus oder eine Zeitschrift, für die sie dann schon mal paar Wochenbeiträge sparen muss. Der verantwortungsvolle Umgang mit ihrem Taschengeld hat sich bei Pauline von alleine schon nach ein paar Wochen eingependelt. Sie hat recht schnell gemerkt, dass man lieber etwas sammelt, als jede Woche alles für Süßigkeiten auszugeben. Ihr Sparschwein nutzen beide Töchter für Geldgeschenke, die sie zum Geburtstag oder anderen Feierlichkeiten bekommen.

Unsere Top 3 Tipps zum Thema Taschengeld

  1. Orientieren Sie sich bei der Höhe des Taschengelds an seriösen Empfehlungen, beispielsweise von Jugendämtern.
  2. Fangen Sie ab der ersten Klasse damit an, Ihren Kindern Taschengeld zu geben. So lernen diese früh mit Geld umzugehen und den Wert von Geld und dem was sie sich kaufen, zu schätzen.
  3. Setzen Sie die Höhe des Taschengeldes nicht zur Bestrafung oder Erziehung Ihres Kindes ein.