Wocheninfo vom 05.01.2026
Aktuelles zu Finanzmärkten und Konjunktur
Das Wichtigste in Kürze
- Ausblick 2026 – Volatilität bleibt erhöht
- Geldpolitik vor Veränderungen
- Aktien: Deutliche Jahresgewinne
- Anleihen: Divergierende Entwicklungen
- Devisen: Euro zeigt Stärke
- Rohstoffe: Edelmetalle mit Rally
- Stimmungsindikatoren tendieren uneinheitlich
- Zunehmender Auftragsbestand
- Leicht höhere Euroraum-Industrieproduktion
Ausblick 2026 – Volatilität bleibt erhöht
Nach einem Jahr geprägt von politischer Unsicherheit auf der einen Seite, aber auch Optimismus und Hoffnung auf der anderen Seite, dürfte das gerade gestartete Jahr ähnlich volatil bleiben. Alleine schon deshalb, weil die Ursachen weiter bestehen. Der Krieg in der Ukraine geht in sein viertes Jahr, die Lage in Nahost bleibt angespannt und die US-Regierung bleibt vielerorts unberechenbar, wie auch die Militäraktion in Venezuela verdeutlicht.
Gleichzeitig bleiben auch die Hoffnungsschimmer: Die Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg schreiten voran, wenn auch unter hoher Unsicherheit. Die fiskalischen Mehrausgaben der Bundesregierung werden im laufenden Jahr für ein robusteres Wachstum sorgen. Bei kluger wirtschaftspolitischer Ausgestaltung könnten damit auch in den kommenden Jahren nachhaltige Wachstumsimpulse entstehen. Auch die Hoffnung auf KIErfolge und Produktivitätssteigerungen dürfte die Finanzmärkte weiterhin positiv stimmen.
Geldpolitik vor Veränderungen
Insbesondere für die amerikanische Notenbank Fed dürfte das neue Jahr spannend werden. Bereits in den ersten Wochen des Jahres dürfte der Nachfolger von Fed-Präsident Powell bekanntgegeben werden. Die größten Chancen werden gegenwärtig Kevin Hasset eingeräumt, dem Vorsitzenden des Nationalen Sicherheitsrats im Weißen Haus und einem klaren Befürworter niedriger Zinsen. Auch die Position des regierungsnahen Ökonomen Miran steht zur Neubesetzung aus und die rechtliche Auseinandersetzung um das FOMC-Mitglied Cook geht in eine weitere Runde. Damit könnten die Sorgen um die Unabhängigkeit der amerikanischen Geldpolitik weiter zunehmen.
Die Neubesetzungen der EZB-Spitze scheint dagegen deutlich weniger folgenreich. Dafür dürften die Diskussion um die weiteren geldpolitischen Schritte zunehmen. Während manche Mitglieder des Rates noch vor Kurzem für Zinssenkungen warben, brachte Isabel Schnabel bereits Zinserhöhungen ins Spiel.
Aktien: Deutliche Jahresgewinne
Der Deutsche Leitindex DAX erzielte im Jahr 2025 einen satten Jahresgewinn von 23,01 %. Zum Jahresultimo schloss er mit 24.490 Punkten leicht unter den bisherigen Höchstständen. In den USA schloss der S&P 500 das Jahr bei 6.845 Punkten und damit mit einem Jahresgewinn von gut 16 %. Getrieben von den Anstiegen der Technologiewerte konnte der Nasdaq Composite das Jahr mit gut 20 % im Plus schließen. Die hohen Bewertungen an den Aktienmärkten dürften im neuen Jahr besondere Aufmerksamkeit bekommen und könnten zu erhöhten Marktvolatilitäten beitragen.
Anleihen: Divergierende Entwicklungen
Bei den zehnjährigen Staatsanleiherenditen zeigt sich eine divergierende Entwicklung. In vielen europäischen Ländern stiegen die Renditen deutlich an, allen voran in Deutschland im Zuge der Ankündigung der zusätzlichen Fiskalausgaben. Die Renditen liegen zum Jahresende bei 2,85 % und damit knapp 50 Basispunkte höher als zum Jahresstart. Die Anstiege in den meisten anderen größeren europäischen Ländern fielen geringer aus, wodurch die Spreads zurückgingen. In den USA waren die Renditen rückläufig, stehen zum Jahresschluss bei 4,16 % und damit gut 40 Basispunkte tiefer.
Devisen: Euro zeigt Stärke
Gegenüber dem US-Dollar aber auch gegenüber den wichtigsten Handelspartnern hat der Euro im vergangenen Jahr deutlich aufgewertet. Der US-Dollar steht zum Euro bei 1,174, nachdem sich der Wechselkurs noch vor einem Jahr der Parität angenähert hatte.
Rohstoffe: Edelmetalle mit Rally
Mit 60,85 US-Dollar per Barrel liegt der Ölpreis zum Jahresende deutlich niedriger als vor einem Jahr. Hohes Angebot bei unsicherer Nachfrage tragen zu dem niedrigeren Preis bei. Große Gewinner im vergangenen Jahr waren die Edelmetalle. Der Goldpreis stieg um 65 % und bleibt im Bereich seines Höchststandes um die 4.500 US-Dollar. Auch Silber, Platin oder Palladium stiegen, relativ betrachtet sogar noch deutlich stärker als der Goldpreis. Der Status als sicherer Hafen, insbesondere angesichts der politischen Angriffe auf US-Institutionen dürfte hier eine Rolle spielen.
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Stimmungsindikatoren tendieren uneinheitlich
Zum Jahresende zeigten die wichtigsten Stimmungsindikatoren für die deutsche Wirtschaft unterschiedliche Tendenzen. Während der ifo Geschäftsklimaindex im Dezember zum zweiten Mal in Folge sank und auch das GfK Konsumklima enttäuschend ausfiel, legten die ZEW-Konjunkturerwartungen kräftig zu.
Der ifo Geschäftsklimaindex verminderte sich leicht von 88,0 Punkten im November auf 87,6 Punkte im Dezember. Für den Rückgang war seine Erwartungskomponente verantwortlich. Die befragten Unternehmen blickten pessimistischer auf die nächsten sechs Monate als zuvor. Offensichtlich haben sie mehr greifbare Ergebnisse vom angekündigten „Herbst der Reformen“ erwartet und auch bereits merklichere Impulse aus den in die Wege geleiteten Fiskalpaket. Die Geschäftslage wurde von den Umfrageteilnehmern hingegen unverändert verhalten beurteilt. Das Geschäftsklima, hat sich mit Ausnahme des Baugewerbes, in allen betrachten Wirtschaftsbereichen verschlechtert. Besonders deutlich trübte es sich im Handel ein. Die Einzelhandelsunternehmen zeigten sich mit dem Verlauf des Weihnachtsgeschäfts unzufrieden.
Das GfK Konsumklima ist zwar leicht von -24,1 Punkte im November auf -23,4 Punkte im Dezember gestiegen. Für Januar prognostizieren die Marktforscher aber einen sichtlichen Rückgang auf -26,9 Punkte. Nach ihren Angaben haben sich vor allem die Einkommenserwartungen der Verbraucher verschlechtert.
Die auf einer Umfrage unter Finanzmarktfachleuten beruhenden ZEW-Konjunkturerwartungen sind hingegen deutlich von 38,5 Punkten im November auf 45,8 Punkte im Dezember gestiegen. Hierzu dürften unter anderem die weiter gesunkenen US-Leitzinsen und einige positive Monatsdaten zur deutschen Industriekonjunktur beigetragen haben. Die aktuelle Lage wurde von den Finanzmarktexperten aber nochmals kritischer bewertet. Der entsprechende ZEW-Lageindikator sank um 2,3 Punkte auf sehr niedrige -81,0 Punkte.
Insgesamt steht der Verlauf der Stimmungsindikatoren im Einklang mit der aktuellen BVR-Konjunkturprognose. Demnach wird das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt im 4. Quartal gegenüber dem Vorquartal nochmals stagnieren und erst ab dem 1. Quartal eine Belebung erfahren. Die Belebung wird wegen der anhaltenden strukturellen Herausforderungen im Inland und wegen des Gegenwinds von Seiten der US-Handelspolitik aber voraussichtlich nur moderat ausfallen.
Zunehmender Auftragsbestand
Im Oktober ist der Auftragsbestand im hiesigen Verarbeitenden Gewerbe weiter gestiegen. Die offenen Aufträge legten gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,6 % zu. Maßgeblich für den Anstieg war das Plus im Sonstigen Fahrzeugbau (+1,7 %), der Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge umfasst.
Während die offenen Bestellungen aus dem Inland um 1,1 % expandierten, stagnierte der Auslandsbestand (+0,2 %) nahezu. Damit folgt die Bestandsentwicklung den jüngsten Tendenzen bei den Neuaufträgen. So zogen die Inlandsaufträge im Oktober um kräftige 9,9 % an, während die Aufträge aus dem Ausland um 4,0 % sanken. Mit den jüngsten Auftragsdaten verdichten sich die Hinweise für eine Stabilisierung der Industriekonjunktur.
Leicht höhere Euroraum-Industrieproduktion
Die Industriebetriebe des Euroraums sind mit einem Produktionsplus in das 4. Quartal gestartet. Nach vorläufigen amtlichen Angaben legte die Produktion im Oktober gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,8 % zu, nachdem sie bereits im September leicht gestiegen war (+0,2 %). Damit konnte zwar der deutliche Rückgang vom August (-1,0 %) wieder ausgeglichen werden. Im Wesentlichen tendiert die Industrieproduktion aber bereits seit dem Frühjahr 2025 seitwärts.
Für die nahe Zukunft lässt die Auftragsentwicklung zunächst noch ein Andauern der Seitwärtsbewegung erwarten. So ist der Order-Indikator der EU-Kommission jüngst von niedrigen -23,5 Punkten im Oktober leicht auf -24,7 Punkte im November gesunken.
Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR